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Vietnamesischer Geschäftsmann erhält erneut lebenslange Haft

Nach mutmaßlicher Entführung aus Berlin  

Vietnamesischer Geschäftsmann erhält erneut lebenslange Haft

05.02.2018, 12:42 Uhr | dpa

Vietnamesischer Geschäftsmann erhält erneut lebenslange Haft. Der mutmaßlich aus Berlin entführte Geschäftsmann steht vor dem Gericht in Vietnam: Nun hat die Justiz Trinh Xuan Thanh auch im zweiten Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt. (Archivfoto) (Quelle: AP/dpa/An Dang/Vietnam News Agency)

Der mutmaßlich aus Berlin entführte Geschäftsmann steht vor dem Gericht in Vietnam: Nun hat die Justiz Trinh Xuan Thanh auch im zweiten Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt. (Archivfoto) (Quelle: An Dang/Vietnam News Agency/AP/dpa)

Zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen hat die vietnamesische Justiz den mutmaßlich aus Berlin entführten Trin Xuan Thanh zu lebenslanger Haft verurteilt. Ausgestanden ist der Fall noch nicht.

Der mutmaßlich aus Deutschland entführte Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh ist in seiner Heimat Vietnam einem Todesurteil entgangen. Das Volksgericht der Hauptstadt Hanoi verurteilte den 52-Jährigen am Montag wegen schwerer Korruption allerdings zu lebenslanger Haft. Für den kommunistischen Ex-Funktionär bedeutet dies die zweite Lebenslangstrafe innerhalb von 14 Tagen.

Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und dem kommunistischen Einparteienstaat seit vergangenem Sommer massiv. Die mutmaßliche Verschleppung mitten aus Berlin im Juli 2017 hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Anfangs hatte die Bundesregierung Thanhs sofortige Freilassung gefordert – ohne jeden Erfolg. Vietnam behauptet, Thanh sei freiwillig in seine alte Heimat zurückgekehrt.

Ausgestanden ist die Affäre noch nicht. Die Verteidigung kündigte an, gegen die lebenslange Haftstrafe Berufung einzulegen. Thanh bestreitet alle Korruptionsvorwürfe. Er hofft darauf, möglichst bald nach Deutschland zurückzukehren, wo seine Frau und seine Kinder leben. 2016 hatte sich Thanh nach dem Bekanntwerden erster Vorwürfe in die Bundesrepublik abgesetzt. Er bemühte sich um eine Anerkennung als Asylbewerber.

Thanh soll mehr als eine halbe Million Schmiergeld kassiert haben

Das Volksgericht befand Thanh nach nur wenigen Prozesstagen für schuldig. Als Chef des Baukonzerns PetroVietnam Construction soll er bei einem Projekt in Hanoi 2009/10 Anteile weit unter Wert an einen privaten Entwickler verkauft haben – gegen mehr als eine halbe Million Euro Schmiergeld. Die Verteidigung sieht den Geschäftsmann hingegen als Opfer von Machtkämpfen innerhalb von Vietnams Kommunistischer Partei.

Wegen Korruption und Misswirtschaft hatte der 52-Jährige bereits im Januar lebenslänglich bekommen. Auf die mögliche Forderung nach Todesstrafe hatte die Staatsanwaltschaft in beiden Prozessen verzichtet. Vietnam gehört zu den wenigen Staaten, in denen Korruption mit einem Todesurteil bestraft werden kann. Das ist keine leere Drohung: Erst im Herbst verurteilte das Gericht einen anderen ehemaligen Top-Manager zur Hinrichtung durch die Giftspritze.

"Wenn ich sterbe, will ich in den Händen meiner Frau und meiner Kinder sein"

In seinem Schlusswort klagte Thanh über schwere Gesundheitsprobleme, unter anderem über große Schmerzen durch Rheuma. Er befände sich in Lebensgefahr. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Thanh Nien" sagte er: "Bitte erlaubt mir, dass ich nahe meiner Frau und meiner Kinder sein darf. Wenn ich sterbe, will ich in ihren Händen sein."

Die Verteidigung hofft darauf, dass der Geschäftsmann in einem Berufungsprozess ein milderes Urteil erhält. Auch hinter den Kulissen soll es Bemühungen geben, Thanhs Haftstrafe zu reduzieren. In Vietnam ist es möglich, trotz Verurteilung zu lebenslanger Haft nach einigen Jahren freizukommen. Zusammen mit Thanh verurteilte das Gericht sieben weitere Angeklagte. Sie erhielten Strafen zwischen sechs und 16 Jahren.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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