Aufschlag auf Mini-Renten

Was Sie zur Grundrente wissen sollten

09.02.2021, 14:33 Uhr

Wer bekommt sie und wie viel gibt es: Das sind die wichtigsten Fakten zur beschlossenen Grundrente. (Quelle: t-online.de)

2021 ist das erste Jahr der Grundrente. Seit Januar ist das entsprechende Gesetz in Kraft. Bis sie kommt, dauert es aber noch. t-online erklärt Ihnen, was Sie über den Aufschlag auf Mini-Renten wissen sollten.

Die Rente mag zwar sicher sein. In vielen Fällen fällt sie aber schmal aus. Und das, obwohl lange gearbeitet wurde. Um das zu ändern, hat die Regierung – nach langem Streit – eine Grundrente beschlossen: Ab 2021 soll sie kommen, das entsprechende Gesetz ist seit Jahresbeginn in Kraft. Der Aufschlag auf Mini-Renten soll allen Rentnern zugute kommen, die gearbeitet und Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt – aber nur unterdurchschnittlich verdient haben.

Etwa 1,3 Millionen Rentner könnten Anspruch auf die Grundrente haben, schätzt das Arbeits- und Sozialministerium  – davon die große Mehrheit Frauen. Im Schnitt beträgt der Aufschlag 75 bis 80 Euro, er kann sich aber auch auf bis zu 400 Euro belaufen.

t-online erklärt Ihnen, was Sie zur Grundrente wissen sollten, wann sie wirklich kommt, wer davon profitiert – und was Rentner noch beachten sollten.

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Wie lange muss ich für die Grundrente gearbeitet haben?

Um die Grundrente in voller Höhe erhalten zu können, müssen Sie mindestens 35 Jahre an sogenannten Grundrentenzeiten aufweisen. Das bedeutet, dass Sie in dieser Zeit gearbeitet und verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

"Aber auch, wer nur 33 Jahre gearbeitet und eingezahlt hat, bekommt die Grundrente – dann allerdings in abgeschmälerter Form", sagt Daniel Konczwald, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Rentenberater. Doch nicht nur Arbeitszeiten gelten als Grundrentenzeiten. Ein Überblick:

Was sind zudem Grundrentenzeiten?

  • Zeiten der Kindererziehung
  • Pflegezeiten
  • Zeiten, in denen Sie während Krankheit oder Rehabilitation eine Leistung bezogen haben
  • Ersatzzeiten (Zeiten des Kriegsdienstes oder einer politischen Haft in der DDR)

Was sind keine Grundrentenzeiten?

  • Zeiten, in denen Sie freiwillige Beiträge gezahlt haben
  • Zeiten der Arbeitslosigkeit
  • Zeiten mit Erwerbsminderungsrente
  • Zeiten einer Schulausbildung

Wie viel darf ich maximal verdient haben?

Ihr Einkommen muss über das gesamte Berufsleben im Durchschnitt mindestens 30 Prozent und darf höchstens 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen haben. "Für das Jahr 2020 heißt das zum Beispiel: mindestens 1.013 Euro und maximal 2.703 Euro brutto im Monat", so Konczwald vom Verband der Rentenberater.

Liegt das durchschnittliche Einkommen Ihres gesamten Berufslebens bei mehr als 80 Prozent des Verdienstes, der als Bundesdurchschnitt für die jeweiligen Berufsjahre ermittelt wird, kann die Grundrente nicht gezahlt werden. Zeiten mit einer geringfügigen Beschäftigung werden indes nicht berücksichtigt (siehe unten).

Bekomme ich auch als Minijobber die Grundrente?

Das kommt darauf an, wie lange Sie als Minijobber gearbeitet haben – und ob Sie zwischenzeitlich mehr als die Minimalgrenze von 30 Prozent des Durchschnittslohnes hinaus verdient haben (zurzeit 1.014 Euro). Sollte das nicht der Fall gewesen sein, haben Sie keinen Anspruch auf die Grundrente. Eine Grundrente mit Minijobs alleine ist dementsprechend nicht möglich.

Allerdings: Ein Minijob kann dafür sorgen, dass Sie überhaupt Anspruch auf die Grundrente haben – wenn Sie noch Jahre haben, in denen Sie mindestens die 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes erhalten haben.

Denn als Minijobber sind Sie in der Regel rentenversicherungspflichtig – außer Sie lassen sich davon entbinden. Wenn Sie in die Rentenversicherung einzahlen, erwerben Sie einen entsprechenden Anspruch auf die Grundrente.

Wie berechne ich meine Grundrente?

Grundlage für die Berechnung des Zuschlags sind die Entgeltpunkte, auch Rentenpunkte genannt, die Sie aufgrund Ihrer Beiträge zur Rentenversicherung erworben haben.

