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Was bedeutet die Omikron-Variante f├╝r China?

Von dpa
Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Menschen warten im Pekinger Stadtbezirk Xicheng im Rahmen eines Corona-Massentests vor Test-Kabinen.
Menschen warten im Pekinger Stadtbezirk Xicheng im Rahmen eines Corona-Massentests vor Test-Kabinen. (Quelle: -/kyodo/dpa./dpa)
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Peking/Berlin (dpa) - Chinas Strategie gegen Corona ist weltweit einzigartig. Das Land ist seit Pandemiebeginn weitgehend abgeschottet, Megast├Ądte werden schon bei einzelnen Infektionen komplett runtergefahren.

Das Ziel: dem Virus keinen Raum lassen und m├Âglichst jede Ansteckung verhindern. Bislang ging der Plan auf - doch Omikron k├Ânnte die Karten neu mischen.

Es gibt die Bef├╝rchtung, dass selbst die ├╝beraus rigiden Ma├čnahmen die Verbreitung der neuen, ansteckenderen Virus-Variante nicht stoppen k├Ânnen. Zudem wird diskutiert, ob die in China verabreichten Impfstoffe m├Âglicherweise weniger gut vor Omikron sch├╝tzen als beispielsweise die in Deutschland verwendeten mRNA-Impfstoffe. Hinzu kommt, dass Anfang Februar die Olympischen Winterspiele in Peking starten und tausende Menschen aus aller Welt ins Land kommen.

"Null-Covid-Strategie nicht zielf├╝hrend"

Timo Ulrichs, Experte f├╝r Globale Gesundheit an der Akkon Hochschule f├╝r Humanwissenschaften, geht davon aus, dass sich Omikron auch in China ausbreiten wird. "Eine Null-Covid-Strategie ist hier nicht (mehr) zielf├╝hrend." Ulrichs erwartet "ein ├ťberrollen ├Ąhnlich wie in anderen L├Ąndern mit steilen Anstiegen der Neuinfizierten-Zahlen". Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte schon kurz vor Weihnachten China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern als seine derzeit "gr├Â├čte Sorge" bezeichnet.

Noch und nun schon seit mehr als einem Jahr ist es um die Pandemielage in der Volksrepublik deutlich besser bestellt als in vielen anderen L├Ąndern. Das t├Ągliche Leben und die Wirtschaft haben sich normalisiert. Die Null-Corona-Politik der Regierung hat dazu gef├╝hrt, dass es fast keine Infektionen im Land gibt. Werden doch einzelne F├Ąlle gemeldet, kann das den Lockdown einer ganzen Metropole zur Folge haben, wie derzeit die 13 Millionen Einwohner der zentralchinesischen Stadt Xi'an zu sp├╝ren bekommen. Dort waren in den vergangenen zwei Wochen rund 1500 Infektionen aufgetreten. Schon nach den ersten F├Ąllen durften die Menschen praktisch nicht mehr vor die T├╝r. Das soll so bleiben, bis es keine neuen Infektionen mehr gibt.

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Mit Massentests, Ausgangssperren und strengen Quarant├Ąne-Regeln bei der Einreise konnte China die Delta-Variante in Schach halten. Die F├╝hrung gibt sich zuversichtlich, dass ihr dies auch mit der Omikron-Variante gelingen wird. China sei eine "uneinnehmbare Festung" f├╝r das Virus, wird in Staatsmedien kommentiert.

Unzureichende Vakzine

Doch Experten warnen vor den Folgen, sollten die Schutzma├čnahmen bei Omikron doch weniger bringen. Vor allem auf die Impfstoffe komme es dann an. "Wie China durch die Omikron-Welle kommt, h├Ąngt vor allem von der Wirksamkeit der dortigen Impfstoffe ab", sagt Sebastian Ulbert, Impfstoff-Experte am Fraunhofer-Institut f├╝r Zelltherapie und Immunologie. In China werden haupts├Ąchlich die Impfstoffe Coronavac (Sinovac) und BBIBP-CorV (Sinopharm) verwendet, die abget├Âtete Corona-Viren enthalten.

Zwar liegt die Quote der vollst├Ąndig Geimpften in China bei rund 85 Prozent und damit h├Âher als etwa in Deutschland. Bislang unver├Âffentlichte Studien hatten k├╝rzlich jedoch Hinweise geliefert, dass die beiden Vakzine eine unzureichende Antik├Ârperantwort gegen Omikron ausl├Âsen k├Ânnten. Doch das Bild ist nach Ansicht von Impfstoff-Forscher Ulbert bisher alles andere als klar: "Die momentan noch extrem d├╝nne Datenlage zur Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe gegen Omikron erm├Âglicht h├Âchstens Spekulationen."

Und zwar sowohl in die Richtung eines unzureichenden als auch in die Richtung eines gewissen Schutzes, zumindest vor schweren Verl├Ąufen. "Denn es gibt ja auch Hinweise auf die Bildung eines immunologischen Ged├Ąchtnisses durch den inaktivierten chinesischen Impfstoff." Noch sei es zu fr├╝h, um eine fundierte Einsch├Ątzung abzugeben, sagt Ulbert. "Das braucht noch etwas Zeit."

Auf die chinesischen Impfstoffe vertraut nicht nur China selbst. Die Pr├Ąparate sind vor allem wegen gro├čer Nachfrage von Entwicklungsl├Ąndern zu einem Exportschlager geworden. Nach Angaben des Pekinger Au├čenministeriums wurden bereits mehr als zwei Milliarden Dosen chinesischer Impfstoffe an ├╝ber 120 Staaten geliefert. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied: In wohl allen L├Ąndern der Welt d├╝rfte es einen weitaus h├Âheren Anteil an Covid-19-Genesenen geben als in China. Sie haben ebenfalls einen Immunschutz - was Infektionswellen und vor allem die Belastung von Kliniken immens vermindern kann.

Olympische Winterspiele besonderes Risiko

Gesundheitsforscher Ulrichs geht davon aus, dass die chinesische Bev├Âlkerung nur einen sehr begrenzten Schutz vor klinischen Verl├Ąufen und noch weniger vor Infektionen hat. Das bedeute, dass sich die Ausbreitung von Omikron schwerer unterbinden lasse als etwa in Europa. "Ein besonderes Risiko stellen die Olympischen Winterspiele dar."

Omikron hat die ohnehin gro├če Nervosit├Ąt der Gastgeber noch einmal erh├Âht. Athleten und G├Ąste, die zu den Spielen aus dem Ausland anreisen, m├╝ssen sich auf harte Bedingungen einstellen. Peking will die Spiele komplett in eine "Blase" verbannen, in der es keinerlei Kontakt zum Rest der Hauptstadt geben soll. Teilnehmer werden sich nur in "geschlossenen Kreisl├Ąufen" zwischen Unterk├╝nften und Wettkampfst├Ątten oder Medienzentren bewegen d├╝rfen. V├Âllig unklar ist, wie die Planer vorgehen w├╝rden, sollte es innerhalb der Blase zu einem gr├Â├čeren Ausbruch kommen.

Dass die Spiele frei von Corona bleiben, scheint ausgeschlossen. W├Ąhrend die Athleten in den kommenden Wochen f├╝r die Spiele am 4. Februar anreisen, d├╝rfte die Verbreitung von Omikron in aller Welt einen neuen H├Âhepunkt erreichen.

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