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Morbus Menière: Was hinter den Drehschwindel-Attacken steckt

Morbus Menière  

Wenn Drehschwindel in Attacken auftritt

Ann-Kathrin Landzettel

28.12.2020, 12:51 Uhr
Morbus Menière: Was hinter den Drehschwindel-Attacken steckt . Frau ist schwindelig und sie sitzt auf dem Boden: Wer von Morbus Menière betroffen ist, der leidet häufig unter anfallsartigen, heftigen Drehschwindelattacken. (Quelle: Getty Images/Chinnapong)

Frau ist schwindelig und sie sitzt auf dem Boden: Wer von Morbus Menière betroffen ist, der leidet häufig unter anfallsartigen, heftigen Drehschwindelattacken. (Quelle: Chinnapong/Getty Images)

Patienten mit Morbus Menière leiden unter anfallsartigen, heftigen Drehschwindelattacken, die über viele Stunden bis Tage hinweg anhalten können. Starke Übelkeit, Erbrechen und Hörverlust, meist auf einem Ohr, begleiten die Anfälle. Morbus Menière: Ursachen, Symptome und Behandlung.

Definition: Was ist Morbus Menière?

Bei Morbus Menière erleiden die Betroffenen extreme Schwindelattacken, auch Anfalls-Drehschwindel und Attackenschwindel genannt. Geschätzt 120.000 Menschen leiden in Deutschland unter der Erkrankung des Innenohrs. Der Schwindel, der bei der Menière-Krankheit auftritt, hält meist etwa 30 Minuten an – bei vielen Patienten mehrere Stunden bis Tage.

Das heftige Drehgefühl beziehungsweise "Karussellfahren" ist von starker Übelkeit und häufig von Erbrechen begleitet. Angaben des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. zufolge tritt Morbus Menière am häufigsten zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen von Morbus Menière: Woher kommt der Schwindel?

Die genaue Ursache der Erkrankung ist bislang unbekannt. Vermutet werden eine erbliche Veranlagung sowie Entzündungsprozesse, die zu einer Störung der Produktion der Innenohr-Flüssigkeit, der sogenannten Endolymphe, führen. Es besteht zu viel Lymphflüssigkeit im Hör- und Gleichgewichtsorgan. Ob diese Flüssigkeit vermehrt gebildet oder der Abtransport gestört ist, ist nicht geklärt.

Durch den Lymphstau entsteht ein Überdruck in der Hörschnecke. In Folge kommt es zu Einrissen der feinen Membranen, in denen sich die Endolymphe befindet.

Wie arbeitet das Gleichgewichtsorgan? Das Gleichgewichtssystem (vestibuläres System) umfasst das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und steht über die Nervenbahnen in direktem Kontakt mit dem Gehirn. Es gibt an, in welche Richtungen wir uns bewegen. Seine Informationen zur Orientierung im Raum werden ergänzt von den Meldungen der Augen und des Tastsinns. Das Gehirn als Schaltzentrale verarbeitet die unterschiedlichen Informationen und setzt sie so um, dass wir uns im Raum orientieren können. 

Die plötzliche Flüssigkeitsverschiebung im Ohr irritiert die Hör- und Sinneszellen. Sie geben falsche Signale zu Körperhaltung und Lage an das Gehirn. Da die Informationen über die Augen von denen des im Ohr befindlichen Gleichgewichtssinns abweichen, kommt es zu Schwindelattacken.

Selten tritt Morbus Menière nach einer Verletzung des Innenohrs auf. Auch Virusinfektionen und Durchblutungsstörungen werden als Auslöser diskutiert.

Morbus Menière: Symptome des Attackenschwindels

Bei Morbus Menière wird akut einsetzender, heftiger Drehschwindel von Ohrgeräuschen und Schwerhörigkeit begleitet. Klassische Morbus Menière-Symptome sind:

  • Minuten bis Tage anhaltender heftiger Drehschwindel
  • ausgeprägte Fallneigung, Drop-Attack genannt (besonders für Ältere gefährlich)
  • Stunden bis Tage anhaltende Schwerhörigkeit, Hörminderung oder Hörverlust auf einem Ohr
  • Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr
  • einseitige, meist tiefklingende rauschende und brummende Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Augenbewegungsstörungen (Nystagmus) auf der betroffenen Seite
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schweißausbrüche
  • Reizbarkeit
  • Angstzustände
  • Gefühle des Ausgeliefertseins

Wie die Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz mitteilen, macht sich der Morbus Menière nur bei etwa 20 Prozent der Patienten gleich mit allen typischen Beschwerden bemerkbar.

