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Hirntumor: Ursachen, Symptome und Behandlung

Selten, aber gefährlich  

Krebs im Kopf: So tückisch ist ein Hirntumor

Von Andrea Goesch

29.05.2020, 10:42 Uhr
Hirntumor: Ursachen, Symptome und Behandlung. Grafische 3-D-Illustration des Gehirns: Je früher ein Hirntumor entdeckt wird, desto höher sind seine Heilungschancen. (Quelle: Getty Images/peterschreiber.media)

Grafische 3-D-Illustration des Gehirns: Je früher ein Hirntumor entdeckt wird, desto höher sind seine Heilungschancen. (Quelle: peterschreiber.media/Getty Images)

Die Diagnose Hirntumor ist für die meisten Patienten ein Schock. Häufig wird die Erkrankung zufällig entdeckt. Denn Symptome wie Kopfschmerzen oder Schwindelanfälle sind Begleiterscheinung vieler Krankheiten und werden meist nicht sofort mit einem Tumor in Verbindung gebracht. Lesen Sie hier, welche Arten von Hirntumoren es gibt, wie man sie erkennt und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt.

Gehirntumore sind zum Glück eher selten. Sie stellen etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen dar. Hirntumore können jederzeit und unabhängig vom Alter entstehen, werden jedoch gehäuft bei Menschen zwischen 50 und 70 Jahren beobachtet. Insgesamt betrachtet sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Bei Kindern stehen Gehirntumore unter den bösartigen Tumor­erkrankungen an zweiter Stelle nach der Leukämie.

Wird ein Tumor festgestellt, kommt es darauf an, ob es sich um eine gutartige Geschwulst handelt oder ob Krebs dahintersteckt. Zwei Drittel aller Hirntumore sind gutartig, etwa ein Drittel ist bösartig.  

Klassifikation: So werden Hirntumore eingeordnet

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Einteilung von Hirntumoren in vier Grade entwickelt. Sie geben Auskunft über die Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors und somit indirekt auch über die Erfolgsaussichten der Therapie.

  • WHO Grad 1: gutartiger, langsam wachsender Tumor
  • WHO Grad 2: noch gutartig, Übergang zu bösartigem Tumor möglich
  • WHO Grad 3: bösartig, langsam wachsend
  • WHO Grad 4: sehr bösartig, schnell wachsend

Diese Arten von Hirntumoren gibt es

Zu den Besonderheiten der Gehirntumoren gehört ihre große Vielfalt. Es gibt über 130 Arten von primären Hirntumoren, die ihren Ursprung im Schädel oder im Rückenmark haben. Sie grenzen sich von Hirn-Metastasen ab, bei denen es sich um Tochtergeschwülste von Krebsarten handelt, die andere Organe befallen haben.

Die Einteilung der Hirntumore erfolgt nach dem Zelltyp, aus dem der Tumor hervorgegangen ist. Häufig entstehen Gehirntumore aus den Stützzellen des Gehirns, der sogenannten Glia. Daher werden solche Tumore als Gliome bezeichnet. Bekannte Formen sind das Glioblastom, das Astrozytom und das Oligodendrogliom. Die beiden letztgenannten kommen in WHO-Graden 1 bis 4 vor, das besonders bösartige Glioblastom dagegen wird generell dem WHO-Grad Grad 4 zugeordnet.

Neben den Hirntumoren aus der Familie der Gliome gibt es auch folgende Formen:  

  • Ependymom: Dieser Tumor entwickelt sich aus der Wand der Gehirnkammern und tritt in unterschiedlichen Graden auf.
  • Medulloblastom: Es gehört zu den häufigsten Tumorarten bei Kindern und tritt im Kleinhirn auf. Das Medulloblastom ist bösartig und wird dem WHO-Grad 4 zugeordnet. 
  • Meningeom: Diese Tumorart ist langsam wachsend, entwickelt sich aus Zellen der Hirnhäute und ist meist gutartig (WHO Grad 1, seltener 2 und 3).
  • Neurinom: Es entsteht aus den sogenannten Schwann-Zellen, die die Markscheiden der Hirn- und Rückenmarksnerven bilden. Dieser Tumor ist ebenfalls gutartig und entspricht meist dem WHO-Grad 1. 
  • Lymphome: Der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl unterschiedlicher Tumorarten, die in verschiedenen Körperregionen vorkommen können. Lymphome im Gehirn (ZNS-Lymphome) können dort neu entstehen oder Absiedelungen von Lymphomen aus anderen Körperregionen sein. Sie werden keinem WHO-Grad zugeordnet und betreffen oft Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Ursachen: Warum bildet sich ein Hirntumor?

