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Kokainsucht: So verläuft der Weg in die Abhängigkeit


Kokainsucht: So verläuft der Weg in die Abhängigkeit

Von Ann-Kathrin Landzettel

18.01.2023Lesedauer: 5 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Schwindel, Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen sind nur wenige Nebenwirkungen der gefährlichen Droge.
Schwindel, Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen sind nur einige der gefährlichen Nebenwirkungen von Kokain. (Quelle: AndreyPopov/Getty Images)
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Kokain birgt ein hohes Suchtrisiko: Neben Heroin wird der Droge das höchste Abhängigkeitspotenzial zugeschrieben.

Bereits wenige Einnahmen können in die Abhängigkeit führen. Die Schäden, die Abhängige ihrem Körper mit Kokain zuführen, sind erheblich. Wie der Weg in die Kokainsucht verläuft – und was die Droge mit dem Körper macht.

Was ist Kokain?

Neben Heroin ist Kokain die am häufigsten konsumierte Droge in Deutschland. Wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) mitteilt, wird hierzulande so viel Kokain konsumiert, dass es anhand seines Abbauprodukts Benzoylecgonin ohne Weiteres im Wasser unserer Flüsse nachweisbar ist. Kokain ist ein stark wirksames Psychostimulans mit hohem Abhängigkeitspotenzial. Es aktiviert die Freisetzung des "Glückshormons" Dopamin sowie anderer Botenstoffen im Gehirn, welche das zentrale Nervensystem stimulieren. Der Konsument erlebt unter anderem euphorische Zustände.

Kokain, in der Szene auch "Schnee" oder "Koks" genannt, wird mit Hilfe verschiedener chemischer Prozesse aus den Blättern des in Südamerika beheimateten Koka-Strauchs (Erythroxylon coca) gewonnen. Das weiße oder gelblich kristalline Pulver wird meist durch die Nase geschnupft. Crack und Freebase sind Sonderformen von Kokain. Sie werden in der Regel geraucht. Die feststofflichen Mischungen werden aus dem Salz des Kokains und Natron beziehungsweise Ammoniak hergestellt. Der DHS zufolge gehören Crack und Freebase zu den am schnellsten abhängig machenden Substanzen überhaupt.


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Wie wirkt Kokain?

Kokain überwindet die Blut-Hirn-Schranke und führt zu einer Ausschüttung großer Mengen Dopamin, Noradrenalin und Serotonin im Gehirn. Die Stimulierung des zentralen Nervensystems sorgt für die berauschende Wirkung der Droge. Die Konsumenten verspüren unter anderem starke Euphorie, Wohlgefühl, Leistungssteigerung, Energie, Kreativität und Wachheit. Das Selbstbewusstsein steigt. Viele fühlen sich stark und unbesiegbar. Ebenso nimmt das sexuelle Verlangen zu. Müdigkeit, Hunger und Durst hingegen treten in den Hintergrund.

"Das Ausmaß und die Dauer dieser aufputschenden Wirkung ist von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem von der Menge und Frequenz der gebrauchten Substanz, dem Konsumweg (nasal, inhalativ, intravenös), der 'Qualität' der Droge, dem körperlichen Allgemeinzustand sowie dem Körpergewicht", sagt Prof. Dr. med. Ulrich Wolfgang Preuß, Klinikdirektor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am RKH Klinikum Ludwigsburg und Vorstandsmitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).

Das Tief nach dem "High"

Auf das emotionale und körperliche "High", das zwischen 15 Minuten und einer Stunde anhält, abhängig davon, wie die Droge konsumiert wurde, folgt häufig ein emotionales Tief. Oft empfinden die Konsumenten eine innere Leere und Sinnlosigkeit, sind traurig und antriebslos. Sogar Suizidgedanken können auftreten. Diese sind vor allem bei intensivem Kokainkonsum zu beobachten. Der Wunsch, die Droge erneut zu konsumieren ist in der Tief-Phase besonders stark, da negative Empfindungen dominieren.

Dieses Auf und Ab ebnet den Weg in die Sucht: Der Konsument möchte das Hochgefühl und die Leistungsfähigkeit erneut erleben – und kommt zugleich immer schwerer mit den negativen Empfindungen nach dem Konsum zurecht. "Einen sicheren Konsum gibt es nicht. Kokain hat ein hohes Suchtpotenzial, auch beim Konsum geringer Mengen oder bei nur gelegentlichem Konsum", warnt Preuß. "Vor einer Kokain- oder Cracksucht ist kein Konsument geschützt. Bei welchem Konsum sich eine Abhängigkeit entwickelt, ist individuell verschieden. Eine einheitliche Grenze gibt es nicht."

Wie schädlich ist Kokain für den Körper?

Die Droge Kokain birgt nicht nur ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Für den Körper ist der Konsum von Kokain auf vielfältige Weise schädlich. Experten unterscheiden zwischen den Folgen einer akuten Einnahme im Sinne einer Intoxikation ("Kokainvergiftung") und den Folgen einer chronischen Einnahme. Zu einer Kokainvergiftung kann es bereits bei einer Aufnahmemenge von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht kommen.

