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Was Ihnen bei Bluthochdruck wirklich hilft

dpa-tmn, Christina Bachmann

Aktualisiert am 12.11.2020Lesedauer: 4 Min.
Blutdruck: Er ist elementar wichtig fĂŒr die Gesundheit – zu hoch darf er nicht sein. Zu niedrig ĂŒbrigens auch nicht.
Blutdruck: Er ist elementar wichtig fĂŒr die Gesundheit – zu hoch darf er nicht sein. Zu niedrig ĂŒbrigens auch nicht. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn-bilder)
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Er tut nicht weh, kann aber fatale Folgen haben: Bluthochdruck ist eine der hÀufigsten Krankheitsdiagnosen. Doch niemand ist dem ausgeliefert. Betroffene können vieles dagegen tun.

Das Wichtigste im Überblick


  • Bluthochdruck: Oft unspezifische Symptome
  • Zu viel Druck aufs GefĂ€ĂŸsystem
  • Mediterrane Kost und weniger Salz
  • Sport als Blutdrucksenker
  • Tabletten aus Bequemlichkeit

Schlaganfall und Herzinfarkt zĂ€hlen in Deutschland zu den hĂ€ufigsten Todesursachen. Beiden liegt hĂ€ufig eine arterielle Hypertonie zugrunde. So lautet der Fachausdruck fĂŒr einen Begriff, der den meisten gelĂ€ufiger sein dĂŒrfte: Bluthochdruck.


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"Wir gehen davon aus, dass mindestens 20 bis 30 Millionen Deutsche hohen Blutdruck haben", sagt Prof. Ulrich Wenzel, der als Oberarzt am UniversitÀtsklinikum Hamburg-Eppendorf arbeitet. Zu hoher Blutdruck ist eine Volkserkrankung mit ernsten Folgen.

Wenzel zÀhlt auf: "Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Dialysepflicht, Durchblutungsstörungen der Beine." Folgeerkrankungen, die im wahrsten Sinne des Wortes tödlich seien, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga.

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Bluthochdruck: Oft unspezifische Symptome

Bluthochdruck selbst hat eher unspezifische Symptome wie Konzentrationsstörungen und MĂŒdigkeit oder, dass Betroffene schnell erschöpft sind. Wie es um den eigenen Blutdruck bestellt ist, darauf wĂŒssten viele Menschen wohl keine Antwort. Aus Sicht von Prof. Heribert Schunkert ist das nicht gut.

"Jeder sollte durch Messung beim Arzt, in der Apotheke oder durch Selbstmessung seinen Blutdruck feststellen und damit kennen", sagt der Direktor der Klinik fĂŒr Erwachsenenkardiologie im Deutschen Herzzentrum MĂŒnchen.

"Der Blutdruck steigt typischerweise mit dem Älterwerden an", erlĂ€utert Schunkert, der im Vorstand der Deutschen Herzstiftung sitzt. "Ab etwa 75 Jahren gibt es meist keinen wesentlichen Anstieg mehr." Doch auch junge Leute können Bluthochdruck haben.

Als Grenzwert, ab dem von Hypertonie gesprochen wird, gilt in Europa ein Blutdruck im Ruhezustand von 140 zu 90 mmHg (Millimeter QuecksilbersÀule). "Aber auch schon unter dieser Schwelle kann festgestellt werden: je höher ein Blutdruck, desto höher das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden", warnt Schunkert.

Zu viel Druck aufs GefĂ€ĂŸsystem

Ulrich Wenzel liefert eine kurze ErklĂ€rung, warum hoher Blutdruck schĂ€dlich ist. "Unser GefĂ€ĂŸsystem ist auf ideale 120 zu 80 angelegt", sagt der Internist. "Wenn da ein Druck von 160 oder 180 draufknallt, wird das GefĂ€ĂŸsystem steif." Er verdeutlicht: "Eine Massage am RĂŒcken tut gut, nicht aber, wenn ich mit den FĂ€usten auf den RĂŒcken schlage. Zu viel Druck ist nicht gut."

Zu den Risikofaktoren fĂŒr Bluthochdruck zĂ€hlen Übergewicht und Bewegungsmangel. FĂŒr bessere Werte kann der Einzelne einiges tun. "Man sagt grob: Blutdruck ist zu 50 Prozent Veranlagung und zu 50 Prozent durch Ă€ußere LebensumstĂ€nde beeinflussbar", betont Schunkert. "Jeder, auch wenn eine gewisse erbliche Veranlagung besteht, hat gute Möglichkeiten, auf den tatsĂ€chlichen Blutdruck Einfluss zu nehmen."