Wie viel Grundrente Sie erhalten, rechnet die Rentenversicherung für Sie aus. Sie können aber dennoch versuchen, Ihren Anspruch auf die Zahlung zu berechnen. Das ist nicht so leicht, hier erhalten Sie eine Anleitung.

So berechnen Sie die Grundrente

  1. Sie müssen den durchschnittlichen Wert Ihrer Entgeltpunkte ermitteln. Wie viele Entgeltpunkte Sie gesammelt haben, finden Sie etwa in Ihrem Rentenbescheid. Beachten Sie: Jahre, in denen Sie weniger als 0,3 Rentenpunkte bekommen haben, fließen nicht mit in die Rechnung ein.
  2. Anschließend verdoppeln Sie den Durchschnittswert Ihrer Entgeltpunkte – allerdings nur für höchstens 35 Jahre und auf 80 Prozent. Die Differenz zwischen Ihrem Durchschnittswert der Entgeltpunkte und dem Maximalwert 0,8 ergibt den Grundrentenzuschlag.
  3. Von diesem so errechneten Zuschlag müssen Sie noch 12,5 Prozent abziehen. Am Ende erhalten Sie einen Entgeltpunkte-Wert, den Sie auf die Jahre, die Sie über der Grenze von 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes gearbeitet haben, hochrechnen müssen. So erhalten Sie Ihre zusätzlich erworbenen Rentenpunkte, die Sie in eine Zahlung umrechnen können. Im Westen steht ab Juli 2020 jeder Entgeltpunkt für monatlich 34,19 Euro, im Osten für 33,23 Euro.

Beachten Sie: Erzielen Sie neben der Rente noch Einkommen, müssen Sie sich auf Abzüge der Grundrente einstellen.

Beispiel zur Berechnung

Sie haben 40 Jahre lang gearbeitet, also einen Anspruch auf die Grundrente erworben (siehe oben). Davon haben Sie 20 Jahre unter der Grenze von 30 Prozent des Durchschnittslohnes verdient. Die übrigen 20 Jahre haben Sie 35 Prozent des Durchschnittsverdienstes erhalten.

  1. Da Sie 35 Prozent des Durchschnittslohnes verdient haben, haben Sie also im Schnitt einen Entgeltpunkte-Wert von 0,35 erworben.
  2. Der wird nun verdoppelt auf 0,7. Nun ziehen wir vom maximalen Zuschlag 0,8 noch Ihren erworbenen Anspruch von 0,35 Punkten ab. Das ergibt also einen Zuschlag von 0,45.
  3. Von diesem Zuschlag müssen Sie nun 12,5 Prozent abziehen. Sie haben einen Grundrentenzuschlag von 0,39375 erworben. Das müssen Sie noch auf die Jahre hochrechnen: 20 mal 0,39375 = 7,875. Sie sammeln also 7,875 zusätzliche Rentenpunkte. Das heißt also: Im Westen ergibt sich so eine monatliche Grundrente von 269,25 Euro, im Osten von 261,69 Euro.

Wird die Grundrente auf die Grundsicherung angerechnet?

Nein – zumindest nicht vollständig. Wer die Voraussetzungen für die Grundrente erfüllt, genießt nämlich Freibeträge bei der Grundsicherung und beim Wohngeld. Wie hoch die Freibeträge genau sind, hängt davon ab, wie hoch Ihr Einkommen aus der gesetzlichen Rente ist. Der Mindestfreibetrag liegt bei 100 Euro. Nach oben gibt es aber einen Deckel: Die Freibeträge dürfen nicht höher sein als 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1, aktuell sind das 216 Euro monatlich.

"Damit stellen wir in allen Fällen sicher, dass den langjährigen Versicherten monatlich mehr zur Verfügung steht als der aktuelle Grundsicherungsbedarf", so ein Sprecher des Sozialministeriums.

Wann fließt das erste Geld?

Das Grundrentengesetz ist zwar im Januar in Kraft getreten. Doch erst ab Mitte 2021 werden die Rentenbescheide für die Neurentner versendet – diese enthalten dann gegebenenfalls einen Grundrentenzuschlag, heißt es von der Deutschen Rentenversicherung.

Die Bestandsrentner werden ihre Bescheide allerdings deutlich später erhalten. Bis Ende 2022 sollen alle Rentner ermittelt worden sein, die Anspruch auf den Zuschlag auf Mini-Renten haben, so die Rentenversicherung. Grund dafür: der enorme Verwaltungsaufwand, der mit der Ermittlung der Ansprüche einhergeht.

Doch die Beträge, auf die Sie Anspruch haben, verfallen nicht. Sie erhalten in dem Fall eine Nachzahlung.

Muss ich die Grundrente beantragen?

Nein. Einen Antrag auf die Grundrente müssen Sie nicht stellen. Die Grundrente fließt automatisch – sofern Sie Anspruch darauf haben (siehe oben).

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Deutsche Rentenversicherung
  • ihre-vorsorge.de
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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