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Nationalmannschaft – trotz Remis: Diese drei Spieler überzeugten


Trotz Remis gegen die Türkei: Drei Lichtblicke für Löw

  • Noah Platschko
Aus Köln berichtet Noah Platschko

Aktualisiert am 08.10.2020Lesedauer: 4 Min.
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Florian Neuhaus (M.) nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1: Am Ende stand es zwischen Deutschland und der Türkei 3:3.
Florian Neuhaus (M.) nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1: Am Ende stand es zwischen Deutschland und der Türkei 3:3. (Quelle: Federico Gambarini/dpa-bilder)
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Wieder hat die DFB-Elf einen Sieg kurz vor Schluss verspielt. Doch wichtiger als das Ergebnis sollte für den Bundestrainer die Erkenntnis sein, dass auch in der zweiten Reihe großes Potenzial schlummert. Drei Spieler ragten besonders heraus.

"Einen Schuss vom Lukas hätte es gebraucht. In den Winkel." Als der Bundestrainer wenige Minuten nach Abpfiff von RTL zum Interview gebeten wurde, konnte er sich einen flotten Spruch zu seinem ehemaligen Stürmer und TV-Experten Lukas Podolski nicht verkneifen.


Deutschland - Türkei: Das DFB-Team in der Einzelkritik

Gegen die Türkei bekamen etliche DFB-Spieler, die Chance sich zu zeigen. Nicht alle konnten sie nutzen, doch gleich drei Akteure ragten besonders heraus. Die Nationalspieler in der Einzelkritik.
Bernd Leno: Der Arsenal-Torwart konnte in Abwesenheit des verletzten Marc-André ter Stegen sowie des geschonten Manuel Neuer in der ersten Halbzeit wenig glänzen. Nach der Pause dann bei den Gegentoren machtlos, parierte einmal gut gegen Tufan. Als Nummer drei für die EM gut genug. Note 3
+16

Schon wieder hat die Nationalmannschaft eine Führung verspielt, am Mittwochabend beim 3:3 gegen die Türkei sogar gleich drei Mal. Schon wieder hat sie, wie im September gegen Spanien, einen sicher geglaubten Sieg in letzter Minute aus der Hand gegeben. Das ohne den Bayern-Block, die Leipzig-Spieler sowie Toni Kroos und Timo Werner angetretene DFB-Team steht auch im dritten Spiel nach der Corona-Pause ohne Sieg da.

Der Bundestrainer zeigte sich "enttäuscht und angefressen", wie er nach Spielende zerknirscht zugab. Er betonte aber auch: "Dieser Mannschaft, die noch nie so zusammengespielt hat, kann man keinen Vorwurf machen. Das ist mit den anderen Spielern auch schon passiert."

In der Tat feierten im 183. Länderspiel der Ära Löw gleich drei Spieler ihre Länderspieldebüts. Einer durfte sogar von Anfang an ran – und er stach positiv heraus. Doch noch zwei weitere Akteure ließen in besonderem Maße ihr Können in der neu zusammengesetzten Elf aufblitzen und empfahlen sich für höhere Aufgaben.

Diese drei Spieler waren die Lichtblicke im Spiel gegen die Türkei

1. Robin Koch

Am 9. Oktober 2019 feierte der Ex-Freiburger Robin Koch beim 2:2 gegen Argentinien sein Länderspieldebüt. Knapp ein Jahr ist seitdem vergangen, die Nationalmannschaft pausierte gute acht Monate und Koch wechselte ins Ausland zu Leeds United.

Gegen die Türkei durfte er, wie bei seinem Debüt vor einem Jahr, wieder von Anfang an ran – und das gleich in einer bedeutungsvollen Rolle. Als zentraler Mann der Spieleröffnung und Fixpunkt der Verteidigung sollte Koch das Geschehen von hinten leiten. Und das gelang dem 24-Jährigen.

Im Gegensatz zu seinen Innenverteidigerkollegen Emre Can und Antonio Rüdiger überzeugte Koch mit guter Übersicht, Ruhe am Ball und – der vielleicht wichtigste Aspekt – mutigen Vorstößen in die Offensive. Als Antreiber erfüllte er die Rolle, die Mats Hummels jahrelang im Nationalteam ausübte, mit großer Souveränität.

Robin Koch spielte offensiv und mutig gegen die Türkei.
Robin Koch spielte offensiv und mutig gegen die Türkei. (Quelle: Team 2/imago-images-bilder)

Doch der Leeds-Verteidiger war nicht der Einzige, der sich durch enormen Zug nach vorne auszeichnete.

