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Fahrgastrechte: Welche Rechte haben Bahnreisende bei einem Streik?

Verspätungen und Zugausfälle  

Streik bei der Bahn: Welche Rechte haben Bahnreisende?

01.09.2021, 17:31 Uhr
Fahrgastrechte: Welche Rechte haben Bahnreisende bei einem Streik?. Zugausfälle: Fahrgäste haben bei einem Zugausfall die Möglichkeit, Geld zurückzufordern. (Quelle: imago images/Rupert Oberhäuser)

Zugausfälle: Fahrgäste haben bei einem Zugausfall die Möglichkeit, Geld zurückzufordern. (Quelle: Rupert Oberhäuser/imago images)

Der Streik bei der Bahn geht in die nächste Runde. Erneut drohen in ganz Deutschland Zugausfälle und Verspätungen. Wenn Ihre Bahnreise wegen der Streiks gestrichen wird, können Sie Geld zurückverlangen.

Der Zug ist schon wieder verspätet oder er fällt ganz aus? Das ist ärgerlich, in bestimmten Fällen haben Sie aber immerhin ein Anrecht auf eine Entschädigung. Wann erhalten Sie die Kosten für die Fahrkarte erstattet? Wer haftet für den Schaden, wenn Sie beispielsweise Ihren Anschlussflieger verpassen? Wir sagen Ihnen, welche Rechte Sie als Zugreisende haben.

Bahn verspätet sich: Wann steht Reisenden eine Entschädigung zu?

Jeder, der regelmäßig mit dem Zug fährt, hat es vermutlich schon erlebt, dass sich dieser verspätet. Oft sind es nur wenige Minuten, manchmal aber auch Stunden. Eine Entschädigung erhalten Sie vom jeweiligen Eisenbahnunternehmen erst dann, wenn Ihr Zug mit mindestens 60 Minuten Verspätung an Ihrem Zielbahnhof ankommt. Das legen die EU-Fahrgastrechte so fest. Die Höhe der Erstattung richtet sich demnach nach der Verspätungsdauer und dem Fahrpreis für die einzelne Fahrt.

  • Ab 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof: Die Entschädigung beträgt 25 Prozent des Fahrpreises.
  • Ab 120 Minuten Verspätung am Zielbahnhof: Die Entschädigung beträgt 50 Prozent des Fahrpreises.

Haben Sie die Bahnreise noch nicht oder nur teilweise angetreten, können Sie die Reise auch stornieren und sich diese vollständig beziehungsweise die Kosten für die noch nicht zurückgelegte Strecke erstatten lassen. Das geht, wenn davon ausgegangen wird, dass der Zug mit einer Verspätung von mehr als 60 Minuten am Zielbahnhof ankommen wird.

Brechen Sie Ihre Reise aufgrund der Verspätung ab und kehren zum Startbahnhof zurück, können Sie sich ebenfalls die Kosten für das komplette Ticket zurückzahlen lassen.

Was passiert, wenn die Bahn streikt?

Auch im Streikfall gelten die Fahrgastrechte. Reisende können also auch eine Entschädigung fordern, wenn sich Züge aus diesem Grund verspäten oder ganz ausfallen, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Auch hier gilt: Kommt Ihr gebuchter Zug mit einer Verspätung von 60 Minuten oder mehr am Zielbahnhof an, können Sie 25 Prozent des Fahrpreises zurückfordern. Ab 120 Minuten Verspätung am Zielbahnhof beträgt die Entschädigung 50 Prozent des Fahrpreises.

Von Donnerstag (2. September) bis Dienstagmorgen (9. September) will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Personenverkehr bestreiken. Zugreisende finden den während des Streiks geltenden Ersatzplan online und in der DB Navigator App. Sie können sich auch an die Streikhotline der Bahn unter der Telefonnummer 08000/99 66 33 oder an das DB-Personal am Bahnsteig wenden.

Zug verspätet sich: Dürfen Reisende einen anderen nehmen?

Ist eine Verspätung Ihres gebuchten Zuges von mindestens 20 Minuten abzusehen, können Sie die Fahrt auch in einem anderen Zug und auf einer anderen Strecke zu Ihrem Zielbahnhof fortsetzen. Zudem dürfen Sie bei der Deutschen Bahn (DB) einen Zug des Fernverkehrs nutzen, auch wenn Sie eigentlich nur eine Fahrkarte für den Nahverkehr der Bahn hatten.

Allerdings müssen Sie zunächst die zusätzlich erforderliche Fahrkarte beziehungsweise den Aufpreis bezahlen. Im Nachgang können Sie diese Kosten über das Fahrgastrechte-Formular oder Ihr Kundenkonto bei der Bahn zurückfordern. Sie dürfen nur auf Züge ausweichen, die nicht reservierungspflichtig sind.

Aber Vorsicht: Diese Regelungen gelten laut Deutsche Bahn nicht, wenn Sie eine "stark ermäßigte" Fahrkarte haben, also etwa ein Länder-Ticket oder Schönes-Wochenende-Ticket. Dann zahlt Ihnen die Bahn den Wechsel auf einen ICE oder IC/EC nicht. Gleiches ist der Fall, wenn Ihre ursprüngliche Route im Nahverkehr mehr als 50 Kilometer lang ist oder länger als eine Stunde dauert.

Wann dürfen Bahnreisende ein Taxi nehmen?

