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Putin trifft Erdogan - Darum geht es wirklich

Geld, Touristen, Krieg  

Putin trifft Erdogan - darum geht es wirklich

10.03.2017, 10:12 Uhr | dpa

Putin trifft Erdogan - Darum geht es wirklich. Erdogan bei seinem letzten Besuch im Oktober in St. Petersburg. (Quelle: dpa)

Erdogan bei seinem letzten Besuch im Oktober in St. Petersburg. (Quelle: dpa)

Längst scheint die Eiszeit zwischen Russland und der Türkei vergessen, die 2015 wegen eines abgeschossenen Kampfjets ausgebrochen war. Nun reist der türkische Präsident Erdogan zum zweiten Mal seit August zu Putin.

Worum geht es bei dem Treffen?

Es geht um Wirtschaft und Krieg: Sowohl der Kreml als auch die türkische Führung geben an, dass Putin und Erdogan über zentrale Wirtschaftsprojekte beraten wollen. Russland baut die Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer. Damit will man Gas über die Türkei nach Südeuropa verkaufen. Russland baut zudem das Atomkraftwerk Akkuyu in der Südtürkei. Die Lage im Syrien-Konflikt und die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus dürften ebenfalls wichtige Themen sein.

Hofft Erdogan auf Hilfe von Putin im Streit mit Deutschland?

Erdogan hat schon einmal damit gedroht, sich in Richtung Russland und China zu orientieren, statt hin zur Nato. Angesichts der schlechten Beziehungen zu Deutschland könnte er auch diesmal bekräftigen, dass es aus seiner Sicht eine Alternative zu einer EU-Mitgliedschaft gibt.

Der russische Politologe Alexej Obraszow sagt: "Der türkische Präsident ist vom Westen enttäuscht und sucht einen zuverlässigen Verbündeten. In Moskau sieht er so einen Partner."

Wie steht Russland zur Türkei?

Das russische Staatsfernsehen widmete Erdogan ein langes Porträt. Darin geht der Sender Rossija-24 ausführlich auf jüngste Spannungen zwischen Moskau und Ankara ein. Das türkische Militär hatte 2015 einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen und damit eine politische Eiszeit ausgelöst.

Der Sender betont ausdrücklich, dass Erdogan persönlich nachgegeben und sich für den Vorfall entschuldigt hat. Experten sind überzeugt, dass sich letztlich auf beiden Seiten die pragmatische Überzeugung durchgesetzt hat, dass Moskau und Ankara zusammen wirtschaftlich und im Syrien-Konflikt mehr erreichen können als alleine.

Wie eng arbeiten Russland und die Türkei in Syrien zusammen?

Die Kooperation ist enger geworden. Russische und türkische Kampfjets flogen zuletzt gemeinsam Luftangriffe in Syrien. Zudem haben Moskau und Ankara mehrere Treffen der syrischen Regierung mit Oppositionellen in Kasachstan vermittelt.

Mit dem Iran gelten Russland und die Türkei als Garantiemächte für eine im Dezember vereinbarte Waffenruhe. Erst am Dienstag hatten zudem die Generalstabschefs der Türkei, Russlands und der USA im Badeort Antalya zu Syrien beraten. Der Moskauer Experte Alexander Schumilin vermutet, dass es dabei eher um Absprachen zu "Verantwortungszonen" ging als um konkrete gemeinsame Aktionen.

Ziehen Moskau und Ankara wirklich an einem Strang?

Nicht hundertprozentig. Russland will den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an der Macht halten, die Türkei stützt dessen Gegner und fordert Assads Rücktritt. Zudem geht die Türkei gegen kurdische Milizen in Syrien vor, während Russland den Kurden den Rücken stärkt.

Ein Reibungspunkt dürfte die Rolle des Irans in Syrien sein. Iranische Truppen helfen Assads Armee. Russische Experten schätzen, dass die Türkei eine regionale Vormachtstellung des Irans verhindern will.

Sind die russischen Touristen an die türkische Riviera zurückgekehrt?

Zwar zeigen jüngste Statistiken, dass im Januar wieder 40.000 Russen die Türkei besucht haben. Doch es sind noch immer deutlich weniger als in den Vergleichsmonaten vor dem Krisenjahr 2016. Der Einbruch im Tourismus lag aber nicht nur an der politischen Krise von November 2015 bis Juni 2016. Urlauber meiden das Land auch wegen wiederholter Terroranschläge und des Putschversuchs vom Juli 2016.

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