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Heuschnupfen kann sich zu Asthma entwickeln

Von t-online
Aktualisiert am 17.06.2022Lesedauer: 4 Min.
Junge Frau benutzt draußen Inhalator: Pollenallergiker haben sich an häufiges Niesen bereits gewöhnt. Bei Atemnot sollte allerdings ein Arzt aufgesucht werden.
Pollenallergiker haben sich an häufiges Niesen bereits gewöhnt. Bei Atemnot sollte allerdings ein Arzt aufgesucht werden. (Quelle: RealPeopleGroup/getty-images-bilder)
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W√§hrend sich viele Menschen √ľber die milden Temperaturen freuen und den Fr√ľhling genie√üen, m√ľssen andere niesen. Die Nase l√§uft, die Augen tr√§nen, aber wer geht schon wegen ein bisschen Schnupfen zum Arzt? Doch der scheinbar harmlose Heuschnupfen kann in vier von zehn F√§llen zu Asthma f√ľhren.

Umweltverschmutzung und Klimawandel verschärfen das Problem: Die Pollen werden immer aggressiver - und fliegen bei steigenden Temperaturen schon fast rund ums Jahr. Studien zufolge steigt die Zahl der Asthmatiker weltweit.


Alles Wissenswerte zum Thema Heuschnupfen

Heuschnupfen ist eine Volkskrankheit:In Deutschland sind 16 Prozent der Bevölkerung betroffen.
Heuschnupfen kann zur Qual werden: Es ist eine Fehlreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Pollen.
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Unbehandelt leidet die Lungenfunktion

Oft wird die Erkrankung nicht ernst genommen. "Wenn man die Entz√ľndung nicht kontrolliert, wird das Gewebe steifer, Folge ist eine eingeschr√§nkte Lungenfunktion", warnt Carsten Schmidt-Weber, Direktor des Zentrums Allergie & Umwelt (ZAUM) von Technischer Universit√§t und Helmholtz Zentrum M√ľnchen. "Das allergr√∂√üte Problem ist bei Allergie die Bagatellisierung. Deshalb werden die Allergiker immer mehr allein gelassen mit ihrer Erkrankung."

Allergen-Analyse ist f√ľr √Ąrzte nicht lukrativ

Obwohl es immer mehr Patienten gibt, nimmt in Deutschland die Zahl der behandelnden Praxen ab, ergab eine Studie 2013. Schmidt-Weber nennt das besorgniserregend. "Das Problem ist, dass es sich f√ľr √Ąrzte nicht lohnt, einen Allergiepatienten zu behandeln." Denn das bedeutet hohen Zeitaufwand bei geringer Bezahlung. "Es ist Detektivarbeit. √Ąrzte k√∂nnen sich das fast nicht mehr leisten."

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Langwierige Tests, oft gar ein Krankenhausaufenthalt, sind n√∂tig, um das spezielle Allergen herauszufinden: die unterschiedlichsten Pollen von B√§umen und Gr√§sern, Tierhaare oder Hausstaubmilben k√∂nnen hinter denselben Beschwerden stecken. Auch das Unkraut Ambrosia, das mit Vogelfutter aus Nordamerika eingeschleppt wurde und sich √ľber Ungarn in ganz Europa ausgebreitet hat, kann Allergien ausl√∂sen.

Bei Asthma reagiert das Immunsystem √ľber

Ein ausgeglichenes Immunsystem ignoriert diese Allergene. Die Abwehr des Asthmatikers aber bekämpft den vermeintlichen Feind mit aller Kraft: Die Atemmuskulatur verkrampft, die Schleimhaut der Bronchien schwillt und es folgt Atemnot. Zur Behandlung bleiben Hyposensibilisierung oder Medikamente wie Cortisonpräparate.

Es gibt auch nichtallergisches Asthma. Die Gene spielen eine Rolle, aber auch Umweltbedingungen wie Schimmel, Feuchtigkeit oder das Rauchen. Der schlimmste Fall ist laut Schmidt-Weber: "Wenn Menschen nicht mehr auf Therapie ansprechen. Sie verursachen 80 Prozent der Gesundheitskosten des Asthmas."

