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Prädiabetes erkennen: Was steckt hinter der Diabetesvorstufe?

Prädiabetes  

Diabetes entdecken, bevor er richtig ausbricht

Ann-Kathrin Landzettel

03.03.2021, 11:40 Uhr
Prädiabetes erkennen: Was steckt hinter der Diabetesvorstufe?. Eine Frau macht einen Blutzuckertest: Erhöhte Werte können ein Hinweis auf Prädiabetes sein.  (Quelle: Getty Images/vgajic)

Eine Frau macht einen Blutzuckertest: Erhöhte Werte können ein Hinweis auf Prädiabetes sein. (Quelle: vgajic/Getty Images)

Diabetes kommt oft schleichend. Anfangs ist der Blutzucker nur leicht erhöht, hat aber noch nicht die Werte erreicht, die für die Diagnose "Diabetes Typ-2" ausreichen. Damit sich aus Prädiabetes, einer Vorstufe der Stoffwechselkrankheit, kein "echter" Diabetes entwickelt, muss frühzeitig gegengesteuert werden.

Wie das gelingen kann, erklärt der Diabetologe Professor Andreas Fritsche im Gespräch mit t-online.

Was genau ist Prädiabetes?

Prädiabetes ist die Vorstufe von "echtem“ Diabetes, also Diabetes mellitus Typ-2. Bei Prädiabetes handelt es sich noch nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Warnzeichen des Körpers. Wer frühzeitig mit einem gesunden Lebensstil gegensteuert, kann sein Risiko für die Zuckerkrankheit senken.

In Deutschland leiden sieben Millionen Menschen an Diabetes. Oft deutet ein Prädiabetes, die Vorstufe der Zuckerkrankheit, ein drohendes Diabetesleiden an. Doch Prädiabetes zeigt nicht nur das Risiko für Diabetes mellitus Typ-2 an. Neue Studien haben gezeigt, dass mit erhöhten Blutzuckerwerten auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen sowie einen frühzeitigen Tod steigt. 

Nicht aus jedem Prädiabetes entwickelt sich ein Diabetes: "Auswertungen zufolge entwickeln etwa fünf bis zehn Prozent der Prädiabetesbetroffenen innerhalb eines Jahres einen Diabetes. Das heißt aber auch, dass um die 90 Prozent im nächsten Jahr nicht zuckerkrank werden", sagt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Diabetologe an der medizinischen Universitätsklinik Tübingen und Vorsitzender der Kommission "Epidemiologie und Versorgungsforschung“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Welche Blutzuckerwerte deuten auf Prädiabetes?

Es gibt drei verschiedene Definitionen eines Prädiabetes. Wird der Nüchternblutzucker gemessen, sind Werte zwischen 100 und 126 mg/dl als Prädiabetes definiert. Wird der Zuckerwert zwei Stunden nach dem Trinken einer Zuckerlösung erfasst, liegt bei Werten zwischen 140 bis 200 mg/dl ein Prädiabetes vor. Bei einer Langzeitblutzuckermessung und Erfassung des HbA1c-Wertes liegt bei Werten zwischen 5,7 und 6,4 Prozent ein Prädiabetes vor. Dieser Wert entspricht dem Anteil der mit Zucker belegten Hämoglobin-Moleküle im Blut.

Doch es sind dem Experten zufolge nicht die Blutzuckerwerte allein, die etwas über das zukünftige Diabetesrisiko aussagen. Es sei durchaus möglich, dass Menschen mit einem Prädiabetes nie einen echten Diabetes mellitus entwickelten oder dass Menschen mit einem Diabetes keine Folgekrankheiten bekämen.

