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So erkennen Sie erste Anzeichen einer Borreliose

Von Lydia Klöckner

Aktualisiert am 08.08.2021Lesedauer: 6 Min.
Ringförmige Rötung um den Zeckenstich: Die Wanderröte ist ein typisches Anzeichen fĂŒr eine Borreliose.
Ringförmige Rötung um den Zeckenstich: Die Wanderröte ist ein typisches Anzeichen fĂŒr eine Borreliose. (Quelle: Willowpix/getty-images-bilder)
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Ein Zeckenstich kann eine gefĂ€hrliche Erkrankung nach sich ziehen: die Borreliose. Die Infektion ist heilbar – allerdings nur, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Diese Anzeichen sind typisch.

Das Wichtigste im Überblick


  • Borreliose: Erste Anzeichen & Wanderröte
  • Borreliose (Lyme-Borreliose): Weitere Symptome
  • Borreliose (Lyme-Borreliose): Symptome beim Kind
  • SpĂ€tfolgen & chronische Borreliose
  • Chronische ("verschleppte") Borreliose & Post-Lyme-Syndrom: Was steckt dahinter?

Ein Zeckenbiss (korrekterweise: Zeckenstich) ist kein Grund zur Panik: Meist heilt der Stich ohne Folgen ab. In einigen Regionen gibt es aber Zecken, die Krankheitserreger in sich tragen und diese beim Stechen auf den Menschen ĂŒbertragen können. Bei einigen Erregern handelt es sich um Borrelien, das sind Bakterien des Stammes Borrelia.


Fragen zur Zecke: IrrtĂŒmer und Wissenswertes

Die kleinen Spinnentiere sind gefĂ€hrlicher, als sie aussehen. Die Blutsauger tragen nĂ€mlich mitunter gefĂ€hrliche Krankheiten in sich. Die bekanntesten davon sind FrĂŒhsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. Das Virus kann zu einer HirnhautentzĂŒndung und im schlimmsten Fall sogar zum Tod fĂŒhren.
Fallen Zecken von BĂ€umen? Nein. Das ist ein alter Mythos. Selbst wenn sich eine Zecke auf einen Baum verirren sollte, wird sie sich nicht im Sturzflug auf ihr Opfer stĂŒrzen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Zecken in BĂŒschen oder hohem Gras auf einen potentiellen Wirt lauern.
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Von der Infektion bekommen die meisten Betroffenen nichts mit. Wenn Symptome auftreten, dann oftmals erst nach einigen Tagen bis Wochen nach dem Zeckenstich – also dann, wenn die oder der Betroffene den Stich oftmals schon lĂ€ngst vergessen hat. Daher ist es wichtig, nach einem Stich aufmerksam auf mögliche Infektionszeichen zu achten und diesen fĂŒr einige Wochen im Blick zu behalten.

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Borreliose: Erste Anzeichen & Wanderröte

Zwischen Stich und Symptombeginn vergehen mehrere Tage. In dieser Zeit vermehren sich die Erreger in der Haut und beginnen dann, sich kreisförmig in der Haut auszubreiten. Das ruft eine EntzĂŒndung hervor, also eine Abwehrreaktion des Körpers. Diese kann unbemerkt verlaufen oder sich durch die typischen Borreliose-Anzeichen Ă€ußern:

  • der Wanderröte und/oder
  • einem grippeartigen KrankheitsgefĂŒhl.

Das KrankheitsgefĂŒhl geht hĂ€ufig mit leichtem Fieber, allgemeiner Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen und Kopfweh einher – Ă€hnlich wie bei einem grippalen Infekt.

Wanderröte nach Zeckenstich

Eine Wanderröte ist eine ringförmige Hautrötung um den Zeckenstich, die fĂŒr gewöhnlich nicht juckt oder schmerzt. Sie ist das sichtbare Zeichen dafĂŒr, dass sich der Körper gegen die Bakterien wehrt, die sich vom Stich aus kreisförmig in der Haut ausbreiten.

Die Wanderröte tritt frĂŒhestens drei Tage (in der Regel ein bis zwei Wochen) nach dem Zeckenstich in Erscheinung,

  • ist mindestens fĂŒnf Zentimeter groß und
  • breitet sich nach außen hin aus, "wandert" also.

Anhand dieser drei charakteristischen Merkmale lĂ€sst sich die Wanderröte normalerweise gut von der kleinen Rötung unterscheiden, die bereits am ersten Tag am Stich sichtbar sein kann. Bei der Mehrheit der Betroffenen verblasst die Rötung an der Einstichstelle, wĂ€hrend sich der Ă€ußere Ring ausbreitet.

Ist die Wanderröte leicht zu verwechseln?

Bei einigen Betroffenen sieht die Wanderröte etwas anders aus als beschrieben und ist somit nicht eindeutig als Borreliose-Anzeichen zu erkennen. Beispielsweise kann sie fleckig erscheinen oder am Rand erhaben sein. Manchmal tritt die Einstichstelle als mittiger Knoten in Erscheinung. Sie kann aber auch so stark verblassen, dass sie kaum noch sichtbar ist. Es besteht somit das Risiko, eine Wanderröte mit anderen Arten von Hautausschlag zu verwechseln – vor allem, wenn der Stich nicht bemerkt wurde.

Gut zu wissen
Ein weiteres mögliches, aber seltenes Hautsymptom der Borreliose ist eine rot-blĂ€uliche, feste, knotenförmige Schwellung an OhrlĂ€ppchen, Brustwarze oder im Intimbereich. Diese kann bereits in den ersten Wochen auftreten. Im spĂ€teren Verlauf der Borreliose können sich dann mehrere solcher Hautknoten entwickeln. Ärztinnen und Ärzte sprechen von Lymphozytomen.

Borreliose (Lyme-Borreliose): Weitere Symptome

Wer bei den ersten Anzeichen fĂŒr eine Borreliose rechtzeitig zum Arzt geht, hat keine weiteren Symptome zu befĂŒrchten. Unbehandelt kann die Erkrankung jedoch fortschreiten. Das Risiko besteht insbesondere, wenn die oder der Betroffene den Zeckenstich oder die Wanderröte nicht rechtzeitig bemerkt hat oder keine Wanderröte aufgetreten ist.

Die Bakterien können sich ĂŒber die Blutbahn im Körper ausbreiten und – je nach befallenem Organ – verschiedene Beschwerden auslösen. Bis dahin vergehen mindestens drei Wochen, manchmal auch Monate.

Meist ist hauptsĂ€chlich ein Organ von der Borreliose betroffen, selten sind es mehrere. Welches, hĂ€ngt vor allem von der Borrelien-Art ab, die hinter der Infektion steckt: Es gibt verschiedene Borreliose-Erreger, die jeweils eine "Vorliebe" fĂŒr ein bestimmtes Organ haben, etwa fĂŒr

  • Nervensystem,
  • Haut,
  • Gelenke oder
  • Herz.

Sind die Nerven betroffen, sprechen Fachleute auch von einer Neuroborreliose. Diese kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • TaubheitsgefĂŒhle
  • LĂ€hmungen im Gesicht und/oder an den Armen und Beinen
  • insbesondere nachts auftretende, brennende Schmerzen, die dem RĂŒckenmark entspringen und in andere Körperregionen ausstrahlen

Neben den Hirnnerven können sich auch die HirnhĂ€ute entzĂŒnden. Eine HirnhautentzĂŒndung geht typischerweise mit einem steifen Nacken, Kopfschmerzen, Fieber und grippeĂ€hnlichen Beschwerden einher.

Breiten sich die Erreger vorwiegend in der Haut aus, werden einige Wochen bis Monate nach der Infektion viele, unterschiedlich große Rötungen am gesamten Körper sichtbar. Die Flecken sind meist ringförmig oder oval und können ĂŒber Tage bis Wochen bestehen bleiben oder immer wieder an denselben Stellen auftreten.

Ein weiteres mögliches Hautsymptom sind mehrere rot-blÀuliche, knotenförmige Schwellungen an OhrlÀppchen, Brustwarze sowie im Intimbereich. Ein einzelnes derartiges Knötchen kann auch schon kurz nach dem Stich auftreten.

Eine Borreliose kann auch die Gelenke betreffen. Dies kann in den ersten Wochen nach der Infektion zu Gelenkschmerzen fĂŒhren, die sich hĂ€ufig (aber nicht immer) auf ein großes Gelenk beschrĂ€nken, meist ein Knie.

SpĂ€ter – erst Monate bis Jahre nach dem Stich – können das betroffene Gelenk oder die Gelenke zusĂ€tzlich anschwellen. Das ist ein Anzeichen fĂŒr eine sogenannte Lyme-Arthritis, also eine durch Lyme-Borreliose verursachte GelenkentzĂŒndung. Diese lĂ€sst oft nach einigen Wochen nach, kann aber immer wieder neu aufflammen. In den USA kommt die Lyme-Arthritis deutlich hĂ€ufiger vor als in Europa, weil die auf Gelenke spezialisierte Borrelien-Art dort verbreiteter ist.

Nur selten entzĂŒndet sich bei einer Borreliose das Herz, genauer gesagt der Herzbeutel oder der Herzmuskel. Der Fachbegriff dafĂŒr lautet Lyme-Karditis. Mögliche Anzeichen dafĂŒr sind Fieber, Abgeschlagenheit, Herzrhythmusstörungen und Schmerzen in der Brust .

Borreliose (Lyme-Borreliose): Symptome beim Kind

Bei Kindern und Jugendlichen kann eine Borreliose grundsĂ€tzlich die gleichen Symptome hervorrufen wie bei Erwachsenen. Auch bei Kindern markiert die Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung um den Zeckenstich, meist den Beginn der Erkrankung. Schreitet diese fort, können sich mehrere solcher Flecken am gesamten Körper entwickeln, die sich – wie die erste Wanderröte – ausdehnen.

Anders als bei Erwachsenen treten die roten Flecken bei Kindern oft auch im Gesicht in Erscheinung, und zwar symmetrisch auf beiden Wangen – Ă€hnlich wie der typische Hautausschlag bei Ringelröteln. Bei einigen Betroffenen geht der Hautausschlag mit Juckreiz und Schmerzen einher, bei manchen auch mit anderen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, vergrĂ¶ĂŸerten Lymphknoten, Fieber, Übelkeit und Gelenkschmerzen.

Außerdem gibt es bestimmte Borreliose-Symptome, die bei Kindern und Jugendlichen öfter beobachtet werden als bei Erwachsenen. Dazu zĂ€hlen vor allem:

  • blaurote, feste Hautknötchen (Lymphozytome) an den OhrlĂ€ppchen, im Gesicht, an den Brustwarzen, am Nacken, auf den FĂŒĂŸen, in den Achselhöhlen oder im Intimbereich
  • (meist einseitige) GesichtsnervenlĂ€hmung
  • HirnhautentzĂŒndung
  • im SpĂ€tstadium: GelenkentzĂŒndung (Lyme-Arthritis)

Eine GesichtsnervenlĂ€hmung und/oder eine HirnhautentzĂŒndung sind bei Kindern die hĂ€ufigsten Anzeichen fĂŒr eine Neuroborreliose, also dafĂŒr, dass die Erreger das Nervensystem angreifen. Dies geschieht oft erst einige Wochen nach dem Zeckenstich.

Die GesichtsnervenlĂ€hmung kann sich etwa dadurch Ă€ußern, dass ein Mundwinkel herabhĂ€ngt oder das Kind ein Auge nicht schließen kann. Eine HirnhautentzĂŒndung kann verschiedenste Beschwerden verursachen. Typische Symptome sind Fieber, starke Kopfschmerzen, ein steifer Nacken und grippeartige Beschwerden.

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SpÀtfolgen & chronische Borreliose

Mögliche SpÀtfolgen der Borreliose sind

  • dauerhafte GelenkentzĂŒndung (Lyme-Arthritis)
  • dauerhafte HautentzĂŒndung (Acrodermatitis), manchmal begleitet von NervenschĂ€den
  • sehr selten: EntzĂŒndung von BlutgefĂ€ĂŸwĂ€nden im Gehirn und RĂŒckenmark, NervenentzĂŒndungen im Gehirn und RĂŒckenmark

Eine durch Borrelien ausgelöste GelenkentzĂŒndung beginnt meist erst Monate bis hin zu zwei Jahren nach dem Stich mit einer Schwellung in einem der großen Gelenke (oft einem Knie). Im weiteren Verlauf können sich dann auch andere Gelenke entzĂŒnden. FĂŒr gewöhnlich verlĂ€uft die Arthritis episodisch, das heißt, es gibt beschwerdearme oder -freie ZeitrĂ€ume zwischen den (meist mehrwöchigen) EntzĂŒndungen. Die "Pausen" können Tage bis Monate lang sein.

Als weitere mögliche SpĂ€tfolge der Borreliose kann sich die Haut chronisch entzĂŒnden. Diese sogenannte Acrodermatitis kommt insgesamt selten vor und trifft vorwiegend Ă€ltere Frauen. Die EntzĂŒndung ist an Rötungen und polsterartigen Schwellungen zu erkennen, die vor allem an den Streckseiten der Arme und Beine auftreten, sowie an den Fingern und Zehen. Die Haut wird dann immer dĂŒnner und rissig, die Venen zeichnen sich ab und die Haut erscheint zunehmend blĂ€ulich.

Bei einigen Betroffenen geht die HautentzĂŒndung auch mit Gelenkschmerzen und -entzĂŒndungen sowie mit NervenschĂ€den einher. Sind die Nerven geschĂ€digt, Ă€ußert sich das zum Beispiel durch TaubheitsgefĂŒhle, Kribbeln, Brennen und ein erhöhtes Schmerzempfinden.

Chronische ("verschleppte") Borreliose & Post-Lyme-Syndrom: Was steckt dahinter?

Wer rechtzeitig zur Ärztin oder zum Arzt geht, hat in der Regel keine langfristigen Beschwerden zu befĂŒrchten. Eine Borreliose lĂ€sst sich gut mit Antibiotika in den Griff bekommen.

Dennoch verspĂŒren einige Menschen nach einer erfolgreich und frĂŒhzeitig behandelten Borreliose noch fĂŒr lĂ€ngere Zeit Beschwerden, wie zum Beispiel Erschöpfung oder auch Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Betroffenen befĂŒrchten dann mitunter, dass die Behandlung doch nicht ausreichend geholfen hat und sie die Borreliose womöglich "verschleppt" haben.

Dieses PhĂ€nomen wird manchmal Post-Lyme-Syndrom oder chronische Borreliose genannt. Dabei handelt es sich aber nicht um anerkannte medizinische Diagnosen, sondern um Ă€ußerst umstrittene Begriffe. Es ist nĂ€mlich nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Beschwerden tatsĂ€chlich Folgen einer "verschleppten" oder chronisch verlaufenden Borreliose sind.

Studien haben gezeigt, dass derartige Symptome auch bei Menschen auftreten, die noch keine Borreliose durchgemacht haben – und zwar ebenso hĂ€ufig wie bei Menschen, die eine Borreliose hinter sich haben. Schließlich gibt es zahlreiche andere Erkrankungen, die zu Erschöpfung und Schmerzen fĂŒhren können – etwa Rheuma oder auch psychische Störungen wie Depressionen.

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Nichtsdestotrotz raten manche Ärztinnen und Ärzte bei vermeintlichen Post-Lyme-Beschwerden zu einer dauerhaften Antibiotika-Therapie. Wer eine solche Empfehlung erhĂ€lt, sollte jedoch unbedingt eine Ă€rztliche Zweitmeinung einholen. Denn eine langfristige Antibiotika-Therapie birgt Risiken und bringt in diesem Fall keinen Nutzen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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