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Polyneuropathie: Symptome, Behandlung, Lebenserwartung

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Nervenerkrankung  

Diese Anzeichen sind typisch für Polyneuropathie

Polyneuropathie: Symptome, Behandlung, Lebenserwartung. Eine Frau greift sich an den Fuß. (Quelle: Getty Images/fizkes)

Kribbeln die Füße oder Beine, kann das ein Hinweis auf Polyneuropathie sein. (Quelle: fizkes/Getty Images)

Polyneuropathie entwickelt sich allmählich. Mögliche Anzeichen sind unter anderem ein Kribbeln oder Brennen in den Zehen beziehungsweise Füßen. Welche Symptome außerdem typisch sind und wie die Behandlung aussieht.

Polyneuropathie betrifft in Deutschland etwa fünf bis acht von hundert Erwachsenen. Die meist chronische Nervenerkrankung tritt überwiegend ab einem Alter von etwa 65 Jahren auf. Vergleichsweise häufig erkranken vor allem Menschen mit Diabetes daran.

Definition: Polyneuropathie – was ist das?

Polyneuropathie ist eine Nervenerkrankung, bei der Schäden an den peripheren Nerven entstehen. Das sind all jene Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen und den Körper durchziehen.

Bei einer Polyneuropathie funktionieren vor allem die Nervenfasern der Beine nicht richtig und können dadurch Missempfindungen, Schmerzen und anderen Beschwerden auslösen. Eher selten sind auch Arme oder innere Organe von Polyneuropathie betroffen.

Polyneuropathie: Mögliche Symptome

Bei einer Polyneuropathie können verschiedene Symptome auftreten. Je nach betroffener Art der Nervenfasern beeinträchtigen die Schäden zum Beispiel über die Haut wahrgenommene Sinnesreize oder die Bewegung von Muskeln. In manchen Fällen stören sie auch die Funktion von inneren Organen und wirken sich zum Beispiel auf den Blutdruck, die Verdauung oder die Blase aus. Am häufigsten sind jedoch sensorische Nervenfasern betroffen und dadurch die Wahrnehmung von Reizen über die Haut.

In den meisten Fällen zeigen sich die Symptome einer Polyneuropathie in den Beinen und beginnen dort in der Regel im Fuß beziehungsweise in den Zehen. Eher selten sind die Arme beziehungsweise Hände von der Erkrankung betroffen. Die Beschwerden treten normalerweise symmetrisch auf, also an beiden Beinen gleichermaßen.

Typisch für eine Polyneuropathie sind dabei Symptome wie Missempfindungen. Das kann sich zum Beispiel als kribbelndes "Ameisenlaufen" in den Beinen äußern oder auch in Form eines pelzigen Gefühls auf der Haut. Etwa in der Hälfte aller Fälle treten Schmerzen auf.

Häufig ist die Wahrnehmung der Haut verändert, wodurch etwa heiß und kalt nicht korrekt spürbar sind. Meist werden solche Temperaturreize schwächer empfunden – oder gar nicht. Dadurch steigt die Gefahr, sich zu verletzen.

Mögliche Symptome bei einer Polyneuropathie sind unter anderem:

  • kribbelndes, pelziges oder taubes Gefühl in den Beinen, das von den Füßen allmählich aufsteigt
  • scharfe, stechende, pochende, elektrisierende oder brennende Schmerzen (wie brennende Füße)
  • Kälte- oder Wärmegefühl
  • abgeschwächte Wahrnehmung von Temperaturreizen wie Hitze oder Kälte
  • juckendes Gefühl
  • wattiges Gefühl beim Gehen
  • Gefühl von Schwellung bei fehlender sichtbarer Schwellung
  • starke Berührungsempfindlichkeit
  • Schmerzreaktion auf Dinge, die normalerweise keine Schmerzen hervorrufen, wie etwa das Gewicht einer Decke, die auf den Füßen liegt
  • Gefühl von Einschnürung (meist an den Füßen), als würde man zu enge Socken tragen
  • Wadenkrämpfe (vor allem nachts)
  • Muskelzuckungen, Muskelschwäche
  • unruhige Beine, vor allem nachts und in Ruhe (Restless-Legs-Syndrom)

Sonderform autonome Polyneuropathie

In den meisten Fällen betrifft eine Polyneuropathie die Nervenfasern der Beine (und Arme). Bei einer Sonderform der Erkrankung, der sogenannten autonomen Polyneuropathie, ist jedoch auch das autonome (= vegetative) Nervensystem betroffen. Dann können innere Organe an der Erkrankung beteiligt sein, wie etwa das Herz, die Blase oder die Verdauungsorgane. In diesem Fall treten möglicherweise Symptome wie diese auf:

  • Herz-Kreislauf-Störungen, wie Herzrhythmusstörungen
  • Schwindel
  • Verdauungsstörungen, wie Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl
  • Blasenentleerungsstörungen, wie unkontrolliertes Wasserlassen bedingt durch ein fehlendes Gefühl dafür, wie voll die Blase ist
  • Potenzstörungen bei Männern
  • starkes (meist nächtliches) Schwitzen

Solch eine autonome Polyneuropathie entwickelt sich häufiger bei Menschen mit langjährigem Diabetes: Beinah jeder zweite ist nach etwa 20 Jahren davon betroffen.

