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Angela Merkel: Diesel-Versuche sind nicht zu rechtfertigen

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Umstrittene Abgasversuche  

Merkel: Tests an Menschen in keiner Weise zu rechtfertigen

29.01.2018, 17:11 Uhr | rtr, rok

Angela Merkel: Diesel-Versuche sind nicht zu rechtfertigen. Angela Merkel auf dem Weg zu den Koalitionsverhandlungen mit der SPD: Die Kanzlerin reagierte am Rande der Gespräche auf den Skandal um die Abgastests in Aachen. (Quelle: dpa/Archivbild/Gregor Fischer)

Angela Merkel auf dem Weg zu den Koalitionsverhandlungen mit der SPD: Die Kanzlerin reagierte am Rande der Gespräche auf den Skandal um die Abgastests in Aachen. (Quelle: Archivbild/Gregor Fischer/dpa)

Hat die Autoindustrie Dieselabgase an Menschen testen lassen? Alleine der Verdacht bringt die Konzerne erneut in Bedrängnis – auch die Kanzlerin meldet sich zu Wort.

Nächstes Desaster für die Autoindustrie: Berichte über Abgasversuche eines Forschungsvereins der Autobauer an Affen und Menschen haben Empörung bei Politik und Unternehmen ausgelöst. Die Bundesregierung verteilte die Versuche scharf. "Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen und werfen viele kritische Fragen an diejenigen, die hinter diesen Tests standen, auf", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er sprach dabei ausdrücklich im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Kein Verständnis für Tests zum Schaden von Tieren und Menschen

Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) ließ über einen Sprecher erklären, er habe kein Verständnis für Tests zum Schaden von Tieren und Menschen, die nicht der Wissenschaft dienten, "sondern ausschließlich PR-Zwecken".

Volkswagen räumte ein, dass Mitarbeiter des Konzerns von den umstrittenen Tierversuchen in den USA gewusst hätten. "Informationen über die Studie der US-Forscher hatten einzelne Mitarbeiter in der Rechtsabteilung des Konzerns, in den Konzern-Außenbeziehungen, in der Technischen Entwicklung der Marke Volkswagen und bei Volkswagen of America", teilte der Wolfsburger Konzern am Montag mit. Die Studie sei nicht Gegenstand einer Vorstandssitzung gewesen.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, dessen Konzern bereits vom Abgasskandal gebeutelt ist, kündigte eine umfassende Aufklärung an. Die Vorgänge seien in keiner Weise nachvollziehbar. Das Kontrollgremium des Wolfsburger Autobauers werde sich zeitnah mit dem Thema befassen. "Wer auch immer dafür Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverständlich zur Rechenschaft zu ziehen."

"Absurd und widerlich"

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil (SPD), der als Vertreter des Landes im VW-Aufsichtsrat sitzt, verlangte Aufklärung. Weil sprach in Hannover von "alarmierenden Meldungen", dass solche Tests nicht nur an Affen, sondern auch an Menschen "erwogen oder sogar durchgeführt worden" seien und nannte die Vorgänge erneut "absurd und widerlich". Er brachte personelle Konsequenzen ins Gespräch, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Er als Aufsichtsrat habe nichts von diesen Vorgängen gewusst. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass andere Aufsichtsratsmitglieder informiert gewesen seien.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh zeigte sich erschüttert: "Hier sind offensichtlich ethisch-moralische Grenzen überschritten worden." Sollten damals Verantwortliche noch bei Volkswagen beschäftigt sein, müssten kurzfristig personelle Konsequenzen gezogen werden.

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge soll Volkswagen von Beginn an in die Tierversuche eingeweiht gewesen sein. Interne E-Mails belegten, dass die Idee zu der Studie von VW gestammt habe. Die Chef-Etage sei eingebunden gewesen. Der damalige leitende Werksarzt habe zudem offenbar versucht, den Auftrag durch entsprechende Formulierungen zu tarnen.

Dem Bundestags-Untersuchungsausschuss zum VW-Dieselskandal sollen die Abgastests an Tieren einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge schon seit längerem bekannt sein. Schon auf dessen Sitzung am 8. September 2016 habe ein bekannter Toxikologe mehrfach davon berichtet, dass es entsprechende Tests gegeben habe. Keiner der informierten Politiker habe jedoch daran Anstoß genommen. Dies gehe aus dem stenografischen Protokoll der Sitzung hervor, das der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

25 junge, gesunde Personen haben über Stunden Gas eingeatmet

Die durch die Affenversuche in die Kritik geratene "Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" (EUGT) soll nach Berichten von "Stuttgarter Zeitung" und "Süddeutscher Zeitung" auch ein Experiment gefördert haben, bei dem sich Probanden dem Reizgas Stickstoffdioxid ausgesetzt hatten. Dieselabgase gelten als wichtigste Quelle für das Gas. Bei der 2016 veröffentlichten Studie hätten an einem Institut des Aachener Uniklinikums 25 junge, gesunde Personen über mehrere Stunden das Gas in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet und seien anschließend untersucht worden.

Das Institut erklärte, die Versuche hätten keinerlei Verbindung zur Dieselbelastung von Menchen. Die Studie von 2013 und 2014 habe sich mit dem Stickoxidgrenzwert am Arbeitsplatz befasst. Die Ethikkommission der Universität habe die 2016 veröffentlichte Studie als vertretbar bewertet. Zur EUGT hatten sich Volkswagen, Daimler, BMW und Bosch zusammengeschlossen. Der Verein wurde im Sommer 2017 aufgelöst. Volkswagen hatte sich am Wochenende für die umstrittenen Tierversuche entschuldigt. Auch BMW und Daimler distanzierten sich davon.

Es droht erneut ein schwerer Imageverlust

Den Autobauern droht durch die Vorwürfe zweieinhalb Jahre nach dem Dieselskandal von Volkswagen und wenige Monate nach Kartellvorwürfen erneut ein schwerer Imageverlust. Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, millionenfach Abgaswerte durch eine Software manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung des Skandals hat den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro gekostet. 

Quelle:
- Reuters

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