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Bundesregierung hält US-Theorie zu Corona-Ursprung für falsch

Neuer Medienbericht  

Bundesregierung hält US-Theorie zu Corona-Ursprung für falsch

Von Rebekka Wiese

08.05.2020, 10:55 Uhr
Trump droht China

Der US-Präsident deutete an, dass er vertrauenswürdige Hinweise gesehen habe, dass das Coronavirus seinen Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor genommen haben könnte. (Quelle: Reuters)

Ursprung des Coronavirus: So drohte US-Präsident Trump zuletzt China. (Quelle: Reuters)


Wie ist das Coronavirus entstanden? Für die US-Regierung ist die Antwort klar: China sei schuld, behauptet Donald Trump. Die Bundesregierung hat sich offiziell nicht geäußert. Doch laut einem Bericht gibt es brisante neue Erkenntnisse.

Die Bundesregierung zweifelt an der Behauptung der USA, dass das Coronavirus in einem chinesischen Labor entstanden sei. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel". Demnach schließt die deutsche Regierung nicht aus, dass es sich bei dieser Behauptung sogar um ein bewusstes Ablenkungsmanöver handeln könnte.

Über den Ursprung des Coronavirus hat sich in den letzten Wochen ein internationaler Streit entwickelt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Virus durch die Übertragung über ein Wildtier entstanden ist. Die US-Regierung vertritt hingegen die These, dass das Virus aus einem chinesischen Labor in Wuhan stammt. Mehrmals hatten US-Präsident Donald Trump und sein Außenminister Mike Pompeo behauptet, sie hätten Beweise für diese These.

Dokument existiert möglicherweise nicht

Zuletzt gab es zudem Berichte über ein Papier des Geheimdienstnetzwerks "Five Eyes", das beweisen soll, dass chinesische Behörden versuchten, das Ausmaß des Coronavirus zu vertuschen. Dem Netzwerk gehören die Geheimdienste der USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland an. Allerdings ist strittig, ob oder in welcher Form das Dokument mit den Beweisen überhaupt existiert, wie eine Recherche des Norddeutschen Rundfunks aufdeckte.

Laut Informationen des "Spiegel" fragte der Bundesnachrichtendienst (BND) bei allen "Five Eyes"-Mitgliedern nach Belegen für die von den USA vertretene Labor-Theorie. Keiner der einzelnen Geheimdienste wollte dem BND Trumps umstrittene These bestätigen, so der "Spiegel".

Will Trump von seinen eigenen Fehlern ablenken?

Der BND geht dem "Spiegel"-Bericht zufolge davon aus, dass es sich bei der von den USA vertretenen Behauptung um ein gezieltes Manöver handelt, das über die Pannen in Trumps Krisenmanagement hinwegtäuschen soll. Trump versuche, "von seinen eigenen Fehlern abzulenken und die Wut der Amerikaner auf China zu lenken", zitiert der "Spiegel" aus einem vertraulichen Dossier des BND.

Noch am Donnerstag wiederholte Trump seine Beschuldigungen bei einer Veranstaltung im Weißen Haus und warf China Inkompetenz vor. "Es hätte direkt an der Quelle gestoppt werden können. Es wäre einfach gewesen", sagte der US-Präsident, "aber etwas ist passiert." Er fügte hinzu: "Wahrscheinlich war es Inkompetenz, jemand war dumm." Weiter beklagte Trump: "Sie haben nicht den Job gemacht, den sie hätten machen sollen." Das sei bedauerlich und habe die weltweite Ausbreitung des Virus zur Folge gehabt.

China soll Druck auf die WHO ausgeübt haben

Der "Spiegel" verweist aber auch darauf, dass der BND davon ausgeht, dass China versuchte, auf die Berichterstattung über das Coronavirus Einfluss zu nehmen. Die Volksrepublik soll die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu gedrängt haben, eine weltweite Warnung zu verzögern. Demnach bat Chinas Staatschef Xi Jinping den Chef der WHO Ende Januar bei einem Telefonat darum, Informationen über eine Übertragung von Mensch zu Mensch zurückzuhalten und von einer Warnung vor einer Pandemie abzusehen.

Laut dem Bericht des "Spiegel" schätzt der BND, dass durch die Informationspolitik Chinas weltweit vier bis sechs Wochen verloren gingen, um das Virus einzudämmen.

China weist die Anschuldigungen aus Washington vehement zurück. Diese belasten das Verhältnis zwischen China und den USA zusehends. Die Bundesregierung hat in dem Streit offiziell noch keine Stellung bezogen.

Allerdings hatte Außenminister Heiko Maas die USA dafür kritisiert, dass sie die Zahlung an die WHO eingestellt hatten. "Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen in der Coronakrise nicht", so Maas.

Verwendete Quellen:

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