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So gefährlich kann eine Thrombose sein

Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel  

Warum bei Thrombose schnelles Handeln wichtig ist

25.07.2021, 15:06 Uhr
So gefährlich kann eine Thrombose sein. Eine Frau fasst sich ans Bein: Anzeichen für eine Thrombose können Schmerzen und Schwellungen am Bein sein. (Quelle: Getty Images/PORNCHAI SODA)

Eine Frau fasst sich ans Bein: Anzeichen für eine Thrombose können Schmerzen und Schwellungen am Bein sein. (Quelle: PORNCHAI SODA/Getty Images)

Besteht Verdacht auf eine Thrombose, ist Eile geboten. Denn verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß, kann das schwerwiegende Folgen haben. Welche Anzeichen für Thrombose typisch sind und welche Behandlung helfen kann.

Wer von einer Thrombose spricht, meint in der Regel den Gefäßverschluss einer tiefer liegenden Vene im Bein, also die sogenannte tiefe Beinvenenthrombose. Mit mehr als neun von zehn Fällen ist sie die häufigste Form der Thrombose.

Kleinere Thrombosen sind dagegen in der Regel unproblematisch, da sie den Blutfluss normalerweise nicht behindern und sich meist von selbst auflösen. Oft verursachen sie auch keine Symptome und bleiben deswegen unbemerkt.

Wann sollte man zum Arzt und wie lange ist eine Thrombose gefährlich?

Kommt es zu einer größeren Thrombose mit echtem Gefäßverschluss, löst das verschiedene Symptome wie Schmerzen und Schwellungen aus. Bei solchen Anzeichen sollte keine Zeit verloren und so rasch wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Denn solange die Thrombose noch vorhanden ist, kann sie gefährlich sein. Um schwerwiegende Folgen zu vermeiden, ist ein rascher Therapiebeginn deshalb wichtig.

Statistisch gesehen sind in Deutschland jedes Jahr etwa 100.000 Menschen von einer Thrombose betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer. Wie häufig eine Thrombose auftritt, hängt allerdings auch stark vom Alter ab. Zwischen 20 und 40 Jahren entwickelt sich pro Jahr bei etwa einem von 10.000 Menschen eine Thrombose im Bein oder eine Lungenembolie, also ein Gefäßverschluss in der Lunge. Bei über 75-Jährigen steigt die Zahl der Thrombose-Fälle deutlich an: Hier kommt es pro Jahr bei etwa einem von 100 Menschen zu einer Beinvenenthrombose oder Lungenembolie.

Definition: Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose ist per Definition ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel, also einer Art Pfropf aus geronnenem Blut (Fachausdruck: Thrombus). Überwiegend passiert das in den tiefen Beinvenen. Generell können sich venöse Thrombosen aber auch in anderen Körperbereichen entwickeln (zum Beispiel Thrombose im Arm, Analthrombose).

Dass sich Blutgerinnsel überhaupt bilden, ist dabei erst mal nichts Schlimmes, sondern in der Regel eine gute Sache. Im Falle von Verletzungen lässt sich damit ein größerer Blutverlust meist rasch verhindern. Das entstandene "Leck" kann heilen und sich wieder schließen.

Bilden sich Blutgerinnsel jedoch innerhalb eines Gefäßes, kann das zu Problemen führen, wenn diese den Blutfluss behindern. Dasselbe gilt, wenn sich ein Blutgerinnsel löst, in andere Organbereiche fortgeschwemmt wird und dort ein Gefäß verschließt. Erreicht ein Gerinnsel so beispielsweise die Lunge, kann es dort zu einer Lungenembolie kommen.

Schon gewusst?
Von einer arteriellen Thrombose spricht man, wenn sich ein Blutgerinnsel nicht in einer Vene, sondern in einer Schlagader (Arterie) gebildet hat. Dann kann es in der Folge zu medizinischen Notfällen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen.


Woran erkennt man eine Thrombose? Das sind die Symptome

Bei einer Thrombose im Bein (tiefe Beinvenenthrombose) sind verschiedene Symptome möglich. In der Regel treten die Beschwerden dabei immer nur an einem Bein auf, je nachdem, in welchem Bein der Gefäßverschluss besteht.

