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Geschwister: Kurzer Altersabstand - Pro und Contra


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Ein zweites Baby - Stress total oder doppeltes Glück?

t-online, Jenni Zwick

20.06.2011Lesedauer: 4 Min.
Zwei Geschwister kuscheln.
Ein geringer Altersunterschied bei Geschwistern ist vor allem am Anfang anstrengend für die ganze Familie. (Bild: Imago) (Quelle: imago-images-bilder)
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Ihr Baby fängt gerade an zu krabbeln und schon kündigt sich das zweite an? Leicht wird die Anfangszeit mit den zwei Kleinen nicht, denn ein sehr geringer Altersunterschied ist anstrengend für die ganze Familie. Im Idealfall sind beide Kinder aber auch fast gleichzeitig aus dem Gröbsten raus und Mama und Papa können früh wieder durchschnaufen und sich um Beruf und Karriere kümmern. Machen Sie hier den den Test: Sind Sie bereit für ein zweites Kind?

Mit Baby durch die zweite Schwangerschaft

Für die Mutter wird die zweite Schwangerschaft wahrscheinlich sehr anstrengend sein. Das erste Kind fordert noch extrem viel Aufmerksamkeit und denkt nicht daran, die Mutter einmal durchschlafen zu lassen, auch wenn der Bauch schon wieder rund ist und sie eigentlich Ruhe brauchen würde. Außerdem hat sich der Körper möglicherweise noch nicht in den "Normalzustand" zurückentwickelt. Eine Regel der Hebammen ist: Mindestens ein halbes Jahr, besser neun Monate verhüten. Erst nach dieser Zeit ist die Hormonumstellung abgeschlossen, die Schwangerschaft und Geburt mit sich bringen, und das Gewebe wird wieder fest. Deshalb ist es gerade für die zweite Schwangerschaft wichtig, dass sich die Mutter schont - trotz des Babys, das schon da ist. Das heißt: vernünftig essen, viel schlafen, schonend bewegen und nach guten Betreuungsmöglichkeiten suchen. Tipp: Hören Sie auf zu stillen, denn dabei verliert Ihr Körper zu viel Energie.

Die entthronten Prinzessinnen und Prinzen

Wird das Erstgeborene vom "Thron" gestoßen, kommt es in den meisten Familien zu Eifersüchteleien. Schließlich war er oder sie daran gewöhnt, die Nummer eins bei Mama und Papa zu sein. Wenn das erste Kind noch sehr jung ist, hat es keine Möglichkeiten, seinen Unmut kundzutun, außer mit beißen, hauen, quengeln oder weinen. Daher sollten gerade Eltern von Geschwistern mit sehr geringem Abstand diese Eifersüchteleien akzeptieren und dem älteren Kind viel Aufmerksamkeit schenken. Ihr Kind muss erst lernen zu teilen - sei es die Aufmerksamkeit der Erwachsenen oder das Spielzeug. Hat sich das Kind an das Baby und die neue Situation in der Familie gewöhnt und hat es vor allem keinen Grund eifersüchtig zu sein, werden auch die Eifersuchtsszenen wieder weniger. Vor allem ist zu bedenken: Kleinkinder kennen nur ihre eigene Lebenssituation, sie vergleichen sich nicht mit andern Familien. Fühlen sich die Kinder wohl, dann stimmt ihre Welt.

Geschwisterliebe entwickelt sich

Ist der Abstand zwischen Erst- und Zweitgeborenem sehr gering, erwarten Eltern meistens, dass die Kinder miteinander spielen und sich miteinander beschäftigen. In der ersten Zeit trifft das natürlich nicht zu. Das ältere Kind begreift noch nicht, was im Bauch der Mutter wächst und versteht nicht, was es heißt, plötzlich große Schwester oder großer Bruder zu sein. Eltern sollten deshalb nicht enttäuscht sein, wenn sich das ältere Geschwisterchen erstmal vom Familienzuwachs abwendet. In vielen Familien geht die Rechnung langfristig trotzdem auf, da Geschwister mit geringem Abstand wirklich anfangen, im Alter von zwei bis drei miteinander zu spielen. Da sie in einem ähnlichen Alter sind, haben sie oftmals auch ähnliche Interessen, was wiederum die Freizeitgestaltung am Wochenende oder im Urlaub leichter macht. Wichtig zu wissen: Gerade in dieser Konstellation streiten Geschwister ausgiebig, obwohl sie oft eine sehr innige Beziehung haben. Das wird verstärkt, wenn sie das gleiche Geschlecht haben. Kinder üben damit auch soziales Verhalten ein.

Intensive, aber kurze Zeit

Je näher Ihre Kinder altersmäßig sind, umso härter werden die ersten Monate und Jahre. Teilweise kann es sich anfühlen, als ob Sie Zwillinge bekommen hätten, schließlich müssen Sie beide noch wickeln, anziehen und die Treppe hoch tragen. Ausgehen, reisen oder einmal so richtig durchschlafen könnte schwierig werden. Doch das nehmen viele Eltern in kauf. Sie spekulieren darauf, dass sie nach einer kurzen, heftigen "Windel- und Lätzchenzeit" relativ schnell Wickeltasche und Babybrei hinter sich lassen können. Schließlich fängt nicht beim zweiten Kind nach ein paar Jahren alles von vorne an, sondern die Geschwister werden relativ gleichzeitig selbstständiger. Ein weiterer Vorteil ist, dass es vielleicht einfacher wird, eine Betreuung für zwei oder drei Kinder gleichzeitig zu organisieren, statt über Jahre verschiedene Betreuungsangebote miteinander zu koordinieren. Im besten Fall können beide Kinder in die gleiche Einrichtung gehen, was den Zeitaufwand von Hinbringen und Abholen minimiert.

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Auch medizinische Aspekte bedenken

Eine Studie, die 2003 im "British Medical Journal" veröffentlicht worden ist, kommt zu folgendem Schluss: Frauen, die innerhalb von sechs Monaten nach der letzten Geburt erneut schwanger wurden, hatten ein höheres Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Geburt, Frühgeburten, sowie der Tod des Babys kurz vor oder nach der Geburt. Amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass Babys, die weniger als 18 Monate nach der Geburt des vorausgehenden Kindes empfangen wurden, ein 40 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt oder Untergewicht hatten. Hatten Sie also in der erste Schwangerschaft schon Komplikationen, wäre es ratsam, mit Ihrem Frauenarzt über die Entscheidung zu sprechen.

Segen oder purer Stress?

Viele Eltern haben gar keine Wahlmöglichkeit, obwohl sie sich schon die Familienplanung so einfach vorgestellt haben. Sie haben Probleme mit der Fruchtbarkeit, dem Gesundheitszustand oder einer unerwarteten Schwangerschaft. Falls Sie sich allerdings entscheiden können, ob und wann Sie ein zweites oder drittes Kind bekommen möchten, warten Sie so lange, bis Sie das Gefühl haben, ein zweites Kind in Ihrem Alltag integrieren und alle Aufgaben, die damit zusammenhängen, meistern zu können. Die Anforderung an das Elternsein steigt mit jedem Kind und wird für viele zum puren Kraftakt, statt zum Segen.

Entscheidungshilfen für Eltern im Vorfeld:

  • Haben Sie in der Schwangerschaft und in der Anfangszeit mit dem Baby Hilfe?
  • Gab es in der ersten Schwangerschaft schon Komplikationen? Oder in früherer Zeit eine Fehlgeburt?
  • Bleibt vom Alter der Eltern her genug Zeit, um zu warten?
  • Steht genug Geld zur Verfügung, um Dinge wie Klassenfahrten, Fahrräder etc. fast gleichzeitig anschaffen zu können?
  • Möchten beide Partner direkt ein weiteres Kind oder fühlt sich einer von beiden überfordert?
  • Besteht die Möglichkeit, auch nach einer langen Elternzeit im Beruf gut Fuß zu fassen?
  • Welche Erfahrungen haben die Eltern im eigenen Elternhaus gemacht? In wie weit beeinflusst dies die Entscheidung?

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