Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Gicht >

Gichtanfall: Ursachen, Diagnose und Verlauf

Ursachen, Diagnose und Behandlung  

Was passiert bei einem Gichtanfall?

30.05.2018, 09:28 Uhr | t-online.de

Gichtanfall: Ursachen, Diagnose und Verlauf. Bei einem Gichtanfall sind häufig die Finger betroffen. Typisch sind starke Schmerzen in den Gelenken.  (Quelle: Getty Images/Astrid860)

Bei einem Gichtanfall sind häufig die Finger betroffen. Typisch sind starke Schmerzen in den Gelenken. (Quelle: Astrid860/Getty Images)

Es beginnt mit heftigen Schmerzattacken in den Fingern, im Großzeh oder im Knie. Gichtanfälle gehören zu den schmerzhaftesten Gelenkbeschwerden, die es gibt. Sie kommen aus heiterem Himmel und treten meist nachts auf. Was steckt dahinter und wie lässt sich ein Gichtanfall behandeln?  

Ein Gichtanfall ist Ausdruck der Stoffwechselerkrankung Gicht. Bei dieser sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an (Hyperurikämie). Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen aus der Nahrung. Sie sind ein normaler Bestandteil von Körperzellen und werden beim Zerfall von Zellen freigesetzt. 

Purine sind reichlich in Fleisch, Wurst und Innereien enthalten, aber auch in Alkohol. Daher treten Gichtanfälle auch häufig nach üppigen Mahlzeiten auf, bei denen viel Fleisch gegessen und Bier getrunken wird. Dann ist der Körper überfordert, die hohen Mengen an Harnsäure über die Nieren auszuscheiden.

Gicht kann viele Ursachen haben  

Die Hauptursache für Gicht ist eine angeborene Stoffwechselstörung. Dahinter steckt meist eine Fehlfunktion der Niere, die nicht genug Harnsäure ausscheidet. Mediziner sprechen hier von primärer Gicht. Daneben können auch andere Krankheiten oder Stoffwechselstörungen Ursachen einer Gichterkrankung sein. Eine sekundäre Gicht entsteht, wenn in Folge dessen entweder der Abbau der Harnsäure gehemmt ist oder zu viel Harnsäure produziert wird. Das kann bei Diabetes oder einer Nierenerkrankung der Fall sein. Ebenfalls gefährdet sind Leukämie-Patienten und Menschen, die sich einer Radikaldiät unterziehen.

Für die Gicht-Diagnose wendet der Arzt verschiedene Verfahren an. Zum einen kann eine Untersuchung des Bluts und des Urins Auskunft darüber geben, ob erhöhte Harnsäurewerte vorliegen. Eine der sichersten Methoden, die Diagnose Gicht zu stellen, ist die Gelenkpunktion mit Entnahme von Gelenkflüssigkeit. Werden in dieser Flüssigkeit Harnsäurekristalle gefunden, ist die Diagnose Gicht zu gesichert. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann auch eine Röntenuntersuchung Ansammlungen von Harnkristallen in den Gelenken zeigen.

Wie kommt es zum Gichtanfall?

Die Ursachen eines erhöhten Harnsäurespiegels liegen häufig in einer falschen Ernährung, die zu viele Purine enthält. Er kann aber auch durch eine Nierenerkrankung oder eine extreme Diät verursacht werden. Ebenso spielen bei Gicht genetische Veranlagungen eine wichtige Rolle. Durch den erhöhten Harnsäurespiegel bilden sich Harnsäurekristalle. Sie sammeln sich in den Gelenken an und führen zu schmerzhaften Entzündungen, die sich in einem Gichtanfall äußern.

Ausführlich: Welcher Harnsäurewert ist gesund?

