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Depression: Wo Angehörige depressiver Menschen Hilfe finden

Nicht nur Betroffene leiden  

Depressionen: Wo Angehörige Hilfe finden

14.07.2020, 14:36 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Depression: Wo Angehörige depressiver Menschen Hilfe finden. Ein Mann wendet sich an eine traurige Frau: Wenn ein Familienmitglied an einer Depression erkrankt ist, sind die Nahestehenden oft hilflos.  (Quelle: Getty Images/ fizkes)

Ein Mann wendet sich an eine traurige Frau: Wenn ein Familienmitglied an einer Depression erkrankt ist, sind die Nahestehenden oft hilflos. (Quelle: fizkes/Getty Images)

Schätzungen gehen davon aus, dass jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen ist. Rund fünf Millionen Menschen leiden unter Depressionen – und mit ihnen die Familien. Was können Angehörige für ein an Depression erkranktes Familienmitglied tun? Wie können Sie die Belastung stemmen und wo finden Sie Hilfe?

Symptome: Was macht die Depression mit einem Menschen?

Die Krankheit Depression kann einen Menschen völlig verändern. Wo früher Tatendrang, gute Laune, Pläne, Geselligkeit und Liebe waren, schleichen sich Stück für Stück Lethargie, Traurigkeit, Pessimismus, Verzweiflung, sozialer Rückzug, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken ein.

Der Mensch, wie er war, verstummt langsam. Was für die Betroffenen selbst kaum zu ertragen ist, wird auch für An- und Zugehörige zu einer riesigen Herausforderung.

Angehörige: Was macht die Depression mit ihnen? 

"Hilflosigkeit, Erschöpfung, Überlastung und Schuldgefühle gehören zu den häufigsten Gefühlen, die Angehörige von Depressiven aushalten müssen", sagt Waltraud Rinke, Vorsitzende der Deutschen Depressionsliga e.V. "Sie müssen das Gefühl ertragen, dass plötzlich eine riesige Distanz zwischen ihnen und dem Erkrankten besteht, dass sie nicht mehr an ihn heranzukommen und ihm nicht in dem Maße helfen zu können, wie sie es gerne möchten."

Die Expertin rät Angehörigen, in jedem Fall Hilfe und Unterstützung zu suchen. Alleine sei der emotionale Kraftakt, der mit der Erkrankung für die Familie verbunden ist, kaum zu stemmen. Nur wenige könnten das auf Dauer aushalten. Besonders belastend ist es, wenn der Depressive die Erkrankung leugnet, sich nicht helfen lassen möchte und eine Behandlung verweigert.

Selbstmordgedanken – und jetzt?

"Bleibt die notwendige Therapie aus, kann der Selbstmord am Ende des langen Leidensweges stehen. Über 70 Prozent der Suizide in Deutschland sind auf eine Depression zurückzuführen und trotz leichter Verbesserung in der Versorgungslandschaft gibt es, abgesehen von der Krisenaufnahme in den psychiatrischen Kliniken bei Selbstgefährdung, häufig keine zeitnahen Therapieplätze", sagt Rinke.

"Jede Äußerung, sich das Leben nehmen zu wollen, muss ernst genommen werden. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Befürchtungen gegenüber dem Erkranken anzusprechen und ihm damit die Möglichkeit zu geben, aus dem Teufelskreis zu gelangen. Im Extremfall kann auch notärztliche Hilfe angefordert werden."

Der Alltag mit Depressionen: ein dunkler Schatten

"Depression ist ein Leben mit einem dunklen Schatten“, weiß Armin Rösl, der vor wenigen Jahren selbst unter Depressionen litt. "Ich war überfordert mit den Gefühlen und Gedanken in mir. Selbst als Selbstmordgedanken kamen, habe ich noch geschwiegen. Stattdessen habe ich mich immer mehr von meiner Frau und meinen Söhnen zurückgezogen. Ich war sicher: Ohne mich sind sie besser dran", erinnert sich der Sprecher der Deutschen Depressionsliga e.V.

Für Armin Rösl war es schließlich das offene Gespräch mit seiner Frau und dem Therapeuten, das die Wende brachte. Gemeinsam gingen sie in eine Klinik und fanden dort die Hilfe, die sie brauchten.

"Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie zu mir gehalten hat. Die Depression war für uns alle ein Ausnahmezustand: voller Ängste, Schuldgefühle und Vorwürfe. Alleine hätten wir es sicher nicht geschafft", sagt Rösl. "Eine Therapie ist der wichtigste Schritt. Der Erkrankte braucht professionelle Hilfe."

Depression: Wo finden Angehörige Hilfe?

Erkrankt ein Angehöriger an einer Depression, brauchen beide Seiten Hilfe: der Betroffene selbst und die Angehörigen. Das Servicetelefon der Krankenkasse kann eine erste Anlaufstelle sein, um sich über mögliche Hilfsangebote zu informieren.

Auch der Hausarzt ist ein wichtiger Kontakt. Dieser kann das Gespräch zu Neurologen und Psychologen herstellen und wenn nötig auch die Einweisung in eine Klinik unterstützen. Verbände und Gesellschaften bieten ebenfalls Kontaktmöglichkeiten und Beratung für Angehörige Depressionskranker, darunter:

Egal, bei welcher Institution Angehörige Hilfe suchen: Wichtig ist, dass nicht zu viel Zeit vergeht. Je später die Unterstützung kommt, desto größer ist die Gefahr, selbst in ein seelisches Tief zu rutschen, aus dem man nicht mehr so schnell  wieder herauskommt. 

Professionelle Hilfe hat nicht nur eine beratende und unterstützende Funktion. Sie hilft auch, die eigene Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, dass man als Familienmitglied oder Nahestender nicht zu jedem Zeitpunkt perfekt funktionieren kann und Freiräume braucht, um wieder neue Energie zu tanken.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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