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USA erlauben Corona-Schnelltests für Zuhause – auch in Deutschland möglich?

Zulassung in den USA  

Kann sich bald jeder selbst auf das Coronavirus testen?

19.11.2020, 14:01 Uhr | AFP, dpa, sms, t-online

Schnelltest für zuhause: Corona-Selbsttest in den USA zugelassen

In den USA ist ein erster Corona-Selbsttest für den Heimgebrauch zugelassen worden. Der Schnelltest soll rund 50 Euro kosten ab Frühjahr erhältlich sein. (Quelle: Reuters)

In den USA zugelassen: So funktioniert der schnelle Corona-Selbsttest für zu Hause. (Quelle: Reuters)


Während die Corona-Testkapazitäten in Deutschland immer knapper werden, haben die USA Schnelltests für den privaten Gebrauch zugelassen. Wäre das auch hierzulande eine Möglichkeit?

Die Beschreibung klingt vielversprechend: Innerhalb von einer halben Stunde soll ein Corona-Schnelltest ein Ergebnis liefern. In den USA sind diese Tests nun auch für den privaten Gebrauch zugelassen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dazu ihre Genehmigung erteilt. 

"Die FDA hat den ersten Covid-19-Test genehmigt, der sich selbst anwenden lässt und das Ergebnis zu Hause bereitstellt", sagte FDA-Chef Stephen Hahn. Dies sei ein wichtiger Fortschritt bei dem Vorhaben, Tests für alle Bürger zugänglich zu machen und die Pandemie zu bekämpfen. Im Video oben oder hier sehen Sie, wie das Testkit aussieht.

Könnten diese Tests auch in Deutschland die seit Langem erhoffte Entlastung der Labore bringen?

Aktuelle Testsituation in Deutschland: Veränderte RKI-Teststrategie sorgt für höhere Dunkelziffer

Nach der zuletzt sehr hohen Auslastung medizinischer Labore ist die Zahl der Corona-Tests in Deutschland zwar etwas zurückgegangen: In der Woche vom 9. bis 15. November seien nach Daten von 163 Laboren rund 1,26 Millionen PCR-Tests durchgeführt worden, sagte der erste Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller.

Trotzdem arbeiten die Labore weiter am Limit. In den beiden Kalenderwochen zuvor waren es jeweils rund 1,44 Millionen Tests, das entsprach laut ALM-Statistik einer Auslastung der Labore von 100 beziehungsweise 97 Prozent. Den Rückgang der Testzahlen in Deutschland erklärt der Verband mit den Anfang des Monats veränderten Empfehlungen des RKI zu Corona-Tests. Demnach ist es nicht mehr vorgesehen und nicht möglich, in der Herbst-/Wintersaison alle Menschen mit Erkältungssymptomatik wie Schnupfen oder Halsschmerzen auf das Coronavirus zu testen. Das bedeutet, dass eine höhere Dunkelziffer nicht erkannter Corona-Infektionen zu erwarten ist.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sieht das als problematisch für die Einschätzung der Pandemie-Entwicklung: "Dadurch lassen sich die Werte nicht mehr vergleichen", erklärte er. "Alleine dadurch – ohne Shutdown light – würde man wahrscheinlich bereits einen Rückgang der Neuinfektionszahlen erwarten, wenn diese Testempfehlungen sich durchgesetzt haben." 

Wie funktioniert der US-Schnelltest für zu Hause?

Das vom US-Unternehmen "Lucira Health" hergestellte Produkt ist verschreibungspflichtig. Das Testkit ist laut Hersteller ein "molekularer Einweg-PCR-Test", mit dem das Coronavirus SARS-CoV-2 nachgewiesen werden soll. Dazu müssen die Nutzer den Test jedoch nicht wie bisher üblich in ein Labor schicken und erfahren so schneller, ob sie infiziert sind. 

