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Überstunden: Diese Rechte haben Mitarbeiter

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Diese Rechte haben Mitarbeiter bei Überstunden

12.02.2016, 13:51 Uhr | dpa

Überstunden: Diese Rechte haben Mitarbeiter. Überstunden sind in Deutschland an der Tagesordnung. (Quelle: imago images/Chromorange)

Überstunden sind in Deutschland an der Tagesordnung. (Quelle: Chromorange/imago images)

Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) arbeitet jeder dritte Vollzeitbeschäftigte in Deutschland mehr als 45 Stunden in der Woche. Doch welche Rechte haben Arbeitnehmer bei Überstunden? 

Prof. Björn Gaul, Fachanwalt für Arbeitsrecht, beantwortet die häufigsten Fragen zum Thema Überstunden.

Muss ein Arbeitnehmer Überstunden leisten?

Arbeitnehmer sind nur dann zu Überstunden verpflichtet, wenn das im Arbeits- oder Tarifvertrag steht oder in einer Betriebsvereinbarung festgelegt ist. Im Vertrag finden sich dann Formulierungen wie: "Sie sind im Bedarfsfall dazu verpflichtet, Überstunden zu leisten" oder "Der Arbeitgeber darf Überstunden anordnen."  Steht nichts im Vertrag, gilt die vereinbarte regelmäßige Arbeitszeit.

Darf der Chef die Überstunden in jedem Fall anordnen?

Auch wenn Verträge oder die Betriebsvereinbarung Überstunden vorsehen, muss der Arbeitgeber immer auch die Interessen des Arbeitnehmers berücksichtigen. Wenn beispielsweise jemand sein Kind vom Kindergarten abholen muss, kann er in dem Fall keine Überstunden machen.

Deshalb muss der Arbeitgeber eine Interessenabwägung vornehmen. Sollte der Mitarbeiter etwa "nur" mit einem Bekannten verabredet sein, und dem Arbeitgeber droht eine Vertragsstrafe, wenn er das Projekt nicht fristgerecht abschließt, dann ist das Interesse des Arbeitgebers höher zu bewerten. Der Arbeitnehmer müsste die Überstunden dann hinnehmen.

Der Betriebsrat entscheidet im Einzelfall

Außerdem muss der Arbeitgeber bei Überstunden immer die Obergrenzen des Arbeitszeitgesetzes beachten. Danach sind in der Regel maximal pro Tag acht, im Ausnahmefall zehn Stunden Arbeit erlaubt. Außerdem muss der Betriebsrat einer angeordneten Überstunde zustimmen. Sonst ist die Weisung unzulässig.

Um das Verfahren zu erleichtern, haben viele Arbeitgeber mit ihren Betriebsräten Rahmenvereinbarungen getroffen. Wer unsicher ist, ob eine Anordnung zulässig ist, sollte zur Sicherheit bei den Personalvertretern nachfragen. In Notfällen kann die Zustimmung des Betriebsrats entbehrlich sein. Der wird allerdings nur in wenigen Fällen angenommen - etwa bei Naturkatastrophen.

Wie viele Überstunden sind zulässig?

Arbeitnehmer dürfen maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten, erläutert Johannes Schipp. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins. Allerdings kann im Einzelfall auch eine 60-Stunden-Woche in Ordnung sein. Dann muss jedoch sichergestellt sein, dass innerhalb eines halben Jahres eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten wird. Alles was darüber hinausgeht, sei unzulässige Mehrarbeit. Grundlage ist das Arbeitszeitgesetz .

Was kann passieren, wenn Mitarbeiter Überstunden verweigern?

Wenn ein Mitarbeiter berechtigterweise eine Überstunde verweigert, kann ihm nichts passieren. Dann gilt das Maßregelungsverbot. Der Arbeitgeber darf niemanden bestrafen, weil er von seinen Rechten Gebrauch macht. Wenn die Weisung allerdings zulässig war, kann die Weigerung im schlimmsten Fall zur Kündigung führen.

Wie kann man Überstunden geschickt ablehnen?

Wollen Mitarbeiter sich gegen Überstunden zur Wehr setzen, hilft oft schon ein ganz einfacher Trick: "Es ist wichtig, sich nicht überrumpeln zu lassen", weiß Barbara Berckhan. Sie ist Kommunikationsberaterin aus Hamburg. Fragt der Chef an, ob man Überstunden leisten kann, ist es zulässig sich erst einmal eine kurze Bedenkzeit ausbitten und sich überlegen: Schaffe ich das?

Wird es einem zu viel, ist es dann in einem zweiten Schritt wichtig, die Absage kooperativ zu formulieren. Positiv ist, dass der Chef einem die Aufgabe zutraut – dafür könne man sich erst einmal bedanken, rät Berckhan. Dann stellt man dar, welche Aufgaben man jetzt schon hat und lehnt weitere ab. In einem dritten Schritt sollte man dann anbieten, gemeinsam zu überlegen, wie man das Problem lösen kann.

Entlastung an anderer Stelle fordern

Im für den Mitarbeiter schlechtesten Fall lässt sich der Chef jedoch nicht beirren – und ordnet die Mehrarbeit an. Dann müsse auch der Arbeitnehmer sich in seiner Reaktion steigern. "Schade, dass Sie zu solchen Maßnahmen greifen", empfiehlt Berckhan als Aussage. Sie rät nun dazu, die bereits übernommenen Aufgaben noch einmal darzustellen und zu fragen: "Von welchen Aufgaben können Sie mich denn entbinden?

Wie sollten Arbeitnehmer ihre Überstunden dokumentieren?

Sollte die Firma nicht mit einer elektronische Arbeitszeiterfassung arbeiten, ist es sinnvoll, sich die Überstunden aufzuschreiben und am vom Arbeitgeber quittieren zu lassen. Wer im Zweifelsfall vor Gericht eine Bezahlung der Überstunden einklagen will, muss außerdem darlegen können, dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet oder zumindest geduldet hat. Bestreitet der Arbeitgeber, eine entsprechende Anordnung gemacht zu haben, ist es wichtig, Zeugen benennen zu können.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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