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Fragen und Antworten zur EU-Klage: Diesel-Fahrverbote sind wahrscheinlich

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Fragen und Antworten zur EU-Klage  

Diesel-Fahrverbote sind wahrscheinlicher geworden

17.05.2018, 19:49 Uhr | Verena Schmitt-Roschmann, dpa, rok

Eu-Kommission will Deutschland verklagen. (Screenshot: Reuters)
Eu-Kommission will Deutschland verklagen

Die EU-Kommission verklagt Deutschland und fünf weitere Länder vor dem europäischen Gerichtshof, weil sie die Grenzwerte von Schadstoffen in der Luft nicht einhalten. (Quelle: t-online.de)

Wegen Luftverschmutzung: EU-Kommission will Deutschland verklagen. (Quelle: t-online.de)


Jetzt ist es beschlossene Sache: Die EU-Kommission greift durch. Brüssel verklagt Deutschland und fünf weitere Länder vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen zu schlechter Luft. Das sollten Autofahrer jetzt wissen.

Vor zehn Jahren traten in der EU neue Vorschriften in Kraft, um die Bürger vor Luftschadstoffen zu schützen. Doch bis heute überschreiten Deutschland und andere EU-Staaten die Grenzwerte. Die EU-Kommission hat deshalb mit Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht. Jetzt ist klar: Die Drohung war ernst gemeint. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Klage der EU-Kommission:

1. Wieso klagt Brüssel?

Die Einhaltung eines Grenzwertes von 40 Mikrogramm Stickoxiden pro Kubikmeter Luft ist seit 2010 überall in der EU Pflicht. In 66 deutschen Städten gelang dies aber auch 2017 nicht. Zwar hat sich die Luft überall schrittweise verbessert, doch sind etwa 20 deutsche Kommunen immer noch sehr weit von den Vorgaben entfernt, allen voran München, Stuttgart und Köln. Die EU-Kommission hat bereits 2015 ein Verfahren eingeleitet, weil Deutschland gegen EU-Recht verstößt. Wenn mehrfaches Ermahnen nicht hilft, ist eine Klage vor dem EuGH der übliche nächste Schritt.

2. Hat Deutschland denn nichts unternommen?

Doch, aber die Verbesserung dauert extrem lange. Zwei Trends sind der Hemmschuh: In den zehn Jahren seit Inkrafttreten der Grenzwerte ist die Zahl der Diesel-Autos sehr stark gestiegen, weil sie als verbrauchsarm und deshalb klimafreundlich galten. Diese Dieselautos waren aber wegen unzulänglicher Tests und Manipulationen weit weniger sauber als angegeben.

Die Bundesregierung steuerte 2017 mit dem "Sofortprogramm für saubere Luft" nach. Dieses zielt vor allem auf den öffentlichen Verkehr und fördert die Umstellung auf Elektrobusse und Nachrüstung von Dieselbussen zur Abgasminderung. Beim "Diesel-Gipfel" im August 2017 versprach die Autoindustrie zudem Softwareupdates für Dieselautos, die die Emissionen um 25 bis 30 Prozent drücken sollen.

3. Und warum reicht das der EU nicht?

Es dauert zu lange, bis die Maßnahmen greifen. Umweltkommissar Karmenu Vella lud Deutschland und acht weitere EU-Länder, denen ebenfalls Klagen drohen, im Januar zum Rapport. Dort hörte er sich die geplanten Gegenmaßnahmen an, kam aber zu dem Schluss, dass sie nicht reichen, um die EU-Standards in absehbarer Zeit einzuhalten. Er argumentiert mit der Gesundheit der Bürger: 400.000 Menschen stürben jährlich in der EU vorzeitig, weil die Luft zu schmutzig sei.

Vella räumte eine Frist für Nachbesserungen ein, und die Bundesregierung kam mit weiteren Vorschlägen, darunter ein möglicher Modellversuch mit kostenlosem Nahverkehr. Eine kurzfristige Lösung ist aber auch das nicht. Zudem kommen die Software-Updates für Dieselautos offenbar langsamer voran als gewünscht.

4. Welche Folgen dürfte die Klage haben?

Keine unmittelbaren, denn eine Klage ist ja noch kein Urteil. Verkehrsexperte Dietmar Oeliger vom Umweltverband Nabu sagt aber: "Die Klage wird vor allem den politischen Druck auf Deutschland beziehungsweise die Bundesregierung erhöhen." Sie müsste rasch Abhilfe schaffen, denn letzte Konsequenz könnten Strafgelder sein, falls Deutschland verliert. Bulgarien und Polen haben in ähnlichen Verfahren vor dem EuGH bereits Niederlagen erlitten.

