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Schlafstörungen bei Vollmond? Das sagen Wissenschaftler dazu

Wissenschaftler streiten  

Wie wirkt sich Vollmond auf Ihren Schlaf aus?

17.11.2021, 16:40 Uhr | sms, t-online

Schlafstörungen bei Vollmond? Das sagen Wissenschaftler dazu. Vollmond: Viele Menschen klagen bei Vollmond über Schlafstörungen.  (Quelle: imago images/blickwinkel)

Vollmond: Viele Menschen klagen bei Vollmond über Schlafstörungen. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Schlaflosigkeit bei Vollmond – Mythos oder Realität? Seit Jahrhunderten glauben Menschen, einen Zusammenhang zu spüren. Doch was sagen Wissenschaftler dazu?

Um Vollmond herum haben immer mehr Menschen Schlafstörungen. Manche können nicht einschlafen, andere berichten von Albträumen. Doch ist wirklich der Mond Schuld daran oder ist das nur Einbildung?

Ob der Mond den Schlaf beeinflusst, haben bereits 2013 Forscher um Christian Cajochen vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (Schweiz) untersucht und ihre Ergebnisse im Fachblatt "Current Biology" publiziert. Die Wissenschaftler haben nach eigener Aussage erstmals einen Beleg dafür gefunden, dass der Mond tatsächlich den Schlaf des Menschen beeinflusst.

Eine Studie des Max-Planck-Instituts  steht diesen Aussagen gegenüber. Dort haben Wissenschaftler in einer Untersuchung von 2014 keinen Zusammenhang zwischen den Mondphasen und menschlichem Schlaf feststellen können. 

Schlafmediziner bestreitet "Vollmondeffekt"

Schlafmediziner wie Dr. med. Jens Acker behaupten, es gebe keine Möglichkeit, anhand von Messdaten vorherzusagen, wie sich Patienten nach einer Nacht fühlen. "Das heißt, die erlebte Erholung entzieht sich den schulmedizinischen Messmethoden." Selbst nach tausenden Patientenkontakten glaube er nicht daran, dass Schlafstörungen durch den Vollmondeffekt begünstigt werden– wohl aber an die Kraft von Annahmen, Glaube und Überzeugungen.

"Je nachdem, was Sie für eine Meinung von Okkultismus, Astrologie und anderen Dingen haben, beeinflussen diese Annahmen Ihren Schlaf natürlich", sagt Acker Anfang 2020 in einem Gespräch mit t-online. 

Mondphasen in Schlafstudien berücksichtigt

Die Idee zu ihrer Untersuchung zu Schlafstörungen und Vollmond kam den Forschern aus der Schweiz bei einem Feierabendbier in einer Bar – und zwar in einer Vollmondnacht. Sie überlegten sich, die Daten einer abgeschlossenen Schlafstudie noch einmal neu auszuwerten und dabei die Mondphase zu berücksichtigen.

In der Studie hatten die Forscher zuvor verschiedene Aspekte des Schlaf-Wach-Rhythmus an insgesamt 33 Freiwilligen untersucht und dabei die Hirnaktivität, Augenbewegungen und Hormonveränderungen analysiert.

Die Forscher des Max-Planck-Instituts hingegen werteten Schlafdaten von 1.256 Probanden aus 2.097 Nächten aus. Martin Dresler, damaliger Neurowissenschaftler des Instituts berichtete 2014: "Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen." 

Diese Annahme unterstützt auch Acker: "Die Bevölkerung ist normalerweise ja nicht im Schlaflabor. Also was die Leute selbst sagen ist: Ich bin nicht erholt, wenn Vollmond ist. Aber alleine die Kenntnis darüber, welche Mondphase ist und die Annahme, glaube ich daran oder nicht, beeinflussen, ob man eine Schlafstörung hat. Das ist ziemlich sicher so." 

Verschlechtert der Vollmond das Einschlafen?

Die Auswertung der Schweizer hingegen ergab, dass die Versuchspersonen bei Vollmond im Schnitt fünf Minuten länger gebraucht hatten, um einzuschlafen. Sie hatten zudem pro Nacht insgesamt 20 Minuten weniger geschlafen und die Qualität ihres Schlafs selbst auch schlechter beurteilt. 

Dr. med. Jens Acker


Jens Acker hat Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg studiert und schließlich im Fachbereich Psychiatrie promoviert. Er ist Facharzt für Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie und Schlafmediziner. Seit 2013 ist er Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach in der Schweiz. Zusätzlich ist er in der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin aktiv. 

Verursacht der Vollmond Albträume?

Zusätzlich gab es messbare biologische Anhaltspunkte für einen "Mond-Faktor". Die Hirnaktivität zeigte, dass die Länge des Tiefschlafs abnahm, berichten die Forscher. Traum- und Wachphasen wurden länger und häufiger. Schließlich sank bei Vollmond auch der Melatonin-Spiegel. Dieses Hormon ist an der Steuerung von Schlaf- und Wachphasen beteiligt.

"Das ist der erste zuverlässige Beleg dafür, dass die Mondphasen das menschliche Schlafverhalten regulieren können", erklärte Cajochen 2013.

Warum hat man bei Vollmond Schlafstörungen?

Nach Ansicht der Forscher könnte dies ein Relikt aus vergangenen Zeiten sein, als der Mond das menschliche Verhalten synchronisierte. Dies ist auch aus dem Tierreich – vor allem von Meerestieren – bekannt, wo das Mondlicht zum Beispiel das Fortpflanzungsverhalten beeinflusst. Heute werde der Einfluss des Mondes durch andere Einflüsse der modernen Welt wie elektrisches Licht verdrängt, erläuterten die Forscher.

Wann und wie oft ist 2020 Vollmond? 

An diesen Tagen gibt es 2020 einen Vollmond in Deutschland: 

  • Freitag, 10. Januar 2020
  • Sonntag, 9. Februar 2020
  • Montag, 9. März 2020
  • Mittwoch, 8. April 2020
  • Donnerstag, 7. Mai 2020
  • Freitag, 5. Juni 2020
  • Sonntag, 5. Juli 2020
  • Montag, 3. August 2020
  • Mittwoch, 2. September 2020
  • Donnerstag, 1. Oktober 2020
  • Samstag, 31. Oktober 2020
  • Montag, 30. November 2020
  • Mittwoch, 30. Dezember 2020

Im Durchschnitt erscheint uns der Mond alle 29,53 Tage als Vollmond. Vollmond ist überall auf der Welt zum selben Zeitpunkt – es unterscheiden sich durch die Zeitzonen allerdings die Ortszeiten. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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