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Arthrose erkennen und behandeln: Symptome und Hausmittel

Gelenkverschleiß  

Arthrose erkennen und behandeln: Symptome, Ursachen, Hausmittel

19.06.2018, 08:38 Uhr | fsch, t-online.de

Arthrose erkennen und behandeln: Symptome und Hausmittel. Arthrose: Wenn sich der Gelenkknorpel abnutzt, reiben die Knochen schwerzhaft aufeinander.   (Quelle: dpa)

Arthrose: Wenn sich der Gelenkknorpel abnutzt, reiben die Knochen schwerzhaft aufeinander. (Quelle: dpa)

Arthrose ist in Deutschland die häufigste Gelenkerkrankung. In der Regel sind Knie, Hüfte und Schulter von dem Verschleiß betroffen. Wir sagen Ihnen, an welchen Symptomen Sie Arthrose erkennen und welche Hausmittel helfen.

Vor 15 Jahren fing es an: Stechende Schmerzen plagten Werner Dau in der linken Schulter, bald konnte er sich kaum noch bewegen. "Es tat weh, wenn ich mich nicht bewegte und noch mehr, wenn ich mich bewegte." Die Diagnose: Arthrose. Gegen die akuten Schmerzen kämpfte er mit Wärme und Medikamenten. Heute ist das Stechen immer noch da, "es ist aber auszuhalten", sagt der 66-Jährige. Aber: Mittlerweile hat er auch Arthrose in der rechten Hüfte und im Knie.

Ursachen: So entsteht Arthrose

"Wo Knochenenden aufeinanderstoßen, sind die Gelenke so etwas wie Stoßdämpfer", erklärt Professor Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga in Bonn. Genauer gesagt ist der Stoßdämpfer der Gelenkknorpel – ein glatter und elastischer Überzug, der die Gelenke schützt. Die Gelenke sorgen so dafür, dass wir uns bewegen können, und sie puffern plötzliche und heftige Bewegungen ab. "Ernährt" wird der Knorpel von der Gelenkflüssigkeit, die die Gelenkinnenhaut produziert. Und zwar vor allem dann, wenn sich der Mensch bewegt.

Der Knorpel kann zum Beispiel durch einen Unfall oder beim Sport verletzt werden – vor allem bei Sportarten, bei denen ruckartige Bewegungen oder Zusammenstöße üblich sind. Darunter fallen zum Beispiel Fußball oder Handball. Ebenso sind Fehl- und Überbelastungen der Gelenke Ursachen. So kann Übergewicht die Gelenke strapazieren, ebenso eine falsche Haltung oder Deformationen wie etwa X- oder O-Beine.

Verlauf: Arthrose nimmt mit dem Alter zu

Das Risiko für Arthrose nimmt mit dem Alter zu. Doch nicht jeder, der unter Knorpelverschleiß leidet, ist im fortgeschrittenen Alter von Arthrose geplagt. Denn die Krankheit kann auch genetische Ursachen haben.

Dennoch sind ältere Menschen häufiger von Arthrose betroffen als jüngere. "Die Zellen im Knorpel verlieren im Laufe des Lebens ihre Funktion, neues, gutes Knorpelgewebe zu bilden", sagt Gromnica-Ihle. "Es lösen sich kleine Knorpelteile", erklärt Professor Andreas Imhoff von der Deutschen Arthrose-Hilfe. Von Arthrose sprechen Experten aber erst dann, wenn sich auch der Knochen verändert.

Der Knochen unter dem erkrankten Knorpel verdichtet sich. Im Verlauf der Arthrose nutzt sich die Knorpelschicht immer mehr ab, im späteren Stadium reibt Knochen direkt auf Knochen. Die Gelenkinnenhaut kann durch abgelöste Knorpelteilchen gereizt werden, produziert mehr Gelenkflüssigkeit, und bald bildet sich ein Erguss. Das Gelenk wird warm und dick, der Betroffene spürt einen Entzündungsschmerz.

Symptome: Schmerz nach der Ruhe ist typisch für Arthrose

Grundsätzlich kann Arthrose an allen Gelenken auftreten. Am häufigsten betroffen sind das Schultergelenk, Kniegelenk, Hüftgelenk sowie Hand- und Fingergelenke. Arthrose macht sich dadurch bemerkbar, dass man nach einer Ruhephase, etwa nach längerem Sitzen, bei einer Bewegung einen Schmerz spürt oder sich steif fühlt. "Nach ein paar Minuten Bewegung geht es wieder", sagt Gromnica-Ihle. Weitere typische Symptome bei Arthrose sind:

  • Schmerzen bei Belastung
  • Anlaufschmerzen nach längerer Ruhephase
  • Schwellungen am Gelenk
  • Steifheitsgefühl
  • Knacken und Knirschen im Gelenk

Diagnose: Die Untersuchung beim Arzt

Bemerken Sie diese Symptome, ist es ratsam, sich vom Hausarzt oder Orthopäden untersuchen zu lassen. Dieser sieht im Röntgenbild meist schon die Verkleinerung des Gelenkspalts, die Verdichtung des Knochens, knöcherne Zacken an den Rändern der Gelenke – so genannte Osteophyten – und gegebenenfalls die Deformierung des Gelenks.

