Sie sind hier: Home > Politik > Ausland >

Erdogan: Lira-Krise – Türkei könnte ernsthafte Schwierigkeiten bekommen

Notenbank in der Lira-Krise  

Erdogan: Türkei könnte ernsthafte Schwierigkeiten bekommen

10.07.2019, 18:16 Uhr | rtr, pdi, dpa

 (Quelle: imago images)
Türkei: Lira-Krise lässt Machtbasis von Präsident Erdogan bröckeln

Die Türkei befindet sich in einer Wirtschaftskrise, 14 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Das lässt die Machtbasis von Präsident Erdogan bröckeln. (Quelle: t-online.de)

Türkei: Die Lira-Krise lässt die Machtbasis von Präsident Erdogan bröckeln. (Quelle: t-online.de)


Die Türkei steckt in der Krise. Nach dem Rauswurf von Notenbankchef Murat Cetinkaya sackte die Lira weiter ab. Präsident Erdogan hat nun einen kompletten Umbau der türkischen Notenbank gefordert.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat abermals Sorgen um die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank geschürt. Bei einem Gewerkschaftstreffen in Ankara rechtfertigte er am Mittwoch die Entlassung von Zentralbankchef Murat Cetinkaya vom Samstag. Er bestätigte Berichte, nach denen Cetinkaya für seine Zinspolitik gefeuert wurde. "Wir haben es für notwendig erachtet, unseren Freund, der sich hier in der Geldpolitik nicht an Anweisungen gehalten hat, auszutauschen." Von nun an werde die Zentralbank das Wirtschaftsprogramm der Regierung "viel stärker unterstützen".

Mit dem Wechsel vom parlamentarischen zum präsidialen System vom Jahr 2018 habe der Präsident die Befugnis für Eingriffe in Wirtschaftsangelegenheiten bekommen, sagte Erdogan auch. "Wenn die Zentralbank sich in der Wirtschaftspolitik an die Rolle gehalten hätte, die wir von ihr erwarten, wäre so ein Wechsel nicht nötig gewesen." Aber es habe dort "Stagnation" gegeben.

Dafür fordert Erdogan einen kompletten Umbau der Institution. Die Türkei könnte in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, sollte dies nicht geschehen, sagte Erdogan der Zeitung "Habertürk" vom Mittwoch zufolge. Der Staatspräsident hatte am Wochenende den Notenbank-Gouverneur abberufen und durch den bisherigen Vize Murat Uysal ersetzt. Dieser gilt als Befürworter eine lockeren Geldpolitik. Analysten halten es für möglich, dass die Währungshüter nun unter neuer Führung auf ihrem Treffen am 25. Juli eine Zinssenkungsrunde einleiten.

Druck des türkischen Präsidenten

"Die Zentralbank ist das wichtigste Element in der Finanzsäule der Wirtschaft", sagte Erdogan. "Wenn wir sie nicht vollständig überarbeiten, wenn wir sie nicht auf ein solides Fundament stellen, dann könnte es geschehen, dass wir mit ernsthaften Problemen leben müssen." Erdogan hatte wiederholt Druck auf die Notenbank ausgeübt und sie immer wieder ohne Erfolg zu einer Lockerung ihrer Geldpolitik aufgefordert. Der Präsident verlangt niedrigere Zinsen, um die inzwischen in einer Rezession steckende Wirtschaft anzukurbeln. Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung der Türkei um 2,6 Prozent geschrumpft.

Cetinkaya habe nicht für Vertrauen an den Märkten gesorgt, begründete Erdogan dessen Absetzung. "Seine Kommunikation mit den Märkten war nicht gut." Für Cetinkayas Beschlüsse sei ein hoher Preis gezahlt worden. Das Ergebnis der Zinssitzungen sei zudem immer unsicher gewesen. Cetinkaya habe auch die Zahl der Zinstreffen auf acht in diesem Jahr gekürzt, nachdem sie zuvor immer monatlich gewesen seien. "Sie haben uns zu diesen Dingen nicht gefragt, sie haben das von sich aus gemacht", sagte Erdogan.

Lira im Sturzflug

An den Finanzmärkten war die wiederholte Kritik des türkischen Präsidenten an der Zentralbank als Angriff auf deren Unabhängigkeit aufgefasst worden. Dies hatte dazu beigetragen, dass die Landeswährung Lira stark unter Druck geriet. Im vergangenen Jahr hatte sie rund 30 Prozent an Wert eingebüßt. Seit Januar sackte ihr Kurs um weitere rund acht Prozent ab.


Zu dem Kurssturz trugen auch die Unsicherheiten wegen der diplomatischen Spannungen mit den USA bei, die sich weiter zu verschärfen drohen. In diesen Tagen werden die ersten russischen Raketenabwehr-Systeme des Typs S-400 in der Türkei erwartet, die Nato-Mitglied ist. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums hatte am Dienstag bekräftigt, die Türkei müsse mit realen und negativen Konsequenzen rechnen.

Sollten die USA Sanktionen verhängen, könnte die Landeswährung am Devisenmarkt noch weiter an Wert verlieren. Für türkische Firmen und Banken, die sich in ausländischen Währungen verschuldet haben, würde die bereits stark gestiegene Schuldenlast damit weiter zunehmen. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • Eigene Recherche

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Sie können alles tragen, wenn Sie Sie sind
MY TRUE ME - Mode ab Größe 44
Anzeige
Jetzt bei der Telekom: Surfen mit bis zu 50 MBit/s!
z. B. mit MagentaZuhause M
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal