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Hausstauballergie: Das hilft gegen die Milben im Winter

Milben-Alarm  

Hausstauballergie: Warum im Winter die Symptome zunehmen

23.12.2020, 06:48 Uhr | dpa-tmn, mf

Hausstauballergie: Das hilft gegen die Milben im Winter. Frau niest beim Staubwischen: Im Hausstaub befindet sich Milbenkot. Durch Aufwirbeln wird dieser in der Wohnung verbreitet und kann zu allergischen Reaktionen führen.  (Quelle: Getty Images/ Zinkevych)

Frau niest beim Staubwischen: Im Hausstaub befindet sich Milbenkot. Durch Aufwirbeln wird dieser in der Wohnung verbreitet und kann zu allergischen Reaktionen führen. (Quelle: Zinkevych/Getty Images)

Niesattacken, Dauerschnupfen und brennende Augen können auf eine Hausstaubmilbenallergie hinweisen. Etwa sieben Prozent der Deutschen sind davon betroffen. Obwohl sich in der kalten Jahreszeit weitaus weniger Milben tummeln, klagen viele Allergiker gerade im Winter über starke Beschwerden. 

Warum das so ist und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Ursachen: Milbenkot führt zu Hausstauballergie

Das Hauptproblem sind nicht die Milben selbst, deren Körper erst Allergene freisetzt, wenn er abstirbt und zerfällt, sondern ihr Kot: Er enthält den größten Teil der Allergene und gibt diesen kontinuierlich ab. "Sobald er getrocknet ist, zerfällt er in feine Partikel, die sich an den Nistorten der Milbe anreichern und sich mit dem Hausstaub verbinden", sagt Professor Thomas Fuchs, Leiter der Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen und Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes deutscher Allergologen. Das passiere auch mit den zerfallenen Körpern toter Milben.

Das entstehende Staub-Gemisch wird immer wieder aufgewirbelt, so der Experte. "So gelangen die Allergene der Hausstaubmilben in die Raumluft, werden eingeatmet und können sich auf den Schleimhäuten von Atemwegen und Augen ablagern." Personen mit einer Hausstauballergie reagieren dann mit unterschiedlichen Symptomen darauf.

Milbenallergie im Winter: Warum die Symptome zunehmen

Betroffene einer Hausstaubmilbenallergie haben es im Herbst und Winter besonders schwer. Schuld daran ist die Heizungsluft. Das mag zunächst verwundern, denn Milben lieben es grundsätzlich feucht und warm. Daher ist im Spätsommer und Frühherbst ist die Zahl der Mikroorganismen in der Wohnung am höchsten. Dennoch erreichen allergische Beschwerden wie Niesen, Juckreiz oder Atemnot in der kalten Jahreszeit ihren Höhepunkt. Der Grund: Durch das Heizen werden die allergiauslösenden Kotbällchen der Milben, die sich auf Boden und Möbeln angesammelt haben, aufgewirbelt und eingeatmet.

Diplom-Oecotrophologin Sonja Lämmel

Drei Fragen an

Sonja Lämmel

Sonja Lämmel ist Diplom-Oecotrophologin und arbeitet seit über 20 Jahren für den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB).

Die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie treten ganzjährig auf, sind aber häufig unspezifisch und „schleichend“. Es tritt ein Gewöhnungseffekt auf. Die Beschwerden werden meist nicht als so akut empfunden wie bei einer saisonalen Allergie. Häufig entzündet sich die Nasenschleimhaut, die Nase ist dauerhaft verstopft. Es kann zu Niesreiz (z.B. bei Staubentwicklung), aber auch häufigem Husten kommen. Einige Symptome werden meist nicht mit der Hausstaubmilbenallergie in Verbindung gebracht wie ein gestörter Schlaf, anhaltende Atemwegs-Infekte oder ein ständiges Räuspern. Auch Juckreiz, Hautreaktionen oder Reaktionen an den Augen können bestehen. Da Hausstaubmilben ganzjährig auftreten, ist das Risiko für die Entwicklung eines allergischen Asthmas noch höher als bei einer saisonalen Allergie. Daher sollte eine Hausstaubmilbenallergie frühzeitig erkannt und richtig behandelt werden.

