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Migräne: Diagnose, Symptome und Behandlung

Schmerzen im Kopf  

Migräne: Symptome, Behandlung und Ursachen

01.05.2019, 15:52 Uhr | t-online.de

Migräne: Diagnose, Symptome und Behandlung. Migräne kommt oft ganz plötzlich. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. (Quelle: Getty Images/v_sot)

Migräne kommt oft ganz plötzlich. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. (Quelle: v_sot/Getty Images)

Wer schon einmal eine Migräneattacke erlebt hat, weiß: Die heftigen Kopfschmerzen können wahnsinnig machen. Jeder zehnte Deutsche ist davon betroffen; Frauen häufiger als Männer. Doch was genau ist Migräne? An welchen Symptomen erkennt man sie, wodurch wird sie ausgelöst und wie lässt sie sich behandeln?

Experten unterscheiden rund 165 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Eine davon ist Migräne. Im Alter zwischen 25 und 45 Jahren tritt sie am häufigsten auf, doch auch schon Kinder können daran erkranken.

Mediziner gehen davon aus, dass die Anlagen für eine Migräneerkrankung vererbt wird.

Migräne: Typische Symptome

Im Gegensatz zu anderen Kopfschmerzarten tritt Migräne in Form eines Anfalls auf. Typische Symptome sind:

  • pulsierende, pochende, stechende oder ziehende Schmerzen 
  • Schmerzen in nur einer Kopfhälfte
  • starke Schmerzen, die zur Bettruhe zwingen
  • mehrere Stunden bis Tage anhaltende Schmerzen 
  • Übelkeit, Erbrechen, Geruchs-, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit 
  • periodische Wiederkehr der Schmerzattacken

Bei manchen Menschen treten die Attacken in so kurzen Zeitabständen auf, dass sie Schwierigkeiten haben, ihren privaten und beruflichen Alltag zu meistern. Dann spricht man von chronischer Migräne.

Migräne: So erfolgt die Diagnose

Für den Laien ist es oft schwer, eine Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterschieden. Klarheit schafft erst eine Diagnose vom Arzt, der eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch durchführt. Entscheidend ist, wann und wie oft die Kopfschmerzen auftreten und von welchen Symptomen sie begleitet werden. Hierbei kann es hilfreich sein, dass der Patient in einem Tagebuch seine Migräneanfälle dokumentiert. Folgende Punkte sollten darin festgehalten werden:

  • An welchen Tagen traten die Migräneattacken auf?
  • Wie lange hat der Anfall gedauert?
  • In welcher Situation war ich, als die Migräne anfing (Entspannung oder Stress)?
  • Welche Lebensmittel habe ich zu mir genommen?
  • Gab es begleitende Symptome?
  • Wurden zuvor Medikamente eingenommen?

Je ausführlicher die Informationen sind, umso besser kann der Arzt eine Diagnose stellen und die richtige Behandlung verordnen.

Ursachen für Migräne

Welche Ursachen hinter einer Migräne stecken, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt. Sicher jedoch ist, dass es eine erbliche Veranlagung für die Erkrankung gibt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es sich um eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns handelt, die mit einer Überempfindlichkeit bei der Reizverarbeitung verbunden ist. Dabei kommt es im Gehirn zu einer Entzündungsreaktion in den Adern mit Reizung der Blutgefäße im Gehirn. Diese werden so schmerzempfindlich, dass sich selbst der Pulsschlag wie ein Hammer anfühlt. Der Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) Seratonin scheint hierbei eine wichtige Rolle zu spielen. 

Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt unter anderem das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus. Auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Rotwein können die Serotonin-Ausschüttung anregen.

Neben dem Serotonin könnten auch weitere Botenstoffe als Migräne-Ursachen von Bedeutung sein beispielsweise Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP). Deiser Botenstoff trägt unter anderem zur Weiterleitung von  Schmerzsignalen bei.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Folgende Ursachen können hinter Migräne stecken:

  • Gen-Veränderungen
  • Neutrotransmitter Serotonin
  • Hormone
  • Stress
  • Störungen vom Schlaf-Wach-Rhythmus

Ausführlich: Mögliche Ursachen für Migräne

Auslöser für Migräne

Die Auslöser für einen Migräneanfall nennt man Trigger. Diese können sehr unterschiedlich sein. Mögliche Auslöser für Attacken sind 

  • Stress
  • grelles Licht
  • laute Musik
  • Alkohol
  • Hormonschwankungen im Verlauf des weiblichen Zyklus
  • Änderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • wechselhaftes Wetter 
  • bestimmte Nahrungsmittel: Ungünstig wirken Konservierungsstoffe, Glutamat und Histamine. Diese sind zum Beispiel in Erdbeeren, Tomaten, Zitrusfrüchten, Schokolade, Rotwein, Salami und vielen Fertiggerichten enthalten. 

Grundsätzlich sind Migräne-Trigger sehr individuell und bei jedem Menschen unterschiedlich. Häufig kommen auch mehrere Faktoren zusammen, die eine Attacke auslösen. 

