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Jetzt besteht eine einmalige Chance

Von Ali Vahid Roodsari

Aktualisiert am 22.01.2021Lesedauer: 4 Min.
Ein Anhänger von QAnon: Die Verschwörungserzählung hat ihren Ursprung in den USA.
Ein Anhänger von QAnon: Die Verschwörungserzählung hat ihren Ursprung in den USA. (Quelle: Ted S. Warren/ap-bilder)
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Die QAnon-Verschwörung hat auch in Deutschland großen Zulauf. Doch Experten sagen: Nach der Vereidigung von Joe Biden ist der beste Zeitpunkt, um sich an betroffene Verwandte und Bekannte zu wenden.

Satanistische Eliten entf√ľhren Kinder und foltern sie, um aus ihrem Blut ein Mittel f√ľr eine Verj√ľngungskur zu gewinnen.


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Klingt irrwitzig?

Zumindest nicht f√ľr jene, die an die QAnon-Verschw√∂rung glauben. Sie k√§mpfen auch gegen den angeblichen Deep State, also den vermeintlichen Staat im Staate. Und sie sind √ľberzeugt, dass nur Donald Trump die Menschheit vor all den Bedrohungen retten kann.

Millionen Menschen halten solche Geschichten f√ľr wahr ‚Äď auch in Deutschland. Manch einer hat sich vielleicht sogar mit Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten wegen ihrer QAnon-Fantasien zerstritten. Ihnen sei gesagt: Nach der Vereidigung von Joe Biden zum US-Pr√§sidenten besteht vielleicht die beste Chance, auf diese Verschw√∂rungstheoretiker zuzugehen und, fast noch wichtiger ist: sie wieder in die Realit√§t zur√ľckzuholen.

Weltbild in Gefahr nach Biden-Vereidigung

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Dazu mahnt zumindest Miro Dittrich auf Twitter. Er ist Experte f√ľr Verschw√∂rungserz√§hlungen wie QAnon und rechtsextreme Netzwerke im Internet. Im Telefongespr√§ch mit t-online sagt er: "Der Glaube war, dass Donald Trump auch nach dem 20. Januar Pr√§sident bleiben werde. Weil eben diese offensichtliche Prophezeiung nicht stattgefunden hat, kommen bei vielen Leuten Zweifel auf."

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√Ąhnliches sagt auch Pia Lamberty, Psychologin und Expertin f√ľr Verschw√∂rungserz√§hlungen: "Viele der Narrative von QAnon waren auf die Pr√§sidentschaft von Donald Trump aufgebaut. Nun sind mit der Vereidigung von Biden die Anh√§nger mit neuen politischen Umst√§nden konfrontiert, die auch das eigene Weltbild beeinflussen k√∂nnen‚Äú. Laut Lambery k√∂nnen nun zwei F√§lle eintreten: Entweder werden radikalere Erkl√§rungen gefunden oder die Menschen beginnen, zu zweifeln. "Was davon eintreffen wird, hat sicher auch damit zu tun, wie sehr man in dieser Ideologie verhaftet ist und wie viel bereits in das Weltbild 'investiert' wurde", sagt sie.

Wer am Tag nach der Vereidigung Bidens in die QAnon-Gruppe beim Chatanbieter Telegram schaute, konnte tats√§chlich unterschiedliche Ansichten finden: Manch ein Nutzer wunderte sich, warum Biden doch Pr√§sident sei, andere k√ľndigten an, sich von der Bewegung abzuwenden. Einige nannten aber Gr√ľnde, warum doch noch alles gut werde. Beispielsweise sei Biden durch einen Klon ersetzt worden oder Trump habe in Wirklichkeit im Hintergrund noch immer die Kontrolle. Oder die Leute sollen sich gedulden: Denn nach einigen Tagen Dunkelheit werde alles enth√ľllt.

Was Angehörige beachten sollten

Solche Hardcore-Gl√§ubigen lassen sich schwer erreichen, so Experte Dittrich. "Aber es gibt auch Menschen, die noch nicht so tief in den Sumpf versunken sind und auf die man Einfluss haben kann", sagt er. "Hier ist es wichtig, den Leuten die M√∂glichkeit zu geben, ihre Fehler einzugestehen und in die Realit√§t zur√ľckzukommen."

