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Hertha und der Liga droht der Corona-Gau

  • Noah Platschko
Von Noah Platschko

Aktualisiert am 16.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Pál Dárdai: Der Hertha-Trainer hat sich mit dem Coronavirus infiziert, er und seine Mannschaft befinden sich in häuslicher Quarantäne.
Pál Dárdai: Der Hertha-Trainer hat sich mit dem Coronavirus infiziert, er und seine Mannschaft befinden sich in häuslicher Quarantäne. (Quelle: Andreas Gora/imago-images-bilder)
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Der Hauptstadtklub steht vor einem großen Problem: Drei der letzten sechs Saisonspiele muss Hertha BSC wohl nachholen, steht damit vor kräftezehrenden Wochen. Und auch die Liga bangt um den Spielbetrieb.

Nun hat es also auch ein Bundesliga-Team erwischt. Nach mehreren Mannschaften in der 2. Bundesliga (unter anderem das um den Aufstieg kämpfende Holstein Kiel) muss die komplette Mannschaft von Hertha BSC in Quarantäne (t-online berichtete).


Ex-Hertha-Stars: Einer saß im Gefängnis, einer verkauft Jogginghosen

Titel sind für Hertha BSC nicht gerade an der Tagesordnung. Der Hauptstadtklub war zuletzt in den 1930er Jahren Meister. Im Pokalfinale standen die Profis in den Jahren 1977 und 1979, außerdem erreichten die Amateure 1993 das Endspiel. Die Hertha blickt auf eine große Geschichte mit vielen Stars zurück. Ob Ete Beer (l.), Marcelinho (m.) oder Marko Pantelic. Viele Spieler konnten die Hertha-Fans begeistern. t-online.de hat sich den Werdegang nach der Karriere von einigen der Stars angeschaut.
Als einer der letzten "echten Straßenfußballer" zauberte Yildiray Bastürk durch das Olympiastadion. Der wieselflinke Dribbler sorgte mit seinen Tricks für viel Staunen bei der Hertha. Nach seinem Karriereende arbeitete er als Scout und kickte gelegentlich bei Charity-Spielen.
+14

Ein herber Rückschlag für den Hauptstadtklub kurz vor Saisonende. Aufgrund der Quarantäne beantragten die Berliner die Spielverlegung von drei Partien. Das wegweisende Duell beim FSV Mainz 05 am kommenden Sonntag sowie die Spiele gegen den SC Freiburg (21. April) und bei Schalke 04 (24. April) wurden offiziell abgesagt. (Mehr dazu lesen Sie hier).

Hertha steht vor einem Mammutprogramm im Abstiegskampf

Neue Spieltermine sollen in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Wann und wie die drei Ligaspiele nachgeholt werden, ist noch unklar. Was jedoch klar ist: Die Saison droht zu einem Super-GAU zu werden. Die Sorge vor dem Abstieg ist groß im Verein.

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Denn Hertha droht ein äußerst enger Terminplan mit etlichen englischen Wochen. Ein Szenario:

Die Berliner sind seit Donnerstag (15. April) in Quarantäne, die Spieler absolvieren einen individuellen Trainingsplan. Frühestens am 29. April könnte die Mannschaft wieder zusammenkommen und gemeinsam trainieren. Ein Spiel am ersten Maiwochenende ist also denkbar, wenn auch suboptimal für das Team.

An diesem Wochenende hat die Bundesliga spielfrei, da am Freitag und Samstag die DFB-Pokal-Halbfinalspiele zwischen Dortmund und Kiel (aktuell selbst in Quarantäne) sowie Leipzig und Bremen stattfinden. Allerdings dürfte die Liga kaum umhin kommen, diesen Spieltag für die Nachholspiele zu nutzen. Anders dürfte Hertha BSC die Saison kaum im vorgegebenen Terminkalender zu Ende spielen können.

Möglicher Hertha-Spielplan bis Saisonende:

01. Mai: Mainz 05 – Hertha BSC (Nachholspiel)
04. Mai: Hertha BSC – SC Freiburg (Nachholspiel)
07. Mai: Hertha BSC – Arminia Bielefeld
12. Mai: Schalke 04 – Hertha BSC (Nachholspiel)
15. Mai: Hertha BSC – 1. FC Köln*
22. Mai: TSG Hoffenheim – Hertha BSC (34. und letzter Spieltag)*
26. Mai: Hinspiel Relegation (eventuell)
29. Mai: Rückspiel Relegation (eventuell)

Anmerkung: Die DFL trägt am 33. und 34. Spieltag alle Spiele parallel samstags um 15.30 Uhr aus. Der Grund: eine sonst mögliche Wettbewerbsverzerrung.

Hertha BSC müsste fünf Spiele in 15 Tagen absolvieren – ein Mammutprogramm für den Abstiegskandidaten. Dazu käme die Drucksituation. Da die Berliner in den kommenden Wochen nur zuschauen können, ist ein Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz (Hertha steht aktuell auf Platz 15, lediglich drei Zähler vor Platz 17) wahrscheinlich.