Herr Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Diabetologe an der medizinischen Universitätsklinik Tübingen, spezialisiert auf Prädiabetes, Vorsitzender der Kommission „Epidemiologie und Versorgungsforschung“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Professor Dr. med. Andreas Fritsche ist Diabetologe an der medizinischen Universitätsklinik Tübingen und auf das Thema Prädiabetes spezialisiert. Zudem ist er Vorsitzender der Kommission "Epidemiologie und Versorgungsforschung" der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Prädiabetes: Erhöhte Blutzuckerwerte nicht alleiniges Diabetesrisiko

Welche Einflussgrößen das Diabetesrisiko erhöhen, hat ein Forscherteam des Universitätsklinikums Tübingen, des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) untersucht. Das Ergebnis der Forschungen: sechs Subtypen des Prädiabetes. Die neue Einteilung soll künftig helfen, durch eine gezielte Prävention die Diabetesentstehung beziehungsweise die Entstehung von Diabeteskomplikationen zu verhindern.

"Prädiabetes ist nicht gleich Prädiabetes. Ziel unserer kürzlich in der Zeitschrift "Nature Medicine" veröffentlichten Studie war es, den Prädiabetes besser einzuteilen und von der alleinigen Betrachtung der Blutzuckerwerte zu entkoppeln“, so Fritsche. "Vor allem drei unserer erfassten Prädiabetes-Subtypen haben ein erhöhtes Risiko sowohl für die Entwicklung der Zuckerkrankheit als auch für die Entwicklung von Folgekrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenerkrankungen.“

Risikogruppen: Wer besonders gefährdet ist 

Folgende drei Subtypen haben dem Prädiabetesexperten zufolge ein erhöhtes Diabetesrisiko sowie ein Risiko für Herz- und Nierenerkrankungen:

  1. schlanke Menschen mit einer schlechten Insulinproduktion aufgrund eines genetisch bedingten Insulinmangels
  2. Menschen mit einer Fettleber und einer schlechten Insulinwirkung
  3. Menschen mit viel Fett im Bauchraum (viszerales Bauchfett) und einer bestehenden Insulinresistenz

"Spannend ist für uns, dass beim dritten Risikotyp nicht nur die Mortalität erhöht ist, sondern auch Nierenschäden auftreten können, lange bevor ein echter Diabetes entsteht. Bislang ging man davon aus, dass die zu hohen Zuckerwerte des Diabetes die Nieren angreifen. Doch die Nieren können bereits Schaden nehmen, bevor ein echter Diabetes vorliegt. Das zeigt, wie komplex dieses Thema ist. Hier spielen Blutzuckerwerte, der Fettstoffwechsel, die Körperfettzusammensetzung sowie die Insulinwirkung zusammen“, so Fritsche.

Prädiabetes früh erkennen 

Was sollen Menschen tun, die sich nun fragen, ob sie Prädiabetes haben oder möglicherweise sogar zu den drei Subtypen mit einem erhöhten Risiko gehören? Laut Fritsche kann man zwei Wege gehen: Erstens bietet die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung "Check-up 35“ die Möglichkeit, die Blutzuckerwerte erfassen zu lassen und weitere Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Früherkennungsuntersuchung ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre.

Zweitens gibt es die Möglichkeit, einen Diabetesrisikotest zu machen, wie er unter anderem auf den Seiten des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) und der Deutschen Diabetes-Hilfe e. V. zu finden ist. Zeige dieser ein erhöhtes Diabetesrisiko, sollte man einen Termin beim Arzt vereinbaren und das Testergebnis mitbringen.

Vorbeugen durch einen gesunden Lebensstil 

Außerdem rät Fritsche zu einem möglichst gesunden Lebensstil. "Achten Sie auf ein normales Gewicht, bewegen Sie sich ausreichend und essen Sie Zucker und Fett nur in Maßen. Damit senken Sie nicht nur Ihr Diabetesrisiko, sondern auch Ihr Risiko für andere Krankheiten wie Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten“, so sein Tipp. Über die Ernährung lasse sich einiges erreichen. Eine neue Studie soll nun klären, welche präventiven Möglichkeiten Intervallfasten bieten kann. "Vorbeugen ist immer besser als behandeln“, so Fritsche.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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