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Zwangsgedanken: Wenn kleine Ticks zum großen Problem werden

Von dpa
Aktualisiert am 23.07.2021Lesedauer: 3 Min.
Zahlen können ein Problem werden: Wenn Oliver Sechting der 58 begegnet, muss er sie neutralisieren – mit anderen Zahlen zum Beispiel.
Zahlen können ein Problem werden: Wenn Oliver Sechting der 58 begegnet, muss er sie neutralisieren – mit anderen Zahlen zum Beispiel. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)
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Einen kleinen Tick haben die meisten Menschen. Zum Beispiel meiden sie bestimmte Zahlen. Der kleine Tick kann aber zum großen Problem werden. Dann ist professionelle Hilfe nötig.

Oliver Sechtings Kopf ist voll. Voll mit der Zahl, die ihn im Griff hat. Sie versetzt ihn in Todesangst, bringt ihn in grĂ¶ĂŸte Gefahr. Wenn er sie sieht, passiert etwas Schlimmes.

Er ist ĂŒberzeugt: Zuerst verliert er seine Freunde. Dann kommt der Krebs. Dann der Tod. 58! Sie lauert ĂŒberall. An HaustĂŒren, auf Plakaten, im CafĂ©.

Oliver Sechting, 43 Jahre alt, lebt seit 32 Jahren mit magischen Zwangsgedanken. Eine Krankheit, die 80 Prozent seiner Energie raubt, wie er sagt. Die seine Zeit frisst, ihn rund um die Uhr in Anspannung versetzt. Die Zahl 58 ist nur ein Reiz von vielen, die ihn tÀglich quÀlen.

Nicht nur Zahlen lösen die grĂ¶ĂŸten Ängste aus, sondern auch Farben. Zum Beispiel Schwarz und Rot – sieht er beides zusammen, muss er die Farbkombination neutralisieren, am besten mit Weiß. Naseputzen hilft manchmal – mit einem weißen Taschentuch. Oder Milch trinken, wegen der weißen Farbe.

Weit mehr als Aberglaube

"Magische Zwangsgedanken sind eine Form der Zwangsstörungen", erklĂ€rt Wolf Hartmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ). SchĂ€tzungen zufolge sind zwei Prozent der Menschen in Deutschland von einer solchen Störung betroffen – die Dunkelziffer ist laut Hartmann vermutlich höher.

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Dabei kennt das PhĂ€nomen vermutlich jeder. Wolf Hartmann: "Das Schema gleicht der schwarzen Katze, die UnglĂŒck bringen soll, wenn sie von rechts ĂŒber die Straße lĂ€uft." Was fĂŒr Gesunde ein Spielchen mit dem Aberglauben ist, gerate bei Menschen mit magischen Zwangsgedanken außer Kontrolle.

So wie bei Oliver Sechting. "Mir ist klar, dass die Zahl 58 nicht meinen Tod auslösen kann", sagt der Berliner. "Aber die Angst ist so ĂŒbermĂ€chtig, dass ich meinen ZwĂ€ngen nachgehen muss. Ich bin ihnen ausgeliefert." Und das, seitdem er 11 Jahre alt ist.

Zwangsgedanken werden oft nicht als Krankheit erkannt

"Erst waren es nur kleine Macken", sagt der SozialpĂ€dagoge. "Ich bin zum Beispiel nicht mehr auf die Fugen zwischen Pflastersteinen getreten." Dann hatte er als Teenie zwei einschneidende Erlebnisse: Sein Vater starb an Krebs. Außerdem wurde ihm klar, dass er homosexuell ist. Die Folge: Die ZwĂ€nge ergriffen die Macht. Als sein Verhalten auffĂ€lliger wurde, verlagerte der Junge seine Rituale in den Kopf.

"Zwangsgedanken gibt es in unterschiedlichen Variationen", sagt Privatdozent Andreas Wahl-Kordon, Facharzt fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor der Oberbergklinik Schwarzwald.

Warum und wie die Krankheit entsteht, ist nicht bekannt. "Wir gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen mĂŒssen", erklĂ€rt Wahl-Kordon. "Vermutlich basieren Zwangsgedanken auf einer genetischen Veranlagung. Kommt ein Auslöser hinzu, beispielsweise ein einschneidendes Lebensereignis, kann die Krankheit ausbrechen."

Und das geschieht laut Andreas Wahl-Kordon schleichend. "Die meisten Patienten werden im Schnitt erst zehn bis zwölf Jahre nach Ausbruch der Erkrankung richtig behandelt." HÀufig werde die Krankheit nicht erkannt oder als Psychose oder Schizophrenie diagnostiziert. Bei Oliver Sechting vergingen sogar 22 Jahre.

Rituale können helfen

"Magische Zwangsgedanken lassen sich am besten mit einer Verhaltenstherapie behandeln", sagt Diplom-Psychologe Thomas Hillebrand aus MĂŒnster. Wichtig sei die behutsame und therapeutenbegleitete Konfrontation mit den Gedanken. "Setzt der Patient sich immer wieder seinen Reizen aus, wird die Angst in vielen FĂ€llen weniger", erklĂ€rt Hillebrand.

Auch Oliver Sechting konfrontierte sich mit seinen schlimmsten Gedanken. Und tatsĂ€chlich, die Ängste sind seitdem nicht mehr so stark. Verschwunden sind sie nicht. Noch immer spult Sechting seine Rituale mehrere hundert Mal am Tag in seinem Kopf ab. WohlfĂŒhlen wĂŒrde er sich nur in einem weißen Raum.

Trotzdem verkriecht er sich nicht. "Dann wĂŒrde genau das eintreten, was ich durch meine Rituale verhindern will. Ich wĂ€re einsam und dann vielleicht auch krank." Über seine Geschichte hat er ein Buch geschrieben ("Der Zahlendieb"). Und wenn es ihm richtig gut geht, dann trĂ€gt er sogar ab und zu ein schwarz-rotes T-Shirt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Wiebke Posmyk
Deutschland

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