Warum sich bei manchen Menschen ein primärer Tumor im Gehirn bildet und was die Auslöser hierfür sind, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt. Allerdings weiß man, dass es bei einigen Tumorformen erbliche Faktoren gibt, die bei der Entstehung eine Rolle spielen. Auch bestimmte Behandlungsmethoden wie die Strahlentherapie können das Risiko von bösartigen Hirntumoren erhöhen

Bislang gibt es keine Belege dafür, dass eine verstärkte Belastung des Gehirns mit elektromagnetischen Feldern im Bereich von Hochspannungsleitungen oder die übermäßige Nutzung von Mobiltelefonen eine Tumorbildung begünstige. Ebenso wenig gibt es Hinweise, dass Genussmittel wie Alkohol, Rauchen, Stress oder eine unausgewogene Ernährung Risikofaktoren für Hirntumore sind.

Symptome: Hinweise auf einen Gehirntumor

Es gibt eine Reihe von Anzeichen, die auf einen Hirntumor hindeuten. Am Anfang sind diese allerdings oft sehr unspezifisch. Wächst der Tumor weiter, verstärken sie sich jedoch und neue Beschwerden können hinzukommen. Welche das sind, hängt unter anderem von der Lage des Tumors ab. Diese lässt sich oft daran erkennen, an welchen Stellen des Körpers die Symptome auftreten: Treten die Beschwerden bevorzugt auf der linken Körperhälfte auf, sitzt der Tumor wahrscheinlich in der rechten Hirnhälfte. Dagegen weisen Symptome auf der rechten Seite meist auf einen Tumor in der linken Gehirnhälfte hin. 

Die Ursachen der Beschwerden können mehrere Gründe haben. Zum einen kann ein Tumor je nach Lage und Größe das umliegende Hirngewebe zerstören und somit Funktionsstörungen verschiedenster Art hervorrufen. Zum anderen kann durch die Geschwulst der Druck im Schädel ansteigen, was Übelkeit, Schmerzen im Kopf und Bewusstseinsstörungen hervorrufen kann.

Folgende Symptome treten häufig in Zusammenhang mit Gehirntumoren auf:

  • Kopfschmerzen: Sie treten häufig nachts und am frühen Morgen auf. Im Laufe der Zeit werden sie immer stärker und nehmen auch im Liegen zu. Herkömmliche Schmerzmittel schlagen in der Regel schlecht an. Auslöser für tumorbedingte Kopfschmerzen ist ein Druckanstieg im Schädel.
  • Übelkeit und Erbrechen: Betroffene klagen darüber oft in den Morgenstunden. 
  • Plötzliche Sehstörungen: Oft fallen ganze Areale im Sehbereich aus, die von Betroffenen dann als schwarzer Fleck wahrgenommen werden. Mediziner sprechen hier von Gesichtsfeldausfällen. Da das menschliche Gehirn jedoch die fehlenden Bildinformationen manchmal ergänzt, werden solche Störungen nicht immer erkannt.
  • Weitere neurologische Ausfälle: Neben Sehstörungen können auch Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle einzelner Gliedmaßen, Schwindel, Sprach- und Schluckstörungen auftreten.
  • Epileptische Anfälle und Bewusstseinsstörungen: Sie treten häufig bei Kindern auf und können sich in Körperzuckungen manifestieren. Bei diesen Krampfanfällen können die Betroffenen auch das Bewusstsein verlieren. 
  • Gedächtnisstörungen: Konzentrationsprobleme und Gedächtnisstörungen können zwar viele Ursachen haben, sind aber auch häufig Vorboten eines Gehirntumors. 
  • Persönlichkeitsveränderungen: Sie treten meist schleichend auf und werden von den Betroffenen nicht oder oft erst spät bemerkt. Typische Symptome dieser Art sind Reizbarkeit und erhöhte Ablenkbarkeit. Aber auch Apathie, Angst und Desorientierung sind möglich.

