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Diese Ideen sollen die Rente in Deutschland sichern

  • Mauritius Kloft
  • Christine Holthoff
Von Mauritius Kloft, Christine Holthoff

Aktualisiert am 27.06.2021Lesedauer: 8 Min.
Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Die gesetzliche Rente steht vor einem Finanzproblem.
Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Die gesetzliche Rente steht vor einem Finanzproblem. (Quelle: fizkes/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Arbeiten bis 70? Forderungen wie diese gibt es immer wieder. Eine Rentenreform lässt dennoch auf sich warten. Dabei gibt es noch weitere Rettungsideen.

Das Wichtigste im Überblick


  • Renteneintrittsalter anheben
  • Rentenalter flexibilisieren
  • Selbstständige und Beamte einbeziehen
  • Zuwanderung fördern
  • Rentenkasse stärker bezuschussen
  • Aktienrente einführen
  • Beiträge erhöhen
  • Renten kürzen

Das Thema ist ein Dauerbrenner: Kaum ein Monat vergeht, ohne dass über die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rente diskutiert wird. Diesmal ist es der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, der die Debatte befeuert.

Er hält es für ausgemacht, dass das Renteneintrittsalter stufenweise bis auf 70 Jahre angehoben werden muss (mehr dazu lesen Sie hier). Ein Vorschlag, der schon länger kursiert und regelmäßig Kritik nach sich zieht.

Dennoch ist klar: Die Rente hat ein Finanzierungsproblem. Auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler. Was also tun?

Die Idee des höheren Eintrittsalters ist nur eine von vielen, wie die Rente gesichert werden könnte. t-online erklärt die wichtigsten Vorschläge – und wie wahrscheinlich ihre Umsetzung ist.

Wichtig: Wir betrachten nur Vorschläge, die darauf abzielen, die Rente zu sichern. Ein höherer Mindestlohn könnte zum Beispiel Auswirkungen auf die Rentenfinanzen haben, zielt vorrangig aber auf etwas anderes ab. Zudem betrachten wir die Vorschläge voneinander gelöst, um sie besser erklären zu können. In der Realität wird wahrscheinlich nicht nur eine Maßnahme ausreichen, vielmehr wird es ein Zusammenspiel aus mehreren Vorschlägen geben, um die gesetzliche Rente langfristig stabil zu halten.

Renteneintrittsalter anheben

Der Klassiker unter den Reformvorschlägen. Allein in diesem Jahr ging die Idee bereits mehrmals durch die Medien, jüngstes Beispiel: Metallarbeitgeber-Vertreter Stefan Wolf.

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"Schaut man sich die demografische Entwicklung und die Belastungen der Sozial- und Rentenkassen an, dann sind die Reserven aufgebraucht. Wir werden länger und mehr arbeiten müssen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Konkret: bis zum Alter von 70 Jahren.

Aktuell ist das Renteneintrittsalter für Menschen, die nach 1964 geboren sind, bei 67 Jahren festgeschrieben. Es gibt mehrere Vorschläge, dieses Alter darüber hinaus anzuheben. Auf diese Weise würde die geringe Zahl an Erwerbstätigen länger in die Rentenversicherung einzahlen und später als Rentner im Schnitt kürzer Leistungen kassieren.

Vor Wolf sorgte die Bundesbank mit der Idee für Aufsehen, das Renteneintrittsalters an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Sie hatte die Debatte bereits 2019 um eine weitere Anhebung des Rentenalters auf fast 70 Jahre befeuert.

