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Hausstauballergie: Warum im Winter die Symptome zunehmen

Von dpa-tmn, mf

Aktualisiert am 23.12.2020Lesedauer: 4 Min.
Frau niest beim Staubwischen: Im Hausstaub befindet sich Milbenkot. Durch Aufwirbeln wird dieser in der Wohnung verbreitet und kann zu allergischen Reaktionen fĂŒhren.
Frau niest beim Staubwischen: Im Hausstaub befindet sich Milbenkot. Durch Aufwirbeln wird dieser in der Wohnung verbreitet und kann zu allergischen Reaktionen fĂŒhren. (Quelle: Zinkevych/getty-images-bilder)
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Niesattacken, Dauerschnupfen und brennende Augen können auf eine Hausstaubmilbenallergie hinweisen. Etwa sieben Prozent der Deutschen sind davon betroffen. Obwohl sich in der kalten Jahreszeit weitaus weniger Milben tummeln, klagen viele Allergiker gerade im Winter ĂŒber starke Beschwerden.

Das Wichtigste im Überblick


Warum das so ist und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.


Hausstauballergie: So bekÀmpfen Sie Hausstaubmilben

Matratze auswechseln: Studien zufolge wird in einer Matratze nach sieben Jahren ein Höchstmaß an Allergenen erreicht. Deshalb rĂ€t die Stiftung Warentest, eine Matratze alle sieben bis zehn Jahre auszuwechseln.
Allergendichte BezĂŒge: Allergiker können Ihre Matratzen vor Milbenbefall gut schĂŒtzen: Mit allergendichten ÜberzĂŒgen, sogenannten Encasings.
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Ursachen: Milbenkot fĂŒhrt zu Hausstauballergie

Das Hauptproblem sind nicht die Milben selbst, deren Körper erst Allergene freisetzt, wenn er abstirbt und zerfĂ€llt, sondern ihr Kot: Er enthĂ€lt den grĂ¶ĂŸten Teil der Allergene und gibt diesen kontinuierlich ab. "Sobald er getrocknet ist, zerfĂ€llt er in feine Partikel, die sich an den Nistorten der Milbe anreichern und sich mit dem Hausstaub verbinden", sagt Professor Thomas Fuchs, Leiter der Allergologie der UniversitĂ€tsmedizin Göttingen und Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes deutscher Allergologen. Das passiere auch mit den zerfallenen Körpern toter Milben.

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Das entstehende Staub-Gemisch wird immer wieder aufgewirbelt, so der Experte. "So gelangen die Allergene der Hausstaubmilben in die Raumluft, werden eingeatmet und können sich auf den SchleimhÀuten von Atemwegen und Augen ablagern." Personen mit einer Hausstauballergie reagieren dann mit unterschiedlichen Symptomen darauf.

Milbenallergie im Winter: Warum die Symptome zunehmen

Betroffene einer Hausstaubmilbenallergie haben es im Herbst und Winter besonders schwer. Schuld daran ist die Heizungsluft. Das mag zunĂ€chst verwundern, denn Milben lieben es grundsĂ€tzlich feucht und warm. Daher ist im SpĂ€tsommer und FrĂŒhherbst ist die Zahl der Mikroorganismen in der Wohnung am höchsten. Dennoch erreichen allergische Beschwerden wie Niesen, Juckreiz oder Atemnot in der kalten Jahreszeit ihren Höhepunkt. Der Grund: Durch das Heizen werden die allergiauslösenden KotbĂ€llchen der Milben, die sich auf Boden und Möbeln angesammelt haben, aufgewirbelt und eingeatmet.

Diplom-Oecotrophologin Sonja LĂ€mmel
Drei Fragen an
Sonja LĂ€mmel

Sonja LĂ€mmel ist Diplom-Oecotrophologin und arbeitet seit ĂŒber 20 Jahren fĂŒr den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB).

Wie Ă€ußert sich eine Hausstauballergie?

