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RTL setzt "Querdenker" auf hei├čen Stuhl ÔÇô Emp├Ârung ├╝ber "Stern TV"

  • Anna-Lena Janzen
Von Anna-Lena Janzen

Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Frauke Ludowig: Sie moderierte gemeinsam mit Nikolaus Blome die Sonntagsausgabe von "Stern TV".
Frauke Ludowig: Sie moderierte gemeinsam mit Nikolaus Blome die Sonntagsausgabe von "Stern TV". (Quelle: imago images)
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Die Live-Sendung "Stern TV" hat am Sonntagabend mit einer Spezialausgabe f├╝r Emp├Ârung bei vielen Zuschauern gesorgt. Der Grund: Ein f├╝hrender Kritiker der Corona-Ma├čnahmen nahm auf dem "hei├čen Stuhl" Platz.

W├Ąhrend "Anne Will" noch in der Winterpause ist, wollte RTL sich offenbar mit einer Sonderausgabe von "Stern TV" am Sonntagabend die Zuschauer sichern. Daf├╝r lie├č der Sender das Format nicht nur von Frauke Ludowig und RTL-Politikchef Nikolaus Blome moderieren, sondern es kramte auch ein TV-Kultobjekt der 90er-Jahre aus der Schublade: den "hei├čen Stuhl".

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Das Hauptthema des Abends war erwartungsgem├Ą├č die Corona-Pandemie. Die G├Ąste der Sendung, darunter "Let's Dance"-Juror Joachim Llambi, Stefan Effenberg, Bayern-Kritiker Michael Ott und T├╝bingens B├╝rgermeister Boris Palmer, diskutierten unter anderem ├╝ber die Impfpflicht, die daraus resultierende m├Âgliche Spaltung in der Gesellschaft und die Australien-Posse von Tennisstar Novak Djokovic.

Bei vielen Zuschauern kam das neue Format am Sonntagabend jedoch gar nicht gut an. In den sozialen Netzwerken kritisierten zahlreiche Nutzer unter anderem, die Besetzung der Sendung sei zu "populistisch" gewesen, so etwa beim Thema Djokovic, als der zugeschaltete serbische Ex-Fu├čballtrainer Dragoslav Stepanovic den Tennisstar verteidigte.

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Stepanovic warf Australien in der Sendung indirekt eine Verschw├Ârung vor. Das Land habe Gr├╝nde daf├╝r gehabt zu haben, die Nummer 1 nicht spielen zu lassen. "Wenn man das Stadion nach Novak Djokovic benennt, ist das nicht so angenehm f├╝r die, die in Australien leben", spottete er in Anspielung darauf, dass Djokovic die Australian Open schon neun Mal gewonnen hatte. Djokovic war aus Australien verwiesen worden, weil er Corona-Regeln des Landes missachtet und Falschangaben bei der Einreise gemacht hatte.

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"Hei├čer Stuhl" sorgt f├╝r Wirbel

F├╝r besonders viel Wirbel sorgte jedoch das Format, das urspr├╝nglich vom Sender besonders angepriesen wurde. Denn auf dem "hei├čen Stuhl" nahm als erster Gast ein f├╝hrender Kopf der "Querdenker"-Bewegung in Dresden Platz. "Gegrillt" wurde Marcus Fuchs dort unter anderem mit Fragen von Joachim Llambi und Schauspielerin Elena Uhlig.

Der "Querdenken"-Kopf habe dort seine "verqueren" Ansichten vertreten, ohne dass seine Aussagen gepr├╝ft oder widerlegt werden konnten, beklagten daraufhin zahlreiche Kritiker der Sendung.

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"Stern TV" berichtigt Angaben von Fuchs auf Twitter

So behauptete Fuchs f├Ąlschlicherweise im Live-TV, dass Ungeimpfte besser gegen die Corona-Variante Omikron gesch├╝tzt seien. "Das ist falsch! Unser Faktenchecker bezieht sich auf fehlerhafte Zahlen vom RKI, die Anfang Januar korrigiert wurden", schrieb "Stern TV" dazu ÔÇô auf Twitter und erst nach der Sendung. RTL-Nachrichtenchef Nikolaus Blome hatte darauf bereits in einem zehnmin├╝tigen Streitgespr├Ąch mit Fuchs hingewiesen.

"Vielleicht h├Ątte man einen Faktenchecker im Studio haben k├Ânnen oder den einem ├Ąhnlich gro├čem Publikum zug├Ąnglich machen sollen, nicht hintenrum auf Twitter?!", schrieb eine Twitter-Nutzerin dennoch kritisch. Andere Nutzer lobten den Sender jedoch auch daf├╝r, Fuchs auftreten zu lassen, das sei "demokratisch".

RTL reagiert w├Ąhrend der Ausstrahlung auf Kritik

"Stern TV" verwies in einem weiteren Tweet darauf, dass Zuschauer der j├╝ngsten Sendung sich mit Lob oder Kritik an RTL wenden sollten. "Die Sendung wird nicht wie sonst von i&u TV produziert. Die inhaltliche Ausgestaltung sowie die Auswahl der Themen und G├Ąste verantwortet die Redaktion von RTL, die heute als Gast aus unserem Studio sendet", hie├č es.

Auch daran st├Ârten sich viele Zuschauer. "Bin mehr als entt├Ąuscht von Stern! Auch wenn RTL die Sendung inhaltlich verantwortet, gibt der Stern den Namen und somit den Journalistischen Rahmen", schrieb etwa eine Nutzerin. "Habt ihr keine Journalisten an Bord, wenn ihr schon Schwurblern eine B├╝hne bietet? Ganz schwach! Stern zerst├Ârt sich selbst!", schrieb ein anderer.

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Beim Ursprungsformat des "hei├čen Stuhls", das 1989 das erste Mal ausgestrahlt wurde, stellte der Moderator eine Person und ihre Position kurz vor und lie├č sie anschlie├čend Platz nehmen. Dann wurde der Gast mit seiner meist provokanten These von weiteren Personen einzeln ins Kreuzverh├Âr genommen, bevor alle gemeinsam hitzig ├╝ber das Thema diskutierten. Der "hei├če Stuhl" war 1994 nach insgesamt 159 Sendungen von RTL eingestellt worden. Im Dezember gab es dann eine erste Neuauflage des Formats mit Steffen Hallaschka als Moderator und Thilo Sarrazin als Gast. Die Quoten fielen jedoch f├╝r den Sender entt├Ąuschend aus, bis dato entstand keine weitere Folge.

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RTL hat sich bislang noch nicht zu der Kritik ge├Ąu├čert. Generell solle die "Stern TV"-Sendung am Sonntag Themen in den Fokus r├╝cken, "die die Menschen bewegen und ihre Lebenswirklichkeit betreffen ÔÇô relevant, meinungsstark und unterhaltsam zugleich", hatte es vonseiten des Senders in einer Pressemitteilung gehei├čen.

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