Auch der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums sprach sich im vergangenen Jahr für eine Kopplung an die Lebenserwartung aus. Gemäß den Prognosen werde mit einer solchen Regel 2042 ein Renteneintrittsalter von 68 Jahren erreicht, berechnete der Beirat damals. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ökonomen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) legten sogar noch einmal nach: Sie forderten eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ab dem Jahr 2052. Die von den Regierungsberatern geforderte Erhöhung des Rentenalters auf 68 Jahre ab 2042 werde nicht ausreichen, heißt es in einer entsprechenden IW-Studie.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Sehr wahrscheinlich. Die Frage ist lediglich, wie stark das Rentenalter steigen wird. Dass es aber über das 67. Lebensjahr hinaus anzieht, gilt als relativ ausgemacht – auch wenn SPD, Grüne und FDP es aktuell noch ausschließen. Experten mahnen jedoch, dass es bei der Umsetzung in jedem Fall Ausnahmen für bestimmte Berufsgruppen brauche, die körperlich nicht in der Lage seien, länger zu arbeiten.

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Auch viele Ökonomen sprechen sich dafür aus. "Die eleganteste Lösung wäre eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters", sagte etwa Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH). Ein höheres Rentenalter könne die Staatsfinanzen stützen, ohne bei wichtigen Zukunftsinvestitionen auf die Bremse treten zu müssen.

Und Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts und einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen, sagte t-online: "Der Anstieg der Rentenbeiträge lässt sich durch ein höheres Renteneintrittsalter spürbar begrenzen, wenn auch nicht ganz verhindern."

Doch es gibt auch unter Ökonomen kritische Stimmen. So sieht der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, keine Notwendigkeit für eine jetzige Diskussion um ein höheres Renteneintrittsalter.

"Mir ist nicht ersichtlich, warum man jetzt schon darüber reden sollte, was danach in den 2030er-Jahren mit dem Renteneintrittsalter passiert. Ob jemand in den 2030ern einen Monat früher oder später in Rente gehen darf, muss niemand zur Planungssicherheit bereits heute wissen."

Rentenalter flexibilisieren

Bislang richtet sich das Renteneintrittsalter streng nach dem Geburtsjahrgang – wer vor dem Rentenalter in Rente gehen möchte, muss mit hohen Abschlägen rechnen. Ausnahmen gibt es nur für Menschen, die besonders lange in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Es gibt mehrere Vorschläge, das Renteneintrittsalter künftig zu flexibilisieren. So forderte die FDP in ihrem Wahlprogramm etwa ein Rentenmodell wie in Schweden. Neben einer Aktienrente (siehe unten) soll jeder selbst entscheiden dürfen, wann sie oder er in Rente geht.

Auch CDU-Politiker hatten eine solche Idee ins Spiel gebracht. Sie glauben, dass so mehr Anreize geschaffen werden, länger zu arbeiten. Die Christdemokraten zogen mit dem Vorschlag in den Bundestagswahlkampf, die Abschläge zu erhöhen, falls man früher Rente beziehen möchte – und umgekehrt Zuschläge zu erhalten, wenn man länger arbeitet.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Recht unwahrscheinlich. Dass das Rentenalter in Deutschland so flexibel wird wie in Schweden, ist fraglich; die Kritik an der Idee zu deutlich: So führen Sozialexperten an, dass durch ein flexibles Rentenalter möglicherweise ein höheres Rentenalter "durch die Hintertür" etabliert wird.

Möglich jedoch, dass die Anreize, länger zu arbeiten, angepasst werden, wie es die CDU vorhat. Auch die Grünen können sich etwas flexiblere Übergänge in die Rente vorstellen, etwa durch eine "Teilrente ab 60 Jahren" oder bessere Hinzuverdienstregeln über das Rentenalter hinaus.

Selbstständige und Beamte einbeziehen

Beamte zahlen bislang noch nicht in die gesetzliche Rente ein, sie erhalten eine Beamtenpension. Mehr dazu lesen Sie hier. Doch auch die meisten Selbstständigen und Freiberufler sind ebenfalls nicht in der gesetzlichen Rente pflichtversichert. Das gilt etwa für Künstler, Publizisten oder Sporttrainer.

