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Inflation: Erklärung, Ursache & Bedeutung für Sparer und Verbraucher


Teuerung zieht an  

Das bedeutet die steigende Inflation für Sparer und Verbraucher

Von Christine Holthoff, Mauritius Kloft und Florian Schmidt

30.07.2021, 15:21 Uhr
Inflation: Erklärung, Ursache & Bedeutung für Sparer und Verbraucher. Eine Kundin im Supermarkt (Symbolbild): Preise für Waren und Dienstleistungen verändern sich. Steigt das gesamte Preisniveau anhaltend, ist der Euro weniger wert. Man spricht von Inflation. (Quelle: Getty Images/gilaxia)

Eine Kundin im Supermarkt (Symbolbild): Preise für Waren und Dienstleistungen verändern sich. Steigt das gesamte Preisniveau anhaltend, ist der Euro weniger wert. Man spricht von Inflation. (Quelle: gilaxia/Getty Images)

Die Inflation gilt als eine der Urängste der Deutschen. Im Juli stieg sie auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Was die Hintergründe sind – und welche Folgen das für Sparer, Anleger und Verbraucher hat.

Die Preise in Deutschland ziehen deutlich an. Im Juli lag die Inflation einer vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes zufolge bei 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist noch einmal mehr als im Juni, als die Teuerungsrate bei 2,9 Prozent lag.

Auch in den USA machte die Teuerungsrate jüngst einen kräftigen Sprung. Im Juni nahm sie im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,4 Prozent zu. Umstritten ist, ob sich Verbraucher auf dauerhaft steigende Preise einstellen müssen. t-online erklärt die Hintergründe und welche Auswirkungen die steigenden Preise auf Sparer und Anleger haben.

Weshalb steigen die Verbraucherpreise?

Angetrieben wird die Inflation in Deutschland und im Euro-Raum aktuell von mehreren Faktoren. Die Weltkonjunktur nimmt wieder Fahrt auf, vor allem die Wirtschaft der Schwergewichte USA und China wächst rasant. Zudem steigen seit Monaten die Energiepreise überdurchschnittlich.

Vor einem Jahr waren die Rohölpreise mit Ausbruch der Corona-Krise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt eingebrochen. Seither haben sie sich erholt. Aktuell liegt der Rohölpreis um etwa 75 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Rohöl WTI

73,22 USD+82,38%
Aktuelles ChartZeitraum 1 Jahr23.09.2021NYMEX GLOBEX
Rohöl WTI Rohstoff
Hoch
75,21
Zwischenwert Hoch / Mittel
65,34
Mittel
55,46
Zwischenwert Mittel / Tief
45,59
Tief
35,72
Okt '20Jan '21Apr '21Jul '21

Dazu kommt: In Deutschland sind seit Januar 25 Euro je Tonne Kohlenstoffdioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Beides sorgt beim Tanken und Heizen für Preissteigerungen.

Mehrwertsteuer ist zurück auf altem Niveau

Auch ist die in der Corona-Krise zeitweise gesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland seit Jahresbeginn wieder auf altem Niveau. Um den Konsum anzukurbeln und der deutschen Wirtschaft einen Schub zu geben, hatte der Bund die Mehrwertsteuer befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt.

Der reguläre Steuersatz verringerte sich von 19 Prozent auf 16 Prozent, der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent auf 5 Prozent. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Mehrwertsteuersätze. Waren und Dienstleistungen werden also tendenziell wieder teurer.

Zudem verlangen die von der Pandemie besonders stark betroffenen Dienstleistungsbranchen wie Gastronomie, Hotellerie oder auch Friseure höhere Preise, um Versäumtes nachzuholen. Warum es gut ist, dass der Preis für den Friseurbesuch steigt.

Inflation: Der Begriff bezeichnet einen anhaltenden Anstieg des Preisniveaus. Verkürzt gesagt: Inflation herrscht, wenn die Preise für eine große Anzahl an Waren, Produkten und Dienstleistungen steigen und nicht wieder sinken. Passiert das, verringert sich die Kaufkraft des Geldes. Ein Euro ist also weniger wert. Aus diesem Grund spricht man bei einer Inflation auch von einer Geldentwertung.

Welche Ursachen hat Inflation grundsätzlich?

In der Praxis entsteht Inflation, wenn die Verbraucherpreise steigen. Dabei unterscheidet man zwischen einer Angebots- und einer Nachfrageinflation.