Körperliche Symptome einer Intoxikation sind unter anderem Herzrasen, Bluthochdruck und starkes Schwitzen. Des Weiteren können Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Zittern und Muskelkrämpfe bis hin zu epileptischen Anfällen auftreten. In schweren Fällen kann es zu Herzstillstand, Versagen des Atemsystems sowie Nieren- und Leberversagen kommen.

Langzeitrisiken: Was macht Kokain mit dem Körper?

Bei chronischem Kokainkonsum sind Mangelernährung und körperliche Erschöpfung bis hin zum Zusammenbruch zu beobachten. Die durch die Droge verursachte Ausschüttung an Botenstoffen puscht den Körper zu Höchstleistungen, zugleich rücken Hunger, Durst und Schlafbedürfnis in den Hintergrund. Das raubt dem Körper und der Psyche Energie. Des Weiteren sind Konzentrationsstörungen sowie Schlafstörungen häufig.

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Psychische Folgen eines chronischen Kokainkonsums können Störungen des emotionalen Erlebens sein. Angst und Misstrauen, Niedergeschlagenheit, Unzufriedenheit, Freudlosigkeit sind häufig, ebenso schlechte Laune, Gereiztheit, Wut und Aggression. Zudem entwickeln Konsumenten oft eine zunehmende Empathielosigkeit.

Wahnvorstellungen gehören ebenfalls zu den möglichen Symptomen eines anhaltenden Kokainkonsums. Einige Konsumenten zeigen eine depressive Symptomatik bis hin zu Suizidgedanken. Ebenso wird ein gesteigertes Substanzverlangen beobachtet, Craving genannt. Der Konsument benötigt immer mehr von der Droge, um die gewünschte Wirkung zu verspüren (Toleranzentwicklung). "Wird Kokain zu Beginn genommen, um eine euphorische Wirkung zu erzielen, wird die Substanz im weiteren Verlauf oftmals konsumiert, um die unangenehmen Entzugssymptome zu lindern", weiß Preuß.

(Quelle: RKH Klinikum Ludwigsburg)

Prof. Dr. med. Ulrich Wolfgang Preuß ist Klinikdirektor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am RKH Klinikum Ludwigsburg und Vorstandsmitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Kokainsucht: Kriterien der Drogenabhängigkeit

Laut dem Klassifikationssystem für Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – ICD-10 – ist ein Mensch von einer Substanz abhängig, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Es besteht der starke und gelegentlich übermächtige Wunsch, das Suchtmittel zu konsumieren ("Craving“).
  • Der Konsument muss das Suchtmittel immer höher dosieren, um die erwünschte Wirkung zu erreichen (Toleranzentwicklung).
  • Der Konsument verliert die Kontrolle bezüglich der Konsummenge und der Konsumhäufigkeit.
  • Die Droge muss erneut konsumiert werden, um Entzugserscheinungen zu verhindern. Bleibt die Substanzzufuhr aus, entwickeln sich Entzugssymptome.
  • Das Verhalten wird immer stärker auf den Suchtmittelkonsum ausgerichtet. Alles andere erscheint unwichtig. Interessen und Pflichten werden vernachlässigt. Es findet ein zunehmender Rückzug aus dem Sozialleben statt.
  • Der Konsum des Suchtmittels wird fortgesetzt, obwohl sich der Konsument der schädlichen Folgen für seinen Körper, seine Psyche und sein Sozialleben bewusst ist. Er kann den Konsum nicht stoppen.

Wie findet man den Weg aus der Kokainsucht?

Während die Abhängigkeit bei Kokain fast ausschließlich psychisch ist, sind bei den Sonderformen von Kokain (Crack und Freebase) auch körperliche Entzugssymptome zu erwarten. Der psychische Teil der Abhängigkeit ist laut dem Suchtexperten besonders schwer zu therapieren. Betroffene finden in der Regel nicht allein den Weg aus der Abhängigkeit heraus.

Sie brauchen die Unterstützung einer ambulanten oder stationären Therapie und den starken Willen, die Sucht zu bekämpfen. Der erste Kontakt für Hilfesuchende ist eine Suchtberatungsstelle, eine suchtmedizinische Ambulanz oder der Hausarzt.

"Eine Sucht-Psychotherapie ist die tragende Säule der Suchttherapie. Mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie kann der Drogenabhängige lernen, dem Suchtverhalten entgegenzuwirken. Sucht-Ursachen werden erarbeitet und Lösungsstrategien entwickelt", erklärt Preuß. "Aufgrund der hohen psychischen Abhängigkeit ist das Rückfallrisiko trotz Therapie allerdings hoch." Eine medikamentöse Behandlung der Kokainabhängigkeit hingegen konnte bislang keine ausreichende Effektivität zeigen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Thieme-connect.com: "Körperliche und psychische Folgen des Kokain- und Crackkonsums". Christian Haasen et al. Thieme-Verlag 2002.
  • dhs.de: "Kokain/ Crack". Online-Information der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). (Stand: Aufgerufen am 11. Januar 2023)
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Von Lydia Klöckner
DeutschlandDrogen

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