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Chinas Null-Covid-Strategie könnte zum Bumerang werden

Von dpa
Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Polizist auf dem OlympiagelÀnde von Peking: Durch die Omikron-Variante könnte die Corona-Politik des Landes ins Wanken geraten.
Polizist auf dem OlympiagelÀnde von Peking: Durch die Omikron-Variante könnte die Corona-Politik des Landes ins Wanken geraten. (Quelle: Thomas Peter/Reuters-bilder)
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In KĂŒrze beginnen in China die Olympischen Spiele. Doch

Chinas Strategie gegen Corona ist weltweit einzigartig. Das Land ist seit Pandemiebeginn weitgehend abgeschottet, MegastĂ€dte werden schon bei einzelnen Infektionen komplett runtergefahren. Das Ziel: dem Virus keinen Raum lassen und möglichst jede Ansteckung verhindern. Bislang ging der Plan auf – doch Omikron könnte die Karten neu mischen.


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Es gibt die BefĂŒrchtung, dass selbst die ĂŒberaus rigiden Maßnahmen die Verbreitung der neuen, ansteckenderen Virus-Variante nicht stoppen können. Zudem wird diskutiert, ob die in China verabreichten Impfstoffe möglicherweise weniger gut vor Omikron schĂŒtzen als beispielsweise die in Deutschland verwendeten mRNA-Impfstoffe. Hinzu kommt, dass Anfang Februar die Olympischen Winterspiele in Peking starten und Tausende Menschen aus aller Welt ins Land kommen.

Experte: Null-Covid hat ausgedient

Timo Ulrichs, Experte fĂŒr Globale Gesundheit an der Akkon Hochschule fĂŒr Humanwissenschaften, geht davon aus, dass sich Omikron auch in China ausbreiten wird. "Eine Null-Covid-Strategie ist hier nicht (mehr) zielfĂŒhrend." Ulrichs erwartet "ein Überrollen Ă€hnlich wie in anderen LĂ€ndern mit steilen Anstiegen der Neuinfizierten-Zahlen". Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte schon kurz vor Weihnachten China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern als seine derzeit "grĂ¶ĂŸte Sorge" bezeichnet.

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Noch und nun schon seit mehr als einem Jahr ist es um die Pandemielage in der Volksrepublik deutlich besser bestellt als in vielen anderen LĂ€ndern. Das tĂ€gliche Leben und die Wirtschaft haben sich normalisiert. Die Null-Corona-Politik der Regierung hat dazu gefĂŒhrt, dass es fast keine Infektionen im Land gibt. Werden doch einzelne FĂ€lle gemeldet, kann das den Lockdown einer ganzen Metropole zur Folge haben, wie derzeit die 13 Millionen Einwohner der zentralchinesischen Stadt Xi'an zu spĂŒren bekommen. Dort waren in den vergangenen zwei Wochen rund 1.500 Infektionen aufgetreten. Schon nach den ersten FĂ€llen durften die Menschen praktisch nicht mehr vor die TĂŒr. Das soll so bleiben, bis es keine neuen Infektionen mehr gibt.

Mit Massentests, Ausgangssperren und strengen QuarantĂ€ne-Regeln bei der Einreise konnte China die Delta-Variante in Schach halten. Die FĂŒhrung gibt sich zuversichtlich, dass ihr dies auch mit der Omikron-Variante gelingen wird. China sei eine "uneinnehmbare Festung" fĂŒr das Virus, wird in Staatsmedien kommentiert.

Wie wirken die chinesischen Impfstoffe?

Doch Experten warnen vor den Folgen, sollten die Schutzmaßnahmen bei Omikron doch weniger bringen. Vor allem auf die Impfstoffe komme es dann an. "Wie China durch die Omikron-Welle kommt, hĂ€ngt vor allem von der Wirksamkeit der dortigen Impfstoffe ab", sagt Sebastian Ulbert, Impfstoff-Experte am Fraunhofer-Institut fĂŒr Zelltherapie und Immunologie. In China werden hauptsĂ€chlich die Impfstoffe Coronavac (Sinovac) und BBIBP-CorV (Sinopharm) verwendet, die abgetötete Corona-Viren enthalten.