  • Angebotsinflation: Unternehmen können eine Inflation forcieren, wenn sie ihre Preise erhöhen. Zum Beispiel, um ihren Gewinn zu steigern oder um gestiegene Kosten – etwa für Energie oder Löhne – an die Konsumenten weiterzugeben. 
  • Nachfrageinflation: Genauso möglich ist es, dass die Verbraucher so viele Produkte und Dienstleistungen kaufen wollen, dass das Angebot nicht ausreicht. In diesem Fall treibt die Nachfrage die Inflation an, da die Hersteller und Anbieter für ihre knappen Waren mehr Geld verlangen können. Häufig ziehen in diesem Fall mit den Preisen auch die Löhne an, so dass sich eine selbst verstärkende Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt. Das kann die Inflation noch weiter befeuern.

Welche Gefahr geht von steigenden Rohstoff-Preisen aus?

Volkswirte erklären den starken Preisauftrieb auch damit, dass Rohstoffe in der weltweit anziehenden Konjunktur derzeit sehr gefragt und daher knapp sind. Die Industrie klagt bereits in vielen Bereichen über Lieferengpässe und Verzögerungen bei Lieferzeiten.

So zieht mit der globalen Konjunkturerholung nicht nur der Rohölpreis an. Auch Grundstoffe wie Holz, andere Baustoffe oder Metalle sind teilweise knapp und teuer geworden.

"In den nächsten Monaten dürfte Deutschland den stärksten Inflationsschub seit drei Jahrzehnten erleben", prognostizierte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. "Die aktuelle Inflation ist eine Folge der Pandemie und ihrer weltweiten ökonomischen Verwerfungen. Eine über viele Monate aufgestaute Nachfrage trifft derzeit auf ein immer noch begrenztes globales Güterangebot."

Auch die Commerzbank verweist auf Rohstoffknappheit als eine Ursache für den Preisauftrieb – neben dem "beträchtlichen" Beitrag des Mehrwertsteuereffekts. "Für eine auch längerfristig spürbar über zwei Prozent liegende Inflationsrate müssten allerdings auch die Löhne anziehen, wofür es bisher noch keine Anzeichen gibt", analysierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Wie geht es mit der Inflation weiter?

In den nächsten Monaten halten Ökonomen Inflationsraten von an die fünf Prozent in Deutschland für möglich. "Man sollte sich vorläufig an die höheren Teuerungsraten gewöhnen. Der Ausflug über die Drei-Prozent-Marke dauert länger", sagte Thomas Gitzel von der VP Bank.

"Wer nun aber einen nachhaltigen Teuerungsschub daraus ableitet, liegt falsch." Denn dafür müssten auch die Löhne merklich anziehen, was sich derzeit aber nicht abzeichnet.

Auch die Ökonomen der DZ Bank gehen davon aus, dass die Teuerung im Euro-Raum aufgrund von Sonderfaktoren eher als Ausreißer zu sehen sind. Schon 2022 dürfte der Preisdruck ihrer Einschätzung nach wieder nachgeben.

Ähnlich sieht das Ifo-Chef Clemens Fuest. "Die höhere Inflation in diesem Jahr ist größtenteils eine normale Reaktion", nachdem sie im vergangenen Jahr krisenbedingt in Deutschland nur bei 0,5 Prozent gelegen habe, sagte er bereits Ende Mai der "Passauer Neuen Presse".

Wie geht die EZB mit der anziehenden Inflation um?

In der Theorie hat die Inflation vor allem mit der Geldmenge zu tun. Die Idee: Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger ist es wert – und desto höher sind die Preise. Steigt die Geldmenge also, steigt auch das Preisniveau.

Die Kontrolle über die Geldmenge haben Noten- und Zentralbanken. Im Falle der Eurozone ist das die Europäische Zentralbank (EZB). Über verschiedene Mechanismen kann sie dafür sorgen, dass die Geldmenge steigt oder sinkt.

Die EZB ist damit die oberste Wächterin der Inflation. Ihr Auftrag ist die sogenannte Geldwertstabilität. Ziel der EZB ist es also, den Wert des Geldes dauerhaft stabil zu halten und gleichzeitig Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.

Dafür peilt die EZB nach einem Strategiewechsel jetzt eine jährliche Inflationsrate von zwei Prozent an und ist dabei zumindest zeitweise bereit, eine moderate Über- oder Unterschreitung dieser Marke zu akzeptieren.

Welche Folgen hat Inflation für Verbraucher, Sparer und Anleger?

Viele Deutschen haben nicht umsonst Angst vor steigenden Preisen, die kurzfristigen Auswirkungen der Inflation sind für die meisten Menschen eher schlecht. Verbraucher müssen für ihre alltäglichen Ausgaben mehr Geld auf den Tisch legen – auf kurze Sicht ein Problem, sofern nicht das Gehalt parallel ebenfalls steigt.

Sparern setzt die Inflation ebenfalls zu: Angesichts der niedrigen Zinsen, die viele Banken auf Spar-, Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten geben, schrumpft die Kaufkraft ihrer Ersparnisse. Das heißt: Von der "nominellen" Summe, die sie auf dem Konto liegen haben, können sie sich "real" weniger kaufen.