Darstellung des Gehirns in einer  Magnetresonanztomografie (MRT); Das bildgebende Verfahren wird bei der Diagnose von Hirntumoren eingesetzt. (Quelle: Getty Images/goglik83)Darstellung des Gehirns in einer Magnetresonanztomografie (MRT); Das bildgebende Verfahren wird bei der Diagnose von Hirntumoren eingesetzt. (Quelle: goglik83/Getty Images)

Diagnose: Wie erkennt man einen Tumor im Kopf?

Die Diagnose eines Hirntumors erfolgt in der Regel über einen Neurologen. Zunächst erfolgt eine gründliche Untersuchung, bei der unter anderem geprüft wird, ob die Hirnnerven richtig funktionieren. Hierzu leuchtet der Arzt dem Patienten in die Augen, um die Pupillenreflexe zu prüfen, beobachtet die Mimik des Gesichts und betrachtet mit einer Untersuchungsleuchte den Augenhintergrund. 

Bei einem verdächtigen Befund steht eine Reihe von diagnostischen Verfahren zur Verfügung. Zu diesen gehören bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanz-Spektroskopie (MRS) und Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Weitere Untersuchungen können folgen, beispielsweise eine Messung der Hirnströme mittels einer Elektroenzephalografie (EEG) und eine Nervenwasseruntersuchung, bei der durch einen Hirntumor veränderte Zellen nachgewiesen werden. Die Deutsche Krebsgesellschaft weist daraufhin, dass bei fast allen Erstdiagnosen eine Gewebeprobe (Biopsie) zur Abklärung notwendig ist. Auf dieser Basis erfolgt dann eine genaue Klassifizierung des Tumors.

Behandlung eines Hirntumors

Wie ein Tumor im Gehirn behandelt wird, hängt von seiner Art, seiner Lage und der Bösartigkeit ab. Nicht in allen Fällen ist eine sofortige Behandlung erforderlich. So kann zum Beispiel ein Meningeom bei Beschwerdefreiheit unter Umständen nur beobachtet werden.

Die Behandlung eines Hirntumors ruht auf drei Säulen:

  1. der Operation
  2. der Strahlentherapie oder Chemotherapie
  3. der medikamentösen Therapie

Bei gutartigen Tumoren kann durch eine Operation oft eine komplette Heilung erzielt werden. Auch bei bösartigen Tumoren wird der Tumor in der Regel zunächst durch eine Operation entfernt oder verkleinert. Häufig schließen sich dann Strahlen- oder Chemotherapie an. Diese Verfahren werden auch angewandt, wenn Tumore aufgrund ihrer Lage oder Größe nicht operabel sind. Bei der medikamentösen Therapie werden vor allem sogenannte Zytostatika eingesetzt. Für einige Tumorarten kommt auch eine Immuntherapie in Betracht.

Prognose und Verlauf: Wie sind die Heilungschancen?

Jeder Hirntumor hat eine unterschiedliche Prognose. Der Krankheitsverlauf und die Prognose hängen sehr von der Gewebestruktur des Tumors und seiner Wachstumsgeschwindigkeit ab. Da es zahlreiche Formen von Hirntumoren gibt, ist es unmöglich, eine allgemeine Prognose über den Verlauf der Erkrankung zu erstellen.

Es gibt Hirntumore, die sich durch Behandlungen heilen lassen. Wieder andere wachsen so langsam, dass sie keine Therapie brauchen. Das Glioblastom gehört jedoch leider nicht dazu. Es ist hoch aggressiv und gilt als unheilbar. Auch wenn man diesen sehr bösartigen Tumor meist herausoperiert, bestrahlt oder mit einer Chemotherapie behandelt, überlebt nur etwa ein Drittel der Erkrankten das erste Jahr nach der Diagnose.

Bildet sich nach der Behandlung erneut ein Hirntumor, sprechen Mediziner von einem Rezidiv. Dieses wirkt sich meist ungünstig auf die Prognose aus. Deshalb ist es wichtig, einen erneuten Tumor möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Nach Abschluss der Therapie ist daher eine intensive Nachsorge nötig.

Bei Kindern haben bösartige Tumorerkrankungen oft eine günstigere Prognose als Krebserkrankungen im Erwachsenenalter. Hier hat sich die Überlebensrate in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich verbessert.

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Krebsgesellschaft
  • Deutsche Hirntumorhilfe e.V.
  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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