Polyneuropathie: Was sind die Ursachen?

Zu den häufigsten Ursachen für Polyneuropathie zählen Diabetes (Typ 1 oder Typ 2) sowie ein langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum. Daneben gibt es jedoch auch viele weitere Ursachen. Nicht immer lassen sich diese sicher herausfinden.

Gut zu wissen
Eine Polyneuropathie unklarer Ursache bezeichnen Fachleute als idiopathische Polyneuropathie.

Zu den typischen Beschwerden einer Polyneuropathie kommt es, weil die Nervenfasern des peripheren Nervensystems bei den Betroffenen Schaden genommen haben. Als Folge leiten die Nerven Reize wie Berührung oder Schmerz schlechter oder gar nicht mehr an das Hirn weiter oder lösen spontane Nervenimpulse aus. Entsprechende Reize an den Beinen oder Armen dringen so nur noch abgeschwächt durch und es können Missempfindungen wie ein brennendes, kribbelndes oder taubes Gefühl oder auch Schmerzen in den betroffenen Bereichen entstehen.

Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um eine erworbene Polyneuropathie. Das heißt, die Nervenschädigung ist die Folge einer anderen Erkrankung (wie Diabetes). In seltenen Fällen kann eine Polyneuropathie auch angeboren, also erblich bedingt sein.
Eine erworbene Polyneuropathie kann viele Ursachen haben, hier einige Beispiele:

  • Typ-1- oder Typ-2-Diabetes (sog. diabetische Neuropathie)
  • Alkoholkrankheit
  • länger bestehender Nährstoffmangel (etwa ein Mangel an B-Vitaminen wie Vitamin B12 und Folsäure oder Vitamin E)
  • Vergiftungen (etwa durch Schwermetalle wie Blei, Arsen, Thallium)
  • hormonelle Störungen (etwa bei Schilddrüsenunterfunktion oder bei Akromegalie, einer Wachstumshormonstörung)
  • Infektionskrankheiten (wie Borreliose, Syphilis, HIV)
  • Guillain-Barré-Syndrom (Nervenerkrankung infolge einer Autoimmunreaktion, häufig nach Infekten)
  • Chemotherapie im Rahmen einer Krebserkrankung
  • Gefäßentzündung (Vaskulitis)

Verlauf und Lebenserwartung: Gibt es bei Polyneuropathie ein Endstadium?

Polyneuropathie ist in den meisten Fällen eine chronische Erkrankung, die allmählich beginnt und nur langsam fortschreitet. Welchen Verlauf die Nervenerkrankung nimmt, lässt sich nicht pauschal sagen. Mit der richtigen Behandlung bessern sich die Schmerzen und anderen Beschwerden jedoch in vielen Fällen.

Ist die Ursache der Polyneuropathie eine andere Erkrankung wie Diabetes, Alkoholismus oder ein Mangelzustand wie ein Vitamin-B12-Mangel, lassen die Symptome unter Umständen nach, wenn diese angemessen behandelt und etwa der Blutzucker gut eingestellt, auf Alkohol verzichtet oder der Mangel ausgeglichen wird. Periphere Nervenzellen können sich zum Teil von Schädigungen wieder erholen; dafür braucht es jedoch Zeit. Bis sich die Schäden und damit die Beschwerden im Verlauf zurückbilden, können Monate bis Jahre vergehen.

Manche Menschen mit Polyneuropathie fragen sich, welchen Einfluss die Erkrankung auf die Lebenserwartung hat oder ob sie vielleicht sogar tödlich ist: Die Nervenerkrankung selbst ist nicht lebensverkürzend und hat auch kein Endstadium im eigentlichen Sinn. Die jeweils möglicherweise ursächlichen Erkrankungen (wie etwa Diabetes, Alkoholismus, Krebserkrankungen) können die Lebenserwartung allerdings gegebenenfalls senken.

Handelt es sich um eine Polyneuropathie infolge von Diabetes, sprechen Fachleute von diabetischer Neuropathie. Diese lässt sich im Verlauf von ihrem Schweregrad her in verschiedene Stadien einteilen:

  • Stadium 0: Diabetes ohne Neuropathie
  • Stadium 1: diabetische Neuropathie feststellbar; trotz erster Nervenschädigungen aber noch symptomfrei
  • Stadium 2: diabetische Neuropathie mit Symptomen
  • Stadium 3: diabetische Neuropathie mit Symptomen, die zu Behinderung führt

Polyneuropathie: So stellt der Arzt die Diagnose

Um herauszufinden, ob hinter den Beschwerden eine Polyneuropathie steckt, stellt der Arzt oder die Ärztin zunächst einige Fragen zu den genauen Symptomen und etwaigen Vorerkrankungen. Von Interesse ist dabei auch, wie viel Alkohol konsumiert wird und ob beziehungsweise welche Medikamente eingenommen werden.