Darüber gibt es leider keine verlässlichen Daten. Wie  und warum Allergien entstehen, bleiben und in seltenen Fällen auch wieder verschwinden, darüber wissen wir aktuell noch zu wenig, als dass man sich darauf verlassen sollte.

Eine Hyposensibilisierung kann durchgeführt werden, allerdings gilt es hierbei einige Aspekte zu beachten. Da die Behandlung einige Zeit dauert, sollte trotzdem als Erstes die wichtigste Maßnahme der Behandlung einer Hausstaubmilben-Allergie im Fokus stehen, die Sanierung des Wohnumfeldes. Die wichtigste Maßnahme ist die Sanierung der Matratze! Diese sollte mit einem möglichst allergendichten Matratzenüberzug, dem so genannten Encasing, versehen werden. Bettdecke und Kopfkissen regelmäßig waschen und für eine gute Belüftung unterm Bett sorgen. Staubfänger aus dem Schlafbereich entfernen und einen Staubsauger mit HEPA-Filter wählen. Ob eine Hyposensibilisierung in Frage kommt, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Besteht die Allergie noch nicht so lange, bieten die Extrakte, die eingesetzt werden, eine gute Behandlungsmöglichkeit. Doch nicht alle Allergieauslöser der Hausstaubmilbe sind in den Präparaten enthalten. Betroffenen sollten also erst noch einmal getestet werde, ob die Allergie auch wirklich auf die entsprechenden Allergene besteht.

Doch nicht nur das Heizen lässt den Milbenkot verstärkt zirkulieren. Auch beim Bettenmachen oder beim Hausputz wird Staub aufgewirbelt, durch den die Allergene in der Luft verbreitet werden. Sie werden so leichter eingeatmet werden und können allergische Reaktionen hervorrufen.

Hausstaubmilben gehören zu den Spinnetieren. Sie sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Hausstaubmilben gehören zu den Spinnetieren. Sie sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Lieblingsorte der Milben: Matratzen, Polster und Vorhänge

"Hausstaubmilben ernähren sich vorwiegend von menschlichen Hautschuppen und gedeihen am besten bei einer Temperatur von um die 24 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit", sagt Professor Torsten Zuberbier vom Allergie-Centrum der Berliner Charité. 

Das macht unsere Betten zum idealen Lebensraum für sie, da sie dort ihr bevorzugtes Klima und genug Nahrung finden. Und so leben je nach Alter und Zustand von Matratze und Bettzeug bis zu 1,5 Millionen Milben in unserem Bett, ein absolutes Grauen für jeden mit einer Haustauballergie. Daneben fühlen sich die Tiere zum Beispiel in Teppichen, Polstermöbeln und Vorhängen wohl. Hausstaubmilben sind aber in jeder Wohnung zu finden und haben nichts mit schlechter Hygiene zu tun.

Symptome: Beschwerden morgens und nachts am heftigsten

Einigen Menschen macht die Milbenbelastung nichts aus. Andere dagegen reagieren mit einer Allergie. "Kurz gesagt ist eine Allergie eine überschießende Immunreaktion gegen einen meist ungefährlichen Stoff", sagt Biologin Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Bei der Hausstauballergie handele es sich um eine sogenannte Inhalations-Allergie, da die Allergene inhaliert, also eingeatmet, werden.