Dittrich r√§t, bei diesen Menschen auf Empathie zu setzen. So sollten Angeh√∂rige den Verschw√∂rungsanh√§ngern sagen, dass sie ihnen noch wichtig seien und es schade sei, wie es gelaufen ist. "Am besten bauen Sie wieder eine Beziehung auf, indem Sie √ľber die sch√∂nen Dinge reden, die Sie fr√ľher gemacht haben", sagt Dittrich. "Zeigen Sie auch den Leuten, dass sie noch einen Platz in Ihrem Leben haben und Sie weiterhin gerne Kontakt halten m√∂chten."

Von Kritik oder Veralberungen sollten Angeh√∂rige absehen und stattdessen Verst√§ndnis zeigen: "Ich glaube, dass viele Menschen w√§hrend einer Pandemie auf der Suche nach Bew√§ltigungsstrategien in diese alternative Wirklichkeit abgerutscht sind und man solche Dinge auch verzeihen kann." Das hei√üe aber nicht, dass Angeh√∂rige den Verschw√∂rungsgl√§ubigen Absolution geben sollten: "Wenn beispielsweise fr√ľher Gewalt gegen Politiker oder andere Gruppen thematisiert wurde, m√ľssen man das ansprechen", sagt Dittrich.

Vor allem sollten Nutzer persönlich mit ihren Angehörigen sprechen (zu Corona-Zeiten am besten per Telefon), rät Dittrich. "Vermeiden Sie einen Kleinkrieg mit Argumentenaustausch oder eine Konversation per Chat“, so der Experte. "Da werden nur Links hin- und hergetauscht, die aber keiner wirklich liest."

Warum es wichtig ist, zu reagieren

So mancher Nutzer unter Dittrichs Twitter-Beitrag verneint aber, dass er auf seine Angeh√∂rigen zugehen werde. Dittrich h√§lt so etwas f√ľr eine schlechte Idee: Denn es bestehe die Gefahr, dass sich der Glaube dieser Menschen verschlimmere, wenn ihnen jetzt keine M√∂glichkeit zur R√ľckkehr gegeben werde: "Wenn ein Weltbild auseinanderbricht, kann es in Untergangsstimmung ausarten", sagt Dittrich. "Wenn es keine politische L√∂sung gibt, hei√üt das f√ľr viele, dass sie stattdessen Gewalt anwenden m√ľssen."

Auch Expertin Lamberty r√§t dazu, sich jetzt an QAnon-Angeh√∂rige zu wenden. Allerdings m√ľssen Angeh√∂rige geduldig sein: "Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass dies ein schneller Prozess wird, nur weil Donald Trump nicht mehr Pr√§sident ist", sagt sie. "Gerade wenn die Person stark ideologisch ist, w√ľrde ich auch vorschlagen, eine Beratungsstelle zu Rate zu ziehen. Dort kann man dann gemeinsam ausarbeiten, welche Funktion die Ideologie erf√ľllt haben kann."

Menschen brauchen einen Sinn im Leben

Die Bundesregierung gibt auf ihrer Website Tipps, wie man mit Freunden und Familien umgehen kann, die an Verschw√∂rungsmythen glauben. Auch verweist sie auf spezielle Beratungsstellen in einigen Bundesl√§ndern. Experte Dittrich w√ľnscht sich von der Politik mehr solcher Angebote. Denn: "Wenn man eine Aufkl√§rungskampagne macht, hat das nicht so viel Einfluss", sagt er. "Pers√∂nliche Beziehungen sind effektiver. Und f√ľr eben diese Leute braucht man solche Hilfsangebote, die ihnen Tipps geben und best√§rken, mehr in Notf√§llen zu tun."

Zudem weist Dittrich darauf hin, dass man nicht nur Symptome, sondern auch Ursachen des Ganzen bek√§mpfen sollte: "Viele Menschen haben ein Bed√ľrfnis nach einer Gemeinschaft und suchen auch einen gr√∂√üeren Sinn im Leben", sagt Dittrich. "Wenn das nicht befriedigt wird, wird versucht, das √ľber alternative Onlinewelten auszugleichen."

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So haben viele Menschen das Gef√ľhl, nur ein kleines Rad in einer Maschine zu sein und au√üer Arbeit keine Funktion zu haben. "Man muss sich nur die Corona-Beschr√§nkungen anschauen: Fast alles au√üer Arbeiten ist verboten", sagt Dittrich. "Da sieht man gut, worin der Fokus unserer Gesellschaft liegt. Dass das zu Problemen f√ľhren kann, ist nicht so schwer abzuleiten."

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