Grünes Licht hilft Migränepatienten: Viele Migräniker regieren empfindlich auf Licht und ziehen sich in eine dunkle Ecke zurück. Das gilt jedoch nicht für alle Farben: Laut einer US-Studie an der Harvard Medical School in Boston (Massachusetts), die im Fachblatt "Brain" veröffentlicht wurde, kann grünes Licht die Schmerzen sogar lindern. Weitere Studien sollen herausfinden, ob sich aus dieser Erkenntnis eine Therapie ableiten lässt.

Migräne mit Aura – was ist das?

Einer Migräneattacke geht häufig eine so genannte Aura voraus oder begleitet sie. Sie tritt in etwa 15 bis 20 Prozent der Migräneanfälle auf und ist das entscheidende diagnostische Kriterium zur Unterscheidung zwischen einer klassischen Migräne (Migräne mit Aura) und einer gewöhnlichen Migräne (Migräne ohne Aura). Grund für diese Wahrnehmungsstörungen ist eine Erregungswelle, die zu Beginn des Migräneanfalls über die Nerven der Hirnoberfläche wandert.

Folgende Symptome sind typisch für eine Aura: Die Patienten haben Blitze vor den Augen, Sehprobleme, Sprachstörungen oder Wahrnehmungsveränderungen. Weitere Aurasymptome können ein Taubheitsgefühl in den Armen oder im Gesicht sein. Bei einigen Patienten kündigt sich ein Migräneanfall bereits Tage vorher durch Appetitlosigkeit, Heißhunger oder ein gesteigertes Kälteempfinden an. Die Migräneaura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher. Die Symptome einer Migräneaura setzen im Gegensatz zu einem Schlaganfall typischerweise langsam ein und klingen ebenso langsam wieder ab.

Schmerzmittel: Migräne mit Medikamenten behandeln

Da die Schmerzen in der Regel sehr heftig sind, ist häufig eine Behandlung mit Medikamenten nötig. Bei leichtem bis mittelschwerem Migränekopfschmerz genügen einfache Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Sie können mit Medikamenten kombiniert werden, die gegen Übelkeit und Erbrechen wirksam sind. Zur Behandlung stärkerer Kopfschmerzattacken steht eine Gruppe von Migränemitteln zur Verfügung, die so genannten Triptane. Sie sollten nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden, da sie bei häufiger Einnahme wirkungslos werden und selbst Migräneattacken hervorrufen können. 

Wenn Patienten häufiger als drei Mal pro Monat unter schweren Migräneattacken leiden oder die Anfälle nicht besser werden, verordnen Ärzte manchmal spezielle Schmerzmittel wie Betarezeptoren-Blocker. Sie dienen auch als Prophylaxe der Migräneattacken. Ein weiterer vielversprechender Wirkstoff zur Migräneprophylaxe ist der Antikörper Erenumab. Einige Pharmaunternehmen sind gerade dabei, aus Erenumab ein Medikament zu entwickeln.

Therapie: Sanfte Hilfe bei Migräne-Erkrankung

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen, um die Beschwerden bei Migräne zu lindern. Bewährt haben sich folgende:

  • Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück, damit sie von äußeren Reizen abgeschirmt sind
  • Legen Sie ein kühlendes Tuch oder einen Eisbeutel auf die Stirn
  • Sanfte Massagen mit Pfefferminzöl an Schläfen und Stirn werden häufig als angenehm empfunden
  • Benutzen Sie ein Kissen, das Ihre Nackenmuskulatur entspannt (keine Überstreckung!)
  • Trinken Sie ausreichend, am besten Mineralwasser oder Kräutertee
  • Akupunktur weist in vielen Fällen gute Erfolge auf, auch zur Vorbeugung von Migräneattacken

Wenig sinnvoll sind dagegen Piercings im Ohrknorpel, die vielerorts als alternative Behandlungsmethode zur Migräneprophylaxe angeboten werden. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft warnt sogar vor solchen Piercings, da es im Bereich des Ohrknorpels leicht zu Entzündungen und verzögerter Wundheilung kommen kann. 

Mehr Infos zu Akupunktur zur Migräneprophylaxe

Magnesium zur Migräne-Prophylaxe

Einige Studien belegen, dass Migräniker  einen zu niedrigen Magnesiumspiegel haben. Eine zusätzliche Magnesiumzufuhr kann sich daher positiv auf die Schmerzattacken auswirken und wird daher von einigen Ärzten zur Prophylaxe eingesetzt. Allerdings wirkt der Mineralstoff in der Regel nur bei leichten Fällen von Migräne.