Für Anleger sind die Konsequenzen vielschichtiger: Haben sie ihr Geld an der Börse in Aktien investiert, müssen ihnen die direkten Folgen der Inflation zunächst keine Angst machen, die Kurse steigen tendenziell erst einmal weiter. Durch die indirekten Folgen aber kann sich das schnell ändern.

Denn: Die Zentralbanken werden sich mittelfristig gezwungen sehen, die Zinsen zu erhöhen – was Aktien unattraktiver macht. Umgekehrt profitieren vom höheren Zins all jene Anleger, die ihr Geld etwa in Anleihen investiert  haben.

Wen trifft die Inflation besonders?

Geringverdiener, die einen Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel und Energie wie Strom, Heizöl oder Sprit aufwenden müssen, spüren die Inflation oft besonders deutlich. Denn häufig sind gerade die Energiepreise die Treiber der Inflation.

Zu den Verlierern einer Inflation zählen auch Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner, deren Leistungen der Staat nicht schnell genug erhöhen kann, um die gestiegenen Preise auszugleichen.

Kann ich einer Inflation entkommen?

Ja, das geht. Dazu sollten bei Ihren Geldanlagen wie Tages- oder Festgeldkonten die Zinsen oberhalb der Inflationsrate liegen. Zurzeit sind die Zinsen jedoch sehr niedrig.

Stattdessen können Sie auf eine Anlage an der Börse setzen – etwa mit Aktien oder Fonds. Die Erträge liegen hier oft deutlich höher als bei klassischen Anlagen wie etwa dem Sparbuch.

Mit einer Aktie werden Sie zudem zum Miteigentümer an einem Unternehmen. Außerdem beteiligen viele Unternehmen ihre Aktionäre an ihrem Gewinn, schütten also sogenannte Dividenden aus.

Als inflationssichere Geldanlagen gelten zudem Gold oder Immobilien. Doch Vorsicht: Für Kleinanleger ist ein solches Investment meist sehr teuer.

Wer profitiert von einer Inflation?

Die Inflation kommt vor allem Schuldnern entgegen. Verbraucher, Unternehmen oder auch der Staat können sich leichter entschulden.

Denn: Steigt das Preisniveau, verlieren Schulden relativ an Wert. Schuldner können sich schneller mit Geld eindecken, während sich der reale Wert des Kredits verringert und schneller zurückgezahlt werden kann.

Zum Ausgleich der Inflation müssen aber auch die Einkommen steigen, damit die Verbraucher die Entwertung ihrer Schulden auch wirklich spüren.

Wie wird die Inflationsrate ermittelt?

Um die Inflationsrate zu bestimmen, orientieren sich Statistiker an einem sogenannten Preisindex. Dieser gibt für einen imaginären Warenkorb an, wie sich die Preise der Güter und Dienstleistungen in dem Korb im Zeitverlauf verändert haben. Im Korb enthalten sind etwa die Preise für Butter, Heizöl oder Fernseher.

Der bekannteste Preisindex im Euro-Raum ist der sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Auf diesen bezieht sich die EZB in ihren Berechnungen (siehe oben).

Die Inflationsrate wird aus dem Preis des gesamten Warenkorbs in einem Monat im Vergleich zum Preis desselben Warenkorbes im Monat des Vorjahres errechnet. Die Teuerungsrate bezeichnet demnach die prozentuale Veränderung der Lebenshaltungskosten innerhalb eines Jahres.

Bei der Ermittlung der Inflationsrate spielt die Gewichtung der Güter eine wichtige Rolle. Dabei wird den Preisen von Produkten, für die im Durchschnitt mehr Geld ausgegeben wird – wie zum Beispiel Strom – eine größere Bedeutung beigemessen als zum Beispiel Produkten, für die weniger Geld ausgegeben wird.

Was unterscheidet Inflation und Deflation?

Auch eine zu geringe Inflation birgt eine große Gefahr: die einer Deflation.

Eine Deflation ist das Gegenteil einer Inflation: Die Preise sinken dauerhaft. Was erst einmal gut klingt, kann dafür sorgen, dass Unternehmen und Verbraucher ihre Investitionen und Ausgaben aufschieben.

Darunter leiden wiederum andere Firmen, die nichts mehr verkaufen können – und deshalb womöglich gar Mitarbeiter entlassen. Verlieren Menschen in der Deflation ihren Job, kaufen sie noch weniger ein, weil sie sparen müssen. Diese Abwärtsspirale halten Ökonomen für noch gefährlicher für eine Volkswirtschaft als eine Inflation.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Deutsches Historisches Museum
  • Statistisches Bundesamt
  • Europäische Zentralbank
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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