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Vergesslichkeit: Wann ist sie noch normal und wann krankhaft?

Gedächtnislücken  

Vergesslichkeit: Was ist noch normal und was bereits krankhaft?

18.01.2019, 15:21 Uhr | t-online.de

Vergesslichkeit: Wann ist sie noch normal und wann krankhaft?. Vergesslich ist jeder mal. Treten die Aussetzer jedoch immer häufiger auf, kann eine Krankheit hinter der Vergesslichkeit stecken. (Quelle: Getty Images)

Vergesslich ist jeder mal. Treten die Aussetzer jedoch immer häufiger auf, kann eine Krankheit hinter der Vergesslichkeit stecken. (Quelle: Getty Images)

Sie haben die ganze Wohnung durchsucht, doch die Brille scheint unauffindbar zu sein. Oder Sie sitzen im Auto und fragen sich, ob die Herdplatte aus ist und Sie die Haustür zugezogen haben? Jeder hat solche Situationen schon einmal erlebt. Wenn sich die Aussetzer jedoch häufen, stellt sich die Frage: Steckt vielleicht eine Krankheit hinter der Vergesslichkeit?

Wo Vergesslichkeit aufhört und Demenz anfängt, ist für Betroffene und Angehörige meist schwer zu sagen. Treten Gedächtnislücken hin und wieder auf, ist das kein Grund zur Panik. Normal ist auch, dass das Gedächtnis und die Leistungsfähigkeit des Gehirns im Alter nachlassen. Dennoch gibt es bestimmte Kriterien, an denen sich krankhafte Vergesslichkeit festmachen lässt. 

Vergesslichkeit: Untersuchungen und Tests

Wenn Sie Ihr Gedächtnis immer häufiger im Stich lässt oder Sie vertraute Arbeitsabläufe nicht mehr durchführen können, sollten Sie die Ursachen Ihrer Vergesslichkeit vom Arzt abklären lassen. Folgende Tests und Untersuchungen kommen bei der Diagnosestellung in Betracht:

  • Anamnese: Im Gespräch mit dem Patienten informiert sich der Arzt über die Krankheitsgeschichte und stellt Fragen zum Auftreten der Vergesslichkeit.
  • Neuropsychologische Tests: Der Arzt beobachtet dabei, wie konzentriert der Patient bestimmte Aufgaben erfüllt und welche Informationen er in seinem Gedächtnis abrufen kann. Der bekannteste Test dieser Art ist der so genannte Uhren-Test. Dabei soll der Patient auf dem Ziffernblatt einer Uhr eine bestimmte Uhrzeit mit Hilfe eines Stunden- und Minutenzeigers einzeichnen. Gelingt ihm das nicht, kann dies ein Anzeichen für Demenz oder Alzheimer sein.
  • Körperliche Untersuchung: Hier untersucht der Arzt Blutdruck, Puls, Blut und Urin. Dabei versucht er herauszufinden, ob die Ursachen der Vergesslichkeit möglicherweise durch Stoffwechsel- oder Hormonstörungen hervorgerufen wurden.
  • EKG/EEG: Diese Untersuchungen können Aufschluss über die Herzfrequenz und Hirnfunktion geben. Daraus lassen sich auch Rückschlüsse auf die Gehirndurchblutung ziehen.
  • Computertomografie (CT)/Kernspintomografie (MRT):  Diese bildgebenden Verfahren geben Ausschluss über Veränderungen im Gehirn, die auf eine Demenz oder Alzheimererkrankung hinweisen.
  • Blutuntersuchungen / Liquordiagnostik: Sie weisen nach, ob möglicherweise eine Stoffwechselstörung zugrunde liegt, die Demenz auslöst oder ob im Nervenwasser (Liquor) Eiweiße vorhanden sind, die für Alzheimer typisch sind.

Die ersten Untersuchungen werden in der Regel vom Hausarzt durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Demenzerkrankung überweist er den Patienten an einen Neurologen, der dann die weiterführende Diagnostik einleitet.

Vergesslichkeit im Alter: Abgrenzung zu Demenz

Dass sich die Vergesslichkeit mit zunehmendem Lebensalter verstärkt und man häufiger unter Wortfindungsstörungen leidet, ist ein natürlicher Altersprozess und weist nicht zwangsläufig auf eine Krankheit hin. Besonders das Kurzzeitgedächtnis lässt bei älteren Menschen im Laufe der Zeit nach, das Langzeitgedächtnis dagegen sehr viel weniger.

Grundsätzlich gibt erst die ärztliche Diagnose Auskunft darüber, ob nur eine altersbedingte Gedächtnisschwäche vorliegt oder eine Demenz. Doch es gibt eine Reihe einfacher Kriterien, die auf eine möglicherweise Erkrankung hinweisen.

Im Gegensatz zu einer altersbedingten Vergesslichkeit verschlechtert sich das Erinnerungsvermögen der Demenzkranken sehr viel rascher. Veränderungen der  Gedächtnisleistung sind innerhalb eines Jahres deutlich erkennbar. Außerdem werden wichtige Gegenstände, auf die man sonst besonders achtet, immer öfter verlegt. Selbst Notizzettel und Merkhilfen helfen dann nicht mehr. Typisch für Alzheimer im fortschreitenden Stadium ist, dass neben dem Kurzzeitgedächtnis auch das Langzeitgedächtnis aussetzt. Altersvergesslichkeit dagegen verändert sich kaum. Zudem ist bei Altersvergesslichkeit nur das Gedächtnis betroffen, andere Fähigkeiten wie das Sprachvermögen oder die Motorik funktionieren in der Regel einwandfrei.

