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Nordirland - Deutschland: Das sollte Joachim Löw an der Taktik ändern

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Taktik-Analyse  

Das sollte Löw gegen Nordirland ändern

21.06.2016, 16:46 Uhr | t-online.de

Nordirland - Deutschland: Das sollte Joachim Löw an der Taktik ändern. Zieht Bundestrainer Joachim Löw Konsequenzen aus dem Auftritt der DFB-Elf gegen Polen? (Quelle: imago/Ulmer/Teamfoto)

Zieht Bundestrainer Joachim Löw Konsequenzen aus dem Auftritt der DFB-Elf gegen Polen? (Quelle: Ulmer/Teamfoto/imago)

Von Mark Weidenfeller

Wer hätte das gedacht? Weltmeister Deutschland steht bei der EM 2016 in Frankreich vor einem Endspiel. Der Gruppensieg ist alles andere als sicher, im schlimmsten (aber wohl eher unrealistischen) Fall droht sogar das vorzeitige Aus.

In der Partie der Nationalmannschaft gegen Nordirland am Dienstag muss deshalb möglichst ein Sieg her, der Optimismus unter den Fans ist nach der eher müden Nullnummer gegen Polen jedoch etwas gewichen. Muss man sich um das Team von Bundestrainer Joachim Löw also ernsthafte Sorgen machen?

DFB-Elf hält "alle Trümpfe in der Hand"

Nein, alles halb so wild, meint Taktik-Experte und Fußball-Lehrer Christian Titz. "Nach diesem Spiel gegen Polen sehen alle nur die negativen Dinge und kritisieren die an diesem Tag zu harmlose Offensive. Ich sehe aber auch die positiven Aspekte und sage, dass die DFB-Elf schon zweimal ohne Gegentor geblieben ist."

Die Vorzeichen vor dem wichtigen Duell mit den Nordiren, die derzeit mit drei Punkten auf Rang drei liegen, haben sich wegen dieses "einmaligen Ausrutschers, der immer mal passieren kann" nicht geändert. "Die deutsche Mannschaft hat die deutlich höhere individuelle Klasse und hält alle Trümpfe in der Hand", so Titz.

Taktik von Nordirland

Ein Offensiv-Spektakel mit Tor-Festival wird wohl allerdings auch dieses dritte Gruppenspiel nicht. Wie so oft bei dieser "EM im Zeichen des Verteidigens" (Titz) wird sich der Außenseiter vor dem eigenen Tor verschanzen und alle Kräfte in die Abwehrarbeit legen.

Coach Michael O’Neill hat sich für die Verteidigung des eigenen Tores sogar gleich zwei verschiedene Varianten einfallen lassen. "Die Standard-Formation ist ein 1-5-3-1-1-System mit tiefstehenden Außenverteidigern", so Titz. "Wenn die Nordiren allerdings zurückgedrängt werden, ziehen sie vor die Fünferkette gerne noch eine zusätzliche Viererreihe und bauen vor dem Tor einen Riegel mit neun Mann auf." 

Was muss besser werden?

Die DFB-Elf muss sich dementsprechend wie schon gegen die Ukraine und Polen auf einen tiefstehenden Gegner und jede Menge Abwehrbeine vor dem gegnerischen Tor einstellen. Eine Ausgangslage, die nicht zu den beliebtesten zählt, wie die vergangenen Spiele gezeigt haben. Echte Torchancen waren in beiden bisherigen Partien rar, vor allem gegen das polnische Team wurde das letzte Spielfeld-Drittel nur sehr selten betreten.

Doch woran lag das eigentlich? "Zuletzt haben die Tiefenlaufwege gefehlt, die Zwischenräume waren nicht optimal besetzt. So war es schwierig, in den Rücken der Abwehr zu kommen", sagt Titz. "Das hat jetzt einmal nicht funktioniert. Das heißt aber nicht, dass die deutsche Mannschaft das nicht kann."

Neues Personal muss her

Mit Mannschaft sind jedoch nicht zwangsweise die elf Spieler gemeint, denen Löw zuletzt das Vertrauen aussprach. Der EM-Kader ist groß, vor allem in der Offensive gibt es jede Menge Alternativen, die bislang nur zu Kurzeinsätzen oder noch gar nicht zum Einsatz kamen.

"Ich kann mir Veränderungen gut vorstellen", so Titz. Er wünscht sich vor allem auf den Außenbahnen mehr Tempo und Durchschlagskraft. Leroy Sané könnte ein Kandidat für die Startelf sein, genau wie André Schürrle. "Die haben beide Speed, können sich in Eins-gegen-Eins-Duellen durchsetzen und so mit Hereingaben für Gefahr sorgen." Zum Verwerten dieser Hereingaben würde sich im Sturmzentrum dann Mario Gomez anbieten, aber auch Allzweckwaffe Thomas Müller könnte weiter nach innen rücken.

An Höwedes scheiden sich die Geister

Jogi Löw hatte vor dem Turnier angekündigt, in der Vorrunde mit unterschiedlichen Typen und Formationen auflaufen zu wollen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dazu. Vor allem Benedikt Höwedes ist ein Kandidat für eine Pause. Der Bundestrainer hat ihm aber indirekt bereits das Vertrauen ausgesprochen und wird seinen Namen wohl auch gegen die Ukraine auf die Taktik-Tafel schreiben. Eine nachvollziehbare, aber zumindest diskutable Entscheidung.

Denn Höwedes steht bislang zwar hinten sicher, bringt aber in der Offensive zu wenig. Seine Stärke beim Verteidigen von Kontern ist gegen starke Teams wichtig, zählt gegen Nordirland aber wohl nicht zu den gefragtesten Eigenschaften. "Das Spiel der DFB-Elf ist extrem linkslastig", so Titz. "Joshua Kimmich oder Emre Can könnten da sicher mehr Akzente setzen. Akzente, die dem Spiel gut tun würden."

Über Christian Titz:

Unser Taktikexperte Christian Titz ist DFB-Fußballlehrer und Autor mehrerer Fußballfachbücher. Aktuell ist er U17-Trainer beim Hamburger SV. Mehr Infos zu seinen Tätigkeiten finden Sie unter www.coaching-zone-portal.de oder in diesem Video.

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