2. Florian Neuhaus

Im September erstmals nominiert kam Gladbachs Florian Neuhaus gegen die Türkei endlich zu seinem Debüt im Nationaldress – und stand sogar gleich in der Startelf. Doch Löw, der mit Jonas Hofmann und Mahmoud Dahoud später auch noch den 109. und 110. Debütanten seiner Amtszeit begrüßen durfte, beauftragte Neuhaus mit keiner einfachen Aufgabe.

Als einziger wirklich defensiv aufgestellter Mittelfeldspieler sollte Neuhaus dem Spiel von der Sechserpostion heraus Struktur geben. Der 23-Jährige nahm diese Aufgabe nicht nur an, er füllte sie auch mit Leben. Neuhaus forderte Bälle und suchte den Torabschluss, was auch der Bundestrainer honorierte. Löw klatschte bei der Auswechslung nicht nur kräftig in die Hände, sondern fand auch nach der Partie lobende Worte: "Er hat ein gutes Debüt gemacht. Er hatte viele gute Aktionen, vor allem auch beim Tor, da hat er superschön in die Ecke geschlenzt."

Gelungenes Debüt: Florian Neuhaus (r.) feiert mit Kai Havertz sein Tor zum 2:1.
Gelungenes Debüt: Florian Neuhaus (r.) feiert mit Kai Havertz sein Tor zum 2:1. (Quelle: Federico Gambarini/dpa-bilder)
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Neuhaus selbst störte sich am vergebenen Sieg. "Wenn man drei Mal in Führung geht und am Ende nur ein Remis holt, ist das nicht gut. Wir müssen uns jetzt zusammensetzen, analysieren und es am Samstag gegen die Ukraine besser machen", richtete er bereits den Blick nach vorne in Richtung Nations League.

Das Testspiel gegen die Türkei sei aber, so Löw, auch eine "Plattform für junge Spieler, die sich hier beweisen können" gewesen. Damit meinte er sicher auch einen seiner Angreifer.

3. Luca Waldschmidt

Wie Koch hat Waldschmidt eine Freiburger Vergangenheit. Wie Koch wechselte er im Sommer den Verein und wagte den Schritt ins Ausland (zu Benfica Lissabon) und wie Koch gehörte Waldschmidt im Test gegen die Türkei zu den Positiverscheinungen – aber nicht nur wegen seines ersten Länderspieltores im vierten Spiel.

Waldschmidt tat sich schwer zu Beginn, hatte wenig Bindung zum Spiel, auch wenn er in der Anfangsphase die erste Chance der Partie vergab. Nach etwa 15 Minuten ließ sich Waldschmidt mehr fallen, um größere Spielanteile zu bekommen. Und zwar mit Erfolg: Der 24-Jährige war mehr in die Ballaktionen rund um den Strafraum der Türken eingebunden, scheiterte in der 41. Minute mit der bis dato besten Möglichkeit der ersten Halbzeit am glänzend reagierenden Keeper Günök.

Noch besser wurde es in der zweiten Halbzeit, als auch das Kombinationsspiel mit seinen Nebenleuten Julian Brandt und Kai Havertz besser funktionierte. Waldschmidt hatte sowohl bei der schönen Kombination vor Neuhaus' 2:1 als auch bei seinem vermeintlich siegbringenden 3:2 seine Aktien im Spiel. Er belebte das Offensivspiel in Abwesenheit von Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sané merklich.

"Eigentlich war es ein gutes Spiel von uns, aber wir müssen das konsequenter zu Ende spielen. Es darf uns nicht passieren, dass wir zum Schluss nur mit einem Unentschieden dastehen", bilanzierte Waldschmidt.

Gnabry und Werner fraglich

Am Samstag geht es für das DFB-Team in der Ukraine nun um Pflichtspielpunkte. Auch dann wird der Bundestrainer wohl nicht aus dem Vollen schöpfen können, Timo Werner (Grippaler Infekt), Serge Gnaby (Erkältung) und Toni Kroos sind fraglich.

Robin Koch, Florian Neuhaus und Luca Waldschmidt haben zumindest gezeigt, dass sie ernsthafte Alternativen sind. Für die kommenden Pflichtspiele, aber auch für die EM im nächsten Jahr. Sie haben ihre Chance genutzt.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen im Stadion
  • Mit Material der Nachrichtenagentur SID
  • Stimmen auf "dfb.de"
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