Medizinische Angestellte trĂ€gt Corona-Tests: Omikron könnte auch in China zu einem starken Anstieg von Infektionen fĂŒhren.
Medizinische Angestellte mit Corona-Tests: Omikron könnte auch in China zu einem starken Anstieg von Infektionen fĂŒhren. (Quelle: Xin Hua/dpa-bilder)

Zwar liegt die Quote der vollstĂ€ndig Geimpften in China bei rund 85 Prozent und damit höher als etwa in Deutschland. Bislang unveröffentlichte Studien hatten kĂŒrzlich jedoch Hinweise geliefert, dass die beiden Vakzine eine unzureichende Antikörperantwort gegen Omikron auslösen könnten. Doch das Bild ist nach Ansicht von Impfstoff-Forscher Ulbert bisher alles andere als klar: "Die momentan noch extrem dĂŒnne Datenlage zur Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe gegen Omikron ermöglicht höchstens Spekulationen."

Und zwar sowohl in die Richtung eines unzureichenden als auch in die Richtung eines gewissen Schutzes, zumindest vor schweren VerlĂ€ufen. "Denn es gibt ja auch Hinweise auf die Bildung eines immunologischen GedĂ€chtnisses durch den inaktivierten chinesischen Impfstoff." Noch sei es zu frĂŒh, um eine fundierte EinschĂ€tzung abzugeben, sagt Ulbert. "Das braucht noch etwas Zeit."

Risiko Olympische Spiele

Auf die chinesischen Impfstoffe vertraut nicht nur China selbst. Die PrĂ€parate sind vor allem wegen großer Nachfrage von EntwicklungslĂ€ndern zu einem Exportschlager geworden. Nach Angaben des Pekinger Außenministeriums wurden bereits mehr als zwei Milliarden Dosen chinesischer Impfstoffe an ĂŒber 120 Staaten geliefert. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied: In wohl allen LĂ€ndern der Welt dĂŒrfte es einen weitaus höheren Anteil an Covid-19-Genesenen geben als in China. Sie haben ebenfalls einen Immunschutz – was Infektionswellen und vor allem die Belastung von Kliniken immens vermindern kann.

Gesundheitsforscher Ulrichs geht davon aus, dass die chinesische Bevölkerung nur einen sehr begrenzten Schutz vor klinischen VerlÀufen und noch weniger vor Infektionen hat. Das bedeute, dass sich die Ausbreitung von Omikron schwerer unterbinden lasse als etwa in Europa. "Ein besonderes Risiko stellen die Olympischen Winterspiele dar."

HĂ€lt die Blase?

Omikron hat die ohnehin große NervositĂ€t der Gastgeber noch einmal erhöht. Athleten und GĂ€ste, die zu den Spielen aus dem Ausland anreisen, mĂŒssen sich auf harte Bedingungen einstellen. Peking will die Spiele komplett in eine "Blase" verbannen, in der es keinerlei Kontakt zum Rest der Hauptstadt geben soll. Teilnehmer werden sich nur in "geschlossenen KreislĂ€ufen" zwischen UnterkĂŒnften und WettkampfstĂ€tten oder Medienzentren bewegen dĂŒrfen. Völlig unklar ist, wie die Planer vorgehen wĂŒrden, sollte es innerhalb der Blase zu einem grĂ¶ĂŸeren Ausbruch kommen.

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Dass die Spiele frei von Corona bleiben, scheint ausgeschlossen. WĂ€hrend die Athleten in den kommenden Wochen fĂŒr die Spiele am 4. Februar anreisen, dĂŒrfte die Verbreitung von Omikron in aller Welt einen neuen Höhepunkt erreichen.

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