In bestimmten Fällen können sich Reisende, die mit der Bahn oder dem Flixtrain unterwegs sind, bei Zugverspätungen oder -ausfällen in der Nacht die Kosten für ein anderes Verkehrsmittel bis maximal 80 Euro erstatten lassen. Das kann zum Beispiel ein Bus oder ein Taxi sein. Voraussetzung hierfür ist, dass das Eisenbahnunternehmen kein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung stellt. Informieren Sie sich also zunächst beim Bahnpersonal über mögliche Alternativen. Gibt es diese nicht, dann ist eine Erstattung möglich

  • bei einer geplanten Ankunft am Zielbahnhof zwischen 0 und 5 Uhr nachts, wenn der Zug mindestens eine Stunde später ankommen würde oder
  • wenn der letzte planmäßige Zug des Tages ausfällt und Sie Ihren Zielbahnhof bis 24 Uhr nicht mehr anders erreichen können.

Bewahren Sie zusätzliche Fahrkarten oder Taxiquittungen gut auf, damit Sie sie später bei der Bahn zur Rückerstattung vorlegen können.

Zugausfall in der Nacht: Können Bahnreisende Hotelkosten erstatten lassen?

Alternativ erstattet die Bahn bei einer Verspätung von über 60 Minuten auch "angemessene Kosten" einer Übernachtung im Hotel, wenn eine Fortsetzung der Fahrt am selben Tag nicht möglich oder nicht zumutbar ist. Voraussetzung ist, dass das Eisenbahnunternehmen keine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellt beziehungsweise der Kunde mit dem Unternehmen nicht in Kontakt treten kann.

Bewahren Sie die Quittung des Hotels gut auf, damit Sie sie später bei dem Eisenbahnunternehmen einreichen können.

Können sich Bahnreisende den Umstieg auf das Auto erstatten lassen?

Wer aufgrund des Streiks lieber auf das Auto umsteigt, muss mit volleren Straßen als üblich rechnen. Die Kosten für Fahrten im privaten Pkw werden von der Bahn zudem nicht erstattet.

Haben Sie ein Recht auf einen Sitzplatz?

Bahnreisende haben einen Anspruch auf Beförderung, nicht aber auf einen Sitzplatz. Bei einer längeren Zugstrecke reservieren Reisende oft einen Platz. Wenn der gebuchte Waggon aber plötzlich ausfällt oder der Anschlusszug verpasst wird, ist auch der Sitzplatz weg. In solchen Fällen können Sie sich die bezahlte Gebühr für die Platzreservierung zurückholen.

Füllen Sie später ein Fahrgastrechte-Formular aus, um eine Entschädigung für die Kosten des Fahrpreises zu beantragen, zählt die Sitzplatzreservierung dazu. Geht es nur um eine Erstattung der Sitzplatzreservierung, nicht aber des Tickets, hilft das Reisezentrum weiter. Weitere Informationen zur Sitzplatzreservierung im Zug finden Sie hier.

Was, wenn Reisende wegen der Bahnverspätung einen Flug verpassen?

Wer durch den Ausfall oder die Verspätung der Bahn einen Flug verpasst, hat gegenüber der Bahngesellschaft keinen Anspruch auf Entschädigung über die geltenden Sätze hinaus.

Ist die Bahnreise Teil eines Pauschalurlaubs, können Sie aber unter Umständen Umbuchungskosten nach dem Verpassen eines Flugs vom Reiseveranstalter fordern. Weitere Informationen gibt es hier.

Die Bahn: Wie erhalten Reisende ihr Geld zurück?

Fahrgastrechte-Formular: Den Entschädigungsanspruch können Bahnreisende mit einem Formular oder online über ihr Kundenkonto bei der Bahn geltend machen. (Quelle: imago images/Steinach)Fahrgastrechte-Formular: Den Entschädigungsanspruch können Bahnreisende mit einem Formular oder online über ihr Kundenkonto bei der Bahn geltend machen. (Quelle: Steinach/imago images)

Den Entschädigungsanspruch können Bahnreisende mit dem Fahrgastrechte-Formular oder online über ihr Kundenkonto bei der Bahn beziehungsweise in der Bahn-App geltend machen. Das Formular erhalten sie im Reisezentrum oder an der DB-Information im Bahnhof, beim Schaffner, oder Sie laden es hier herunter. Wenn möglich, lassen Sie sich die Verspätung von einem Mitarbeiter der Bahn auf dem Formular bestätigen.

Dort tragen Sie alle geforderten Daten – etwa Start- und Zielbahnhof, Zugnummer und Uhrzeit der Ankunft – ein und schicken es per Post an die Bahn (DB Dialog GmbH, Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main). Alternativ können Sie es im Reisezentrum abgeben. Legen Sie in beiden Fällen die Originalfahrkarte oder bei Zeitfahrkarten eine Kopie dieser und gegebenenfalls weitere Belege (bei einer Übernachtung etc.) bei. Die Bearbeitung des Formulars benötigt laut Angaben der Bahn bis zu einem Monat.

Um das Geld online anzufordern, müssen Sie die entsprechende Fahrkarte über Ihr Kundenkonto gekauft haben beziehungsweise muss sie dort hinterlegt sein. Gehen Sie für die Entschädigung wie folgt vor:

  1. Loggen Sie sich in Ihr Konto ein und wählen Sie in der Buchungsübersicht die Reise aus, für die Sie eine Entschädigung beantragen wollen.
  2. Wählen Sie unter dem Reiter "Fahrgastrechte" den Punkt "Entschädigung beantragen" aus.
  3. Sie werden im Anschluss durchs Menü geführt, wo Sie einige Angaben machen müssen.​

Wenn Sie eine BahnCard 100 nutzen, können Sie die Entschädigung über den Menüpunkt "Alle BahnCard-Services" und den Bereich "Fahrgastrechte mit meiner BahnCard 100" beantragen.

Schlichtungsstelle

Werden Sie sich bezüglich Erstattungen mit einem Eisenbahnunternehmen nicht einig, so können Sie bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) einen Schlichtungsantrag stellen. Diese Schlichtung ist für Sie kostenlos.

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