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Berti Vogts: DFB-Comeback von Thomas Müller? "Jogi Löw braucht ihn nicht"

MEINUNGBayern-Star ständig im Gespräch  

Müller-Comeback? "Das birgt eine große Gefahr"

Von Berti Vogts

06.09.2020, 11:23 Uhr
Berti Vogts: DFB-Comeback von Thomas Müller? "Jogi Löw braucht ihn nicht". Thomas Müller zurück zum DFB? t-online-Kolumnist Berti Vogts kann diese Diskussion nicht mehr nachvollziehen. (Quelle: imago images/Schüler)

Thomas Müller zurück zum DFB? t-online-Kolumnist Berti Vogts kann diese Diskussion nicht mehr nachvollziehen. (Quelle: Schüler/imago images)

Der Bundestrainer wird ständig mit Fragen zu einer möglichen Rückkehr des Torjägers vom FC Bayern konfrontiert. Zu Unrecht, sagt t-online-Kolumnist Berti Vogts – denn Löw kann auf Müller verzichten.

Bundestrainer Joachim Löw will mit seiner Fußball-Nationalmannschaft in die Zukunft schauen – und wird doch immer wieder von der Vergangenheit eingeholt. So auch am Donnerstagabend. Nach dem bitteren 1:1 gegen Spanien wurde er – nicht zum ersten Mal – in einem TV-Interview zu einer möglichen DFB-Rückkehr des frischgebackenen Triple-Siegers Thomas Müller befragt, den er im März 2019 gemeinsam mit Jerome Boateng und Mats Hummels aussortiert hatte.

Ich würde mir wünschen, dass man Löw mit dem Fall Müller einfach in Ruhe lässt – doch das ist illusorisch.

Eine Müller-Rückkehr wäre für Löw eine Gefahr

Denn natürlich gehört Müller aktuell zu den besten deutschen Offensivspielern, die wir haben. Auf der anderen Seite hat Löw aber einen klaren Plan – offenbar ohne Müller – für die Zukunft. Und zudem den Luxus, dass er auf Topspieler wie ihn verzichten kann, ohne deshalb gleich Magenkrämpfe zu bekommen. Denn Löw braucht ihn nicht. Er hat einen Pool an jungen hochtalentierten Offensivspielern wie Leroy Sané, Kai Havertz, Timo Werner und Serge Gnabry, auf die er setzt, denen er vertraut. Und ich glaube, das ist auch der richtige Weg. Denn ich kann mich gut in die aktuelle Lage von Löw hineinversetzen.

Thomas Müller nach dem gewonnenen Champions-League-Finale mit dem FC Bayern: Der Angreifer ist ständig Gesprächsthema. (Quelle: imago images)Thomas Müller nach dem gewonnenen Champions-League-Finale mit dem FC Bayern: Der Angreifer ist ständig Gesprächsthema. (Quelle: imago images)

Im Jahr 1998 war ich in einer ähnlichen Situation, als ich mit Lothar Matthäus einen älteren Spieler, der lange nicht mehr dabei war, für die WM nominierte. Wir spielten ein schlechtes Turnier und schieden im Viertelfinale gegen Kroatien aus. Am Ende schossen sich alle auf mich, den Bundestrainer, ein und hinterfragten meine Entscheidung bezüglich Matthäus. Dabei lag es nicht allein an Lothar, dass wir aus dem Turnier flogen. Die Teamleistung passte einfach nicht.

Ähnliches würde auch Löw drohen, für den Fall, dass er Müller zurückholt. Stellen Sie sich das doch nur einmal vor: Was, wenn die Nationalmannschaft mit Löw und Müller im kommenden Jahr frühzeitig ausscheidet? War es dann immer noch ein kluger Schachzug, den dann 31-Jährigen zurück ins Team zu beordern? Ich denke nicht. Und darin liegt vor allem für Löw eine große Gefahr. Soll er sich angreifbar machen, ohne dass er es wirklich muss?

