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Waldbrände in Italien und Türkei: Sind Feuer im Urlaub der neue Normalzustand?

Zunehmende Trockenheit in Südeuropa  

Feueralarm in Deutschlands Lieblingsreiseländern

02.08.2021, 13:00 Uhr
Feueralarm in Deutschlands Lieblingsreiseländern

Hitzerekorde in Südeuropa: Die Türkei, Griechenland und Italien leiden besonders unter den extremen Temperaturen. In den Ländern besteht weiterhin hohe Waldbrandgefahr. Einheimische und Touristen müssen teilweise über das Meer flüchten.

Gefährliche Waldbrände: In der Türkei starben acht Menschen durch die Flammen, in Griechenland verloren zahlreiche Einwohner ihr Zuhause. (Quelle: Imago / Xinhua)


Der Hitzerekord in Europa wackelt: Griechenland und Italien leiden besonders unter den extremen Temperaturen, die Waldbrandgefahr bleibt in beiden Ländern hoch. Holt die Klimakrise uns auch in den Ferien ein?

Oft reicht ein einziger Funke, um einen Wald in ein Flammenmeer zu verwandeln. An vielen Orten im Mittelmeerraum müssen Einheimische und Touristen das gerade selbst miterleben.

Auf der beliebten griechischen Ferieninsel Rhodos ist ein Großbrand außer Kontrolle geraten und bedroht aktuell mehrere Dörfer. In Italien wüteten vergangene Woche zeitweise mehr als 240 Buschbrände gleichzeitig. Bei Bränden an der türkischen Mittelmeerküste kamen mehrere Menschen ums Leben. Auch in Teilen von Spanien und Südfrankreich brannte zuletzt der Wald. Grund dafür ist aber nicht allein die Klimakrise.

Der Faktor Mensch spielt eine große Rolle

"Brände sind kein sonderlich guter Klimaindikator", sagt der Meteorologe Peter Bissolli vom Deutschen Wetterdienst. Zwar steige durch höhere Temperaturen und zunehmende Trockenheit das Brandrisiko, das bedeute aber nicht, dass es auch tatsächlich zu mehr Waldbränden komme.

"Die einfache Kausalkette Klimawandel – Extremereignis – Folgeschäden stimmt nicht ohne Weiteres", so Bissolli. Heißt: Auch andere Faktoren können die Entstehung von Waldbränden begünstigen – der größte dürfte dabei der Mensch sein.

Laut der Umweltschutzorganisation WWF haben nur vier Prozent aller Waldbrände eine natürliche Ursache, wie etwa Blitzeinschläge oder Vulkanausbrüche. Hinter den anderen Feuern muss deshalb aber nicht zwingend Brandstiftung stecken.

Eine Zigarettenkippe kann reichen

Es reicht schon unvorsichtig zu sein. Der Funke von einem Lagerfeuer, weggeworfene Zigarettenkippen oder glimmende Streichhölzer können genügen, um ein riesiges Feuer auszulösen. Auch Glasflaschen oder -scherben können Sonnenstrahlen so bündeln, dass trockenes Gras oder Laub zu kokeln beginnt.

Weniger bekannt ist, dass sich trockene Pflanzenteile auch an heißen Katalysatoren oder Auspuffanlagen von Autos oder Motorrädern entzünden können. Einzelne Funken von Bahn- oder Stromleitungen können ebenfalls ganze Wälder in Brand setzen.

Mit den Temperaturen steigt die Brandgefahr

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein unachtsamer Moment zu einem verheerenden Feuer führt, steigt allerdings in der Klimakrise. "Die steigenden Temperaturen im Mittelmeerraum und die zunehmende Trockenheit im Sommer sind genau das, was wir im Klimawandel vermehrt erwarten", sagt der Leipziger Klimaforscher Johannes Quaas. Durch die zunehmende Dürre steige das Waldbrandrisiko enorm.

Entsprechend nüchtern ist Quaas' Prognose für die weitere Entwicklung der Lage: "Im gesamten Mittelmeerraum fiel schon früher vergleichsweise wenig Regen und diese Verteilung von regenarmen und -reichen Gebieten verstärkt sich im Klimawandel leider." Das befürchtet auch der Weltklimarat. Dessen Studien zeigen einen klaren Trend: Der Mittelmeerraum gilt als einer der zwei weltweiten Hotspots, an denen sich die Folgen des Klimawandels besonders stark bemerkbar machen könnten.

Zu den erwarteten Wetterextremen zählen Hitzewellen, Dürren und Starkregen. Falls sich die weltweite Durchschnittstemperatur um mehr als 1,5 Grad Celsius erhöht, soll demnach vor allem die Trockenheit der Böden enorm zunehmen. Wie groß diese Gefahr ist, zeigen die aktuellen Berechnungen des Climate Action Trackers: Denn schon bis 2100 könnte die Temperatur sogar um deutlich mehr als 2 Grad steigen. Für Länder wie Griechenland wäre das verheerend.

Betroffenen Ländern droht eine schwierige Zukunft

"Wir müssen damit rechnen, dass durch den Klimawandel sehr hohe Kosten auf Griechenland zukommen", sagt der griechische Klimabeauftragte Christof Zerefos auf Anfrage von t-online. Der Klimatologe geht davon aus, dass die Schäden und Anpassungskosten sich bis Ende des Jahrhunderts auf mehr als 700 Milliarden Euro belaufen könnten.

"Unseren Berechnungen zufolge wird es vor allem im Osten und Südosten von Griechenland in den kommenden Jahren immer trockener werden. Es ist also zu erwarten, dass Wald- und Buschbrände noch häufiger auftreten", so Zerefos. Ähnlich sehe es im gesamten östlichen Mittelmeerraum aus. Zu diesem Gebiet zählen unter anderem auch die Türkei, Ägypten und Tunesien. Doch sobald die Feuer gelöscht sind, droht die nächste Gefahr.

Eine Naturgefahr begünstigt die nächste

Denn Waldbrände verändern die Eigenschaften des Bodens. "Die oberste Schicht wird wasserabweisend", erklärt Matthias Kemter, Doktorand am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Zusammen mit Kollegen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben er und sein Team herausgefunden, dass Brände und Überschwemmungen deshalb zusammenhängen können.

"Nach einem Brand kann Regenwasser nicht mehr in den Boden eindringen. Statt teils einzusickern, läuft es dann in Richtung der Flüsse ab. Bei Starkregen kann das zu massiven Überschwemmungen führen." Und selbst da hört die Risikokette laut der Forscherinnen und Forscher noch nicht auf: Spült das Wasser Asche oder verkohlte Pflanzenreste mit in die Flüsse, sinkt die Wasserqualität. Das kann in einigen Fällen so extrem sein, dass das Wasser nicht mehr trinkbar ist und Fische in den Flüssen sogar sterben.

Für die Mittelmeerregion kommt damit ein weiteres Risiko hinzu. Ein Ende der Wetterextreme und gefährlichen Naturereignisse scheint erst einmal nicht in Sicht. Klimaforscher Quaas von der Uni Leipzig fasst es kurz: "Solange der Klimawandel nicht gestoppt wird, wird die Lage immer dramatischer."

Verwendete Quellen:

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