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Presse zum Brexit: "Gut gemacht, britisches Volk – endlich draußen"

Pressestimmen nach dem Brexit  

"Gut gemacht, britisches Volk – endlich draußen"

01.02.2020, 11:36 Uhr | AFP, dpa, sje

 (Quelle: Glomex)
Brexit: Jubel in London, Protest in Schottland und Nordirland

Großbritannien hat die EU verlassen. Während Hunderte Brexit-Anhänger in London jubelten, wurde in Schottland und Nordirland protestiert. (Quelle: Euronews)


Geteilte Reaktionen auf Brexit: Parallel zu Jubelszenen aus London, kam es in Schottland und Nordirland zu Protesten. (Quelle: Euronews)


In der Nacht ist Großbritannien als erstes Land überhaupt aus der EU ausgetreten. Darüber, wie dies zu bewerten ist, herrscht auch in der Presse am ersten Tag nach dem Brexit keine Einigkeit.

Die Spaltung der Briten angesichts des nun vollzogenen Brexit hat sich am Samstag auch in den Medienkommentaren widergespiegelt. Die rechtsgerichtete Boulevardzeitung "Daily Express" rief nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs in der Nacht zum Samstag "ein glorreiches neues Britannien" aus. Der "Daily Mirror" forderte: "Jetzt baut das Großbritannien auf, das uns versprochen wurde." Der Londoner "Standard" prophezeite den Briten hingegen einen "holprigen Weg" aus der EU.

Das Boulevardblatt "Sun", das vor dem Brexit-Referendum im Juni 2016 vehement für den Austritt geworben hatte, feierte den Vollzug mit den Behauptungen "Muscles without Brussels" (Muskeln ohne Brüssel) und "Make Leave, Not War", was einer Abwandlung des Friedens-Slogans "Make Love, Not War" (deutsch: Macht Liebe, nicht Krieg) mit dem englischen Begriff "Leave" (Verlassen) entspricht. 

Zwischen "gut gemacht" und betonter Neutralität

Der "Daily Telegraph" kommentierte: "Gut gemacht, britisches Volk – endlich draußen". Der Fernsehsender Sky News ließ hingegen Wehmut erkennen mit der Laufband-Botschaft "Farewell, au revoir, Auf Wiedersehen".
 

 
Der mit öffentlichen Geldern finanzierte Sender BBC, der wegen seiner Brexit-Berichterstattung sowohl von Befürwortern als auch Gegnern wiederholt kritisiert worden war, berichtete betont nüchtern. "Brexit: Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union", lautete einer der Titel.

"The Guardian": anhaltende "gemischte Gefühle" 

Der "Guardian" hingegen titelte melancholisch "Der Tag, an dem wir Goodbye sagten" und ergänzte "Vermissen euch bereits...". Die Zeitung verwies auf die anhaltende Spaltung der Briten im Brexit-Streit. "Die gemischten Gefühle am Brexit-Tag zeigen, dass Großbritannien sich noch nicht wohl in seiner Haut fühlt". 

Die Zeitung "i" ließ anklingen, dass auch nach dem Brexit noch einiges zu regeln ist. "What next?" (Was kommt als nächstes?), fragte sie auf ihrer Titelseite.

Der Londoner "Independent" meint, darauf eine Antwort zu haben: Großbritannien werde "versuchen, das Beste daraus zu machen". Aber: "Es wird immer wahr sein, dass Großbritannien außerhalb der EU schlechter dastehen wird als das innerhalb der EU der Fall wäre." 

Internationale Presse pessimistisch 

Die internationale Presse ist eher pessimistisch: Der niederländische "De Telegraaf" bezweifelt, dass es in der Zukunft wirklich zu freundschaftlicher Zusammenarbeit zwischen den Briten und der EU kommen wird. "Man stelle sich mal vor, dass die Briten einen fantastischen Deal bekommen, wodurch der Brexit zum Erfolgsmodell wird. Das könnte andere Länder schon mal auf Ideen bringen. Und das ist es natürlich nicht, was die EU will."

Und auch die spanische Zeitung "La Vanguardia" hält den Brexit für einen fatalen Fehler, der Europa noch lange beschäftigen wird: "Das Schlimme ist, dass die Fehler nicht am nächsten Tag bezahlt werden, sondern es ist oft die nächste Generation, die zur Kasse gebeten wird. Und das Ungerechte ist, dass die Verantwortlichen für die großen Schäden normalerweise ungeschoren davonkommen, manchmal sogar unter Applaus. Obwohl das Echo ihrer Katastrophen schon von weitem zu hören war."

Großbritannien hatte um Mitternacht (MEZ) den Brexit vollzogen. Es trat damit als erstes Mitgliedsland aus der EU aus. Dem Schritt waren das Referendum vor dreieinhalb Jahren und ein langes politisches Gezerre mit mehreren Verschiebungen des Brexit-Termins vorausgegangen. In einer Übergangsphase bis Jahresende sollen nun die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien ausgehandelt werden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa

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