"Die Hausstauballergie ist vom Soforttyp, was bedeutet, dass sie innerhalb weniger Minuten zu einer Reaktion führt", ergänzt Zuberbier. Die Folge seien Entzündungsprozesse und Schleimhautreizungen. Sie sorgen für andauernden Schnupfen, Niesanfälle, tränende Augen und Atemnot. "Typischerweise sind die Beschwerden nachts und morgens nach dem Aufstehen am heftigsten, weil im Bett besonders viele Milben leben und bis zu 20 Zentimeter über ihm milbenkothaltiger Staub schwebt", so der Experte.

Diagnose: So stellt der Arzt eine Hausstauballergie fest

Wer glaubt, eine Haustauballergie zu haben, sollte einen Arzt aufsuchen. Denn unbehandelt können Allergien ernste Folgen wie Asthma haben. Um eine Diagnose zu stellen, wird im ersten Schritt  in der Regel ein Prick-Test gemacht, bei dem Haustauballergene in die Haut geritzt werden. Im Falle der Allergie reagiert der körper mit Quaddeln.

"Wenn das Ergebnis nicht eindeutig ist, können zusätzlich Bluttests erfolgen und Provokationstests, bei denen das zu testende Allergen direkt auf die Schleimhäute von Nase oder Auge aufgebracht wird", sagt Fuchs.

Die beste Anlaufstelle für die Tests ist ein Allergologe, ein Fach-Arzt für Allergien. Dieser kann die Untersuchungsergebnisse  fachmännisch auswerten und eine effektive Allergie-Therapie einleiten.

Staubbelastung reduzieren: Tipps für Allergiker

Um die eigenen vier Wände allergikerfreundlich zu gestalten und so die Beschwerden zu lindern, genügen oft schon ein paar einfache Maßnahmen: Vor dem Zubettgehen sollten Sie die Temperatur im Schlafzimmer am besten unter 18 Grad bringen, zum Beispiel durch Lüften.

Außerdem sollten Hausstauballergiker darauf verzichten, morgens das Bett aufzuschütteln. Auf diese Weise vermeiden sie, dass sich Milbenkot in der Luft verbreitet und eingeatmet wird. Auf keinen Fall sollten künstliche Luftbefeuchter eingesetzt werden. Stattdessen sollte die Luftfeuchtigkeit möglichst unter 50 Prozent liegen.

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es jedoch nicht. Denn Hausstaubmilben leben überall dort, wo auch Menschen leben. 

Behandlung: Medizinische hilfe gegen die Beschwerden lindern 

Die Therapie der Hausstauballergie besteht in aller Regel aus drei Bausteinen. Im ersten Schritt werden Antiallergika und gegebenenfalls anti-entzündliche Mittel wie Kortison verabreicht, die die Symptome der Allergie lindern sollen. Die zweite Maßnahme ist, den Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden. 

Dies gilt als besonders wichtig und beinhaltet Veränderungen in der Wohnung, vor allem im Schlafzimmer: "Die wichtigste Maßnahme ist es, die Matratze mit einem allergendichten Bezug zu umschließen, der als Encasing bezeichnet wird. Dies kann zusätzlich auch bei Bettdecken und Kissen erfolgen. Alternativ müssen diese regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden", sagt Schwalfenberg. Außerdem sollte man unnötige Staubfänger aus der Wohnung werfen und die Fußböden häufig saugen und wischen, um die Symptome und Beschwerden nicht weiter zu provozieren.

Hyposensibilisierung hilft bei schwerer Allergie

Der dritte Baustein der Therapie ist die ursächliche Behandlung der Symptome der Hausstauballergie. "Die Rede ist von der Hyposensibilisierung oder spezifischen Immuntherapie, bei der dem Betroffenen das Allergen über drei bis fünf Jahre in langsam steigender Dosis gespritzt oder per Schluckimpfung verabreicht wird", sagt Zuberbier. Ziel der Behandlung, die vor allem bei einer schweren Hausstauballergie empfohlen wird, sei die Desensibilisierung des Immunsystems für den Reizstoff.  

Verwendete Quellen:
  • Material von dpa-tmn
  • Deutsches Grünes Kreuz (DGK)
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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