Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Psychische Erkrankungen > Angststörungen >

Klaustrophobie: Definition, Ursachen, Symptome und Therapie

Krankhafte Raumangst  

Klaustrophobie: Wenn die Fahrt mit dem Fahrstuhl Angst auslöst

02.10.2019, 17:02 Uhr | hm, cch, t-online.de

Klaustrophobie: Definition, Ursachen, Symptome und Therapie. Ein Mann sitzt in der Ecke eines Fahrstuhls: In welchen Situationen Klaustrophobie bei Betroffenen auftritt und in welcher Ausprägung, ist sehr unterschiedlich. (Quelle: Getty Images/AndreyPopov)

Ein Mann sitzt in der Ecke eines Fahrstuhls: In welchen Situationen Klaustrophobie bei Betroffenen auftritt und in welcher Ausprägung, ist sehr unterschiedlich. (Quelle: AndreyPopov/Getty Images)

Angst im Fahrstuhl oder vor engen Räumen: Was umgangssprachlich oft als Platzangst bezeichnet wird, heißt eigentlich Klaustrophobie. Erfahren Sie hier mehr zu Auslösern, Symptomen und Therapiemöglichkeiten.

Rätselhafte Raumangst: Was ist Klaustrophobie?

Bei Klaustrophobie handelt es sich um eine Angsterkrankung. Betroffene fürchten sich vor engen und geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel Fahrstühlen. Für einige Klaustrophobiker können auch größere Räume zum Problem werden, wenn sich dort viele Menschen dicht aneinandergedrängt aufhalten und dadurch ein Gefühl von Enge entsteht. Der Begriff Klaustrophobie leitet sich vom lateinischen Wort "claustrum" ab, was auf Deutsch so viel wie Käfig, Verschluss, Riegel bedeutet.

Unterschiede zwischen Klaustrophobie, Platzangst und Agoraphobie

Häufig wird im Deutschen auch von Platzangst als Synonym für Klaustrophobie gesprochen. Auch wenn diese Bezeichnung sehr verbreitet ist, ist sie in diesem Zusammenhang eigentlich falsch. Denn Platzangst bezeichnet in der Medizin die Angst vor großen Plätzen, die sogenannte Agoraphobie. Menschen, die unter dieser Angststörung leiden, vermeiden öffentliche Plätze und Situationen; sie verlassen ungerne das eigene Zuhause.

Der korrekte deutsche Begriff für Klaustrophobie hingegen ist Raumangst. Um einen klaustrophobischen Anfall zu erleiden, müssen sich Betroffene aber nicht zwingend in einem engen Raum befinden. Bei ausgeprägter Raumangst reicht allein die Vorstellung einer entsprechenden Situation.

Welche Ursachen gibt es für Klaustrophobie?

Über die Ursachen von Klaustrophobie herrscht nach wie vor keine Einigkeit unter Medizinern. Generell gilt, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit eine Person eine Klaustrophobie entwickelt.

Neben dem weit verbreiteten lerntheoretischen Ansatz, bei dem davon ausgegangen wird, dass es sich bei der Raumangst um ein erlerntes Verhalten handelt, existieren auch psychoanalytische und neurobiologische Ansätze.