Die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie treten ganzjĂ€hrig auf, sind aber hĂ€ufig unspezifisch und „schleichend“. Es tritt ein Gewöhnungseffekt auf. Die Beschwerden werden meist nicht als so akut empfunden wie bei einer saisonalen Allergie. HĂ€ufig entzĂŒndet sich die Nasenschleimhaut, die Nase ist dauerhaft verstopft. Es kann zu Niesreiz (z.B. bei Staubentwicklung), aber auch hĂ€ufigem Husten kommen. Einige Symptome werden meist nicht mit der Hausstaubmilbenallergie in Verbindung gebracht wie ein gestörter Schlaf, anhaltende Atemwegs-Infekte oder ein stĂ€ndiges RĂ€uspern. Auch Juckreiz, Hautreaktionen oder Reaktionen an den Augen können bestehen. Da Hausstaubmilben ganzjĂ€hrig auftreten, ist das Risiko fĂŒr die Entwicklung eines allergischen Asthmas noch höher als bei einer saisonalen Allergie. Daher sollte eine Hausstaubmilbenallergie frĂŒhzeitig erkannt und richtig behandelt werden.

Kann eine Hausstauballergie von alleine wieder verschwinden?

DarĂŒber gibt es leider keine verlĂ€sslichen Daten. Wie  und warum Allergien entstehen, bleiben und in seltenen FĂ€llen auch wieder verschwinden, darĂŒber wissen wir aktuell noch zu wenig, als dass man sich darauf verlassen sollte.

Ist eine Hyposensibilisierung bei einer Hausstauballergie ratsam?

Eine Hyposensibilisierung kann durchgefĂŒhrt werden, allerdings gilt es hierbei einige Aspekte zu beachten. Da die Behandlung einige Zeit dauert, sollte trotzdem als Erstes die wichtigste Maßnahme der Behandlung einer Hausstaubmilben-Allergie im Fokus stehen, die Sanierung des Wohnumfeldes. Die wichtigste Maßnahme ist die Sanierung der Matratze! Diese sollte mit einem möglichst allergendichten MatratzenĂŒberzug, dem so genannten Encasing, versehen werden. Bettdecke und Kopfkissen regelmĂ€ĂŸig waschen und fĂŒr eine gute BelĂŒftung unterm Bett sorgen. StaubfĂ€nger aus dem Schlafbereich entfernen und einen Staubsauger mit HEPA-Filter wĂ€hlen. Ob eine Hyposensibilisierung in Frage kommt, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Besteht die Allergie noch nicht so lange, bieten die Extrakte, die eingesetzt werden, eine gute Behandlungsmöglichkeit. Doch nicht alle Allergieauslöser der Hausstaubmilbe sind in den PrĂ€paraten enthalten. Betroffenen sollten also erst noch einmal getestet werde, ob die Allergie auch wirklich auf die entsprechenden Allergene besteht.

Doch nicht nur das Heizen lÀsst den Milbenkot verstÀrkt zirkulieren. Auch beim Bettenmachen oder beim Hausputz wird Staub aufgewirbelt, durch den die Allergene in der Luft verbreitet werden. Sie werden so leichter eingeatmet werden und können allergische Reaktionen hervorrufen.

Hausstaubmilben gehören zu den Spinnetieren. Sie sind mit bloßem Auge nicht erkennbar.
Hausstaubmilben gehören zu den Spinnetieren. Sie sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Lieblingsorte der Milben: Matratzen, Polster und VorhÀnge

"Hausstaubmilben ernÀhren sich vorwiegend von menschlichen Hautschuppen und gedeihen am besten bei einer Temperatur von um die 24 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit", sagt Professor Torsten Zuberbier vom Allergie-Centrum der Berliner Charité.

Das macht unsere Betten zum idealen Lebensraum fĂŒr sie, da sie dort ihr bevorzugtes Klima und genug Nahrung finden. Und so leben je nach Alter und Zustand von Matratze und Bettzeug bis zu 1,5 Millionen Milben in unserem Bett, ein absolutes Grauen fĂŒr jeden mit einer Haustauballergie. Daneben fĂŒhlen sich die Tiere zum Beispiel in Teppichen, Polstermöbeln und VorhĂ€ngen wohl. Hausstaubmilben sind aber in jeder Wohnung zu finden und haben nichts mit schlechter Hygiene zu tun.

Symptome: Beschwerden morgens und nachts am heftigsten

Einigen Menschen macht die Milbenbelastung nichts aus. Andere dagegen reagieren mit einer Allergie. "Kurz gesagt ist eine Allergie eine ĂŒberschießende Immunreaktion gegen einen meist ungefĂ€hrlichen Stoff", sagt Biologin Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Bei der Hausstauballergie handele es sich um eine sogenannte Inhalations-Allergie, da die Allergene inhaliert, also eingeatmet, werden.