Typischerweise kommt es bei einer Thrombose zu folgenden Anzeichen:

  • Beinschmerzen oder Schmerzen in der Hüfte, oft spontan oder bei Belastung
  • Spannungsgefühl oder ziehendem Schmerz im Bein
  • Hochlagern kann die Schmerzen lindern
  • Bein ist druckempfindlich
  • Schwellung am Bein, Beinumfang nimmt zu
  • geröteter, warmer Haut am Bein
  • oberflächliche Venen sind deutlich sichtbar

Wichtig zu wissen:
Bei einer Thrombose im Bein gelten solche Symptome zwar als typisch, müssen aber nicht bei jedem so auftreten. Sicherheitshalber sollte jeglicher Thrombose-Verdacht zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Löst sich das Blutgerinnsel im Bein und wird über den Blutkreislauf in die Lunge verschleppt, kann es dort einen Gefäßverschluss verursachen (Lungenembolie). Diese Komplikation kann zu Atem- und Kreislaufbeschwerden führen, wie:

  • leichter bis starker Atemnot
  • Schwindel
  • Angst und Unruhe

Wenn es durch die Lungenembolie zu einem Atemstillstand kommt, besteht Lebensgefahr. Suchen Sie deshalb bei solchen Symptomen umgehend ärztliche Hilfe beziehungsweise rufen Sie einen Rettungswagen (112).

Postthrombotisches Syndrom: Mögliche Thrombose-Folge

Nach einer tiefen Beinvenenthrombose kommt es relativ oft zu verschiedenen Folgeerscheinungen. Diese Beschwerden, die sich innerhalb von einigen Wochen bis Monaten nach einer Thrombose entwickeln können, fassen Fachleute unter dem Namen "postthrombotisches Syndrom" zusammen.

Mögliche Anzeichen für ein postthrombotisches Syndrom sind zum Beispiel Schmerzen im Bein oder Schwellungen. Daneben können weitere Beschwerden auftreten, wie ein Schweregefühl im Bein, Juckreiz, Kribbeln oder Muskelkrämpfe. Auch Hautausschläge, Hautverfärbungen oder Geschwüre sind möglich.

Ursache für das postthrombotische Syndrom sind Veränderungen, die sich als Folge einer früheren Thrombose im Bein einstellen können. Denn dabei haben häufig die Venenklappen und die Gefäßwände der Venen im betroffenen Bereich Schaden genommen. Einmal entstanden, lässt sich dieser nicht mehr beheben.

Venenklappen wirken normalerweise wie eine Art Rückschlagventil und stellen sicher, dass das verbrauchte, sauerstoffarme Blut in Richtung Herz transportiert wird. Funktionieren die Klappen nicht richtig, kann es jedoch passieren, dass Blut zurückfließt und förmlich in den Venen versackt. Dadurch steigt der Druck in den betroffenen Venen und es kann zu Schwellungen und anderen Beschwerden kommen.

Die Gefäßwände der Venen können zudem nach einer Thrombose vernarbt und dadurch weniger elastisch sein. Eine gewisse Nachgiebigkeit ist jedoch wichtig, da bei körperlicher Aktivität der Blutfluss in den Venen steigt. Geben die Gefäßwände nicht ausreichend nach, nimmt der Druck in den Gefäßen zu, was zu Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen im Bein führen kann, insbesondere im Unterschenkel.

Das wiederum kann die Haut beeinträchtigen, die jucken und sich verfärben kann. Oft ist sie eher trocken, in manchen Fällen nässt sie auch. Ohne weitere Behandlung nimmt die Haut eine lederige Struktur an. Bereits kleine Verletzungen heilen dort nur schwer ab und es besteht das Risiko, dass sich ein Geschwür bildet (sog. Ulcus cruris).

Um Komplikationen wie ein postthrombotisches Syndrom zu verhindern, ist es wichtig, eine Thrombose so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Thrombose: Das sind die Ursachen

Eine Thrombose, also ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel, kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein Blutgerinnsel kann sich zum Beispiel bilden, wenn

  • der Blutfluss langsamer als gewöhnlich ist,
  • die Blutgerinnung gestört ist und das Blut dadurch schneller gerinnt oder
  • eine Gefäßwand verletzt wurde.