Der Nutzer muss dazu selbst einen Nasenabstrich machen. Nachdem die entnommene Probe zu einer Lösung verwirbelt wurde, schließen Heimtester laut "Washington Post" das Probenbehältnis an ein tragbares, batteriebetriebenes Gerät an, das das Testergebnis innerhalb von 30 Minuten mithilfe eines Lichts anzeigt. Ein positives Testergebnis könne sogar in nur elf Minuten generiert werden. Laut Herstellerangaben kostet ein Schnelltest umgerechnet rund 40 Euro.

Testkit zum Heimgebrauch: Der Hersteller "Lucira Health" bietet US-Bürgern künftig ein Set, um sich zuhause auf das Coronavirus zu testen.  (Quelle: Hersteller/Lucira Health)Testkit zum Heimgebrauch: Der Hersteller "Lucira Health" bietet US-Bürgern künftig ein Set, um sich zuhause auf das Coronavirus zu testen. (Quelle: Hersteller/Lucira Health)

Das Testkit ist bisher für Menschen ab 14 Jahren zugelassen, bei denen der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht. Wer ein positives Testergebnis erhält, soll zusätzlich zu einem Arzt gehen. Auch, wer Symptome hat und ein negatives Ergebnis erhält, sollte dies abklären lassen, da eine Infektion trotzdem nicht vollständig auszuschließen sei. Auf den Markt kommen soll der Test zunächst in Florida und Kalifornien, landesweit schließlich im Frühling.

Die FDA hatte bereits im Frühjahr Corona-Tests für den häuslichen Gebrauch genehmigt. Allerdings müssen die Ergebnisse bei diesen Tests von einem Labor ausgewertet werden.

Wie sicher sind die Schnelltests?

Laut Hersteller ist der Test äußerst zuverlässig: Im Vergleich zu einem anderen von der FDA zugelassenen Verfahren habe er 94 Prozent der SARS-CoV-2-Infektionen erkannt und 98 Prozent der Corona-freien Proben richtig zugeordnet. 

Auch die "Washington Post" berichtet, im Gegensatz zu Antigen-Schnelltests, von denen Experten warnen, dass sie unzuverlässig sein können, teste das Kit genetisches Material auf ähnliche Weise wie der PCR-Labortest. Diese Methode ist zum Standard für den Nachweis des Virus geworden.

Eine wichtige Komponente für erfolgreiche Tests zu Hause sei laut FDA die Möglichkeit, "Ergebnisse effizient zu verfolgen und zu überwachen". Wer den Test daheim durchführt, soll deshalb sein Ergebnis an seinen Arzt weitergeben. Dieser soll die zuständigen Gesundheitsbehörden informieren.  

Kann es auch in Deutschland Tests für zu Hause geben?

Auch in Deutschland wird an verschiedenen Schnelltest-Verfahren geforscht, um die Laborkapazitäten zu entlasten und schneller für sichere Ergebnisse bei der Ausbreitung der Pandemie zu sorgen. Der nationalen Teststrategie zufolge muss bei einem PCR-Test der Abstrich im Nasen- oder Rachenraum allerdings immer von medizinischem Personal genommen werden, um Fehler bei der Probenentnahme zu vermeiden. 

Wie schätzen Virologen die Chance von privaten Testungen ein?

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hat sich kürzlich für mehr Corona-Tests für Jedermann ausgesprochen. "Das Testen von Privatpersonen wird zu wenig diskutiert", sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". "Es wäre ja auch möglich, dass man Tests ermöglicht unter Begleitung. Da ist noch viel Spielraum, wo wir uns selber im Weg stehen im Moment", sagte Ciesek.

Mit Antigen-Schnelltests könne man Menschen, die hoch ansteckend seien, schnell und sehr sicher entdecken. Die verfügbaren Tests würden zwar nicht für alle ausreichen, so Ciesek. Sie glaube aber, "dass wir mehr Bereiche, die uns wichtig sind, absichern könnten mit diesen Tests", etwa Besuche in Altenheimen oder Schulen.


Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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