Schlechte Luft durch Straßenverkehr:  Die Entwicklung der Stickstoffdioxid-Emissionen im Straßenverkehr nach Verkehrsmitteln. (Quelle: dpa)Schlechte Luft durch Straßenverkehr: Die Entwicklung der Stickstoffdioxid-Emissionen im Straßenverkehr nach Verkehrsmitteln. (Quelle: dpa)

5. Wie wahrscheinlich sind Fahrverbote?

Fahrverbote sind nach Darstellung von Experten eine von zwei Möglichkeiten, kurzfristig die Luft in stark belasteten Innenstädten sauberer zu bekommen. Die andere wäre die Nachrüstung von Dieselautos mit Anlagen zur Abgassäuberung. Umweltschützer fordern, lieber die Autoindustrie in die Verantwortung zu nehmen als die Autobesitzer. "Die Regierung muss handeln, um sicherzustellen, dass alle Dieselfahrzeuge die Emissionsstandards einhalten", meint zum Beispiel der Verband Transport&Environment in Brüssel.

6. Und wie geht es langfristig weiter?

Die EU-Kommission will mehr umweltfreundliche Fahrzeuge mit wenigen oder gar keinen Emissionen, was zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wäre: Klimaschutz und eine Verringerung von Schadstoffen in den Städten. Ebenfalls am Donnerstag will die Brüsseler Behörde deshalb einen Aktionsplan für eine europäische Batterieproduktion vorstellen, denn Batterien sind Voraussetzung für den Vormarsch von Elektroautos.

Darüber hinaus plant die EU-Kommission erstmals Kohlendioxid-Grenzwerte für neue Lastwagen, die in zwei Etappen bis 2025 und bis 2030 nach Medienberichten um 30 Prozent sinken sollen. Die CO2-Emissionen aus dem Schwerverkehr liegen nach Angaben der Kommission heute um 19 Prozent höher als 1990, und zwar ausschließlich, weil immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden. Nun sollen sauberere Fahrzeuge den Trend umkehren.

Das ist zwar eine andere Baustelle als bodennahe Luftschadstoffe: COwird als Klimagas vor allem für die Erderwärmung mitverantwortlich gemacht. Aber letztlich dient auch dies dem Ziel, den Straßenverkehr für Menschen und Umwelt erträglicher zu machen.

7. Welche Auswirkungen gibt es bereits?

Seit Monaten sorgen sich Dieselfahrer in deutschen Städten vor Fahrverboten. Diese würden vor allem ältere Modelle der EU-Abgasnormen Euro-1 bis Euro-5 betreffen. Euro-6-Autos wären von Fahrverboten vermutlich befreit. Die Sorge wirkt sich bereits auf den Fahrzeugmarkt aus. Halter, die nun ihr Auto verkaufen, müssen einen enormen Wertverlust in Kauf nehmen. Gebrauchtwagenhändler können ältere Dieselfahrzeuge derzeit nur mit hohen Nachlässen verkaufen. Die Nachfrage nach Neuwagen mit Dieselantrieb ist ebenfalls eingebrochen.

8. Was sind die Folgen für die Autobauer?

Die Politik dürfte nun ihren Druck auf die Autobauer erhöhen, ihre Bemühungen bei alternativen Antrieben zu verstärken. Beispielsweise könnte man sie zu Updates an der Hardware manipulierter Autos verpflichten. Experten halten diese für wirksamer als die deutlich günstigeren Software-Updates, die von den Autobauern bevorzugt werden. Bundeskanzlerin Merkel ist von der Wirksamkeit von Hardware-Updates jedoch nicht überzeugt.

9. Wie sollten sich Dieselbesitzer nun verhalten?

Experten empfehlen: Ruhe bewahren. Noch ist völlig unklar, welche Folgen die EU-Klage haben wird. Wer nun sein älteres Dieselauto verkauft, verbrennt damit Geld. Insbesondere wer in einer ländlichen Region lebt oder in einer Stadt, die nicht von Fahrverboten betroffen ist, hat kaum Konsequenzen zu befürchten.

Wer sich mit dem Wertverlust seines Autos nicht abfinden möchte, kann ab dem 1. November eine neue juristische Variante nutzen: Mit der Musterfeststellungsklage schuf die Bundesregierung ein Instrument, das zum Beispiel vom Dieselgate betroffenen VW-Kunden die Möglichkeit gibt, sich einer Klage anzuschließen und dadurch einfacher Schadenersatz für den Wertverlust ihres Dieselautos zu erhalten. Dazu haben sie im Fall von Volkswagen noch bis zum Jahresende die Möglichkeit.

Verwendete Quellen:
  • dpa
  • Eigene Recherche

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