Daran schließt sich meist eine körperliche und neurologische Untersuchung an, bei der beispielsweise die Reflexe, die Muskelkraft sowie die Empfindsamkeit der Haut im Bereich der Beine und Arme überprüft werden.

Ein Arzt untersucht das Bein eines Mannes. (Quelle: Getty Images/SARINYAPINNGAM)Bei einer Polyneuropathie treten Empfindungsstörungen meist symmetrisch, also an beiden Beinen gleichermaßen auf. (Quelle: SARINYAPINNGAM/Getty Images)

Eine Blutuntersuchung kann unter anderem zeigen, ob zum Beispiel ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure besteht oder der Langzeitzuckerwert HbA1c zu hoch ist. Das kann auf mögliche Ursachen der Polyneuropathie hinweisen.

Neurologische Untersuchungen wie die Elektroneurografie oder Elektromyografie können Aufschluss darüber geben, ob eine Nervenschädigung im Bereich der peripheren Nerven vorliegt. Je nach Situationen veranlasst der Arzt oder die Ärztin gegebenenfalls auch weitere Untersuchungen, etwa eine Gewebeprobe (Biopsie) von Nerven und Muskeln, eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion), eine Kernspintomografie, eine Ultraschalluntersuchung oder genetische Untersuchungen.

Polyneuropathie: Welche Behandlung hilft?

Welche Therapie bei Polyneuropathie die richtige ist, hängt vor allem davon ab, ob die Ursache der Erkrankung festgestellt werden kann. Hauptziel der Behandlung ist es, die Symptome der Nervenerkrankung so gut wie möglich zu lindern und eine Verschlimmerung abzuwenden.

Hat eine Polyneuropathie ihre Ursachen in einer anderen Erkrankung (wie Diabetes), gilt es, diese zu behandeln. Besteht ein nachweislicher Mangel an Nährstoffen wie Vitamin B12 oder Folsäure, sollte dieser ausgeglichen beziehungsweise die Ursache dafür behoben werden.

Da Alkoholkonsum die Nerven schädigen und so eine bestehende Polyneuropathie verstärken kann, sollten alkoholische Getränke möglichst nur gelegentlich genossen werden. Ist Alkoholkonsum die Ursache der Polyneuropathie, sollte Betroffene im Rahmen ihrer Behandlung Alkohol am besten ganz meiden.

Medikamente bei Polyneuropathie

Auch wenn sich Schmerzen und andere Symptome einer Polyneuropathie oft nicht vollständig beseitigen lassen, so ist es doch in vielen Fällen möglich, sie zu lindern.

Welche Medikamente sich für die Behandlung eignen, kann von Fall zu Fall verschieden sein. Als gut wirksam gelten zum Beispiel Wirkstoffe aus der Gruppe der Antiepileptika (wie Gabapentin, Pregabalin) oder trizyklischen Antidepressiva (wie Amitriptylin, Duloxetin). Damit diese Medikamente wirken, müssen sie täglich eingenommen werden. Ein erster Effekt stellt sich meist nach etwa zwei bis vier Wochen ein.

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen bleiben bei nervenbedingten Schmerzen wie bei einer Polyneuropathie hingegen normalerweise so gut wie wirkungslos. Bei sehr starken Schmerzen können gegebenenfalls auch opioidhaltige Schmerzmittel helfen, sollten jedoch die Ausnahme bleiben.

Äußerlich können außerdem Pflaster mit betäubend wirkenden Substanzen (wie Lidocain) schmerzende Bereiche bei Polyneuropathie lindern. Auch Pflaster mit hoch dosiertem Capsaicin, einem pflanzlichen Stoff, der unter anderem in Chilischoten vorkommt, können bei solchen Schmerzen helfen.

Weitere Maßnahmen bei Polyneuropathie

Führen die Nervenschädigungen dazu, dass Betroffene sich zum Beispiel ausweichende Bewegungsabläufe oder Körperhaltungen angewöhnen, um Beschwerden zu vermeiden, oder zeigen sich Unsicherheiten beim Gehen und Stehen, können physiotherapeutische oder ergotherapeutische Maßnahmen ratsam sein.

Generell wirken sich Bewegung und körperliche Aktivität jeglicher Art positiv auf eine Polyneuropathie aus und sind deshalb zusätzlich zur Behandlung empfehlenswert.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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