Etwa 40 Prozent der Betroffenen haben zu Beginn der Erkrankung einen Hörsturz, die übrigen 40 Prozent das Gleichgewicht betreffende Beschwerden. Dies erschwert dem Arzt die Diagnose. Zwischen den einzelnen Anfällen können Tage oder Monate liegen, in denen die Betroffenen schwindelfrei sind.

Prof. Dr. Frank Schmäl, HNO-Facharzt

Drei Fragen an

Prof. Dr. Frank Schmäl, HNO-Facharzt

Prof. Dr. Frank Schmäl ist Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Er leitet die Schwindelambulanz am Zentrum für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Münster Greven.

Schwindel eine Missempfindung bei der räumlichen Orientierung des Patienten in seiner ihn umgebenden Umwelt. Entweder hat der Patient das Gefühl, er bewegt sich unnatürlich gegenüber seiner Umgebung oder er hat das Gefühl, dass sich die Umgebung unnatürlich um ihn herum bewegt.

Die häufigsten Schwindelformen sind Drehschwindel, Schwankschwindel und Benommenheitsgefühl. Darüber hinaus gibt es noch Liftschwindel und Schwarzwerden vor den Augen im Sinne eines Kreislaufschwindels.

Ein Training des Gleichgewichtssystems wird in der Regel bei drei Ursachen empfohlen: einseitige oder beidseitige Störung des Gleichgewichtsorgans und zentral vestibulären Störungen. Bei den Übungen kommt es vor allem auf zwei Dinge an: die Blickfeldstabilisierung und die Aufrechterhaltung des Körpergleichgewichts. Diese beiden Hauptfunktionen sollten durch Fixationsübungen bei Kopf- und Körperbewegungen und durch Balanceübungen trainiert werden.

Behandlung: Welche Therapie gegen die Schwindelanfälle hilft

Besteht die Menière-Krankheit über einen längeren Zeitraum hinweg und entstehen immer wieder Einrisse in den feinen Membranen, kann das Ohr langfristig Schaden nehmen. Es können sich eine Innenohrschwerhörigkeit sowie eine Gleichgewichtsorganschädigung entwickeln.

Heilbar ist die Erkrankung des Innenohres nicht. Im Rahmen der Therapie können lediglich die Krankheitssymptome behandelt werden. Zur Behandlung der Morbus Menière-Beschwerden finden verschiedene Medikamente Anwendung:

  • Medikamente, welche den Schwindel dämpfen (Antivertiginosa)
  • Kortison: Stabilisiert die Membranen der feinen Sinneszellen im akuten Fall.
  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika)
  • Medikamente, welche Ängste lindern – oft ergänzt durch Psychotherapie.
  • Medikamente mit dem Arzneistoff Betahistin zur Vorbeugung neuer Schwindelanfälle
  • Antibiotikum Gentamycin: Schaltet den Gleichgewichtssinn aus. Wird über eine Spritze durch das Trommelfell in das Innenohr verabreicht.

Letzter Weg: OP

Des Weiteren empfehlen Ärzte einen gesunden Lebensstil, eine salzarme Ernährung sowie den Verzicht auf Rauchen, Alkohol und zu viel Koffein. Entspannungsübungen und Gleichgewichtstraining können ebenfalls helfen, das Erkrankungsbild zu verbessern. In sehr stark ausgeprägten Fällen kann eine Operation den verzweifelten Patienten helfen.

Dabei trennt der Arzt den Gleichgewichtsnerv durch. Allerdings führt dieser Eingriff zu Taubheit auf dem behandelten Ohr. Der Eingriff wird daher vor allem bei den Betroffenen durchgeführt, die aufgrund der Menière-Krankheit bereits auf dem erkrankten Ohr taub geworden sind.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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