Schon im vergangenen Sommer brachte Hubertus Heil (SPD) die Idee ins Spiel, alle Selbstständigen in die Rente einzubeziehen. "Je mehr einzahlen, desto besser für die Stabilität der Rentenkasse", sagte Heil Anfang Juni 2021.

Der Vorschlag war schon damals nicht neu, immer wieder kommen solche Ideen hoch. So forderten die Linken im Herbst 2020, dass künftig Beamte in die Rentenkasse einzahlen, genau wie in Österreich. Auch die Grünen wollten mit einer "Bürgerversicherung" auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rente einzahlen lassen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Dass künftig mehr Selbstständige in die gesetzliche Rente einzahlen müssen, gilt als recht wahrscheinlich. Dass jedoch Beamte pflichtversichert werden – und somit die Beamtenpension abgeschafft wird – ist aktuell nahezu ausgeschlossen.

Fakt ist: Eine solche komplette Systemänderung ist kompliziert und kann die Rentenkasse erst einmal belasten. Zudem ist mit erheblichem Widerstand der Beamten zu rechnen, die auch emotional stark an ihren Pensionen hängen.

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Top-Ökonom Clemens Fuest hält solche Vorschläge ebenfalls nicht für zielführend. "Es gäbe dann zwar mehr Leute, die in die Rente einzahlen. Gleichzeitig gibt es jedoch mehr Menschen, die Anspruch auf die Rente haben", sagte er t-online. Das heißt: Das Problem wird nicht gelöst, nur wenn mehr Menschen einzahlen.

Fuest: "Man kann so mehr umverteilen, aber das grundlegende Problem, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner versorgen müssen, wird dadurch nicht entschärft."

Zuwanderung fördern

Eine weitere Idee, um dauerhaft mehr Beitragszahler zu gewinnen ist, die Zuwanderung deutlich zu steigern.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Relativ wahrscheinlich. So heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP, man wolle die umlagefinanzierte Rente durch "die erwerbsbezogene und qualifizierte Einwanderung stärken".

Konkret soll der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt mit der Einführung einer Chancenkarte erleichtert werden. Außerdem soll die Blue Card, bisher nur ein Aufenthaltstitel für Hochschulabsolventen, auch für nicht-akademische Berufe gelten. Ausländische Bildungs- und Berufsabschlüsse sollen schneller und leichter anerkannt werden.

Mehr Zuwanderung hätte zudem einen weiteren Vorteil: Neben der Rentensicherung könnte sie auch helfen, den Fachkräftemangel einzudämmen.

Rentenkasse stärker bezuschussen

Zurzeit fließen rund 100 Milliarden Euro Steuergelder aus dem Bundeshaushalt als Zuschuss an die Deutsche Rentenversicherung, den Träger der gesetzlichen Rente. Damit werden rund 30 Prozent der Ausgaben gedeckt.

Künftig könnte – zumindest theoretisch – deutlich mehr aus dem Bundeshaushalt fließen, und so womöglich 40 oder 50 Prozent der Rentenkosten bezahlt werden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Sehr unwahrscheinlich. Zwar steigen die Leistungen an die gesetzliche Rentenversicherung laut dem Plan von Finanzminister Christian Lindner (FDP) von rund 112,4 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf rund 128,8 Milliarden Euro bis 2026, doch Wirtschaftsexperten warnen davor, die Zuschüsse stark steigen zu lassen. Denn dafür müssten andere Kosten und Investitionen eingespart werden. "Wir können die Rentenkasse nicht unbegrenzt aus dem Bundeshaushalt subventionieren", sagte etwa Top-Ökonom Clemens Fuest im t-online-Interview.

Eine Alternative wäre, dass Deutschland dauerhaft mehr Schulden als bislang aufnehmen und sich von der Schuldenbremse verabschieden müsste. Die soll ab 2023 aber wieder eingehalten werden.

Aktienrente einführen

In Schweden beruht die gesetzliche Rente seit Jahren zum Teil auf einer breiten Aktienanlage. Die FDP schlug ein solches Modell auch für Deutschland vor.