Gewichtskontrolle, gesunde ErnĂ€hrung und körperliche AktivitĂ€t sind laut dem Klinikchef die drei wichtigsten SĂ€ulen. Wer bei Übergewicht die Kilos auf der Waage reduziert, merkt das meist unmittelbar, indem der Blutdruck runtergeht. "Ein Kilo Gewichtsabnahme kann ein bis zwei mmHg an der BlutdrucksĂ€ule reduzieren", rechnet Schunkert vor. "Das heißt: Bei einer Gewichtsabnahme von fĂŒnf Kilo schaffen es die meisten schon, unter die kritische Grenze zu kommen."

Mediterrane Kost und weniger Salz

Gesunde ErnĂ€hrung und Bewegung halten darĂŒber hinaus die GefĂ€ĂŸe gesund. Experten empfehlen vor allem mediterrane Kost. "Sie ist sehr ballaststoffreich", erklĂ€rt Schunkert. "Viel Obst und GemĂŒse, NĂŒsse und Olivenöl als eines der gesĂŒnderen Öle sind positiv." UngĂŒnstig sei dagegen eine ErnĂ€hrung mit zu vielen tierischen Fetten oder gesĂ€ttigten FettsĂ€uren.

Menschen mit Bluthochdruck sollten auch weniger beherzt in die Salzdose greifen. Das sollte sich allerdings auch die Industrie zu Herzen nehmen, meint Wenzel. "Der grĂ¶ĂŸte Teil des Kochsalzes, das wir essen, kommt nicht aus dem Salzstreuer." Das meiste sei schon in den Fertigprodukten wie KĂ€se, Salami, KrĂ€uterquark oder TiefkĂŒhlpizza enthalten. Wer die Zeit hat, kocht lieber selbst und frisch.

Sport als Blutdrucksenker

Auch Sport lĂ€sst den Blutdruck ansteigen - aber auf gesunde Weise. "Das ist ein Bedarfsdruck - der Körper braucht mehr Sauerstoff", so Wenzel. "Und in der Erholungsphase sinkt der Blutdruck unter das vorherige Niveau. Das macht die GefĂ€ĂŸe eher flexibler." Wenzel empfiehlt vor allem Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Walken, aber letztlich gilt: "Jeder Sport ist gut."

Vorsicht geboten ist aber bei sehr hohen Blutdruckwerten. "Wenn Sie schon vor Start des Sports einen Blutdruck von 200 haben, sollten Sie den Blutdruck erst einigermaßen in den Griff bekommen", warnt Wenzel. "Der muss nicht unter den geforderten 140 oder bei den idealen 120 liegen. Es reicht, wenn er statt der 200 bei 150 ist."

Bluthochdruck: Jeder Sport ist gut fĂŒr den Körper – Nordic Walking zĂ€hlt aber zu den besonders empfehlenswerten.
Bluthochdruck: Jeder Sport ist gut fĂŒr den Körper – Nordic Walking zĂ€hlt aber zu den besonders empfehlenswerten. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn-bilder)

Blutdruckpatienten sollten daher zuerst mit ihrem Arzt sprechen. Der verordnet gegebenenfalls auch Medikamente. "Es gibt fĂŒnf verschiedene Wirkstoffe, die allesamt als sehr sicher und gut vertrĂ€glich gelten, um den Blutdruck zu senken", sagt Kardiologe Schunkert.

"Die meisten Menschen fangen mit einem ACE-Hemmer, einem AT1-Blocker oder einem Calciumkanalblocker an", so Schunkert. Mitunter sind auch zwei dieser Wirkstoffe kombiniert in einer Tablette sinnvoll. Viele Menschen nehmen ihr Leben lang Tabletten gegen den Bluthochdruck. "Die Nebenwirkungsrate ist zum GlĂŒck sehr gering."

Tabletten aus Bequemlichkeit

Wer ohne Medikamente auskommen möchte, muss sein Leben umstellen. Das fÀllt vielen schwer, sagt Wenzel. Gewohnheit und Bequemlichkeit sind Hemmschuhe. "Viele Patienten finden es bequemer, eine Tablette zu schlucken, als jeden zweiten Abend laufen zu gehen."

Wer sich durchringen kann, dem Bluthochdruck durch ein gesĂŒnderes Leben zu Leibe zu rĂŒcken, macht das am besten in Gesellschaft, rĂ€t Schunkert. "Alles, was man alleine macht, ist hĂ€ufig nicht von Erfolg gekrönt." In der Gruppe sei es motivierender. Er betont: Es gehe um eine dauerhafte VerĂ€nderung hin zu einem Leben mit mehr Bewegung, weniger Gewicht und besserer ErnĂ€hrung. "Das muss Spaß machen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Astrid Clasen
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