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Laktosefreie Lebensmittel? Vorsicht, hier versteckt sich Milchzucker!


Vorsicht, hier versteckt sich Milchzucker!

Sina Huth

Aktualisiert am 24.09.2015Lesedauer: 3 Min.
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Laktoseintoleranz: Laktose steckt oft auch dort, wo man es nicht erwartet.
Laktose steckt oft auch dort, wo man es nicht erwartet. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Keine Milch, keine Eiscreme, kein Joghurt: Für Menschen mit einer Laktoseintoleranz sind zahlreiche Lebensmittel tabu. Für die meisten Betroffenen ist das kein Problem, da sie mit speziellen Tabletten und Ersatzprodukten Magenbeschwerden vorbeugen können. Viel problematischer ist der versteckte Milchzucker in Lebensmitteln, wo man keine Laktose vermutet. Dass sich auch in Wurst, Brötchen und Gurken-Konserven Milchzucker befindet, ahnen nur die wenigsten. Bei diesen Lebensmitteln lohnt sich ein genauerer Blick auf die Verpackung.

Verwirrung bei Milchprodukten

Um milchzuckerhaltige Lebensmittel herrscht einige Verwirrung. Mit überflüssigen Spezialprodukten trägt auch die Lebensmittelindustrie kräftig dazu bei. Denn tatsächlich sind viele Käsesorten wie Gouda, Edamer und Camembert nahezu laktosefrei und spezielle Ersatzprodukte daher unnötig. Andererseits befindet sich in vielen scheinbar vielen laktosefreien Lebensmitteln reichlich Milchzucker. "Vor allem bei Fertiggerichten ist Vorsicht geboten", sagt Professor Henning Adamek, Direktor der Medizinischen Klinik am Klinikum Leverkusen.

Saucen und Knödelpulver enthalten meist Laktose

Laktose ist ein Geschmacksträger und kommt daher in vielen Speisen zum Einsatz. "Der Stoff bindet außerdem Wasser und stabilisiert Saucen", erklärt der Experte. In Fertigsaucen, Kartoffelpüree- und Knödelpulver ist daher der Laktosegehalt relativ hoch. Vor allem in fettreduzierten Speisen setzen Lebensmittelhersteller Laktose ein, da der Milchzucker Produkte voluminöser und schwerer macht, ohne die Kalorienmenge zu erhöhen.

Kleine Mengen summieren sich schnell

Zwar sind die einzelnen Milchzucker-Mengen oft nicht sehr hoch. "Doch durch den vielfachen Verzehr von Fertiggerichten in unserer Gesellschaft werden wir immer mehr mit Laktose konfrontiert", sagt Adamek. Schnell seien so Mengen erreicht, die Betroffenen Beschwerden bereiten. "Das Problem ist, dass Sie im Einzelfall gar nicht wissen, ob in einem Produkt Laktose steckt", meint der Experte. Zwar müssen Lebensmittelhersteller Inhaltsstoffe wie Molkepulver, Milchzucker und Laktose auf verpackten Lebensmitteln angeben. "Doch selbst wenn Sie auf die Verpackung gucken, wissen Sie immer noch nicht genau, wie viel Laktose in den Gerichten steckt."

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Laktose verleiht Bot und Brötchen ihre Bräune

Ein weiteres Problem sind lose Waren wie Wurst oder Brötchen von der Theke. Dort gibt es keine Hinweise auf die genauen Inhaltsstoffe. Dabei steckt Adamek zufolge gerade in Fertigbackmischungen reichlich Milchzucker. Denn dieser reagiert mit Eiweiß und führt zu dem gewünschten Bräunungseffekt. Auch Knäckebrot, Crackern und Kuchen verleiht meist Laktose das appetitliche Aussehen.

Laktase-Tabletten funktionieren nur in Maßen

"Wie viel Laktose Betroffene vertragen, ist individuell sehr unterschiedlich. Der eine verträgt problemlos einen Schuss Milch im Kaffee, der andere kann sogar einen Joghurt pro Tag essen." Bei sehr empfindlichen Menschen jedoch löst bereits das heftige Beschwerden wie Blähungen, Magenschmerzen und Durchfall aus. Abhilfe bieten spezielle Tabletten, die das Enzym Laktase enthalten und den Abbau des Milchzuckers unterstützen. "Im Prinzip ist das eine gute Sache, aber auch das funktioniert nur in Maßen", warnt der Experte. "Sie können nicht zwei Liter Milch trinken und dazu einfach zehn Tabletten einnehmen."

Etwa jeder Siebte leidet an Laktoseintoleranz

"Schätzungsweise zehn bis zwanzig Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Laktoseintoleranz", sagt Professor Henning Adamek, Direktor der Medizinischen Klinik am Klinikum Leverkusen. "Von Nation zu Nation ist die Verträglichkeit von Milchzucker sehr unterschiedlich. Auch Vererbung beeinflusst, ob Sie das Enzym Laktase im Körper tragen." Dieses Enzym sorgt dafür, dass der Milchzucker aus den Lebensmitteln im Dünndarm in verdauliche Bestandteile aufgespalten wird. Menschen mit einer Laktoseintoleranz mangelt es jedoch an Laktase. Deshalb treten Probleme auf.

"Sie können sich das vorstellen wie eine Fabrik. LKWs liefern immer wieder Milchzucker an, doch wenn keine oder zu wenig Maschinen da sind, um diesen zu verarbeiten, bricht das System zusammen", erklärt Adamek. Die Folge: Der Milchzucker wandert unverarbeitet weiter in den Dickdarm. "Dort bauen die Bakterien die Laktose durch Gärungsprozesse ab. Betroffene leiden dann unter heftigen Bauchschmerzen", erläutert der Mediziner.

Laktoseverträglichkeit kann man nicht trainieren

Eine Laktoseverträglichkeit könne man sich auch kaum antrainieren, meint der Experte. Es helfe nur, auszutesten, "wie groß die Kapazitäten Ihrer Fabrik sind". Wer nach und nach über den Tag verteilt mehrere Portionen Milchprodukte auf den Speiseplan setzt, könne recht einfach seine persönliche Toleranzgrenze ausloten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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