Klarheit über den Schaden kann eine Kernspintomographie bringen. Auch eine Arthroskopie, die Spiegelung des Gelenks, ist möglich. Dabei führt der Chirurg bei einem minimalinvasiven Eingriff eine Minikamera in das Gelenk, um den Schaden zu prüfen und gegebenenfalls gleich zu behandeln.

Therapie: Was hilft bei Arthrose?

Gromnica-Ihle weist darauf hin, dass das Fortschreiten der Arthrose bislang nicht beeinflusst werden kann. Aber auch wenn Arthrose nicht heilbar ist, gibt es einige Maßnahmen, mit denen Patienten die Schmerzen lindern und den Entzündungsprozess verlangsamen können. 

  • Bewegungstherapie: Bei Belastung wird Gelenkflüssigkeit produziert, die den Knorpel ernährt und das Gelenk "schmiert". Vor allem Ausdauersportarten wie Fahrradfahren, Walken oder Schwimmen helfen vielen Arthrose-Patienten. Kraftsport und krankengymnastische Übungen sind ebenfalls sinnvoll. Dabei wird Muskulatur aufgebaut, die das Gelenk entlastet. 
  • Ernährung: Bei Arthrose kann die richtige Ernährung entscheidend zur Schmerzlinderung beitragen. Zum einen hilft der Gewichtsverlust bei Übergewicht, die Gelenke zu entlasten, zum anderen gibt es bestimmte Lebensmittel, die entzündungshemmend wirken. So mindern beispielsweise die Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Leinöl sowie die sekundären Pflanzenstoffe aus Ingwer, Knoblauch, Kurkuma und Brennnessel nachweislich Entzündungen.   
  • Hyaluronsäure: Hyaluronsäure kommt natürlich im Gelenk vor, kann aber auch synthetisch hergestellt werden. Vor allem bei Arthrose im Knie wird Hyaluronsäure direkt in das Gelenk gespritzt, um den Knorpel gleitfähiger zu machen und so die Schmerzen zu lindern. Es gibt jedoch bisher noch keine Studie, die die Wirksamkeit von Hyaluron-Injektionen zum Aufbau der Knorpelschicht belegt. 
  • Medikamente: Schmerzmittel können zwar kurzfristig die Schmerzen lindern, langfristig sind jedoch regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung die beste Therapie bei Arthrose. 

Hausmittel gegen Arthrose

Im akuten Fall oder ergänzend zur Therapie können Patienten folgende Hausmittel einsetzen:

  • Kälte: Bei einer akuten Entzündung kann Kälte dem Gelenk gut tun, denn diese verlangsamt den Stoffwechsel und lindert so Reizungen, Schwellungen und Schmerzen.
  • Wärme: Eine Wärmeanwendung mithilfe von Wärmepflaster, Wärmesalbe oder Wärmeflasche sollte nur dann erfolgen, wenn das betroffene Gelenk nicht gerötet oder geschwollen ist. Außerdem sollte nie direkt das Gelenk, sondern nur die umliegende Muskulatur erwärmt werden. Wärme fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur, wodurch das Gelenk geschont wird.
  • Massagen: Sanfte Massagen können ebenfalls helfen, die umliegende Muskulatur zu lockern und so die Druckbelastung auf das Gelenk zu reduzieren. 
  • Wickel und Umschläge: Kohlwickel (Weißkohl oder Wirsing), Quarkwickel und Heilerde-Wickel sind altbewährte Hausmittel bei Arthrose. Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Gelenkprothese als letzter Ausweg: Wann ist eine Operation nötig?

Wenn das Gelenk stark beschädigt ist und die Schmerzen immer schlimmer werden, kann das Einsetzen einer Gelenkprothese infrage kommen. "Der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist dann, wenn der Patient befindet, dass er die Schmerzen nicht mehr aushalten kann", sagt Gromnica-Ihle. "Aber man sollte vorher immer eine zweite Meinung einholen und nicht nur mit Ärzten sprechen, sondern auch mit anderen Betroffenen."

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