Alle Beitragszahler sollten zwei Prozent des Bruttoeinkommens in einem unabhängig verwalteten, vollständig aktienbasierten Fonds ansparen – wie üblich mit einem Arbeitnehmer- und einem Arbeitgeberbeitrag.

Von den 18,6 Prozent des jetzigen Rentenbeitrags sollen also zwei Prozentpunkte in den Aktienfonds, im Gegenzug würde der Beitrag zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rente im selben Maße gesenkt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Zumindest auf die grundlegende Idee, die Aktienmärkte zur Stabilisierung der Rente zu nutzen, konnte sich die Ampel-Koalition verständigen. Sie plant, die gesetzliche Rente mit einem staatlichen Fonds zu ergänzen, der Milliarden an den globalen Aktienmärkten anlegt und in die Rentenkasse speist.

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In einem ersten Schritt sollen dafür 10 Milliarden Euro aus Haushaltsmitteln in den Fonds fließen. Allerdings findet sich das Vorhaben bisher nicht im Etatentwurf der Regierung. FDP-Finanzpolitiker und Mitantreiber der Aktienrente Johannes Vogel zeigte sich im Gespräch mit t-online jedoch zuversichtlich, dass das Projekt noch dieses Jahr kommen werde. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Beiträge erhöhen

Bis 2025 sind die Beiträge zur Rente bei maximal 20 Prozent festgeschrieben, bislang liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Nach den aktuellen Vorausberechnungen bleibe er mindestens noch 2022 konstant, so die Rentenversicherung. "2023 könnte eine kleine Anhebung auf 18,7 Prozent erforderlich sein", heißt es.

Um die Rente jedoch zu finanzieren, könnten die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber steigen – beispielsweise auf 22 Prozent, 11 Prozent für jeden also.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dazu kommt?

Recht wahrscheinlich – zumindest langfristig. Zwar hat sich die Bundesregierung in den Koalitionsvertrag geschrieben, den Beitragssatz in dieser Legislaturperiode nicht über 20 Prozent steigen zu lassen, doch dass die Haltelinie über 2025 hinaus in der jetzigen Form gehalten werden kann, ist wenig realistisch.

Die Rentenkommission hatte bereits im Frühjahr 2020 vorgeschlagen, den Beitragssatz auf einen Korridor von 20 bis 24 Prozent zu steigern – über mehrere Jahre. Möglich ist also, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber in ein paar Jahren mehr in die gesetzliche Rente einzahlen müssen.

Renten kürzen

Diese Idee ist mit Sicherheit der unpopulärste Vorschlag. Deshalb wird er auch kaum öffentlich geäußert oder diskutiert, obgleich er theoretisch möglich wäre.

Durch die staatliche Rentengarantie können Bestandsrenten zwar nicht sinken. Fallen aber kann das sogenannte Rentenniveau. Für Sie als Rentner bedeutet ein Absinken des Rentenniveaus zwar nicht automatisch, dass Ihre individuell gezahlte Rente sinkt, sie steigt aber langsamer als die Einkünfte der Rentenbeitragszahler. Die Folge: Verglichen mit den Jüngeren können sich Ältere womöglich weniger leisten.

Bis 2025 gibt es beim Rentenniveau eine Haltelinie. Das heißt: Es darf nicht unter 48 Prozent fallen. Danach kann es also sinken.

Wie wahrscheinlich ist der Vorschlag?

Recht wahrscheinlich. Zwar hat die Ampel-Koalition versprochen, das Mindestrentenniveau von 48 Prozent dauerhaft zu sichern, Experten fürchten jedoch, dass das nicht durchzuhalten ist. Wegen der Finanzierbarkeit der Rente fordern Ökonomen bisweilen, die Haltelinie fürs Rentenniveau nach 2025 aufzugeben – oder zumindest weniger rigoros auszugestalten.

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