Grafische Darstellung eines Beins und einer Vene: Das Blut verklumpt zu Gerinnseln, eines löst sich und wandert durch den Körper. (Quelle: Getty Images/colematt)Grafische Darstellung eines Beins und einer Vene: Das Blut verklumpt zu Gerinnseln, eines löst sich und wandert durch den Körper. (Quelle: colematt/Getty Images)

Thrombose-Risikofaktoren

Verschiedenen Umstände können begünstigen, dass sich ein Blutgerinnsel und in der Folge eine Thrombose bildet. Zu diesen Risikofaktoren zählen:

  • längere Phasen der Bettruhe (etwa im Rahmen einer Erkrankung oder durch einen Krankenhausaufenthalt)
  • Blutgerinnungsstörungen
  • zurückliegende Thrombose oder Lungenembolie
  • größere operative Eingriffe
  • Lebensalter über 60 Jahre
  • Thrombose-Fälle bei Eltern oder Geschwistern
  • Krebserkrankungen oder -behandlungen, die die Blutgerinnungsneigung erhöhen
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • starkes Übergewicht ab BMI über 30 (Adipositas)
  • Einnahme von hormonhaltigen Medikamenten wie der Antibabypille oder Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden
  • stark ausgeprägtes Krampfaderleiden (Varikose)
  • Erkrankungen und Faktoren, die begünstigen, dass sich Gefäßwände verengen, wie Arteriosklerose (Arterienverkalkung), Bluthochdruck (Hypertonie), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Gefäßentzündungen oder Rauchen
  • Schwangerschaft
  • kürzlich erfolgte Entbindung
  • langes Sitzen

Thrombose: So läuft die Diagnose ab

Bei Verdacht auf eine Thrombose lässt sich die Diagnose nicht allein anhand der Beschwerden stellen. Deswegen sind weitere Untersuchungen nötig.

Zuerst erfolgt meist ein spezieller Bluttest, der anzeigt, wie hoch die Konzentration an D-Dimeren im Blut ist. Diese entstehen im Körper beim Abbau von Blutgerinnseln. Bei einer Thrombose ist der Wert in der Regel erhöht. Erhöhte D-Dimere können allerdings auch andere Ursachen als eine Thrombose haben und sind deshalb kein eindeutiger Hinweis. Sind die Werte niedrig, liegt jedoch relativ sicher keine Thrombose vor.

Bei erhöhten D-Dimeren folgt im Anschluss üblicherweise eine Form der Ultraschalluntersuchung, die sogenannte Doppler- oder Duplex-Sonographie. Mit dieser kann die Ärztin oder der Arzt die tiefen Beinvenen untersuchen und feststellen, ob der Blutfluss in den Venen möglicherweise Auffälligkeiten zeigt. Um eine Thrombose sicher festzustellen und die Diagnose zu sichern, gilt die Doppler-Ultraschalluntersuchung als Standard.

Ist eine tiefe Beinvenenthrombose sehr wahrscheinlich, kommt in der Regel sofort eine Ultraschalluntersuchung zum Einsatz.

Eher selten veranlasst der Arzt oder die Ärztin auch eine Phlebographie, also eine Röntgenuntersuchung der Venen, bei der zuvor ein Kontrastmittel über eine Vene verabreicht wird. Mit dieser Methode lassen sich Gefäßverengungen erkennen.

Thrombose: Welche Behandlung hilft?

Oberstes Ziel bei einer Thrombose im Bein (tiefe Beinvenenthrombose) ist es, das störende Blutgerinnsel aufzulösen, damit das Blut wieder normal fließen kann. Die Behandlung soll außerdem verhindern, dass

  • sich das Blutgerinnsel vergrößert,
  • es zu Komplikationen wie einer Lungenembolie oder einem postthrombotischen Syndrom kommt oder
  • weitere Thrombosen auftreten.

