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Russland räumt "bedeutende Verluste" in der Ukraine ein

Von dpa
07.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Russische Soldaten in der selbsternannten "Volksrepublik" Luhansk: Noch immer darf in Russland nicht von einem Krieg gesprochen werden – der Angriffskrieg auf die Ukraine wird als "Spezialoperation" bezeichnet.
Russische Soldaten in der selbsternannten "Volksrepublik" Luhansk: Noch immer darf in Russland nicht von einem Krieg gesprochen werden – der Angriffskrieg auf die Ukraine wird als "Spezialoperation" bezeichnet. (Quelle: Viktor Antonyuk/SNA/imago-images-bilder)
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Erstmals im sechs Wochen währenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine räumt Moskau große eigene Verluste ein. Das sei eine "gewaltige Tragödie", sagt Putins Sprecher – und gibt die Schuld allein der Ukraine.

Sechs Wochen nach Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine beklagt Russland zahlreiche Tote in den eigenen Reihen. "Wir haben bedeutende Verluste, das ist eine gewaltige Tragödie für uns", sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Donnerstag dem britischen Sender Sky News. "Es ist eine sehr ernste Operation mit schwerwiegenden Folgen."

Zuletzt hatte Russland von 1.351 getöteten Soldaten gesprochen. Die Ukraine schätzt, dass knapp 19.000 russische Soldaten seit Kriegsbeginn am 24. Februar getötet wurden. Überprüfbar ist das nicht. Der Kreml spricht stets von einer "militärischen Spezialoperation", das Wort "Krieg" im Zusammenhang mit der Ukraine ist in Russland tabu.

Peskow nannte den Krieg eine "Tragödie". Die Schuld an zivilen Opfern in dem Land gab er aber ausschließlich den ukrainischen Kräften. "Unsere Militär tut sein Bestes, um diese Operation zu beenden", sagte der Kremlsprecher. Russland hoffe, dass "in den kommenden Tagen" oder der nahen Zukunft der Militäreinsatz die von Präsident Wladimir Putin gesetzten Ziele erreicht oder die Verhandlungen mit der Ukraine ein Ergebnis bringen. Ein Erfolg der Gespräche hänge stark davon ab, inwiefern Kiew auf Moskaus Forderungen eingehe, sagte Peskow.

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Peskow ruft zur "Befreiung" von Mariupol auf

In den Verhandlungen mit der Ukraine verlangt Moskau, Kiew müsse die Unabhängigkeit der beiden ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk sowie die russische Hoheit über die 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim akzeptieren. Außerdem verlangt Russland eine "Entmilitarisierung" sowie eine "Entnazifizierung" der Ukraine. Moskau behauptet, die Regierung in Kiew werde von "Nazis" gelenkt. Dafür gibt es keine Beweise. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat jüdische Wurzeln.

Peskow behauptete, die russischen Truppen seien aus den ukrainischen Gebieten Kiew und Tschernihiw zurückgezogen worden, um "guten Willen" während der Verhandlungen zu zeigen. Westliche Geheimdienste sowie Militärexperten hingegen werten den Abzug als russische Niederlage.

Mit Blick auf Mariupol sagte Peskow, die umkämpfte südostukrainische Hafenstadt sei Teil der von Moskau anerkannten "Volksrepubliken". "Mariupol wird von nationalistischen Bataillonen befreit werden, hoffentlich früher als später", sagte Peskow. Der Kremlsprecher nannte mutmaßlich von Russen begangene Kriegsverbrechen in Mariupol, etwa den Angriff auf eine Geburtsklinik, aber auch im Kiewer Vorort Butscha "Fake". Der Kreml dementiere, dass Russland irgendetwas mit den Gräueltaten zu tun habe, sagte Peskow. Berichte von Augenzeugen und Satellitenaufnahmen legen hingegen nahe, dass russische Truppen Hunderte Zivilisten in Butscha ermordet haben.

Peskow behauptete, ukrainische Nationalisten hätten grausame Verbrechen an der Bevölkerung verübt. Zivilisten würden als lebendige Schutzschilde missbraucht, behauptete er. Dafür gebe es Augenzeugen. Russland hat bisher keine Beweise für diese Behauptungen vorgelegt.

Sprecher bezeichnet Nato-Erweiterung nicht als "existenzielle Bedrohung"

Peskow warnte, im Falle einer Nato-Erweiterung um Finnland und Schweden müsse Russland die Situation "neu ausbalancieren" und seine westliche Flanke stärker schützen. Einen Einsatz von Atomwaffen schloss er aber indirekt aus. Peskow verneinte die Frage, ob eine Nato-Erweiterung eine "existenzielle Bedrohung" Russlands darstellen würde. Zuletzt hatte Russland immer wieder betont, es greife zum Atomwaffenarsenal nur bei einer "Bedrohung der Existenz".

Finnland und Schweden sind traditionell neutrale Staaten. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine steigt aber die Zustimmung zu einem Nato-Beitritt in den beiden Ländern.

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