  • Lerntheoretischer Ansatz: Klaustrophobie als erlerntes Verhalten
    Diesem Ansatz zufolge erlernen Betroffene die Klaustrophobie, nachdem sie sich einmal in einer kritischen Situationen befunden haben, beispielsweise mit dem Fahrstuhl steckengeblieben sind. Haben sie in dieser Situation Angstsymptome wie Zittern oder Schwitzen an sich selbst festgestellt, die nicht rational zu erklären sind, werden diese als potenzielle Gefahr wahrgenommen und verstärken dadurch die Angst zusätzlich.
    Dadurch geraten Betroffene in einen Teufelskreis: Die Symptome bestätigen den Klaustrophobiker darin, dass ein Fahrstuhl eine potenzielle Gefahrenquelle ist – auch wenn sie gar nicht mit dem eigentlichen Steckenbleiben zusammenhängen, sondern sich beispielsweise auf vorangegangenen Stress zurückführen lassen. Dennoch wird im Gehirn eine Verknüpfung zwischen "Fahrstuhlfahren" und "Gefahr" hergestellt. Diese führt dazu, dass Fahrstühle künftig gemieden werden und sich die Klaustrophobie so manifestieren kann. Bei manchen Betroffenen weitet sich die Angst im Verlauf der Krankheiten auf ähnliche Situationen aus, beispielsweise auf das U-Bahnfahren.
  • Neurobiologische Ansätze: Vererbte Raumangst und Botenstoffe im Gehirn
    Andere Lehrmeinungen sehen die Ursachen für Klaustrophobie auch in der jeweiligen körperlichen Disposition. Beim neurobiologischen Ansatz wird beispielsweise davon ausgegangen, dass Raumangst vererbt werden kann. Vertreter dieses Ansatzes gehen davon aus, dass das autonome Nervensystem bei von Angststörungen Betroffenen von Geburt an labiler und leichter erregbar ist als bei anderen Menschen. Daher empfinden sie schneller Angst. Daneben ist in der Neurobiologie auch die Zusammensetzung der Botenstoffe im Gehirn von Bedeutung. Gerät diese aus der Balance, könnte das eine Ursache für Klaustrophobie sein.
  • Psychoanalytischer Ansatz: Die Angst als Symbol
    Ein komplett anderer Ansatz wird in psychoanalytischen Theorien verfolgt. Hier wird die Ursache für Klaustrophobie wie auch für andere Angststörungen in inneren Konflikten gesehen, die sich nach außen verlagern. Vertreter dieses Ansatzes gehen davon aus, dass die Furcht vor engen Räumen symbolhaft für eine unbewusste Fantasie steht, die durch die Klaustrophobie an die Oberfläche drängt. Der enge Raum selbst würde dem Klaustrophobiker demnach in Wahrheit gar keine Angst einflößen.

Typische Situationen, die Klaustrophobie auslösen können

In welchen Situationen Klaustrophobie bei Betroffenen auftritt und in welcher Ausprägung, ist sehr individuell. So fürchten manche Betroffene nur ganz bestimmte Situationen wie Fahrstuhlfahren, das Fahren in einer überfüllten U-Bahn oder Tunneldurchquerungen. Andere wiederum haben mit allem, was ihnen das Gefühl von Enge gibt, ein massives Problem. Kommt zu der Enge noch Dunkelheit hinzu, beispielsweise in Tunneln, verstärkt sich die Raumangst meist noch.

Typische Orte und Situationen, die bei Klaustrophobie Angst auslösen können, sind:

  • Fahrstühle
  • U-Bahnen und Züge
  • Flugzeuge
  • enge Gänge 
  • MRT-Untersuchungen in geschlossenen "Röhren"
  • Solarien
  • Toiletten
  • volle Räume, beispielsweise bei Konzerten oder im Kino

Zittern, Schwitzen, Herzrasen: Typische Symptome bei Klaustrophobie

Allein die Vorstellung, in einem engen Raum gefangen zu sein, löst bei vielen Klaustrophobikern typische Angstsymptome aus. Hierzu zählen:

  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Magenkrämpfe
  • Enge in der Brust
  • bis hin zur Angst, zu ersticken

Klaustrophobiker fürchten in den angstauslösenden Situationen, die Kontrolle zu verlieren und sich im Notfall nicht retten zu können, weil beispielsweise kein Fluchtweg existiert. Betroffene haben in engen Räumen Angst, zu sterben, zu ersticken oder zumindest ohnmächtig zu werden.

Ein verbreitetes Klaustrophobie-Symptom ist auch die Angst, verrückt zu werden. Obwohl Betroffenen bewusst ist, dass ihre Ängste nicht angemessen sind, können Menschen mit Klaustrophobie diese Symptome nicht selbstständig verhindern.