Migräne bei Kindern

Auch wenn Migräne meist im mittleren Alter auftritt, kann sie auch bei Kindern vorkommen. Die Diagnose durch den Kinderarzt erfolgt in der Regel eher spät. Im Durchschnitt sind die kleinen Betroffenen dann schon acht Jahre alt. Der Grund: Die Symptome der Krankheit äußern sich bei Kindern oft anders als bei Erwachsenen. Folgende Symptome  könne auf Migräne bei Kindern hinweisen:

  • Bauchschmerzen
  • pochende Schmerzen in beiden Kopfhälften bzw. Stirn
  • beim Spielen wird der Schmerz stärker
  • Müdigkeit und Unruhe
  • plötzlich auftretender Schwindel
  • wiederholtes Erbrechen
  • seltener: Lichtblitze vor den Augen und Wahrnehmungsstörungen

Da die Anzeichen oft diffus sind und auch auf andere Krankheiten hinweisen können, ist es nicht leicht, eine Migräne bei Kindern zu diagnostizieren. Beobachten Sie daher zunächst genau, welche Beschwerden wann auftreten. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Kind einen geregelten Tagesablauf, genug Schlaf und Möglichkeiten zur Entspannung hat. Wenn bestimmte Symptome dennoch immer wiederkehren, suchen Sie einen Kinderarzt auf. Auch hier kann es helfen, die Beschwerden in einem Tagebuch dokumentiert zu haben.

Mehr Infos zu Migräne bei Kindern

Migräne in der Schwangerschaft

Für einen Großteil der Migräne-Patientinnen (circa 70 Prozent) hat eine Schwangerschaft einen positiven Effekt: Die Kopfschmerzattacken bleiben ganz aus oder werden deutlich weniger. Manche Fachleute vermuten, dass die konstant hohen Konzentrationen an weiblichen Hormonen (Östrogen und Progesteron) dafür verantwortlich sind. Dies würde auch erklären, warum die Kopfschmerzen nach der Geburt, wenn der Hormonspiegel wieder sinkt, bei etwa der Hälfte der Frauen wieder zurückkehren.

Es gibt aber auch schwangere Frauen, die weiterhin unter Migräne leiden. Bei ihnen ist eine klassische Schmerzbehandlung mit Tabletten problematisch, denn Medikamente können das Ungeborene schädigen. Werdende Mütter sollten daher zunächst versuchen, die Kopfschmerzen mit sanften Mitteln wie kühlenden Stirnkompressen und Massagen zu lindern. Wenn das nicht hilft, sollte ein Arzt konsultiert werden. Auf keinen Fall sollten Schwangere eigenmächtig Triptane oder andere Schmerzmedikamente nehmen. 

Migräne ohne Kopfschmerzen – ein Widerspruch?

Migräne ohne Kopfschmerzen ist dennoch möglich, auch wenn es widersprüchlich klingen mag. Betroffene entwickeln sogenannte isolierte Auren. Diese wurden früher auch "migraine-sans-migraine" (frz. Migräne ohne Migräne) genannt. Isolierte Auren als Migräne zu diagnostizieren, ist schwierig, weil die charakteristischen Kopfschmerzen fehlen. Viele Patienten, aber auch Hausärzte denken bei plötzlichen Seh- und Wahrnehmungsstörungen fälschlicherweise an einen Schlaganfall.

Was steckt hinter Augenmigräne?

Eine besondere Form der Migräne ist die Augenmigräne (ophthalmische Migräne). Sie betrifft immer beide Augen und auch sie wird nicht zwangsläufig von Migränekopfschmerzen begleitet.

Typische Symptome sind:

  • Einschränkungen des Gesichtsfeldes (Skotome)
  • Verengung des Blickumfangs (Tunnelblick, Scheuklappeneffekt)
  • Flimmern
  • Lichtblitze
  • Eventuell Schwindel und Kopfschmerzen

In der Regel dauert ein Augenmigräne-Anfall zwischen 10 und 30 Minuten. Dahinter steckt eine Fehlregulation der Blutgefäße im Gehirn, was zu Störungen des Sehvermögens führt.

Ausführlich: Was Sie über Augenmigräne wissen sollten

Retinale Migräne: eine seltene Sonderform

Eine Sondervariante der Augenmigräne ist die retinale Migräne, die allerdings sehr selten auftritt. Bei ihr kommt es zu einer Verengung der Arterien der Netzhaut (Retina), die eine reduzierte Durchblutung der Gefäße zur Folge haben. Sie zeigt sich folgendermaßen:

  • Skotome oder eine vorübergehende Blindheit auf einem Auge 
  • Sehstörungen, die immer nur auf einem Auge auftreten  
  • Sehstörungen werden meist von Kopfschmerzen begleitet oder gefolgt 

Normalerweise bilden sich die Beschwerden nach wenigen Stunden ohne bleibende Schäden zurück. Eine spezielle Therapie bei Augenmigräne gibt es leider nicht. 

Migräne vorbeugen: Diese Tipps helfen Betroffenen

Um Schmerzattacken vorzubeugen, sollten Betroffene auf einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und viel Bewegung achten. Was sonst noch helfen kann: Eine Ernährungsumstellung, bei der typische Trigger wie Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und histaminreiche Lebensmittel vermieden werden. Regelmäßiger Ausdauersport wie Walking, Schwimmen, Radfahren oder Joggen sowie Entspannungsübungen (Yoga oder Autogenes Training) tragen dazu bei, die Stresshormone zu senken und haben sich bei der Migräne-Prophylaxe bewährt. 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
  • Deutsche Schmerzliga
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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