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Abtasten der Prostata: Erstaunliche Ergebnisse aktueller Studie


Studie zur Krebsvorsorge
In diesen Fällen hat Abtasten der Prostata kaum einen Mehrwert


Aktualisiert am 02.04.2024Lesedauer: 3 Min.
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Untersuchung beim Urologen: Das Abtasten der Prostata ist eine wichtige Vorsorge. Die Angst, die viele Männer davor haben, ist unbegründet.Vergrößern des Bildes
Die diagnostische Aussagekraft der rektalen Tastuntersuchung ist relativ gering, besonders bei jüngeren Männern. (Quelle: Kateryna Kukota/getty-images-bilder)

Das rektale Abtasten der Prostata durch den Urologen empfinden viele Männer als unangenehm. Wie ungenau die Methode bei der Krebsfrüherkennung ist, zeigt eine aktuelle Studie.

Bei Männern ab 45 Jahren zahlt die gesetzliche Krankenkasse einmal im Jahr eine rektale Tastuntersuchung der Prostata. Vom Enddarm her tastet der Arzt die Prostata ab. Dass diese Untersuchung nicht besonders genau ist, wird schon seit längerer Zeit von Fachleuten kritisiert.

Wie eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), die an verschiedenen deutschen Kliniken durchgeführt wurde, zeigt: Besonders bei jüngeren Männern führt die rektale Tastuntersuchung zu falschen Verdachtsdiagnosen.

Studienteilnehmer waren 45 Jahre alt

Die Studie stützt sich auf Daten von 6.537 Männern, die sich einer rektalen Tastuntersuchung unterzogen und zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt waren. Dabei wurden 57 verdächtige Befunde ermittelt. Bei der Mehrzahl der betroffenen Männer konnten die verdächtigen Tastbefunde anschließend durch die Untersuchung einer Prostata-Gewebeprobe überprüft werden.

Dadurch hatte das Team um Studienleiter Peter Albers die Möglichkeit, die Rate an falschen positiven Ergebnissen der Tastuntersuchung zu errechnen. Albers leitet eine Forschungsabteilung am DKFZ und ist Direktor der Urologischen Universitätsklinik Düsseldorf.

Abtasten allein hat eine geringe diagnostische Aussagekraft

Nur bei drei Teilnehmern fand sich tatsächlich ein Karzinom. Die übrigen Befunde erwiesen sich als falsch positiv, was belastende und unnötige Biopsien nach sich zieht. Zum Vergleich: Bei einem PSA-Test liegt die Erkennungsrate von Prostatakrebs viermal höher.

Infobox: Was ist ein PSA-Test?

Der PSA-Test ist ein Bluttest, der das "prostataspezifische Antigen" misst. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das nur die Prostata bildet. Ein erhöhter Wert kann ein Hinweis auf eine Veränderung der Prostata sein. Manchmal steckt hinter einem erhöhten Wert auch eine Entzündung oder eine Vergrößerung der Vorsteherdrüse.

Ein PSA-Test wurde später bei fast allen Teilnehmern durchgeführt. Mit dessen Ergebnis wurde die Aussagekraft der Tastuntersuchung nochmals abgeglichen. Dabei zeigte sich: 86 Prozent der Teilnehmer, deren Prostatakarzinome beim PSA-Test aufgefallen waren, hatten zuvor einen unauffälligen Tastbefund gehabt, obwohl ihre Tumoren zum großen Teil in zugänglichen Regionen der Prostata lagen.

PSA-Test statt Abtasten? Das sagen die Forscher

"Die rektale Tastuntersuchung als Screening-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs kann gleich in zweierlei Richtungen Schaden anrichten", kommentiert Agne Krilaviciute vom DKFZ das Ergebnis der Studie. "Aufgrund der geringen Sensitivität könnten sich Teilnehmer bei einem negativen Testergebnis in falscher Sicherheit wiegen. Und durch die hohe Falsch-Positiv-Rate werden viele Männer unnötig in Angst versetzt." Außerdem würden unnötige Kosten für die diagnostische Abklärung des Krebsverdachts entstehen.

"Angesichts der geringen Akzeptanz der rektalen Tastuntersuchung würde ein Prostatakrebs-Screening auf der Basis eines PSA-Tests möglicherweise sogar die Teilnahmebereitschaft der Männer steigern", sagt Studienleiter Albers. Der PSA-Test habe sich in Studien als eindeutig überlegen erwiesen. Der Experte plädiert daher für eine bevölkerungsweite Einführung, die bei abklärungsbedürftigen Befunden die Möglichkeit einer Magnetresonanztomografie (MRT) beinhalte.

Hohe PSA-Werte: Wann sollte biopsiert werden?

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ab welchem PSA-Wert eine Gewebeentnahme empfohlen werden sollte. Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland haben sich darauf geeinigt, dass eine Biopsie sinnvoll ist, wenn der PSA-Wert über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt und eine zweite Messung diesen Wert bestätigt oder der PSA-Wert im Laufe mehrerer Messungen deutlich ansteigt.

Anders als das rektale Abtasten ist der Bluttest jedoch keine Kassenleistung. Er kostet etwa 20 Euro. Hinzu kommen Kosten für Beratung und Blutentnahme, sodass mit Gesamtkosten von etwa 50 Euro zu rechnen ist.

Allerdings ist der PSA-Test auch unter Experten nicht unumstritten. Als Momentaufnahme eignet er sich nicht, die Werte sollten vielmehr über einen längeren Zeitraum beobachtet und verglichen werden. Zwar gibt es Hinweise, dass der Test Todesfälle durch Prostatakrebs verhindert. Gleichzeitig besteht aber das höhere Risiko einer Überbehandlung. Wichtig für den Patienten ist daher, die Vor- und Nachteile des Tests mit dem behandelnden Arzt genau zu besprechen.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • Agne Krilaviciute, Nikolaus Becker et al.: "Digital Rectal Examination Is Not a Useful Screening Test for Prostate Cancer". In: European Urology Oncology, 6.10.2023
  • www.dkfz.de: "Prostatakrebs-Screening: Tastuntersuchung nicht geeignet". Pressemeldung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) vom 10.19.2023
  • www.aerzteblatt.de: "Rektale Tastuntersuchung ungeeignet für Prostatakrebsscreening bei 45-jährigen Männern". Online-Artikel im "Ärzteblatt", 10.10.2023
  • www.kbv.de: "Früherkennung von Prostatakrebs". Online-Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, abgerufen am 13.10.2023
  • www.prostata-hilfe-deutschland.de: "Erhöhter PSA-Wert - 6 Gründe, die nicht Prostatakrebs heißen". Online-Informationen der Prostatahilfe Deutscheland, Stand: 2.6.2023
  • www.gesundheitsinformation.de: "er PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs". Online-Informationen des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Stand: 10.8.2022
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