Typische Symptome beim Gichtanfall

Ein akuter Gichtanfall kommt meist nachts oder in den frühen Morgenstunden, wenn der Körper entspannt ist. Folgende Symptome sind typisch: 

  • Stechende Schmerzen, die ohne Vorwarnung auftreten
  • Häufig betroffen sind die Gelenke am Großzeh, Daumen, Knie oder Schulter
  • Geschwollene Gelenke und Rötungen der Haut, die sich heiß anfühlt
  • Berührungsempfindlichkeit des betroffenen Gelenks
  • Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen können auftreten

Ausführlich: Mit purinarmer Kost Gichtanfällen vorbeugen

Achtung: Nicht immer steckt hinter Gelenkschmerzen Gicht. Schwellungen und Schmerzen in großen Gelenken, wie Knie oder Schulter, können auch Symptome einer Pseudogicht sein. Sie äußern sich zwar ähnlich, haben aber völlig andere Ursachen. 

Gichtanfall: Dauer und Verlauf 

Die Schmerzen und Schwellungen, die während eines Gichtanfalls auftreten, sind meist nach sechs bis acht Stunden am stärksten. Das betroffene Gelenk fühlt sich geschwollen, gerötet und heiß an. Auffallend ist eine extreme Berührungsempflindlichkeit. Der Anfall wird häufig auch von Fieber begleitet und kann sich unbehandelt über Stunden oder gar Tage hinziehen. In der Regel dauert es eine Woche, bis die Schwellung zurückgeht und sich das Gelenk erholt. 

Behandlung beim akuten Gichtanfall

So schmerzhaft Gicht auch ist, sie ist in der Regel gut behandelbar. Ziel der Therapie ist es, die Entzündungen zu beseitigen und so die Schmerzen zu lindern. Anschließend müssen die Harnsäurewerte wieder ins Lot gebracht werden. Meist ist es wichtig, die Ernährungsgewohnheiten umzustellen und weniger purinhaltige Lebensmittel zu essen. 

Purine in Nahrungsmitteln: Diese Tabelle gibt Auskunft

Purinarme Kost lindert Gicht-Symptome

Eine Ernährungsumstellung mit purinarmer Kost hilft, Gichtanfällen vorzubeugen und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Purinarme Lebensmittel sind:

  • Frischkäse
  • Joghurt und Quark
  • Milch
  • Eier
  • Gurken, Tomaten
  • Äpfel, Kiwi, Ananas, Zitrusfrüchte, Beerenobst
  • Käse
  • Kartoffeln
  • Paprika
  • Karotten 
  • Kartoffeln
  • Salat
  • Aubeginen und Zucchini
  • Weißbrot und Brötchen
  • Spargel
  • Kohl (Wirsing, Rotkohl)

Therapie: Medikamente zur Behandlung von Gicht 

Lässt sich allein auf Basis der Ernährungsumstellung keine Normalisierung des Harnsäurespiegels. erreichen, können zur Behandlung Medikamente eingesetzt werden, die entweder die Harnsäurebildung hemmen oder deren Ausscheidung fördern. Bei einem akuten Gichtanfall können entzündungshemmende Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika NSAR), Kortison und das Pflanzengift Colchicin die Beschwerden lindern. Colchicin hemmt die Fähigkeit der weißen Blutkörperchen, zum Entzündungsherd zu wandern. Außerdem verhindert der Wirkstoff, dass diese Zellen aktiv die Entzündungsreaktion „anfeuern“.

Einige entzündungshemmende Mittel sind in niedrigen Dosierungen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, andere sind verschreibungspflichtig. Keinesfalls zu empfehlen ist die Eigentherapie mit schmerzlindernden Tabletten. Vor allem von Aspirin ist abzuraten, da dieses Medikament den schmerzhemmenden Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthält, welches den Harnsäurespiegel erhöhen kann. 

Um die Harnsäurewerte dauerhaft zu senken, kann der Arzt eine Behandlung mit Allopurinol oder Febuxostat verordnen. Diese darf allerdings nicht vor dem völligen Abklingen der akuten Entzündung gestartet werden. Doch auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist wichtig, damit sich der Harnsäurepegel nicht erhöht. 

