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Merkel: Tests an Menschen in keiner Weise zu rechtfertigen

Von reuters, rok

Aktualisiert am 29.01.2018Lesedauer: 3 Min.
Angela Merkel auf dem Weg zu den Koalitionsverhandlungen mit der SPD: Die Kanzlerin reagierte am Rande der GesprÀche auf den Skandal um die Abgastests in Aachen.
Angela Merkel auf dem Weg zu den Koalitionsverhandlungen mit der SPD: Die Kanzlerin reagierte am Rande der GesprÀche auf den Skandal um die Abgastests in Aachen. (Quelle: Archivbild/Gregor Fischer/dpa-bilder)
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Hat die Autoindustrie Dieselabgase an Menschen testen lassen? Alleine der Verdacht bringt die Konzerne erneut in BedrĂ€ngnis – auch die Kanzlerin meldet sich zu Wort.

NĂ€chstes Desaster fĂŒr die Autoindustrie: Berichte ĂŒber Abgasversuche eines Forschungsvereins der Autobauer an Affen und Menschen haben Empörung bei Politik und Unternehmen ausgelöst. Die Bundesregierung verteilte die Versuche scharf. "Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen und werfen viele kritische Fragen an diejenigen, die hinter diesen Tests standen, auf", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er sprach dabei ausdrĂŒcklich im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Kein VerstĂ€ndnis fĂŒr Tests zum Schaden von Tieren und Menschen

Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) ließ ĂŒber einen Sprecher erklĂ€ren, er habe kein VerstĂ€ndnis fĂŒr Tests zum Schaden von Tieren und Menschen, die nicht der Wissenschaft dienten, "sondern ausschließlich PR-Zwecken".

Volkswagen rĂ€umte ein, dass Mitarbeiter des Konzerns von den umstrittenen Tierversuchen in den USA gewusst hĂ€tten. "Informationen ĂŒber die Studie der US-Forscher hatten einzelne Mitarbeiter in der Rechtsabteilung des Konzerns, in den Konzern-Außenbeziehungen, in der Technischen Entwicklung der Marke Volkswagen und bei Volkswagen of America", teilte der Wolfsburger Konzern am Montag mit. Die Studie sei nicht Gegenstand einer Vorstandssitzung gewesen.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, dessen Konzern bereits vom Abgasskandal gebeutelt ist, kĂŒndigte eine umfassende AufklĂ€rung an. Die VorgĂ€nge seien in keiner Weise nachvollziehbar. Das Kontrollgremium des Wolfsburger Autobauers werde sich zeitnah mit dem Thema befassen. "Wer auch immer dafĂŒr Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverstĂ€ndlich zur Rechenschaft zu ziehen."

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"Absurd und widerlich"

Auch Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stefan Weil (SPD), der als Vertreter des Landes im VW-Aufsichtsrat sitzt, verlangte AufklĂ€rung. Weil sprach in Hannover von "alarmierenden Meldungen", dass solche Tests nicht nur an Affen, sondern auch an Menschen "erwogen oder sogar durchgefĂŒhrt worden" seien und nannte die VorgĂ€nge erneut "absurd und widerlich". Er brachte personelle Konsequenzen ins GesprĂ€ch, sollten sich die VorwĂŒrfe bestĂ€tigen. Er als Aufsichtsrat habe nichts von diesen VorgĂ€ngen gewusst. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass andere Aufsichtsratsmitglieder informiert gewesen seien.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh zeigte sich erschĂŒttert: "Hier sind offensichtlich ethisch-moralische Grenzen ĂŒberschritten worden." Sollten damals Verantwortliche noch bei Volkswagen beschĂ€ftigt sein, mĂŒssten kurzfristig personelle Konsequenzen gezogen werden.

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge soll Volkswagen von Beginn an in die Tierversuche eingeweiht gewesen sein. Interne E-Mails belegten, dass die Idee zu der Studie von VW gestammt habe. Die Chef-Etage sei eingebunden gewesen. Der damalige leitende Werksarzt habe zudem offenbar versucht, den Auftrag durch entsprechende Formulierungen zu tarnen.

Dem Bundestags-Untersuchungsausschuss zum VW-Dieselskandal sollen die Abgastests an Tieren einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge schon seit lĂ€ngerem bekannt sein. Schon auf dessen Sitzung am 8. September 2016 habe ein bekannter Toxikologe mehrfach davon berichtet, dass es entsprechende Tests gegeben habe. Keiner der informierten Politiker habe jedoch daran Anstoß genommen. Dies gehe aus dem stenografischen Protokoll der Sitzung hervor, das der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

25 junge, gesunde Personen haben ĂŒber Stunden Gas eingeatmet

Die durch die Affenversuche in die Kritik geratene "EuropĂ€ische Forschungsvereinigung fĂŒr Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" (EUGT) soll nach Berichten von "Stuttgarter Zeitung" und "SĂŒddeutscher Zeitung" auch ein Experiment gefördert haben, bei dem sich Probanden dem Reizgas Stickstoffdioxid ausgesetzt hatten. Dieselabgase gelten als wichtigste Quelle fĂŒr das Gas. Bei der 2016 veröffentlichten Studie hĂ€tten an einem Institut des Aachener Uniklinikums 25 junge, gesunde Personen ĂŒber mehrere Stunden das Gas in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet und seien anschließend untersucht worden.

Das Institut erklĂ€rte, die Versuche hĂ€tten keinerlei Verbindung zur Dieselbelastung von Menchen. Die Studie von 2013 und 2014 habe sich mit dem Stickoxidgrenzwert am Arbeitsplatz befasst. Die Ethikkommission der UniversitĂ€t habe die 2016 veröffentlichte Studie als vertretbar bewertet. Zur EUGT hatten sich Volkswagen, Daimler, BMW und Bosch zusammengeschlossen. Der Verein wurde im Sommer 2017 aufgelöst. Volkswagen hatte sich am Wochenende fĂŒr die umstrittenen Tierversuche entschuldigt. Auch BMW und Daimler distanzierten sich davon.

Es droht erneut ein schwerer Imageverlust

Den Autobauern droht durch die VorwĂŒrfe zweieinhalb Jahre nach dem Dieselskandal von Volkswagen und wenige Monate nach KartellvorwĂŒrfen erneut ein schwerer Imageverlust. Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, millionenfach Abgaswerte durch eine Software manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung des Skandals hat den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro gekostet.

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Quelle:
- Reuters

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