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Tausende Cyber-Attacken - Ermittler heben Bande aus

Von dpa
Aktualisiert am 08.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Blick in das Innenleben eines Computers.
Blick in das Innenleben eines Computers. (Quelle: Nicolas Armer/dpa./dpa)
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Den Haag/Washington (dpa) - Internationalen Ermittlern ist ein Schlag gegen Hacker gelungen, die fĂŒr Tausende Attacken auf Organisationen und Unternehmen verantwortlich sein sollen.

Das US-Justizministerium teilte am Montag in Washington mit, in Polen sei ein Ukrainer gefasst worden, der im Verdacht stehe, unter anderem hinter der großen Cyberattacke auf den amerikanischen IT-Dienstleister Kaseya zu stecken.

Über eine Schwachstelle bei Kaseya waren Anfang Juli Hunderte Unternehmen in den USA und anderen LĂ€ndern mit Erpressungssoftware angegriffen worden. Die Polizeibehörde Europol teilte in Den Haag mit, in RumĂ€nien seien zwei Menschen festgenommen worden, die mit der gleichen Software Attacken begangen haben sollen. Die Festnahmen seien Teil einer internationalen Operation gewesen.

Wichtige Schritte unternommen

US-PrĂ€sident Joe Biden sagte, die Vereinigten Staaten gingen zusammen mit internationalen Partnern mit aller Kraft gegen Cyber-Kriminelle vor. Es gebe noch viel zu tun, doch die USA hĂ€tten bereits wichtige Schritte unternommen, um kritische Infrastrukturen besser zu schĂŒtzen, Angreifer zur Rechenschaft zu ziehen und internationale Netzwerke von Hackern auseinanderzunehmen.

17 LĂ€nder waren laut Europol in die Ermittlungen eingebunden, darunter die USA, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Polen, RumĂ€nien und Kanada. In Deutschland war nach Angaben der europĂ€ischen Justizbehörde Eurojust die Staatsanwaltschaft Stuttgart federfĂŒhrend. Über mehrere Monate seien in verschiedenen LĂ€ndern insgesamt sieben VerdĂ€chtige festgenommen worden, teilte Europol mit. Sie stĂŒnden im Verdacht, bei sogenannten Ransomware-Attacken rund 7000 Ziele angegriffen und Millionensummen erbeutet zu haben.

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Bei Angriffen mit Erpressungssoftware - auch Ransomware genannt - werden Daten auf Computern verschlĂŒsselt, und die Hacker verlangen Geld fĂŒr die Freigabe. Die Attacken der Festgenommenen richteten sich nach Angaben von Eurojust gegen Firmen, aber auch Kommunen, KrankenhĂ€user, Justiz, Schulen und UniversitĂ€ten. FĂŒnf der Festgenommenen hĂ€tten Angriffe mit der Software REvil verĂŒbt.

Aufsehen nach großen Attacken

Die gleichnamige Hackergruppe hatte in den vergangenen Monaten mit großen Attacken fĂŒr Aufsehen gesorgt. Beim Kaseya-Angriff hatte die Gruppe REvil auf ihrer Website im Darknet 70 Millionen Dollar fĂŒr einen GeneralschlĂŒssel zu allen betroffenen Computern verlangt. Da viele der betroffenen Kaseya-Kunden selbst IT-Dienstleister fĂŒr andere sind, reichten die Auswirkungen der Attacke zum Beispiel bis nach Schweden, wo die Supermarkt-Kette Coop Hunderte LĂ€den wegen nicht funktionierender Kassensysteme nicht öffnen konnte.

Wenige Wochen zuvor hatte REvil-Software mehrere Werke des weltgrĂ¶ĂŸten Fleischkonzerns JBS lahmgelegt - ebenfalls mit internationalen Auswirkungen. Die Gruppe kassierte damals vom Unternehmen elf Millionen Dollar Lösegeld in KryptowĂ€hrungen.

US-Justizminister Merrick Garland sagte in Washington, bislang sei REvil-Software bei Attacken auf etwa 175.000 Computer weltweit eingeschleust worden, mindestens 200 Millionen US-Dollar Lösegeld seien bei Angriffen mit der Software schon gezahlt worden. Der im Zusammenhang mit der Software festgenommene 22 Jahre alte Ukrainer sei auf Ersuchen der USA bei der Einreise nach Polen gefasst worden. Seine Auslieferung in die Vereinigten Staaten sei beantragt.

Das US-Justizministerium habe außerdem 6,1 Millionen US-Dollar beschlagnahmt, die ein anderer REvil-Hacker mit Ransomware-Attacken erbeutet haben soll, sagte Garland. Der 28 Jahre alte Russe solle etwa 3000 Ziele mit Erpressungssoftware angegriffen haben.

Belohnung in Millionen-Höhe

Das US-Außenministerium lobte am Montag eine Belohnung in Millionen-Höhe aus fĂŒr Hinweise, die zur Identifizierung oder Festsetzung von FĂŒhrungsfiguren der Gruppe REvil fĂŒhren - oder von all jenen, die in Attacken mit der Software verwickelt sind.

Eine Ă€hnliche Belohnung hatte die US-Regierung vor wenigen Tagen mit Blick auf die Hackergruppe DarkSide ausgeschrieben, die nach EinschĂ€tzung der USA fĂŒr die Cyberattacke auf die grĂ¶ĂŸte Benzin-Pipeline Amerikas im FrĂŒhjahr verantwortlich war. Infolge der Attacke wurde der Betrieb der Pipeline, durch die etwa 45 Prozent aller an der US-OstkĂŒste verbrauchten Kraftstoffe laufen, zeitweise komplett eingestellt. In Teilen des Landes kam es zu Benzin-EngpĂ€ssen. Die Hacker waren damals in das Computer-Netzwerk des Pipeline-Betreibers eingedrungen und hatten ein Lösegeld in Millionenhöhe gefordert, das das Unternehmen auch zahlte.

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