Bei Gicht sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Denn bleibt die Krankheit unbehandelt, wird sie chronisch. Dann kommt es häufig zu wiederkehrenden Nierenbeckenentzündungen, Nierensteinen und im schlimmsten Fall zum Organversagen der Nieren.

Diese Hausmittel helfen beim akuten Gichtanfall

Um die Schmerzen bei einem Gichtanfall zu lindern, stehen eine Reihe bewährter Hausmittel zur Verfügung. Die wichtigsten Maßnahmen im Akutfall sind:

  • Kühlende Umschläge: Quarkwickel kühlen und wirken entzündungshemmend
  • Viel trinken: Durch die Flüssigkeit wird die Ausscheidung der Harnsäure über den Urin gefördert. Besonders geeignet ist Brennnesseltee
  • Bettruhe: Das Gelenk muss entlastet und geschont werden
  • Hochlagern: Ist der Zeh oder das Fußgelenk betroffen, wird das Hochlagern des Fußes häufig als angenehm empfunden. 
  • Vermeiden von Belastungen des Gelenks
  • Salzsocken: Ist der Zeh betroffen, kann eine Salzsocke akute entzündliche Beschwerden lindern. Lösen Sie 30 g Kochsalz in 1 Liter warmem Wasser auf. Tauchen Sie daraufhin eine Baumwollsocke hinein, wringen Sie diese aus und streifen sie über den betroffenen Fuß. Ziehen Sie eine Wollsocke darüber und lassen Sie die Anwendung circa eine Stunde einwirken. 

Gichtanfall: Vorbeugen durch Ernährung

Menschen mit Gicht sollten auf purinreiche Lebensmittel wie Fleisch, Innereien, Wurst, Hülsenfrüchte, Meeresfrüchte und einige Fischsorten (Hering, Sardinen, Makrele) besser verzichten. Ab einer Menge von 500 Milligramm Harnsäure pro Tag ist Vorsicht geboten. Gichtpatienten sollten sich möglichst bei nur 300 Milligramm Harnsäure pro Tag einpendeln. Da Alkohol die Harnsäureausscheidung über die Nieren hemmt, ist bei Gicht maßvoller Konsum angeraten. Besonders Bier (auch alkoholfreies) ist reich an Purinen. Um Gichtanfällen vorzubeugen, sollte man auch mit Fruchtzucker (Fruktose) in Getränken und Süßspeisen zurückhaltend sein.

Empfehlenswert sind eine ausgewogene, vitaminreiche Vollkost mit Gemüse und fettarmen Milchprodukten. Gemüse enthält neben Vitaminen auch Proteine, die sich positiv auf die Harnsäurewerte auswerten. Studien haben zudem gezeigt, dass bereits ein Viertelliter Magermilch oder Naturjoghurt pro Tag die Ausscheidung von Harn­säure fördern. Wichtig ist auch, ausreichend zu trinken (mindestens zwei Liter pro Tag), damit die Nieren gut durchgespült werden.

Erkrankung vorbeugen: Übergewicht vermeiden 

Übergewicht erhöht das Risiko für Gichtanfälle. Daher ist es wichtig, auf ein normales Gewicht zu achten, sich gesund und vitaminreich zu ernähren und sich viel zu bewegen. Regelmäßiger Sport reduziert zudem die Harnsäurekonzentration und regt den Stoffwechsel an.

Radikale Diäten sollte man grundsätzlich vermeiden und darauf achten, ausreichend zu trinken. Zu schnelle Gewichtsabnahme und Fastenkuren können akute Gichtanfälle auslösen, da die Harnsäure zu schnell über die Nieren ausgeschieden wird. 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Gicht-Liga e.V.
  • Deutsche Rheuma-Liga

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Der Sommer zieht ein: shoppe Outdoor-Möbel u.v.m.
jetzt auf otto.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal