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Symptome der Borreliose: So erkennen Sie erste Anzeichen

Symptome nach Zeckenstich  

So erkennen Sie erste Anzeichen einer Borreliose

Von Lydia Klöckner

20.06.2021, 13:48 Uhr
Symptome der Borreliose: So erkennen Sie erste Anzeichen. Ringförmige Rötung um den Zeckenstich: Die Wanderröte ist ein typisches  Anzeichen für eine Borreliose. (Quelle: Getty Images/Willowpix)

Ringförmige Rötung um den Zeckenstich: Die Wanderröte ist ein typisches Anzeichen für eine Borreliose. (Quelle: Willowpix/Getty Images)

Ein Zeckenstich kann eine gefährliche Erkrankung nach sich ziehen: die Borreliose. Die Infektion ist heilbar – allerdings nur, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Diese Anzeichen sind typisch.

Ein Zeckenbiss (korrekterweise: Zeckenstich) ist kein Grund zur Panik: Meist heilt der Stich ohne Folgen ab. In einigen Regionen gibt es aber Zecken, die Krankheitserreger in sich tragen und diese beim Stechen auf den Menschen übertragen können. Bei einigen Erregern handelt es sich um Borrelien, das sind Bakterien des Stammes Borrelia.

Von der Infektion bekommen die meisten Betroffenen nichts mit. Wenn Symptome auftreten, dann oftmals erst nach einigen Tagen bis Wochen nach dem Zeckenstich – also dann, wenn die oder der Betroffene den Stich oftmals schon längst vergessen hat. Daher ist es wichtig, nach einem Stich aufmerksam auf mögliche Infektionszeichen zu achten und diesen für einige Wochen im Blick zu behalten.

Borreliose: Erste Anzeichen & Wanderröte

Zwischen Stich und Symptombeginn vergehen mehrere Tage. In dieser Zeit vermehren sich die Erreger in der Haut und beginnen dann, sich kreisförmig in der Haut auszubreiten. Das ruft eine Entzündung hervor, also eine Abwehrreaktion des Körpers. Diese kann unbemerkt verlaufen oder sich durch die typischen Borreliose-Anzeichen äußern: 

  • der Wanderröte und/oder
  • einem grippeartigen Krankheitsgefühl.

Das Krankheitsgefühl geht häufig mit leichtem Fieber, allgemeiner Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen und Kopfweh einher – ähnlich wie bei einem grippalen Infekt.

Wanderröte nach Zeckenstich

Eine Wanderröte ist eine ringförmige Hautrötung um den Zeckenstich, die für gewöhnlich nicht juckt oder schmerzt. Sie ist das sichtbare Zeichen dafür, dass sich der Körper gegen die Bakterien wehrt, die sich vom Stich aus kreisförmig in der Haut ausbreiten.

Die Wanderröte tritt frühestens drei Tage (in der Regel ein bis zwei Wochen) nach dem Zeckenstich in Erscheinung,

  • ist mindestens fünf Zentimeter groß und
  • breitet sich nach außen hin aus, "wandert" also.

Anhand dieser drei charakteristischen Merkmale lässt sich die Wanderröte normalerweise gut von der kleinen Rötung unterscheiden, die bereits am ersten Tag am Stich sichtbar sein kann. Bei der Mehrheit der Betroffenen verblasst die Rötung an der Einstichstelle, während sich der äußere Ring ausbreitet.

Ist die Wanderröte leicht zu verwechseln?

Bei einigen Betroffenen sieht die Wanderröte etwas anders aus als beschrieben und ist somit nicht eindeutig als Borreliose-Anzeichen zu erkennen. Beispielsweise kann sie fleckig erscheinen oder am Rand erhaben sein. Manchmal tritt die Einstichstelle als mittiger Knoten in Erscheinung. Sie kann aber auch so stark verblassen, dass sie kaum noch sichtbar ist. Es besteht somit das Risiko, eine Wanderröte mit anderen Arten von Hautausschlag zu verwechseln – vor allem, wenn der Stich nicht bemerkt wurde.

Gut zu wissen
Ein weiteres mögliches, aber seltenes Hautsymptom der Borreliose ist eine rot-bläuliche, feste, knotenförmige Schwellung an Ohrläppchen, Brustwarze oder im Intimbereich. Diese kann bereits in den ersten Wochen auftreten. Im späteren Verlauf der Borreliose können sich dann mehrere solcher Hautknoten entwickeln. Ärztinnen und Ärzte sprechen von Lymphozytomen.

Borreliose (Lyme-Borreliose): Weitere Symptome

Wer bei den ersten Anzeichen für eine Borreliose rechtzeitig zum Arzt geht, hat keine weiteren Symptome zu befürchten. Unbehandelt kann die Erkrankung jedoch fortschreiten. Das Risiko besteht insbesondere, wenn die oder der Betroffene den Zeckenstich oder die Wanderröte nicht rechtzeitig bemerkt hat oder keine Wanderröte aufgetreten ist.

Die Bakterien können sich über die Blutbahn im Körper ausbreiten und – je nach befallenem Organ – verschiedene Beschwerden auslösen. Bis dahin vergehen mindestens drei Wochen, manchmal auch Monate.

Meist ist hauptsächlich ein Organ von der Borreliose betroffen, selten sind es mehrere. Welches, hängt vor allem von der Borrelien-Art ab, die hinter der Infektion steckt: Es gibt verschiedene Borreliose-Erreger, die jeweils eine "Vorliebe" für ein bestimmtes Organ haben, etwa für

  • Nervensystem,
  • Haut,
  • Gelenke oder
  • Herz.

Sind die Nerven betroffen, sprechen Fachleute auch von einer Neuroborreliose. Diese kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • Taubheitsgefühle
  • Lähmungen im Gesicht und/oder an den Armen und Beinen
  • insbesondere nachts auftretende, brennende Schmerzen, die dem Rückenmark entspringen und in andere Körperregionen ausstrahlen

Neben den Hirnnerven können sich auch die Hirnhäute entzünden. Eine Hirnhautentzündung geht typischerweise mit einem steifen Nacken, Kopfschmerzen, Fieber und grippeähnlichen Beschwerden einher.

Breiten sich die Erreger vorwiegend in der Haut aus, werden einige Wochen bis Monate nach der Infektion viele, unterschiedlich große Rötungen am gesamten Körper sichtbar. Die Flecken sind meist ringförmig oder oval und können über Tage bis Wochen bestehen bleiben oder immer wieder an denselben Stellen auftreten.

Ein weiteres mögliches Hautsymptom sind mehrere rot-bläuliche, knotenförmige Schwellungen an Ohrläppchen, Brustwarze sowie im Intimbereich. Ein einzelnes derartiges Knötchen kann auch schon kurz nach dem Stich auftreten.

Eine Borreliose kann auch die Gelenke betreffen. Dies kann in den ersten Wochen nach der Infektion zu Gelenkschmerzen führen, die sich häufig (aber nicht immer) auf ein großes Gelenk beschränken, meist ein Knie.

Später – erst Monate bis Jahre nach dem Stich – können das betroffene Gelenk oder die Gelenke zusätzlich anschwellen. Das ist ein Anzeichen für eine sogenannte Lyme-Arthritis, also eine durch Lyme-Borreliose verursachte Gelenkentzündung. Diese lässt oft nach einigen Wochen nach, kann aber immer wieder neu aufflammen. In den USA kommt die Lyme-Arthritis deutlich häufiger vor als in Europa, weil die auf Gelenke spezialisierte Borrelien-Art dort verbreiteter ist.

Nur selten entzündet sich bei einer Borreliose das Herz, genauer gesagt der Herzbeutel oder der Herzmuskel. Der Fachbegriff dafür lautet Lyme-Karditis. Mögliche Anzeichen dafür sind Fieber, Abgeschlagenheit, Herzrhythmusstörungen und Schmerzen in der Brust .

Borreliose (Lyme-Borreliose): Symptome beim Kind

Bei Kindern und Jugendlichen kann eine Borreliose grundsätzlich die gleichen Symptome hervorrufen wie bei Erwachsenen. Auch bei Kindern markiert die Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung um den Zeckenstich, meist den Beginn der Erkrankung. Schreitet diese fort, können sich mehrere solcher Flecken am gesamten Körper entwickeln, die sich – wie die erste Wanderröte – ausdehnen.

Anders als bei Erwachsenen treten die roten Flecken bei Kindern oft auch im Gesicht in Erscheinung, und zwar symmetrisch auf beiden Wangen – ähnlich wie der typische Hautausschlag bei Ringelröteln. Bei einigen Betroffenen geht der Hautausschlag mit Juckreiz und Schmerzen einher, bei manchen auch mit anderen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, vergrößerten Lymphknoten, Fieber, Übelkeit und Gelenkschmerzen.

Außerdem gibt es bestimmte Borreliose-Symptome, die bei Kindern und Jugendlichen öfter beobachtet werden als bei Erwachsenen. Dazu zählen vor allem:

  • blaurote, feste Hautknötchen (Lymphozytome) an den Ohrläppchen, im Gesicht, an den Brustwarzen, am Nacken, auf den Füßen, in den Achselhöhlen oder im Intimbereich
  • (meist einseitige) Gesichtsnervenlähmung
  • Hirnhautentzündung
  • im Spätstadium: Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis)

Eine Gesichtsnervenlähmung und/oder eine Hirnhautentzündung sind bei Kindern die häufigsten Anzeichen für eine Neuroborreliose, also dafür, dass die Erreger das Nervensystem angreifen. Dies geschieht oft erst einige Wochen nach dem Zeckenstich.

Die Gesichtsnervenlähmung kann sich etwa dadurch äußern, dass ein Mundwinkel herabhängt oder das Kind ein Auge nicht schließen kann. Eine Hirnhautentzündung kann verschiedenste Beschwerden verursachen. Typische Symptome sind Fieber, starke Kopfschmerzen, ein steifer Nacken und grippeartige Beschwerden.

Spätfolgen & chronische Borreliose

Mögliche Spätfolgen der Borreliose sind

  • dauerhafte Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis)
  • dauerhafte Hautentzündung (Acrodermatitis), manchmal begleitet von Nervenschäden
  • sehr selten: Entzündung von Blutgefäßwänden im Gehirn und Rückenmark, Nervenentzündungen im Gehirn und Rückenmark

Eine durch Borrelien ausgelöste Gelenkentzündung beginnt meist erst Monate bis hin zu zwei Jahren nach dem Stich mit einer Schwellung in einem der großen Gelenke (oft einem Knie). Im weiteren Verlauf können sich dann auch andere Gelenke entzünden. Für gewöhnlich verläuft die Arthritis episodisch, das heißt, es gibt beschwerdearme oder -freie Zeiträume zwischen den (meist mehrwöchigen) Entzündungen. Die "Pausen" können Tage bis Monate lang sein.

Als weitere mögliche Spätfolge der Borreliose kann sich die Haut chronisch entzünden. Diese sogenannte Acrodermatitis kommt insgesamt selten vor und trifft vorwiegend ältere Frauen. Die Entzündung ist an Rötungen und polsterartigen Schwellungen zu erkennen, die vor allem an den Streckseiten der Arme und Beine auftreten, sowie an den Fingern und Zehen. Die Haut wird dann immer dünner und rissig, die Venen zeichnen sich ab und die Haut erscheint zunehmend bläulich.

Bei einigen Betroffenen geht die Hautentzündung auch mit Gelenkschmerzen und -entzündungen sowie mit Nervenschäden einher. Sind die Nerven geschädigt, äußert sich das zum Beispiel durch Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen und ein erhöhtes Schmerzempfinden.

Chronische ("verschleppte") Borreliose & Post-Lyme-Syndrom: Was steckt dahinter?

Wer rechtzeitig zur Ärztin oder zum Arzt geht, hat in der Regel keine langfristigen Beschwerden zu befürchten. Eine Borreliose lässt sich gut mit Antibiotika in den Griff bekommen.

Dennoch verspüren einige Menschen nach einer erfolgreich und frühzeitig behandelten Borreliose noch für längere Zeit Beschwerden, wie zum Beispiel Erschöpfung oder auch Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Betroffenen befürchten dann mitunter, dass die Behandlung doch nicht ausreichend geholfen hat und sie die Borreliose womöglich "verschleppt" haben.

Dieses Phänomen wird manchmal Post-Lyme-Syndrom oder chronische Borreliose genannt. Dabei handelt es sich aber nicht um anerkannte medizinische Diagnosen, sondern um äußerst umstrittene Begriffe. Es ist nämlich nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Beschwerden tatsächlich Folgen einer "verschleppten" oder chronisch verlaufenden Borreliose sind.

Studien haben gezeigt, dass derartige Symptome auch bei Menschen auftreten, die noch keine Borreliose durchgemacht haben – und zwar ebenso häufig wie bei Menschen, die eine Borreliose hinter sich haben. Schließlich gibt es zahlreiche andere Erkrankungen, die zu Erschöpfung und Schmerzen führen können – etwa Rheuma oder auch psychische Störungen wie Depressionen.

Nichtsdestotrotz raten manche Ärztinnen und Ärzte bei vermeintlichen Post-Lyme-Beschwerden zu einer dauerhaften Antibiotika-Therapie. Wer eine solche Empfehlung erhält, sollte jedoch unbedingt eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Denn eine langfristige Antibiotika-Therapie birgt Risiken und bringt in diesem Fall keinen Nutzen.

Verwendete Quellen:
  • Empfehlungen zur Therapie der Lyme-Borreliose. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e. V.: www.dgrh.de (Abrufdatum: 12.5.2021)
  • Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Abrufdatum: 12.5.2021)
  • Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Abrufdatum: 12.5.2021)
  • Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 12.5.2021)
  • Hof, H. et al.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2019
  • Borreliose. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 10.4.2019)
  • Lyme-Borreliose erkennen und behandeln. Online-Informationen der Deutschen Apotheker Zeitung: www.deutsche-apotheker-zeitung.de (Stand: 19.6.2018)
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/071 (Stand: 12.4.2018)
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2018
  • Borreliose: Erste Anzeichen & Symptome. Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e. V.: www.internisten-im-netz.de (Stand: 18.8.2017)
  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Infektiologie: Kutane Lyme Borreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/044 (Stand: 31.3.2016)
  • Sonnleitner, A.E. et al.: Borreliose im Kindes- und Jugendalter. Monatsschrift Kinderheilkunde, Vol. 163, Iss. 5, pp 418-426 (Mai 2015)
  • Thuile, T. et al.: Kutane und systemische Borreliose. Aktuelle Dermatologie, Vol. 41, Iss. 6, pp 234-241 (April 2015)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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