"Die Hausstauballergie ist vom Soforttyp, was bedeutet, dass sie innerhalb weniger Minuten zu einer Reaktion fĂŒhrt", ergĂ€nzt Zuberbier. Die Folge seien EntzĂŒndungsprozesse und Schleimhautreizungen. Sie sorgen fĂŒr andauernden Schnupfen, NiesanfĂ€lle, trĂ€nende Augen und Atemnot. "Typischerweise sind die Beschwerden nachts und morgens nach dem Aufstehen am heftigsten, weil im Bett besonders viele Milben leben und bis zu 20 Zentimeter ĂŒber ihm milbenkothaltiger Staub schwebt", so der Experte.

Diagnose: So stellt der Arzt eine Hausstauballergie fest

Wer glaubt, eine Haustauballergie zu haben, sollte einen Arzt aufsuchen. Denn unbehandelt können Allergien ernste Folgen wie Asthma haben. Um eine Diagnose zu stellen, wird im ersten Schritt in der Regel ein Prick-Test gemacht, bei dem Haustauballergene in die Haut geritzt werden. Im Falle der Allergie reagiert der körper mit Quaddeln.

"Wenn das Ergebnis nicht eindeutig ist, können zusÀtzlich Bluttests erfolgen und Provokationstests, bei denen das zu testende Allergen direkt auf die SchleimhÀute von Nase oder Auge aufgebracht wird", sagt Fuchs.

Die beste Anlaufstelle fĂŒr die Tests ist ein Allergologe, ein Fach-Arzt fĂŒr Allergien. Dieser kann die Untersuchungsergebnisse fachmĂ€nnisch auswerten und eine effektive Allergie-Therapie einleiten.

Staubbelastung reduzieren: Tipps fĂŒr Allergiker

Um die eigenen vier WĂ€nde allergikerfreundlich zu gestalten und so die Beschwerden zu lindern, genĂŒgen oft schon ein paar einfache Maßnahmen: Vor dem Zubettgehen sollten Sie die Temperatur im Schlafzimmer am besten unter 18 Grad bringen, zum Beispiel durch LĂŒften.

Außerdem sollten Hausstauballergiker darauf verzichten, morgens das Bett aufzuschĂŒtteln. Auf diese Weise vermeiden sie, dass sich Milbenkot in der Luft verbreitet und eingeatmet wird. Auf keinen Fall sollten kĂŒnstliche Luftbefeuchter eingesetzt werden. Stattdessen sollte die Luftfeuchtigkeit möglichst unter 50 Prozent liegen.

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es jedoch nicht. Denn Hausstaubmilben leben ĂŒberall dort, wo auch Menschen leben.

Behandlung: Medizinische hilfe gegen die Beschwerden lindern

Die Therapie der Hausstauballergie besteht in aller Regel aus drei Bausteinen. Im ersten Schritt werden Antiallergika und gegebenenfalls anti-entzĂŒndliche Mittel wie Kortison verabreicht, die die Symptome der Allergie lindern sollen. Die zweite Maßnahme ist, den Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden.

Dies gilt als besonders wichtig und beinhaltet VerĂ€nderungen in der Wohnung, vor allem im Schlafzimmer: "Die wichtigste Maßnahme ist es, die Matratze mit einem allergendichten Bezug zu umschließen, der als Encasing bezeichnet wird. Dies kann zusĂ€tzlich auch bei Bettdecken und Kissen erfolgen. Alternativ mĂŒssen diese regelmĂ€ĂŸig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden", sagt Schwalfenberg. Außerdem sollte man unnötige StaubfĂ€nger aus der Wohnung werfen und die Fußböden hĂ€ufig saugen und wischen, um die Symptome und Beschwerden nicht weiter zu provozieren.

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Hyposensibilisierung hilft bei schwerer Allergie

Der dritte Baustein der Therapie ist die ursĂ€chliche Behandlung der Symptome der Hausstauballergie. "Die Rede ist von der Hyposensibilisierung oder spezifischen Immuntherapie, bei der dem Betroffenen das Allergen ĂŒber drei bis fĂŒnf Jahre in langsam steigender Dosis gespritzt oder per Schluckimpfung verabreicht wird", sagt Zuberbier. Ziel der Behandlung, die vor allem bei einer schweren Hausstauballergie empfohlen wird, sei die Desensibilisierung des Immunsystems fĂŒr den Reizstoff.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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