Gosens imponierte mir

Doch über den Fall Müller sollte sich der Bundestrainer gar nicht zu viele Gedanken machen. Vielmehr muss der Fokus auf der erfolgreichen Planung für ein gutes Turnier im kommenden Jahr liegen – und dementsprechend baut er aktuell seine neue Mannschaft um.


Für die Spiele gegen Spanien und die Schweiz stehen gleich drei Neulinge im Kader: Robin Gosens, Florian Neuhaus und Oliver Baumann. Zu allen drei Fußballern möchte ich ein paar Worte verlieren.

  • Robin Gosens

Ich muss zugeben, dass ich ihn gegen Spanien das erste Mal überhaupt Fußballspielen gesehen habe – doch er hat mich direkt begeistert. Seine Spielfreude, sein Einsatz, die hart geführten Zweikämpfe – Gosens imponierte mir. Und vor allem zeigte er seinen Nebenleuten in der Abwehr, wie man ein Länderspiel angehen muss: hart, leidenschaftlich und mit Spielfreude. Süle, Rüdiger und Kehrer sollten sich an Gosens ein Beispiel nehmen. Denn bei ihnen fehlte mir zeitweise der unbedingte Wille gegen Spanien. Macht Gosens so weiter, hat er große Chancen, ein fester Bestandteil der Mannschaft zu bleiben.

Gosens (r.) im Spanien-Spiel gegen Dani Carvajal. Der Debütant bereitete das 1:0 durch Timo Werner vor. (Quelle: imago images/Eibner)Gosens (r.) im Spanien-Spiel gegen Dani Carvajal. Der Debütant bereitete das 1:0 durch Timo Werner vor. (Quelle: Eibner/imago images)

  • Florian Neuhaus

Als Gladbacher habe ich ihn natürlich auf dem Zettel und schaue ihn mir bei der Borussia sehr gerne an. Bei der Nationalmannschaft hat er aktuell allerdings keine Chance, sich einen Platz in der Stammelf zu erkämpfen. Gündogan und vor allem Kroos sind so erfahren und gut, dass Neuhaus da nicht mithalten kann. Doch es ist gut für ihn, dabei zu sein und die anderen Nationalspieler kennenzulernen. Neuhaus ist ein Mann für die Zukunft.

Florian Neuhaus (M.) beim Training mit der Nationalmannschaft: Gegen Spanien kam der Neuling noch nicht zum Einsatz. (Quelle: imago images/Sportfoto Rudel)Florian Neuhaus (M.) beim Training mit der Nationalmannschaft: Gegen Spanien kam der Neuling noch nicht zum Einsatz. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago images)

  • Oliver Baumann

Er profitiert als Torwart natürlich davon, dass Neuer und ter Stegen aktuell nicht dabei sind. Doch ich kann verstehen, dass sich Löw gerade für ihn entschieden hat: Baumann ist ein Teamplayer und hat tolle Führungsqualitäten. Das kann der Mannschaft, speziell während der Abwesenheit des Bayern-Blocks, helfen. Im Training, beim Frühstück und eben auch auf der Ersatzbank.

Torwart Oliver Baumann: In Abwesenheit von Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen wurde der Hoffenheimer nominiert. (Quelle: imago images/Sportfoto Rudel)Torwart Oliver Baumann: In Abwesenheit von Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen wurde der Hoffenheimer nominiert. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago images)

Bereits am Sonntag steht nun mit der Partie gegen die Schweiz die nächste Herausforderung für die deutsche Nationalmannschaft in der Nations League an. Besonders gespannt bin ich darauf, ob die deutsche Offensive erneut beweisen kann, dass erfahrene Spieler wie Müller nicht unbedingt gebraucht werden. Gegen Spanien hat das gut geklappt: Werner erzielte ein Tor und auch Sané machte bis zu seiner Auswechslung ein gutes Spiel. Am besten wäre es, wenn diese jungen Angreifer nun erneut glänzen – denn nur mit regelmäßigen Topleistungen im Kreise der Nationalmannschaft kann man die nervige Diskussion um die aussortierten WM-Helden von 2014 irgendwann obsolet machen.

Und genau das wünsche ich diesem Team – und speziell unserem Bundestrainer.

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