Bauernhof-Kinder sind weniger gefährdet

Kinder leiden fast doppelt so häufig an Asthma wie Erwachsene, jedes zehnte Kind ist betroffen. Denn bei ihnen sind die Atemwege noch besonders anfällig - und sie sind häufig erkältet. Bei der Hälfte der Kinder klingen die Beschwerden somit in der Pubertät ab.

Auch bei den kleinen Patienten steigen die Zahlen, nur in einigen Gegenden scheint ein Peak erreicht. "Es sind Risikofaktoren dazugekommen wie Verkehr, und Schutzfaktoren haben abgenommen", sagt Bianca Schaub, Ober√§rztin am Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Ludwigs-Maximilians-Universit√§t M√ľnchen. Die Mediziner dort wiesen den "Bauernhofeffekt" nach: Kinder, die auf dem Bauernhof gro√ü werden, viele √§ltere Geschwister haben oder fr√ľh in einer Krippe sind, erkranken seltener an Asthma und Allergien.

Das Team an der Asthma- und Allergieambulanz des Kinderspitals sieht einen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit vielf√§ltigen Mikroorganismen. Damit werde das Immunsystem fr√ľhzeitig gest√§rkt.

Baby-Nahrung könnte bald Asthma bekämpfen

Nun forschen die Wissenschaftler fieberhaft, inwieweit sich die Medizin diese positiven Folgen mikrobieller Vielfalt in den ersten Lebensjahren eines Menschen zunutze machen kann. Eine Idee ist, Baby-Nahrung, etwa Milchpulver, mit Bestandteilen zu versehen, die der mikrobiellen Vielfalt auf dem Land √§hneln. Die Voraussetzung daf√ľr ist, dass Infektionsrisiken ausgeschlossen werden k√∂nnen. Fr√ľhestens in zehn Jahren k√∂nnte m√∂glicherweise eine solche fr√ľhkindliche "Immunisierung" gegen Allergien mit der Babynahrung m√∂glich sein, sch√§tzt Schaub.

Asthmatiker-Rate lässt Mediziner rätseln

Trotz steigender Patientenzahlen melden die √Ąrzte Fortschritte, denn die Zahl der Todesf√§lle geht hierzulande zur√ľck. Starke Allergiker - auch jene, die auf Lebensmittel oder Bienenstiche mit allergologischem Schock reagieren - k√∂nnen sich mit einer Spritze selbst helfen.

Vieles ist bis heute ungekl√§rt. Mediziner hatten gehofft, dass mit besseren Luftwerten die Zahl der Asthmatiker sinken werde - das Gegenteil war der Fall. R√§tselhaft bleibt auch die hohe Zahl der Asthmatiker in Gro√übritannien: Gut 15 Prozent der Menschen sind dort betroffen, doppelt so viele wie in Deutschland. Vielleicht sind die gr√ľnen Wiesen schuld. "Die Graspollen sind in England ein gro√ües Problem. Wir wissen aus unseren Messungen, dass der Allergengehalt in den Pollen in England besonders hoch ist", sagt Schmidt-Weber. Das sei aber nur eine These. "Es w√§re dringend n√∂tig, dass wir mehr Forschung betreiben."

Urbane Räume sind nicht an Allergiker angepasst

W√§hrend √Ąrzte Alarm schlagen, fragen Stadtplaner und Politiker bei der Begr√ľnung der St√§dte kaum nach Pollenflug und Allergien. Birken und Erlen, aber auch Pappeln und Weiden gelten teils als hochallergen - und zieren weiter Parks und Stra√üenr√§nder. "Ich verstehe nicht, dass gerade in den urbanen R√§umen diese B√§ume nicht eingeschr√§nkt werden und dass wir uns nicht damit besch√§ftigen, allergiearme Pflanzen zu z√ľchten", sagt Schmidt-Weber. Er h√§lt auch gesetzliche Beschr√§nkungen f√ľr m√∂glich: "Ich wei√ü nicht, ob Birken und Erlen so sch√∂n sind, dass wir sie √ľberall in den St√§dten herumstehen haben m√ľssen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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