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Jetzt äußern sich Löw und die DFB-Spitze

Von sid, t-online, flo

Aktualisiert am 03.07.2018Lesedauer: 4 Min.
DFB-Präsident Reinhard Grindel (l.) mit Bundestrainer Joachim Löw, hier bei der WM-Qualifikation in Nürnberg gegen San Marino. Grindel hatte sich bereits zu Löw bekannt, der Bundestrainer entschied sich nun auch zum Weitermachen.
DFB-Präsident Reinhard Grindel (l.) mit Bundestrainer Joachim Löw, hier bei der WM-Qualifikation in Nürnberg gegen San Marino. Grindel hatte sich bereits zu Löw bekannt, der Bundestrainer entschied sich nun auch zum Weitermachen. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)
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Es war die große Frage nach dem peinlichen Vorrunden-Aus in Russland: Macht Löw als Nationaltrainer weiter? Nun hat er eine Entscheidung über seine Zukunft gefällt.

Joachim Löw ließ die Fußball-Nation sechs Tage lang zappeln, nun steigt weißer Rauch auf: Der 58-Jährige bleibt trotz des historischen deutschen WM-Desasters Bundestrainer und wird den Neuaufbau der Nationalmannschaft anleiten. Das berichteten zunächst "Bild" und "Sport Bild". Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es mittlerweile eine Bestätigung in Form einer Stellungnahme.


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Löw: "Bin dankbar für das Vertrauen"

Präsident Reinhard Grindel wird darin so zitiert: „Wir hatten einen sehr offenen und vertrauensvollen Austausch, in dem wir viele Punkte angesprochen haben. Wir sind alle der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird." Verbunden sei das mit einem klaren Auftrag: "Der Bundestrainer und Oliver Bierhoff sollen sich jetzt die notwendige Zeit nehmen, um das Turnier sportlich aufzuarbeiten und dem Präsidium vor dem Länderspiel am 6. September gegen Frankreich, in dem wir in der Nations League gleich gefordert sind, eine umfangreiche Analyse vorzustellen."

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Löw sagt dazu: „Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt. Es war mir wichtig, nach ein paar Tagen, in denen ich mir viele Gedanken gemacht habe, persönlich mit der DFB-Spitze zusammenzukommen. Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten. Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen.“

Damit ist Fakt: Löw hat nun riesige Baustellen, die er schließen muss. Die wohl größte ist der Umbau des Kaders. Die meisten der nach der WM umstrittenen Spieler haben angekündigt, ihre Karrieren in der Nationalelf fortführen zu wollen: Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Sami Khedira oder Mats Hummels. Nur bei Toni Kroos und Mesut Özil steht noch eine Entscheidung aus. Mario Gomez wird wohl keine Rolle mehr spielen. Da ein Umbruch nach dem Desaster unumgänglich ist, wird der Bundestrainer einigen Spielern mitteilen müssen, dass ihre Zeit im DFB-Team vorbei ist.

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"Es braucht klare Veränderungen"

Wie kam es zu der Entscheidung? Löw hatte sich nach dem erstmaligen Vorrunden-Aus in der 84-jährigen WM-Geschichte des DFB-Teams zunächst Bedenkzeit erbeten. Er wolle sich als Trainer hinterfragen, teilte er nach der Rückkehr aus Russland mit – und das tat er, beginnend mit der Heimkehr nach Freiburg am vergangenen Donnerstag, einen Tag nach dem blamablen 0:2 gegen Südkorea.

Die Diskussionen um die Zukunft hatten bereits in der Nacht nach dem Aus begonnen, auf dem viel zu frühen Heimflug wurden sie fortgesetzt. Löw, DFB-Präsident Reinhard Grindel und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff steckten die Köpfe zusammen, die entscheidende Erkenntnis: "Es braucht tief greifende Maßnahmen, es braucht klare Veränderungen", sagte Löw. Diese Veränderungen soll er nun federführend herbeiführen.

Bericht über Vorwürfe aus "Spielerkreisen"

Der Rückendeckung durch den DFB kann er sich sicher sein: Das Präsidium um Chef Grindel hatte sich am Freitag in einer Telefonkonferenz einhellig für Löw ausgesprochen, der seinen Vertrag kurz vor der WM bis 2022 verlängert hatte. Löw sei der geeignete Mann für den Neuaufbau, hieß es vom Verband.

Ein Bericht der "FAZ" nährte daran aber massive Zweifel. Vor allem die Sorglosigkeit der Verantwortlichen um Löw und Bierhoff hätten zum WM-Desaster geführt, hieß es dort aus "Spielerkreisen" und von zwei "erfahrenen Kennern der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse in der Nationalmannschaft und beim DFB". Löw habe den Leistungsgedanken ausgehebelt, was zur Spaltung der Mannschaft in Etablierte und Junge beigetragen habe.

Bei der WM ließ sich die Nationalelf überrumpeln

Löw hatte das Amt nach dem Sommermärchen 2006 von Teamchef Jürgen Klinsmann übernommen. Bei allen großen Turnieren führte er die DFB-Auswahl danach mindestens ins Halbfinale – bis zur WM in Russland. Höhepunkt seiner Amtszeit war der Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien. Im vergangenen Jahr führte er eine bessere B-Elf zum Confed-Cup-Sieg.

Doch bei der diesjährigen WM scheiterte seine hoch gehandelte Mannschaft kläglich. Die Leistungsträger, auf die Löw in erster Linie gesetzt hatte, waren außer Form, im Team knirschte es. Beim Fehlstart gegen Mexiko (0:1) wurden zudem taktische Fehler deutlich. Löw und sein Trainerstab waren von der Spielweise der Mexikaner überrumpelt worden.

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Jetzt sind unbequeme Maßnahmen gefragt

Beim Last-Minute-Sieg gegen Schweden (2:1) überraschte Löw mit für ihn ungewohnten Wechseln. So verzichtete er auf die eigentlich "Unverzichtbaren" – Mesut Özil und Sami Khedira – unbequeme Maßnahmen, die beim Neuaufbau abermals gefragt sein werden. Von den neun Weltmeistern, die Löw mit ins unpopuläre WM-Quartier nach Watutinki genommen hatte, wären 2022 in Katar nur Julian Draxler und Matthias Ginter noch unter 30 Jahre alt.

Löw hatte bereits vor dem WM-Crash eine Vision für die Mannschaft der Zukunft entwickelt – auch deshalb verlängerte er kurz vor der WM seinen Vertrag. "In vier Jahren sind Spieler wie Kimmich, Werner, Sané, Süle, Brandt und Goretzka auf dem Zenit ihres Könnens. Das ist für mich spannend und eine reizvolle Aufgabe", sagte er im SID-Interview.

Der Bundestrainer glaubt offensichtlich an eine neue "Goldene Generation" – und auch daran, dass er auch sie auf den Gipfel führen kann.

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  • Nicolas Lindken
Von Rahel Zahlmann, Nicolas Lindken
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