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Knacken und Knirschen im Knie: Das können Ursachen sein

Knacken der Gelenke  

Knirschen im Knie immer ernst nehmen

21.01.2019, 14:11 Uhr | akl

Knacken und Knirschen im Knie: Das können Ursachen sein. Bei Knieproblemen wird oft arthroskopiert. Doch der Eingriff bringt offenbar wenig.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Knieproblemen wird oft arthroskopiert. Doch der Eingriff bringt offenbar wenig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es knackt beim Treppensteigen, es knirscht beim Hinknien: Viele kennen die bedenklichen Geräusche aus dem Kniegelenk nur zu gut. Doch was steckt dahinter und wann muss man zum Arzt? Knieexperte Doktor Jürgen Walpert erklärt, wann das Kniegelenk in Gefahr ist.

"Das Knacken im Kniegelenk kommt vom Kniestreckapparat. Es entsteht, wenn die Kniescheibe im Zuge des Streck- und Beugevorgangs in ihrer Gleitrinne verrutscht", erklärt Dr. Jürgen Walpert, Facharzt für Orthopädie und physikalische und manuelle Therapie der Klinik Fleetinsel in Hamburg und Mitglied im Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU).

Knacken allein ist unbedenklich

Die Oberschenkelmuskulatur ist dann nicht kräftig genug, um die Kniescheibe richtig zu stabilisieren. "Es handelt sich in diesem Fall um einen kurzfristig gestörten Bewegungsablauf, der das spontane Knacken auslöst", erklärt der Experte. Bedenklich sei dies erst einmal nicht und auch das Kniescheibengleitlager werde dadurch nicht abgenutzt.

Frauen knacken besonders häufig

"Kommen allerdings Schmerzen hinzu, sollte die Ursache von einem Arzt abgeklärt werden", rät Walpert. Junge Frauen seien besonders anfällig. Das liege zum einen daran, dass sie meist weniger trainiert sind als Männer. Aber auch der weibliche Hormonhaushalt spiele eine Rolle. Wer dagegen eine starke Oberschenkelmuskulatur vorweisen kann, ist seltener betroffen.

Auch bei harmlosen Fehlstellungen wie X-Beine oder seltener O-Beine kann das Knacken auftreten, da sich die Kniescheibe nicht richtig zentrieren kann. "Nach Knie-Operationen wie einem Kreuzbandersatz verspüren Patienten ebenfalls oft ein Knacken, da sich bei ihnen durch den Mangel an Bewegung die Muskulatur zurückbildet", erklärt der Knie-Experte. Aber: Aus dem Knacken entwickelt sich kein Knirschen. Das sind zwei völlig verschiedene Krankheitsbilder.

Knirschen immer ernst nehmen

Wenn es nicht knackt, sondern knirscht, sollte man alarmiert sein: "Das Knirschen hat eine andere Bedeutung als das Knacken. Es entsteht, wenn über Jahre ein zu hoher Anpressdruck der Kniescheibe gegen das Kniegleitlager besteht. Oder wenn der Knorpel hinter der Kniescheibe durch verschiedene Erkrankungen des Kniegelenks dauerhaft geschädigt ist, wie bei einer sehr starken X-Bein-Fehlstellung", sagt Walpert.

Das Knirschen sei immer krankhaft und die Ursache solle in jedem Fall abgeklärt werden – auch wenn zunächst keine Schmerzen bestehen. "Die Kniescheibe wird langfristig aufgerieben und Knochen- sowie Knorpelpartikel lösen sich ab. Das löst das Knirsch-Geräusch aus."

Knirsch-Test schafft Klarheit

Walpert empfiehlt einen einfachen Knirsch-Test, den jeder durchführen kann: "Setzen Sie sich auf einen Stuhl und legen Sie Ihre Hand auf das Knie. Dann strecken und beugen Sie das Gelenk aktiv. Wenn dann das Knirschen deutlich zu hören ist und man zudem das Reiben der Kniescheibe spüren kann, sollte man auf jeden Fall zum Arzt."

Operation muss nicht immer sein

Was zuerst mit einem Knirschen beginnt, weitet sich meist aus. Schmerzen kommen hinzu, der Knorpel wird angegriffen und mündet im schlimmsten Fall in einer Arthrose der Kniescheibe. "Eine Operation muss aber nicht immer sein. Gerade zu Beginn kann mit gezieltem Muskelaufbau, Schuheinlagen und Krankengymnastik der Bewegungsablauf deutlich verbessert werden", beruhigt der Facharzt für Orthopädie.

Wer allerdings schon mit 30 Jahren schwere Knieprobleme hat, kommt im Alter wohl nur schwer um einen operativen Eingriff herum. Es gilt: je jünger der Patient, desto höher das Risiko, dass in späteren Jahren operiert werden muss.


Knirschen vorzubeugen ist schwierig

Vorbeugen ist kaum möglich. Zwar kann man mit einem knieschonenden Muskelaufbautraining das Risiko für Schäden minimieren. Da das Knirschen aber so viele verschiedene und individuelle Ursachen haben kann, gibt es keine gezielten Maßnahmen.

Keine Studien für Nahrungsergänzungsmittel

Auch Nahrungsergänzungsmittel sind keine Allheilmittel: "Nahrungsergänzungsmittel wie Tabletten mit Glucosamin und Chondroitin oder Kieselerde sind sehr verbreitet. Doch es gibt keine seriösen wissenschaftlichen Studien, die deren Wirksamkeit belegen", erklärt Walpert. Da aber davon auszugehen sei, dass bei rund 60 Prozent der Anwender der Placebo-Effekt einsetzt, könne eine positive Wirkung auf diesem Wege durchaus denkbar sein.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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