Zur akuten Behandlung bekommen Betroffene bei einer Thrombose zuerst meist Heparin gespritzt, insgesamt etwa eine Woche lang. Da der Wirkstoff die Blutgerinnung hemmt, kann er dabei helfen, das Blutgerinnsel aufzulösen. Im Anschluss sollte die Behandlung bis zu einem halben Jahr mit gerinnungshemmenden Mitteln in Tablettenform fortgeführt werden, zum Beispiel mit Wirkstoffen wie Phenprocoumon oder Apixaban.

Außerdem können begleitend zur Medikamenten-Therapie bei Thrombose weitere Maßnahmen zum Einsatz kommen. Diese sollen bewirken, dass sich das Blut nicht in den Beinvenen staut und leichter in Richtung Herz fließen kann.

Hierbei spielt vor allem die Kompressionstherapie eine wichtige Rolle. Bei dieser wird zum Beispiel mithilfe von Kompressionsstrümpfen Druck auf die Beine ausgeübt. Aus wissenschaftlicher Sicht bestehen allerdings aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse Zweifel am Nutzen von Kompressionsstrümpfen, jedenfalls wenn es darum geht, diese über längere Zeit täglich zu tragen. In manchen Fällen kann das unter Umständen aber dennoch ratsam sein, etwa wenn es Gründe gibt, die gegen die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten sprechen.

Im Rahmen der Thrombose-Behandlung ist es normalerweise nicht notwendig, sich körperlich zu schonen. Im Gegenteil: Fachleute raten heutzutage in den meisten Fällen dazu, längere Phasen von Bettlägerigkeit möglichst zu vermeiden und sich regelmäßig zu bewegen.

Thromboseprophylaxe: Thrombose vorbeugen

Als Thromboseprophylaxe werden alle Maßnahmen bezeichnet, mit denen sich das Risiko für einen Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Thrombose) senken lässt. Dazu zählen sowohl allgemeine, nicht-medikamentöse Maßnahmen als auch die Einnahme bestimmter Medikamente.

Wer allgemein sein Thromboserisiko senken möchte, kann verschiedene Tipps beherzigen. Günstig kann es sich zum Beispiel auswirken, einige Dinge am Lebensstil zu ändern. Empfehlenswert ist es zum Beispiel,

  • sich ausgewogen zu ernähren,
  • sich ausreichend und regelmäßig zu bewegen,
  • nicht zu rauchen,
  • Normalgewicht anzustreben bzw. Übergewicht zu vermeiden,
  • Alkohol höchstens in Maßen zu genießen,
  • langes Stehen und Sitzen zu vermeiden,
  • die Beine nach dem Duschen kalt abzuspülen,
  • ausreichend zu trinken und
  • nach Entbindungen oder Operationen Kompressionsstrümpfe zu tragen.

Auch vor Operationen geben viele Krankenhäuser Kompressionsstrümpfe aus. Teilweise erhalten Betroffene zusätzlich Heparin, um einer Thrombose vorzubeugen.

Nach einer Thrombose

Wer schon mal eine Thrombose im Bein hatte, bekommt zur Thromboseprophylaxe meist gerinnungshemmende Medikamente verschrieben. Vorbeugen lässt sich beispielsweise mit Wirkstoffen wie Heparin, Danaparoid, Fondaparinux, Apixaban, Phenprocoumon oder Warfarin.

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) eignet sich dagegen eher nicht, um einer venösen Thrombose vorzubeugen. Denn auf die Blutgerinnung in den Venen zeigt er nur wenig Wirkung.

Verschiedene Bewegungsübungen sollen außerdem den Rückfluss von Blut aus den Beinvenen zum Herz fördern. Hierbei handelt es sich um Übungen, die die Muskelpumpe in den Waden aktivieren, wie zum Beispiel Fußwippen. Damit diese Übungen etwas bringen, ist es wichtig, sie zu Hause am besten täglich einzuplanen.

Möglicherweise verschreibt die Ärztin oder der Arzt außerdem Kompressionsstrümpfe. Diese sollten individuell angepasst sein und täglich getragen werden.

Beim Schlafen können sogenannte Venenkissen den Rückfluss aus den Beinvenen unterstützen und so einer Thrombose möglicherweise vorbeugen. Mit einem Venenkissen liegen die Beine leicht erhöht, sodass Blut aus den Venen sich nicht im Bein staut und leichter zurück zum Herzen fließen kann.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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