Vergesslichkeit kann viele Ursachen haben

Die Gründe, warum Menschen Gedächtnisstörungen oder Konzentrationsstörungen haben, sind vielfältig. Einige sind banal und leicht behebbar, andere müssen behandelt werden. Mögliche Ursachen für Vergesslichkeit sind: 

  • Hormonstörungen 
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Depressionen
  • Parkinson-Erkrankung
  • Nierenerkrankungen
  • Alkohol- und Drogensucht
  • Mangel an Vitaminen / Eisenmangel
  • Schlaganfall
  • Flüssigkeitsmangel
  • Hirntumore
  • Stress / Schlafmangel / Medikamente

Da Vergesslichkeit immer nur ein Symptom ist hinter denen sich komplexe Krankheitsbilder verbergen können, ist eine ärztliche Abklärung umso wichtiger.Auf dieser Basis wird entschieden, welche Behandlungsmethode eingesetzt werden kann.

Vergesslichkeit im jungen Alter 

Die Leistungsfähigkeit des Gehirns unterliegt einem natürlichen Alterungsprozess. Grundsätzlich haben Menschen unter 50 Jahren eher selten Probleme mit dem Gedächtnis. Dennoch gibt es Menschen, die auch in jungen Jahren unter Vergesslichkeit leiden, die über eine normale Schusseligkeit hinaus geht. In seltenen Fällen können sogar Kinder betroffen sein. Die Ursachen für Vergesslichkeit in jungen Jahren können neben Stress und psychischen Störungen auch eine Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein, bei der die Impulskontrolle beeinträchtigt ist. Das wiederum wirkt sich negativ auf Konzentration und Gedächtnis aus. Doch auch Mangelerscheinungen (zu wenig Flüssigkeit, Vitamine oder Mineralstoffe) können die Ursache für Gedächtnisstörungen bei jungen Menschen sein.

Vergesslichkeit wird durch Stress schlimmer

Dauerstress im Job und im Privatleben macht nicht nur vergesslich, sondern erhöht auch das Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken oder eine Depression zu bekommen. Zunächst bedeutet Stress für den Körper, dass er sich auf eine Gefahrensituation einstellt und in Alarmbereitschaft ist. Dabei werden so genannte Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Corticoide ausgeschüttet.

Auf Dauer kann Stress sogar zu anatomischen Veränderungen im Gehirn führen. Betroffen ist vor allem der Hippocampus, also der Teil im Hirn, der für die Gedächtnisleistung, speziell das Kurzzeitgedächtnis, verantwortlich ist. Daher sind Menschen unter Stress häufig zerstreut, vergessen Dinge oder haben einen Tunnelblick.

Hinter Vergesslichkeit können Depressionen stecken

Depressionen können sich ebenfalls negativ auf das Gedächtnis auswirken. In Folge kommt es zu Gedächtnislücken, Konzentrationsschwäche und einem allgemeinen Abfall geistiger Leistungsfähigkeit. Circa 90 Prozent der depressiven Menschen leiden darunter. Die Betroffenen fühlen sich hierdurch so stark beeinträchtigt, dass private und berufliche Aktivitäten nahezu unmöglich werden. Mit Medikamenten wie Antidepressiva oder einer Psychotherapie lassen sich die Probleme wieder in den Griff bekommen. Daher ist es wichtig, möglichst früh ärztliche Hilfe aufzusuchen.

Vergesslichkeit in der Schwangerschaft

Auch während der Schwangerschaft oder der Stillzeit werden viele Frauen schusselig. Sie verlegen Dinge, vergessen Termine oder haben leichte Wortfindungsstörungen. Schuld daran sind keine strukturellen Veränderungen im Gehirn, sondern hormonelle oder psychische Gründe. Experten vermuten, dass dabei das Prolaktin (Milchbildungshormon) und die erhöhte Ausschüttung des Hormons Oxytocin dabei eine wichtige Rolle spielen. Welche Abläufe dabei genau stattfinden, ist wissenschaftlich bislang noch nicht ausreichend erforscht.

Vergesslichkeit in der Schwangerschaft ist völlig harmlos und stellt nur vorübergehend ein Problem dar, das sich in der Regel nach dem Ende der Stillphase von selbst löst. Dennoch können Frauen etwas tun, um ihre Gedächtnisleistung zu unterstützen. Hierzu gehört vor allem, darauf zu achten, dass der Körper genug Schlaf und ausreichend Flüssigkeit (mindestens zwei Liter pro Tag) bekommt. Schwangere und stillende Mütter sollten zudem darauf achten, sich Pausen zu gönnen. Auch Entspannungsübungen wirken positiv auf das kognitive Leistungsvermögen.

Vergesslichkeit vorbeugen: Diese Tipps helfen

Um das Gehirn bis ins hohe Alter fit zu halten und Konzentrationsproblemen vorzubeugen, kann jeder aktiv etwas tun. So tragen ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener, vitamin- und mineralstoffreicher Ernährung (vor allem Vitamin B12 und Eisen), viel Bewegung und maßvoller Alkoholgenuss dazu bei, dass auch das Gehirn gut funktioniert. Entspannungsübungen wie autogenes Training und Yoga helfen zudem, Stress abzubauen. Was auch wichtig ist: ausreichender Schlaf. Denn ein müdes Gehirn funktioniert nicht gut. In der Regel sollte die nächtliche Ruhe nicht weniger als sieben Stunden betragen.

Denken Sie außerdem daran, dass ein gut funktionierendes Gehirn gefördert sein möchte. Geistige Anregungen durch Hobbys, aber auch der Kontakt zu anderen Menschen sind daher wichtig. Auch wenn ein gezieltes Gedächtnistraining nicht vor Alzheimer schützt, hilft es dennoch, die grauen Zellen im Alter fit zu halten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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