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TV-Tipp: Ein Jude als Exempel

TV-Tipp  

Ein Jude als Exempel

21.11.2019, 00:03 Uhr | dpa

TV-Tipp: Ein Jude als Exempel. Bruno Ganz als Arthur Bloch in dem Film "Ein Jude als Exempel".

Bruno Ganz als Arthur Bloch in dem Film "Ein Jude als Exempel". Foto: ZDF/SRF/Vega Film AG/dpa. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Zu den Bildern der schrecklichen Zeit des Zweiten Weltkrieges können die meisten Leute in Europa heute nur noch über alte, unscharfe Filme und Schwarz-Weiß-Fotos eine Brücke herstellen. Doch noch immer leben Menschen, die als Kind dabei waren, als Städte in Schutt und Asche verwandelt wurden, die Menschlichkeit verloren ging, jüdische Bürger verfolgt und abgeholt wurden.

Manche der Kriegsgeneration lässt die Erinnerung nie los. Wie für diese Menschen die alte und die moderne Welt bunt verschwimmen, zeigt eindrucksvoll der Schweizer Spielfilm "Ein Jude als Exempel", den 3sat am Donnerstag um 22.25 Uhr zeigt.

Es ist die doppelbödige Verfilmung eines Romans des Schriftstellers Jacques Chessex nach wahren Begebenheiten: In der Schweizer Kleinstadt Payerne ermorden Nazi-Sympathisanten im Jahr 1942 einen Viehhändler - als "Geschenk" zu Hitlers 53. Geburtstag. Bruno Ganz spielt das arglose Opfer des grausigen Verbrechens in der offiziell neutralen Schweiz. Dann jedoch macht das Drama den Sprung in die Gegenwart. In seiner zweiten Hälfte erfährt der Zuschauer, was die Veröffentlichung von Chessex' Kindheitserlebnis 2009 in der Schweizer Öffentlichkeit und ganz konkret im Leben von Chessex angerichtet hat.

Der Autor kommt in "Ein Jude als Exempel" gleich zwei Mal vor - als achtjähriges Ich (Mathias Svimbersky) und als Erfolgsschriftsteller Anfang 70 (André Wilms). Dennoch gibt es keine Rückblenden, wie man sie aus dem Mainstream-Kino gewöhnt ist. Die Zeiten verschwimmen. Plötzlich ist es der alte Mann, der den Mord im Stall beobachtet.

Der bedrängte Viehhändler Arthur Bloch fährt einen modernen Volvo der Nullerjahre. Die Werkstatt des Nazi-Anführers Fernand Ischi (Aurélien Patouillard) sieht mehr nach 2019 als nach 1942 aus. Die Fabrik, die inmitten der Kriegskrise dichtgemacht hat, wird mit Akkuschrauber verschlossen. Polizisten in Uniformen unserer Zeit ermitteln im Fall.

Dem gegenüber stehen liebevoll geschneiderte historische Kostüme und das prachtvolle Art-Déco-Wohnzimmer des Unternehmers Bloch, dessen Ehefrau ihn vor dem immer judenfeindlicheren Klima in der Schweiz warnt. Alles greift ineinander. Das ist beabsichtigt und zeigt, dass die Vergangenheit nicht stirbt. Aber auch, dass der entsetzliche Zivilisationsbruch jederzeit noch heute wieder passieren könnte.

Mehr als 60 Jahre lang nagt das Kindheitserlebnis an Chessex. Schließlich schreibt der inzwischen preisgekrönte Schriftsteller die historische Episode auf. Damit macht er sich viele Feinde, vor allem in Payerne. Von nun an gilt er vielen als Nestbeschmutzer. Menschen nennen ihn "pervers", schreien ihn an. Sein Kopf ziert schließlich sogar einen Karnevalswagen. Als Chessex bei einer öffentlichen Lesung 2009 erneut aufs Gröbste beschimpft wird, hat es fatale Konsequenzen.

"Ein Jude als Exempel", von Jacob Berger 2016 mit kleinem Budget gedreht, ist ein sehenswerter Film, aber nichts für Zartbesaitete.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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