Klaustrophie-Diagnose und Therapie

Obwohl die Ursachen für Klaustrophobie noch immer nicht eindeutig geklärt sind, lässt sich die Erkrankung recht erfolgreich behandeln. Dafür ist zunächst eine gesicherte Diagnose erforderlich. Der behandelnde Arzt oder Psychologe ermittelt dafür, wann die Angstsymptome auftreten, wie ausgeprägt sie sind und ob sie an bestimmte Situationen oder Orte gebunden sind. Wichtig bei der Diagnose ist zudem, wie lange die Symptome anhalten. Hilfreich kann es sein, wenn der Betroffene zuvor ein sogenanntes Angsttagebuch führt, in dem er Situationen und Details zu den Symptomen festhält.

Je detaillierter der Betroffene das Auftreten sowie Dauer und Stärke der Symptome schildern kann, desto zuverlässiger kann der behandelnde Experte feststellen, ob tatsächlich eine reine Klaustrophie dahinter steckt oder möglicherweise eine andere Angsterkrankung. Da die typischen Symptome der Klaustrophobie auch bei diversen anderen Erkrankungen, beispielsweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, ist zudem eine körperliche Untersuchung notwendig. So können organische Ursachen ausgeschlossen werden.

Verschiedene Therapieansätze: Verhaltenstherapie und Selbsthilfe

Bei Klaustrophobie ist eine Therapie nicht immer erforderlich. Betroffene, die nur unter schwach ausgeprägter Raumangst leiden, können ihre Furcht oftmals überwinden und sich der Situation aussetzen. Sie leiden zwar unter Angst, sind aber beispielsweise durchaus in der Lage, Fahrstuhl oder U-Bahn zu fahren, wenn die Situation es zwingend erfordert. Wird die Raumangst allerdings zu einer starken Belastung oder Einschränkung im Alltag, ist eine Therapie sinnvoll.

Häufig kommt zur Behandlung von Klaustrophobie eine Verhaltenstherapie zum Einsatz. Dabei zeigt der Therapeut dem Betroffenen Denkmuster auf, die zu der Raumangst geführt haben. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird versucht, dem Patienten bewusst zu machen, welche Denkmuster seine Angst aufrechterhalten. Bei erfolgreicher Therapie lernen Betroffene, dieses Denken abzulegen.

Eine andere verhaltenstherapeutische Maßnahme ist das sogenannte Expositionsverfahren, im Volksmund besser bekannt als Konfrontationstherapie. Dabei wird der Betroffene unter Aufsicht des Therapeuten der angstauslösenden Situation ausgesetzt. Oft geschieht dies schrittweise. So wird beispielsweise ein Fahrstuhl zunächst nur angesehen. Im weiteren Verlauf der Therapie stellt sich der Betroffene dann zunächst möglicherweise nur bei geöffneter Tür hinein, bis er letztendlich damit fährt. Ziel ist, dass der Patient durch eine gezielte und wiederholte Konfrontation mit der angstauslösenden Situation, die Angst verliert. Auch in seinem Gehirn soll die Verknüpfung der Angst mit klaustrophobischen Situationen gelöst werden.


Für andere Klaustrophobiker ist es bereits hilfreich, sich in Selbsthilfegruppen über ihre Angststörung auszutauschen. Manche Betroffene haben gute Erfahrungen mit dem Erlernen von Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung oder autogenem Training gemacht. Diese Techniken können in Situationen, in denen die Klaustrophobie auftritt, angewendet werden, um ruhiger zu bleiben und die typischen Symptome zu vermeiden.

Wenn Sie vermuten, unter Klaustrophobie, Agoraphobie oder möglicherweise einer anderen Angststörung zu leiden, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren. Dieser kann Ihnen helfen, die Symptome zuzuordnen, und Sie gegebenenfalls an einen Facharzt weiterleiten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Psychische Erkrankungen > Angststörungen

shopping-portal