Friedrich zeigt sich kämpferisch

Hertha wäre zum Siegen verdammt – und das ohne wochenlang die Möglichkeit gehabt zu haben, ein gemeinsames Training zu absolvieren. Herthas Sportdirektor Arne Friedrich zeigte sich am Donnerstag in einer Mitteilung des Vereins kämpferisch:

"Wir haben nun im Kampf um den Klassenerhalt im Mai sechs Bundesliga-Spiele bis zum Saisonende am 22. Mai 2021 zu absolvieren. (...) Wir nehmen die Situation trotz der schwierigen Umstände an und werden alles in unserer Macht stehende für ein erfolgreiches Saisonfinale in die Waagschale werfen."

Arne Friedrich: Herthas Sportdirektor leitete noch am Donnerstag interimsmäßig das Training bei den Berlinern. Nun befindet er sich selbst in Quarantäne.
Arne Friedrich: Herthas Sportdirektor leitete noch am Donnerstag interimsmäßig das Training bei den Berlinern. Nun befindet er sich selbst in Quarantäne. (Quelle: Metodi Popow/imago-images-bilder)

Doch was passiert, sollte es weitere Corona-Fälle bei den Berlinern geben?

Die Antwort ist beunruhigend für den Hauptstadtklub: "Gibt es ab jetzt einen weiteren Corona-Fall bei Hertha, geht die Quarantäne über 14 Tage ab dem Zeitpunkt der Neuinfektion automatisch wieder von vorne los – für alle", so Detlef Wagner, Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zur "Bild". Hertha-Geschäftsführer Carsten Schmidt widersprach am Freitag. "Wir haben das gerade mit dem Gesundheitsamt geklärt", sagte Schmidt in einer digitalen Pressekonferenz des Bundesligisten. Sollte es neue Fälle in der Quarantäne-Frist geben, müsse nur die betroffene Person eine Verlängerung der Isolation antreten und nicht die ganze Gruppe. "Wir richten uns auf 14 Tage Quarantäne ein", so Schmidt weiter.

Klar ist: Weitere Ausfälle würden neben Hertha auch die DFL vor eine große Herausforderung stellen. Denn Stand jetzt gibt es nur wenige Ausweichtermine, die Europameisterschaft steht vor der Tür. Hertha BSC könnte eine Relegation spielen müssen. Und was, wenn sich neben der Hertha eine weitere Mannschaft in Quarantäne begeben muss?

Schmadtke spricht sich für Trainingslager aus

Nach der zuletzt erfolgten Konzept-Verschärfung plant die DFL kein verpflichtendes "Quarantäne-Trainingslager" – ein Beschluss sei aber zu einem späteren Zeitpunkt möglich, teilte der Verband am 6. April in einer Pressemitteilung mit. Nach Informationen des Sportinformationsdiensts vom Freitag wird sich das DFL-Präsidium in der kommenden Woche noch einmal mit dem Thema befassen und sich mutmaßlich dafür entscheiden. Die wahrscheinlichste Variante ist ein Beschluss für die letzten zwei oder drei Spieltage.

Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke sprach sich am Freitag in der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" für ein Quarantäne-Trainingslager aus. "Grundsätzlich bin ich eigentlich kein Freund von Quarantäne-Trainingslagern. In diesem Fall war ich allerdings ein Befürworter. Wir könnten so drei Spieltage absichern", so der 57-Jährige. Als möglicher Zeitpunkt ist der 8. bis 22. Mai im Gespräch.

So oder so müsste ein möglicher Beschluss "in erneuter Abstimmung mit der 'Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb' sowie der 'Kommission Fußball' mindestens acht Tage vor Beginn des "Quarantäne-Trainingslagers" gefasst werden.

Acht Tage. Eine lange Zeit – gerade in Zeiten von Corona. Allerdings dürfte dieser Schritt nur schwer zu umgehen sein. Ein Szenario wie vergangenes Jahr, als die Bundesliga pausierte und erst im Juni zu Ende gespielt wurde, ist aufgrund der EM undenkbar. Die einzige Option wäre dann ein Saisonabbruch. Ein Schreckensszenario, das die DFL unbedingt vermeiden will.

DFL-Chef Christian Seifert äußerte sich am Freitagnachmittag bei "Bild live". "Selbstverständlich werden wir uns Gedanken machen, wie diese Spiele neu anzusetzen sind. Das ist eine Herausforderung für den Spielplan, das ist klar", sagte Seifert. "Es ist aber auch klar, dass so etwas in dieser Zeit passieren kann. Insofern werden wir uns dieser Situation stellen und darüber nachdenken, wie der Plan anzugehen ist."

Allerdings verbiete es sich laut Seifert "zum jetzigen Zeitpunkt über einen Saisonabbruch nachzudenken. Das ist auch das Verständnis der 36 Vereine. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der deutsche Meister am 22. Mai feststehen kann."

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  • Jannik Meyer
Von Jannik Meyer
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