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Nachhaltige ETFs: So investieren Sie mit gutem Gewissen

Nachhaltige ETFs  

So würde Greta Thunberg ihr Geld anlegen

14.05.2020, 15:56 Uhr
Nachhaltige ETFs: So investieren Sie mit gutem Gewissen. Klimaaktivistin Greta Thunberg: Nicht alle nachhaltigen ETFs sind wirklich so gut für das Klima und die Umwelt wie sie vorgeben. (Quelle: imago images/imagebroker)

Klimaaktivistin Greta Thunberg: Nicht alle nachhaltigen ETFs sind wirklich so gut für das Klima und die Umwelt wie sie vorgeben. (Quelle: imagebroker/imago images)

Erderwärmung, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit: Um nicht in Firmen zu investieren, die solche Entwicklungen fördern, sollten Sie einen Blick auf nachhaltige ETFs werfen. Doch dabei gibt es sehr große Unterschiede.

Spätestens seit Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland regelmäßig demonstrieren, ist das Bewusstsein für Umwelt und den Klimaschutz in vielen Köpfen präsent. Viele Anleger fragen sich deshalb, ob sie ihr Geld auch in klimafreundliche Unternehmen investieren können.

Die klare Antwort lautet Ja. Am einfachsten und günstigsten geht das mit sogenannten nachhaltigen ETFs. Damit sind börsengehandelten Indexfonds gemeint, die Aktien von Firmen ausschließen, deren Gewinne dem Klima potenziell schaden – zum Beispiel Öl-Unternehmen.

Mehr noch: Je nach dem, welche Kriterien der Index anlegt, investieren Sie Ihr Geld mit einem solchen ETF sogar nicht nur in den Klimaschutz, sondern zugleich in Firmen, die höhere Sozialstandards haben. Doch was ist ein nachhaltiger ETF überhaupt? Und wie nachhaltig sind diese ETFs wirklich? Ein Überblick.

Was ist ein nachhaltiger ETF?

Zunächst einmal muss dafür geklärt werden, was ein ETF ist. Ein ETF oder Indexfonds ist ein spezieller Fonds. Ein Fonds können Sie sich als Korb vorstellen, in den Anleger Geld einzahlen. Dieses Geld legt zumeist ein Manager an: In Aktien, Rohstoffe wie Gold oder in Immobilien.

Bei einem ETF gibt es jedoch keinen Fondsmanager. Stattdessen übernimmt ein Computeralgorithmus die Geldanlage. Dieser bildet dafür einen Aktienindex wie den Dax nach: Wenn Sie in einen ETF investieren, investieren Sie Ihr Geld also praktisch in alle Aktien des Indexes an.

An dieser Stelle wird die Geldanlage auch für Menschen interessant, die nicht allein auf die Rendite, sondern auch auf Verträglichkeit ihres Investments mit der Umwelt wert legen. Denn es gibt auch nachhaltige ETFs.

Das sind ETFs, die einen Aktienindex nachbilden, der nachhaltige Unternehmen enthält. Das können Firmen sein, die Windräder oder Solaranlagen herstellen. Ebenso können dies jedoch auch Unternehmen sein, die einfach etwas nachhaltiger arbeiten als die Konkurrenz (siehe unten).

Welche ETFs sind wirklich nachhaltig?

Das ist die entscheidende Frage. Denn eine einheitliche Definition gibt es hier bislang nicht. Grundsätzlich versuchen Investoren eine Geldanlage als "nachhaltig" zu identifizieren, wenn sie den sogenannten "ESG"-Kriterien folgt. Die Abkürzung "ESG" steht für "Environment, Social, Governance".

Gemeint ist damit: Umwelt- und Klimaschutz, soziale Verantwortung, also etwa Ächtung von Kinderarbeit, sowie eine nachhaltige, transparente Unternehmensführung. Diese kann sich zum Beispiel in der Mitbestimmung von Mitarbeitern ausdrücken. Allerdings gibt es bei der Umsetzung dieser Nachhaltigkeitskriterien einige Unterschiede, die am besten an den verschiedenen Aktienindizes deutlich werden.

Welche nachhaltigen Indizes gibt es?

Häufig bauen die nachhaltigen Indizes auf den herkömmlichen Aktienindizes auf. So gibt es beispielsweise den MSCI World Socially Responsible Index (SRI): Er basiert auf dem MSCI World Index, der mehr als 1.600 Unternehmen weltweit enthält und deren Wertentwicklung abzeichnet.

Der MSCI World SRI hingegen schließt viele dieser Firmen von vorneherein aus – und enthält nur noch knapp 400 Unternehmen. Konzerne, die ihr Geld mit Tabak, Alkohol oder Waffen verdienen, fliegen beispielsweise heraus. Denn diese Geschäfte verstoßen gegen die ESG-Kriterien. Börsenunternehmen, die der Index abbildet, sind zum Beispiel Microsoft, Pepsi oder McDonalds.

Auf ähnliche Weise setzt sich der Dax 50 ESG zusammen: Er basiert auf den Indizes der Dax-Familie, also dem Dax, der die 30 größten börsennotierten Unternehmen auflistet, dem MDax der mittelgroßen Börsenkonzerne sowie dem SDax der kleineren Aktiengesellschaften.

