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Foto-Chip l├Ąsst Blinde sehen

dpa, Cath├ęrine Simon

Aktualisiert am 16.06.2016Lesedauer: 3 Min.
Die Grafik (re.) zeigt den drei mal drei Millimeter kleinen Chip mit 1500 Fotoelektroden, der Lichtreize in elektrische Impulse umwandelt.
Ein Mikrochip (re.) wandelt Lichtreize in elektrische Impulse um. (Quelle: Retina Implant AG/dpa/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Mit einem kleinen Chip k├Ânnen manche Blinde wieder sehen - rund 300 Menschen weltweit haben die Technik bereits im Auge. Doch es gibt noch Verbesserungspotential bei Aufl├Âsung, Energieversorgung und Handhabung.

Die Technik, die seit mehr als zehn Jahren angewendet wird, hilft Patienten mit der erblich bedingten Augenkrankheit Retinitis pigmentosa. Dabei sterben die Sehzellen ab, die in der Netzhaut Licht in elektrische Impulse umwandeln.

In Deutschland leben etwa 30.000 bis 40.000 Menschen mit dieser Krankheit, wie Augenarzt Armin Scharrer sagt. Pro Jahr erblinden knapp 1000. Die noch teure Technik kann ihnen helfen - doch es gibt noch einiges zu verbessen. Dar├╝ber diskutieren von Donnerstag an Experten beim Internationalen Kongress der Deutschen Augenchirurgen in N├╝rnberg.

"Seh"-Chip soll k├╝nftig bis zu 40 Jahre lang halten

Zwei Arten von Chips werden derzeit genutzt - ein US-amerikanischer und ein deutscher. "Alle Entwickler arbeiten intensiv an der Verbesserung - vor allem, was die Haltbarkeit und Handhabbarkeit betrifft", sagt Kongress-Pr├Ąsident Scharrer.

Ziel sei, dass der Chip 20 bis 30 Jahre lang im Auge bleiben k├Ânne, denn die Patienten seien bei Ausbruch der Krankheit erst 30 bis 40 Jahre alt. Derzeit k├Ânne der deutsche Chip bis zu f├╝nf Jahre im Auge bleiben, sagte Scharrer. Das amerikanische Patent h├Ąlt nach Angaben des Herstellers mindestens zehn Jahre. Auch die Qualit├Ąt des Sehens soll laut Scharrer k├╝nftig besser werden - etwa durch eine h├Âhere Pixelzahl auf dem Chip.

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Grunds├Ątzlich sei die Technik jedoch f├╝r die Betroffenen "ein gro├čer Schritt in die richtige Richtung". Sie k├Ânnen damit zumindest wieder grobe Umrisse, Menschen oder gro├če Gegenst├Ąnde und Bewegungen erkennen. Dabei k├Ânnen die Patienten nur in Grau-T├Ânen sehen. Auch die Anpassung an die Umgebungshelligkeit m├╝ssen die Betroffenen mit Hilfe eines kleinen Ger├Ąts steuern.

Im Vergleich zur Sehkraft eines Gesunden sei das zwar nicht immens, sagt Scharrer. "Aber wer blind ist, f├╝r den bedeutet ein wenig zus├Ątzliche Sehkraft schon sehr viel." Drei von vier Patienten sagten: Der Eingriff sei zwar kompliziert und schwierig, aber er habe sich gelohnt.

Chip ist nur drei Millimeter gro├č

Das von T├╝binger Forschern entwickelte deutsche Implantat (Alpha IMS) wird unter die Netzhaut gesetzt. Der drei mal drei Millimeter gro├če Chip ersetzt dort die abgestorbenen lichtempfindlichen Sehzellen, die sogenannten Zapfen.

Wie bei einem Kamera-Chip nehmen 1500 Fotodioden einfallendes Licht auf und wandeln es in elektrische Signale um. Diese werden ├╝ber den Sehnerv ans Gehirn weitergegeben, wo dann wieder Bilder entstehen k├Ânnen. Das funktioniert bei etwa 75 Prozent der operierten Patienten. Die Technik kann nur bei Menschen genutzt werden, die einmal sehen konnten.

Eingriff dauert sieben Stunden

Der rund siebenst├╝ndige Eingriff wird inzwischen an mehreren deutschen Augenkliniken vorgenommen. Nach der OP m├╝ssen die Patienten mehrere Monate ├╝ben, um die neuen Seheindr├╝cke verarbeiten zu k├Ânnen.

F├╝r den Eingriff n├Âtig sind ein Augenarzt und ein Neurochirurg. Denn das Energiemodul - die Batterie - wird am Hinterkopf unter die Haut gesetzt. Ein Kabel f├╝hrt von dort zum Auge. "Das ist also wirklich eine komplizierte Sache", sagt Scharrer. Alles in allem kostet die Behandlung rund 100 000 Euro. In Deutschland seien mittlerweile einige Krankenkassen bereit, die Kosten zu ├╝bernehmen.

Amerikanischer Chip wird aus Batterie gespeist

Die US-Technik (Argus II) hat im Gegensatz nur 60 Elektroden. F├╝r die Qualit├Ąt des Sehens ist laut dem Hersteller allerdings nicht nur die Zahl der Dioden entscheidend. Au├čerdem ist die OP hier deutlich unkomplizierter: Der Patient tr├Ągt eine Brille mit einer Kamera. Die Bild-Signale werden drahtlos an den Chip im Auge ├╝bertragen, der nicht unter, sondern auf der Netzhaut sitzt. Auch die Batterie wird nicht implantiert, sondern steckt in einem K├Ąstchen in der Tasche.

Ob Netzhaut-Chips in Zukunft auch bei anderen Augenerkrankungen eingesetzt werden k├Ânnen - etwa bei der sehr h├Ąufigen Altersblindheit oder altersabh├Ąngigen Makula-Degeneration - ist bisher noch unklar.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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