Der Dax 50 ESG schließt dabei Aktien von Unternehmen aus, die ihr Geld mehrheitlich mit Kohle oder Waffen verdienen. Firmen, die dieser Index abbildet, sind zum Beispiel Bayer, Siemens oder Daimler – und das, obwohl diese Konzerne häufig Ziel von Kritik von Umweltschützern sind.

Das Problem: Sofern ein nachhaltiger Aktienindex auf einem bereits vorhandenen Index basiert, enthält er zwar bestimmte Unternehmen nicht mehr. Gleichzeitig bildet er jedoch speziell Firmen, die ihr Geld etwa mit erneuerbaren Energien verdienen, ebenfalls nicht ab – sofern sich diese nicht bereits im Basisindex finden.

Das will der Natur-Aktien-Index ändern: Er fußt nicht auf einem herkömmlichen Index, sondern enthält 30 Unternehmen, die eigens entwickelten Kriterien folgen und danach überprüft werden. Das sind häufig eher unbekannte oder neuartige Firmen, beispielsweise die Umweltbank, der US-Lebensmittelhersteller United Natural Foods oder der amerikanische E-Auto-Pionier Tesla.

Wenn Ihnen ein nachhaltiges Investment wichtig ist, sollten Sie auf zwei Dinge achten:
1. Überprüfen Sie, welche Aktien welcher Unternehmen der Index nachbildet – und ob Ihnen der Index nachhaltig genug ist.
2. Sie sollten auf jeden Fall darauf achten, dass der ETF Ihr Geld weiterhin breit genug streut. Denn eine breite Streuung bedeutet ein geringeres Risiko Verluste zu machen. Wenn ein ETF etwa ausschließlich in börsennotierte Solar-Firmen investiert, ist das Risiko vergleichsweise hoch, dass Sie Ihr Geld verlieren könnten – da dies ein zu einseitiges Investment ist.

Wie hoch ist meine Rendite bei einem nachhaltigen ETF?

Grundsätzlich gilt: Mit einem nachhaltigen ETF können Sie oft einen ebenso hohen Ertrag, genannt Rendite, erzielen wie mit einem Investment in einen herkömmlichen ETF.

Der Natur-Aktien-Index erzielte beispielsweise von 1997 bis 2020 eine durchschnittliche Wertentsteigerung von 9,9 Prozent pro Jahr. Mit einem ETF auf diesen Index hätten Sie folglich eine ähnlich hohe Rendite eingefangen – auch wenn Sie noch Steuern und Gebühren abziehen müssten.

Wie bei herkömmlichen ETFs gilt auch bei nachhaltigen ETFs: Je höher eine mögliche Rendite, desto höher Ihr Risiko.

Ein Windpark im Rapsfeld: Nachhaltige ETFs investieren zum Teil in erneuerbare Energien. (Quelle: imago images/snapshot)Ein Windpark im Rapsfeld: Nachhaltige ETFs investieren zum Teil in erneuerbare Energien. (Quelle: snapshot/imago images)

Welche nachhaltigen Investments gibt es noch?

Neben nachhaltigen ETFs können Sie ebenso in nachhaltige Aktienfonds investieren, die aktiv gemanagt werden. Dann sucht ein Fondsmanager aus, in welche Firmen er Ihr Geld anlegt.

Ein mögliches Problem: Ein Fondsmanager hat tendenziell eher Ihre Rendite als die Nachhaltigkeit im Blick – und entscheidet sich bei einer Abwägung zwischen Nachhaltigkeit und Rendite eher für ersteres. Das sollten Sie wissen, wenn Sie in einen aktiven Fonds investieren möchten.

Außerdem sind aktive Fonds meist nicht so transparent, da die Zusammensetzung des Fonds nur zu einem bestimmten Stichtag oder verzögert veröffentlicht wird. Zudem kostet ein Investment in aktive Fonds meist deutlich mehr als in ETFs. Das gilt auch bei den nachhaltigen Varianten (siehe unten).

Was kostet ein nachhaltiger ETF?

Vor einigen Jahren galten nachhaltige ETFs noch als teurer verglichen mit herkömmlichen ETFs, mittlerweile hat sich das jedoch geändert. Es gelten dieselben Kosten, auf die Sie auch bei einem Investment in herkömmliche ETFs achten sollten. Ein Überblick:

  • Depotkosten: Da Sie für das Investment in nachhaltige ETFs ebenfalls zunächst ein Depot eröffnen müssen, sollten Sie diese Gebühren im Blick haben. Bei vielen Onlineanbietern und Direktbanken fallen – im Gegensatz zu Filialbanken – für ein Depot keine Kosten an.
  • Verwaltungsgebühren: Das sind die Kosten, die eine Fondsgesellschaft dafür erhebt, dass sie einen Fonds anbietet. Diese Kosten werden häufig in der Gesamtkostenquote ("Total Expense Ratio", kurz "TER") zusammengefasst. Nachhaltige ETFs kosten im Gegensatz zu aktiven Fonds dabei viel weniger, da kein Manager bezahlt werden muss, der den Aktienhandel steuert. Die TER beläuft sich hier auf etwa 0,1 bis 0,5 Prozent der Anlagesumme.
Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • finanztip.de
  • msci.com
  • nai-index.de
  • solactive.com
  • justetf.com
  • gruenesgeld24.de
  • Handelsblatt
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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